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Lieferengpassmanagement
Beim Thema Verpackungen ist die Wellpappe ein unverzichtbares Material, insbesondere für Transport, Lagerung und sicheren Versand. Zuverlässigkeit in der Materialversorgung ist daher ein zentraler Faktor entlang der gesamten Lieferkette – von Rohpapieren über Klebstoffe bis zu Logistikleistungen. Hier findet das sogenannte Lieferengpassmanagement seinen Platz. Es handelt sich um ein strukturiertes Vorgehen, das hilft, bei Materialknappheit und Störungen in Zulieferketten wirksame Lösungen zu finden und sicherzustellen, dass der Produktionsfluss in Unternehmen der Verpackungsindustrie nicht ins Stocken gerät. In der Praxis betrifft dies vor allem die Verfügbarkeit von Liner- und Wellenpapieren (Fluting), stärkehaltigen Klebstoffen, Hilfsstoffen und Transportkapazitäten, aber auch die Synchronisation mit Produktionsfenstern an Wellpappenanlagen und in der Weiterverarbeitung.
Definition: Was versteht man unter Lieferengpassmanagement?
Unter das Lieferengpassmanagement fällt die Gesamtheit von Maßnahmen, die dazu dienen, einen Lieferengpass zu vermeiden, zu bewältigen oder dessen Auswirkungen zu minimieren. Dabei umfasst es die Phasen Prävention (Früherkennung und Risikoreduktion), Reaktion (akute Sicherung der Versorgung) und Erholung (Rückkehr zum Normalbetrieb und Lessons Learned). Insbesondere in der Verpackungsindustrie, wie etwa in der Produktion von Wellpappe, kann ein nicht rechtzeitig bemerkter oder mangelhaft abgefederter Lieferengpass zu erheblichen Produktionsstillständen, Terminverschiebungen und Kosteneffekten führen. Daher ist ein effizientes Management dieser Engpässe ein wesentliches Element jeder gut funktionierenden Supply Chain. Ergänzend zur operativen Disposition umfasst es Governance-Regeln, Entscheidungsrechte, eine klare Kommunikationsstruktur sowie die Dokumentation von Maßnahmen für wiederkehrende Lernsprünge.
Typische Auslöser für Engpässe sind Nachfragespitzen, Engstellen bei Rohpapierqualitäten, begrenzte Konverterkapazitäten, Transportstörungen, regulatorische Änderungen, Qualitätsabweichungen sowie Energie- und Personalengpässe. Das Lieferengpassmanagement grenzt sich vom allgemeinen Lieferantenmanagement dadurch ab, dass es neben der Leistungsbewertung gezielt auf Resilienz, Alternativen und Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit ausgerichtet ist. Hinzu kommen Einflüsse wie Währungs- und Energiepreisvolatilität, saisonale Muster, bullwhip-Effekte und regionale Verfügbarkeiten, die eine robuste Engpasssteuerung notwendig machen.
Wie kann Lieferengpassmanagement implementiert werden?
Möglichkeiten zur Implementierung eines funktionierenden Lieferengpassmanagements umfassen unter anderem eine verbesserte Lieferantenkommunikation sowie den Aufbau von Sicherheitsbeständen. Die Überwachung des Marktes und eine effiziente Datenerhebung und -analyse sind elementare Bestandteile, um potenzielle Lieferengpässe bereits im Vorfeld zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Ergänzend kommen standardisierte Eskalationspfade, Substitutionsstrategien und eine klare Governance für Entscheidungen zum Einsatz. Bewährt hat sich außerdem ein funktionsübergreifendes Team aus Einkauf, Planung, Qualität, Produktion, Logistik und Vertrieb, das in definierten Intervallen und bei Auslösern (Triggern) zusammenkommt und vordefinierte Notfallpläne aktiviert.
Prozessschritte und Verantwortlichkeiten
- Risikobewertung: ABC/XYZ-Analysen, Kritikalität nach Wert, Verbrauchsvolatilität und Wiederbeschaffungszeit; Bewertung von Single- vs. Dual-Sourcing-Risiken.
- Frühwarnsystem: Monitoring von Lieferzeitstreuungen, Bestandsreichweiten, Preisvolatilität, Fehlmengenquoten und Kapazitätsauslastungen.
- Vorsorge: Sicherheitsbestände nach Servicegradmethode, Bestellpunktverfahren, flexible Rahmenverträge, Spezifikationsflexibilisierung und Freigabe von funktionsgleichen Alternativen.
- Eskalation: Stufenplan mit klaren Reaktionszeiten, Entscheidungsgremien, Priorisierung von Aufträgen und Allokation knapper Mengen.
- Stabilisierung: Sukzessive Rückführung auf Normalbestände, Anpassung von Dispositionsparametern und dokumentierte Lessons Learned.
Organisation und Governance
Klare Rollenprofile (z. B. Verantwortliche für Materialgruppen, Datenverantwortliche, Krisenkoordination) sowie eine definierte RACI-Logik sichern schnelle Entscheidungen. Ein verbindlicher Kommunikationsplan mit internen und externen Stakeholdern, inklusive Eskalationskorridoren, sorgt dafür, dass Informationen über Bedarfsänderungen, Qualitätsthemen und Lieferrestriktionen zeitnah und konsistent fließen.
Instrumente und Methoden
- Multi-/Dual-Sourcing zur Reduktion von Abhängigkeiten; konsequente Lieferantenentwicklung und Second-Source-Qualifizierung.
- Sicherheitsbestände und Bestellpunkte auf Basis von Nachfrage- und Lieferzeitvariabilität; regelmäßige Parameterpflege.
- S&OP/IBP: Absatz- und Produktionsplanung integriert mit Beschaffung und Logistik; Szenario- und Kapazitätsabgleiche.
- Standardisierung und Substitution: Nutzung standardisierter Qualitäten/Grammaturen; Freigabe alternativer Spezifikationen, wo technisch möglich.
- Notfalllogistik: Expressverkehre, Transportroutenwechsel, Nearshoring-Optionen und temporäre Fertigungsverlagerungen.
Digitale Signale und Datenquellen
Frühindikatoren stammen aus EDI-/API-Schnittstellen, Lieferavis, Produktions- und Qualitätsdaten (z. B. OEE, Ausschussquoten), Marktplattformen für Rohpapiere, Transportbörsen und Energiepreiskurven. Ergänzend unterstützen automatisierte Alerts bei Grenzwertverletzungen sowie Prognosemodelle auf Basis von Zeitreihen und Szenarien.
Kennzahlen und Monitoring
- Servicegrad und OTIF (On Time In Full) als Indikatoren der Lieferfähigkeit.
- Lieferanten-OTD (On-Time Delivery), Fehlmengenquote, Backorder-Volumen und Bestandsreichweite in Tagen.
- Forecast Accuracy und Bias zur Bewertung der Prognosequalität.
- Wiederbeschaffungszeit und deren Streuung als Frühindikator für drohende Engpässe.
Dashboards und Grenzwerte
Ein zentrales Dashboard visualisiert Engpassrisiken je Material, Standort und Zeitraum. Festgelegte Schwellwerte (Ampellogik) lösen standardisierte Maßnahmen aus, etwa die Erhöhung von Sicherheitslagern, die Aktivierung alternativer Spezifikationen oder die Priorisierung kritischer Kundenaufträge.
Vertragliche und organisatorische Hebel
- Rahmenverträge mit Abruf- und Flexibilitätskorridoren, Kapazitätsreservierungen und Eskalationsklauseln.
- Transparente Kommunikation über Bedarfspläne, Revisionen und technische Änderungen; regelmäßige Lieferantengespräche.
- Qualitätsmanagement zur Vermeidung von ausschussbedingten Engpässen (Freigaben, Sonderkontrollen, Requalifizierung).
Besonderheiten der Wellpappen-Wertschöpfungskette
In der Wellpappenindustrie wirken Spezifika wie Grammaturen und Feuchtegehalt von Rohpapieren, Klebstoffrezepturen auf Stärkebasis, Dampfversorgung und Bahngeschwindigkeiten direkt auf die Produktionsstabilität. Engpässe bei Recyclingfasern, Energie oder Transportmitteln schlagen rasch auf Lieferzeiten und Qualitäten durch. Standardisierung von Bauformen, definierte Substitutionspfade (z. B. vergleichbare ECT-/BCT-Anforderungen) und abgestimmte Toleranzen erleichtern die Aufrechterhaltung der Versorgung bei begrenzten Ressourcen.
Beispiele für erfolgreiches Lieferengpassmanagement in der Wellpappenindustrie
Ein gutes Beispiel für ein gezieltes und erfolgreiches Lieferengpassmanagement ist die frühzeitige Erschließung neuer Lieferquellen bei aufkommenden Rohstoffknappheiten. Ebenfalls kann der Aufbau von Lagerbeständen und die Kooperation mit alternativen Lieferanten helfen, Engpässen proaktiv zu begegnen. Durch eine verbesserte Planung und Vorausschau in der Beschaffung lassen sich zudem Aufträge besser verteilen, was ebenfalls dazu beitragen kann, Engpässe effektiv zu managen.
Ergänzend bewährt sich in der Praxis die Standardisierung von Bauformen und Qualitäten, um Substitutionen zu erleichtern, sowie die Priorisierung kritischer Kundenaufträge bei temporärer Knappheit. Bei plötzlichen Nachfragespitzen können temporäre Kapazitätsallianzen mit Partnerbetrieben oder die Nutzung alternativer Transportwege die Belieferung sicherstellen. Für kurzfristige Bedarfe helfen zudem sofort verfügbare Verpackungen direkt ab Lager, um Produktionslücken bis zur Stabilisierung der Zulieferung zu überbrücken.
Bei längeren Störungen – etwa durch Ausfall eines Papierwerks oder Transportrestriktionen – kommen abgestufte Maßnahmen zum Einsatz: Anpassung von Losgrößen, taktische Umlagerungen zwischen Standorten, temporäre Änderung von Materialqualitäten nach technischer Prüfung sowie enges Termin- und Mengenmanagement mit den Bedarfsträgern. In Einzelfällen unterstützen Gatekeeping-Mechanismen in der Auftragsannahme, um knappe Kapazitäten gezielt den kritischsten Anwendungen zuzuweisen und Liefertreue gegenüber priorisierten Segmenten zu sichern.
Vor- und Nachteile von Lieferengpassmanagement
Zu den Vorteilen des Lieferengpassmanagements gehört die zusätzliche Planungssicherheit. Es erhöht die Verfügbarkeit von Rohmaterialien wie Wellpappe und reduziert das Risiko von Produktionsstillständen. Des Weiteren kann ein funktionierendes Lieferengpassmanagement zu Kosteneffekten führen, da kurzfristige Notbeschaffungen und Stillstandskosten verringert werden. Weitere positive Effekte sind verbesserte Transparenz, schnellere Reaktionszeiten und die Stärkung der Lieferantenbeziehungen. Zusätzlich lassen sich Schwankungen durch bullwhip-Effekte dämpfen, was stabile Durchlaufzeiten und verlässlichere Lieferversprechen ermöglicht.
Dem gegenüber stehen Aufwände für Analyse, Koordination und Betrieb eines Frühwarnsystems. Die Bildung von Sicherheitsbeständen bindet Kapital und kann Obsoleszenzrisiken erhöhen. Zudem besteht das Risiko, dass trotz sorgfältiger Vorsorge nicht alle Engpässe vorhergesehen werden können. Abwägungen zwischen Verfügbarkeit, Kosten und Flexibilität sind daher zentraler Bestandteil des Managements. Ein unausgewogener Fokus – etwa ausschließlich auf Bestandsminimierung – kann die Resilienz schwächen und in kritischen Phasen zu längeren Wiederanlaufzeiten führen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Typische Fehlannahmen sind zu optimistische Lieferzeiten, fehlende Alternativfreigaben, unklare Entscheidungswege und unzureichend gepflegte Stammdaten. Abhilfe schaffen belastbare Lieferantencapacity-Checks, vertraglich geregelte Flexibilität, regelmäßige Datenpflege, belastbare Szenarien sowie die Verankerung von Substitutions- und Priorisierungsregeln in standardisierten Arbeitsanweisungen.
Zusätzliche Praxisempfehlungen
- Datenqualität sichern: Stammdaten, Dispositionsparameter und Mindestmengen regelmäßig prüfen.
- Szenarioanalysen: Best-Case, Base-Case, Worst-Case mit klaren Auslösekriterien definieren.
- Technische Machbarkeit: Substitutionen nur nach dokumentierter Funktionsprüfung und QS-Freigabe einsetzen.
- Review-Zyklus: Regelmäßige Retrospektiven nach Ereignissen zur kontinuierlichen Verbesserung.
Checkliste für den Ernstfall
- Engpassmeldung erfassen, Materialgruppe und Kritikalität zuordnen, Eskalationsstufe auslösen.
- Bestands- und Bedarfsabgleich inklusive Backorder-Volumen und Servicegradwirkung durchführen.
- Alternativen prüfen: qualifizierte Second-Source, Spezifikationssubstitution, interne Umlagerung.
- Maßnahmenpaket definieren: Allokation, Priorisierung, Notfalllogistik, Kommunikationsplan.
- Wirksamkeit überwachen, Parameter anpassen, Lessons Learned dokumentieren und Standards aktualisieren.
Reifegradmodell und kontinuierliche Verbesserung
Mit zunehmendem Reifegrad entwickelt sich das Lieferengpassmanagement von reaktiven Einzellösungen hin zu proaktiven, datengestützten Entscheidungen mit klaren Rollen, automatisierten Alerts und etablierten Substitutionspfaden. Kontinuierliche Verbesserung basiert auf Messgrößen, strukturierten Reviews und der konsequenten Ableitung von Maßnahmen in Prozesse, Spezifikationen und Verträge.
Zusammenfassung:
- Das Lieferengpassmanagement ist eine entscheidende Strategie in der Logistik, um auf unvorhersehbare Lieferprobleme zu reagieren und Kontinuität in der Lieferkette zu gewährleisten, insbesondere im Bereich von Verpackungen aus Wellpappe.
- Es handelt sich um ein überlegenes Planungs- und Prognosesystem, welches dazu dient, mögliche Engpässe in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um Unterbrechungen in der Belieferung von Wellpappe-Verpackungen zu vermeiden.
- Im Rahmen des Lieferengpassmanagements werden Beziehungen zu alternativen Lieferanten aufgebaut, die bei Bedarf zur Deckung der Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen herangezogen werden können, damit das Geschäft trotz Lieferengpässen kontinuierlich weitergeführt werden kann.
- Wesentliche Bausteine sind Frühwarnindikatoren, Sicherheitsbestände, flexible Verträge, Substitutionsfreigaben und eine klare Eskalationslogik.
- Erfolgskriterien umfassen Servicegrad, OTIF, Fehlmengenquote, Lieferzeitstreuung und zuverlässige Prognosen; Trade-offs zwischen Verfügbarkeit und Kosten sind bewusst zu steuern.
Veröffentlicht am 03.05.2025
Letzte Überarbeitung am 19.01.2026 um 11:07 Uhr von Manuel Hofacker