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Differenzialdruckausgleich

Kein Produktions- und Verpackungsvorgang kommt ohne das Prinzip des Differenzialdruckausgleichs aus. Nachfolgend geht es um die Bedeutung dieses Prinzips, besonders in Bezug auf Verpackungen aus Wellpappe, die von der Wellstar-Packaging GmbH produziert werden. Der Fokus liegt auf physikalischen Grundlagen, typischen Einsatzszenarien, konstruktiven Maßnahmen sowie der praxisgerechten Auslegung für den Transport- und Lagerschutz. Ergänzend werden Berechnungsansätze, Prüfstandards und dokumentationsrelevante Aspekte beleuchtet, damit Wellpappenverpackungen zuverlässig gegen veränderliche Druckbedingungen ausgelegt werden können.

Definition: Was versteht man unter Differenzialdruckausgleich?

Im Kontext von Wellpappenverpackungen spricht man vom Differenzialdruckausgleich, wenn der Druck- oder Spannungszustand zwischen Innenraum und Umgebung gezielt angeglichen wird, um unkontrollierte Druckgefälle zu vermeiden. Dies ist kritisch, da ein ungleiches Druckverhältnis zu Verformungen (Beulen, Eindrücken), Dellen, Aufplatzungen an Klebelaschen oder sogar zu Beschädigungen von Inhalt und Verpackung führen kann. Ziel ist ein stabiler Zustand, bei dem die auftretenden Kräfte gleichmäßig verteilt werden und die strukturelle Integrität erhalten bleibt. In der Praxis bedeutet das: Über- und Unterdruck werden durch definierte Wege abgebaut, sodass Paneling, Nahtversagen oder Deckelaufwurf minimiert und die Gebrauchstauglichkeit der Verpackung erhalten werden.

Anwendungsbereiche in der Wellpappenindustrie

Ein besonderer Anwendungsbereich des Differenzialdruckausgleichs in der Wellpappenindustrie ist der Transportschutz. Bei Luftfracht, Passfahrten über Hochgebirge, klimatisierten Lagern, temperaturbedingten Schwankungen oder langem Seetransport können Druckunterschiede entstehen. Ohne geeignete Maßnahmen können sich Verpackungen verformen oder Nähte und Deckelzonen versagen. Durch konstruktive und prozesstechnische Lösungen zum Differenzialdruckausgleich wird das Risiko reduziert, sodass Innen- und Außendruck in unkritischen Bereichen bleiben. Dies gilt ebenso für Kühlketten, den Wechsel zwischen beheizten Produktionsbereichen und Außenklima sowie für Containertransporte mit stark schwankender Außenluftdichte und -feuchte, bei denen Druckänderungen und Kondensation kombiniert auftreten können.

Physikalische Grundlagen und Einflussgrößen

Die wesentlichen Einflussgrößen sind Umgebungsdruck, Temperatur, Feuchte und das eingeschlossene Volumen. Bei sinkendem Außendruck (z. B. Höhenprofil) dehnt sich eingeschlossene Luft aus; bei steigendem Außendruck wird sie komprimiert. Materialien aus Papierfasern reagieren zusätzlich auf Feuchteschwankungen (Hygroskopie), was die Steifigkeit und Stauchfestigkeit beeinflusst. Relevante Prüfgrößen in diesem Zusammenhang sind unter anderem Kantenstauchwiderstand (ECT) und Stapelstauchwiderstand (BCT), die anzeigen, wie robust eine Konstruktion gegenüber Drucklasten ist. Ergänzend beeinflussen Diffusion und Permeation durch Papierlagen und Klebungen den zeitabhängigen Druckausgleich: je nach Porosität, Flächengewicht und Klebstoffsystem ergibt sich eine charakteristische Leckrate, die den Verlauf von Druckänderungen im Zeitprofil bestimmt.

Methoden zur Sicherstellung des Differenzialdruckausgleichs

Es gibt unterschiedliche Methoden zur Sicherstellung des Differenzialdruckausgleichs. Eine davon ist die Verwendung von speziellen Ventilen, die einen kontrollierten Ausgleich von Druckdifferenzen zulassen. Dadurch kann Luft gezielt entweichen oder einströmen, ohne dass Schmutz oder Feuchtigkeit unkontrolliert eindringen. Eine andere Lösung sind klein dimensionierte Entlüftungsöffnungen bzw. Mikroöffnungen, die eine definierte Leckage ermöglichen und so langsame Druckänderungen abpuffern. In beiden Fällen lassen sich Schutzfunktionen durch hydrophobe oder partikelrückhaltende Filtermaterialien unterstützen, damit der Luftaustausch nicht zu erhöhtem Staubeintrag führt.

Der hermetische Verschluss ist nur dann geeignet, wenn keine relevanten Druckgefälle zu erwarten sind oder wenn das System den resultierenden Druck intern aufnehmen kann (z. B. flexible Innenbeutel, elastische Polsterung, ausreichender Kopfraum). Andernfalls erhöht ein vollständig dichter Abschluss das Risiko, weil sich Druckänderungen nicht ausgleichen können und größere Verformungen auftreten können. In Anwendungen mit häufiger Klimaänderung ist deshalb ein gezielter, definierter Luftpfad oft robuster als maximale Dichtheit, sofern Schutzziele wie Partikelschutz und Feuchtemanagement konstruktiv berücksichtigt werden.

Konstruktive und materialseitige Maßnahmen

  • Entlüftung/Porosität: Definierte Materialporosität oder sehr kleine Öffnungen vermindern Druckspitzen; hierzu siehe weiterführende Erläuterungen zur Perforation in Verpackungen. Wichtig sind die Platzierung in wenig belasteten Zonen, ein ausreichender Abstand zu Kantenrillungen sowie eine Dimensionierung, die den gewünschten Durchsatz bei typischen Temperatur- und Feuchtebereichen sicherstellt.
  • Ventilierte Deckel-/Bodenbereiche: Unsichtbar angeordnete Luftkanäle oder Schlitze in Überlappungen ermöglichen langsamen Ausgleich, ohne die Funktionalität zu beeinträchtigen. Die Kanäle sollten so gestaltet sein, dass sie unter Stapellast nicht kollabieren und gegen direkten Staubeintrag aus der Umgebung abgeschirmt sind.
  • Flexible Inlays: Innenbeutel oder Folieninliner mit geringer Steifigkeit können Volumenänderungen absorbieren. Entscheidend ist die Abstimmung zwischen Inlay-Elastizität, verfügbarem Kopfraum und der Festigkeit der Wellpappenkonstruktion, damit Druckspitzen nicht in kritische Zonen eingeleitet werden.
  • Polster und Kopfraum: Elastische Polster und definierter Kopfraum reduzieren Druck auf Kanten und Flächen und erlauben Puffereffekte. Eine gleichmäßige Druckverteilung mindert lokales Beulen und schützt Klebelaschen sowie Rilllinien vor punktueller Überlastung.
  • Auslegung der Wellpappe: Wellenprofil und Papierqualitäten so wählen, dass ausreichende Flächen- und Kantenstabilität bei den zu erwartenden Druckschwankungen vorliegt. Dabei sollten auch Feuchteempfindlichkeit, Klebstoffsysteme und Verarbeitungstoleranzen berücksichtigt werden, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Auslegungsschritte in der Praxis

  1. Höhen- und Klimaprofil ermitteln: Erwartete Druck-, Temperatur- und Feuchtebereiche über die gesamte Kette (Produktion, Lager, Transport, Zielort) definieren. Übergänge zwischen klimatisierten Zonen und Außenbedingungen sowie schnelle Höhenänderungen sind besonders zu beachten.
  2. Volumen und Steifigkeit bewerten: Innenvolumen, Kopfraum, Materialsteifigkeit und kritische Zonen (Klebung, Rillung, Öffnungen) identifizieren. Zusätzlich die wirksame Leckrate des Systems und den Einfluss von Packgutfüllgrad und Einbauten bewerten.
  3. Grenzdrücke festlegen: Tolerierbare Differenzdrücke und Verformungsgrenzen bestimmen; Sicherheitszuschläge berücksichtigen. Grenzwerte sollten auf ECT/BCT-Daten, Feuchtebedingungen und geplante Stapelkonfigurationen abgestimmt sein.
  4. Maßnahme wählen: Ventil, Mikroöffnung, flexible Inlays oder reine Konstruktionsoptimierung je nach Anforderung kombinieren. Die Wahl erfolgt mit Blick auf Schutzbedarf gegen Staub und Feuchte sowie auf die zulässige Ausgleichsgeschwindigkeit.
  5. Validierung: Prüfung in Höhen- und Klimakammern, ECT/BCT-Tests und gegebenenfalls Fall- sowie Stapeltests durchführen. Ergänzend können Langzeitprofile mit Datenloggern aufgezeichnet werden, um reale Druck- und Feuchtezyklen abzubilden.

Vor- und Nachteile von Differenzialdruckausgleich

Ein entscheidender Vorteil des Differenzialdruckausgleichs ist die Sicherheit der Verpackung. Eine ausreichende Stabilität der Verpackung kann so gewährleistet werden. Andererseits können Kosten entstehen, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Zusätzlich gilt: Entlüftungslösungen können Einflüsse von Staub oder Feuchte erhöhen, wenn sie nicht korrekt dimensioniert und geschützt sind. Daher ist eine saubere Auslegung mit Blick auf Schutzziele (z. B. Produktsauberkeit, Feuchteempfindlichkeit des Inhalts) notwendig. Weiterhin sind akustische Effekte (kurzzeitiges Entweichen von Luft) und potenzielle Geruchseinträge zu berücksichtigen; entsprechende Filter- oder Membranlösungen können diese Risiken begrenzen, müssen jedoch auf Durchlass, Alterung und Temperaturbeständigkeit geprüft werden.

Typische Anwendungsbeispiele

  • Luftfracht: Druck- und Temperaturwechsel während Start, Reiseflughöhe und Landung; risikoärmer durch gezielte Entlüftungskonzepte oder flexible Innenverpackungen. Für empfindliche Inhalte empfiehlt sich eine Kombination aus Ventilierung und polsternder Innenausstattung, um schlagartige Druckstufen abzufedern.
  • Gebirgstransporte: Rasche Höhenprofile auf der Straße erzeugen kurzfristige Druckdifferenzen; geeignete Kanten- und Flächenstabilität sowie definierte Leckagen verhindern Beulenbildung. Zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern enge Zeitfenster, in denen mehrere Pässe durchfahren werden.
  • Klimatisiertes Lager/unklimatisiertes Handling: Übergänge zwischen kalten Lagern und warmer Außenumgebung verursachen Kondensation und Druckschwankungen; kontrollierter Ausgleich reduziert Materialermüdung und Feuchteeinfluss. Eine zweckmäßige Positionierung von Entlüftungspunkten fern von Kondensationszonen kann den Feuchteeintrag senken.
  • Vakuum- oder Druckgreifer im Handling: Kurzzeitige Unterdrücke beim automatisierten Greifen können kritische Stellen belasten; stabile Rillungen und verstärkte Zonen vermeiden lokale Deformationen. Ein definierter Druckpfad verhindert, dass sich kurzzeitige Unterdrücke in der Gesamtverpackung aufbauen.

Prüfung und Qualitätssicherung

Zur Absicherung der Auslegung eignen sich Prüfungen in Klimakammern (Temperatur- und Feuchtewechsel), Höhenkammern (simulierter Umgebungsdruck), sowie mechanische Prüfungen wie ECT/BCT, Fall- und Stapeltests. Messungen des Druckverlaufs im Innenraum (z. B. mit Datenloggern) zeigen, ob die gewählten Entlüftungs- oder Ventillösungen den gewünschten Ausgleich bereitstellen. Dokumentierte Prüfpläne und Grenzwerte unterstützen die Reproduzierbarkeit und eine belastbare Freigabe. Ergänzend sollten Konditionierungszeiten, Feuchtezyklen und Alterungseinflüsse erfasst werden, damit die Ergebnisse über den gesamten erwarteten Lebenszyklus der Verpackung gültig bleiben.

Berechnung und Dimensionierung

Für die Dimensionierung des Differenzialdruckausgleichs ist eine Abschätzung der Ausgleichsgeschwindigkeit hilfreich. Ausgangspunkt sind das eingeschlossene Luftvolumen, die erwarteten Druck- und Temperaturänderungen sowie die effektive Leckrate des Systems (Ventil, Mikroöffnung, Materialporosität). Über eine Zeitkonstante lässt sich abschätzen, wie schnell der Innendruck dem Außendruck folgt. Ziel ist eine Auslegung, bei der die Druckdifferenz im relevanten Zeitfenster unterhalb der festgelegten Grenzwerte bleibt, ohne die Schutzfunktionen gegen Staub und Feuchte zu beeinträchtigen.

Normen und Prüfstandards

Für die Prüfung von Verpackungen unter Druck- und Klimaeinfluss werden etablierte Transport- und Umweltsimulationsstandards herangezogen. Relevante Prüfungen umfassen unter anderem Höhenprofile mit simuliertem Luftdruck, klimatische Konditionierung mit definierten Temperatur- und Feuchtezyklen sowie mechanische Belastungstests. Die Auswahl der Normen und Profile sollte sich an der realen Versand- und Lagerkette orientieren, damit der Differenzialdruckausgleich unter praxisnahen Bedingungen verifiziert wird.

Hinweise zur Dokumentation und Nachverfolgbarkeit

Eine belastbare Dokumentation umfasst Konstruktionsparameter (Öffnungsquerschnitte, Ventiltyp, Positionierung), Materialdaten (Wellenprofil, Papiersorten, Klebstoffe), Prüfpläne, Messprotokolle sowie freigegebene Grenzwerte. Ergänzend sollten Wartungs- und Änderungsstände festgehalten werden, damit Anpassungen an neue Routen, veränderte Klimaprofile oder modifizierte Packgüter nachvollziehbar bleiben und die Leistungsfähigkeit des Differenzialdruckausgleichs langfristig gesichert ist.

Zusammenfassung:

  • Der Differenzialdruckausgleich ist ein Phänomen, das sich auf unterschiedliche Druckbedingungen in verschiedenen Bereichen bezieht und in vielen Branchen, einschließlich der Verpackungsherstellung, von Bedeutung ist. In der Wellpappe hilft er, Über- und Unterdruck systematisch abzubauen.
  • Korrekt betrieben, hilft er dabei, die Stabilität und Sicherheit von Verpackungen, insbesondere Wellpappe, zu erhöhen, indem er sicherstellt, dass der Innen- und Außendruck der Verpackung ausgeglichen ist. So werden Verformungen, Nahtversagen und Paneling wirksam begrenzt.
  • Ein guter Differenzialdruckausgleich kann die Haltbarkeit und Lagerfähigkeit von Produkten in Verpackungen verbessern, indem er das Risiko von Schäden durch Druckunterschiede minimiert. Gleichzeitig bleibt die Funktionalität unter variablen Klima- und Höhenbedingungen erhalten.
  • Relevante Einflussgrößen sind Umgebungsdruck, Temperatur, Feuchte, eingeschlossenes Volumen und Materialsteifigkeit; sie bestimmen die geeignete konstruktive Lösung. Diffusion, Porosität und Leckrate prägen das zeitliche Druckverhalten.
  • Methoden reichen von Ventilen über Mikroöffnungen bis zu flexiblen Innenverpackungen und konstruktiven Luftkanälen; hermetische Abschlüsse sind nur unter passenden Randbedingungen sinnvoll. Filter und Schutzmaßnahmen sichern den Ausgleich gegen Staub- und Feuchteeintrag ab.
  • Praxisnahe Validierung erfolgt durch Klima-/Höhenkammern sowie ECT/BCT- und Stapeltests, um kritische Druckdifferenzen und Verformungen sicher zu beurteilen. Eine klare Dokumentation und abgestimmte Grenzwerte erhöhen die Reproduzierbarkeit.

Veröffentlicht am 08.06.2024
Letzte Überarbeitung am 16.09.2025 um 14:25 Uhr von Julia Kopp

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