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Lieferkettenanalyse
In der Wellpapp-Branche nimmt die Rolle von Lieferkettenprozessen zunehmend an Bedeutung zu. Die Analyse von Lieferketten hilft, Abläufe durchgängig zu verstehen, strukturiert zu bewerten und gezielt zu verbessern. Gerade bei schwankender Nachfrage, variabler Rohpapierverfügbarkeit und engen Transportfenstern schafft eine systematische Herangehensweise Klarheit über Zusammenhänge und Stellhebel.
Im Fokus stehen dabei die Transparenz über alle Wertschöpfungsstufen, das frühzeitige Erkennen von Risiken sowie die kontinuierliche Steigerung von Stabilität, Termintreue und Wirtschaftlichkeit. Eine fundierte Lieferkettenanalyse schafft die Grundlage, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen, Maßnahmen wirksam zu priorisieren und Abhängigkeiten zwischen Beschaffung, Produktion, Weiterverarbeitung und Distribution zu beherrschen. Sie ermöglicht zudem eine belastbare Kommunikation zwischen internen Bereichen und externen Partnern.
Definition: Was versteht man unter Lieferkettenanalyse?
Unter der Lieferkettenanalyse, auch Supply-Chain-Analyse genannt, versteht man die systematische Untersuchung und Bewertung der Stufen und Abläufe einer Lieferkette. Dabei werden Prozesse, Ströme und Verbindungen betrachtet, um logistische und betriebswirtschaftliche Optimierungen vornehmen zu können. Ziel ist es, Effizienz, Verfügbarkeit und Planbarkeit zu erhöhen, Durchlaufzeiten zu stabilisieren und die Leistungsfähigkeit messbar zu verbessern.
Die Analyse umfasst in der Regel alle Ebenen – strategisch (Netzwerk- und Standortstruktur, Segmentierung und Entkopplungspunkte), taktisch (Bestands- und Kapazitätsplanung, Planungszyklen) sowie operativ (Auftragsabwicklung, Transport, Distribution, Kommissionierung). Betrachtet werden Materialflüsse, Informationsflüsse, Rollen und Verantwortlichkeiten, Leistungskennzahlen sowie Abhängigkeiten und Schnittstellen zwischen den Partnern der Kette. Ergänzend werden Push-/Pull-Mechanismen, Entkopplungslager und Service-Level-Ziele definiert.
- Ziele: Durchlaufzeiten verkürzen, Lieferservice verbessern, Bestände optimieren, Kosten senken, Risiken reduzieren, Planungsqualität erhöhen.
- Objekte: Lieferanten, Produktionsstufen, interne Logistik, externe Transporte, Distributionskanäle und Rückführungsprozesse einschließlich Verpackungsrücknahme.
- Datenquellen: ERP, WMS, TMS, Produktionsdaten, Forecasts, Qualitäts- und Störungsprotokolle, Sensordaten (z. B. Feuchte und Temperatur), EDI-Nachrichten.
In der Wellpapp-Industrie zählen zudem materialspezifische Parameter wie Grammaturen, Wellenarten, Feuchtegehalt, Leimauftrag, Format- und Bahnwechsel sowie Palettierungsregeln zu den relevanten Analyseobjekten. Sie beeinflussen Kapazitäten, Ausschussquoten, Transportauslastung und die Stabilität der Lieferleistung.
Methodik der Lieferkettenanalyse
Die Analyse von Lieferketten erfordert eine ganzheitliche Betrachtung der Prozesse. Hierzu gehören unter anderem die Material- und Informationsflüsse, die Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie Logistik und Distribution. Methodische Ansätze der Lieferkettenanalyse umfassen quantitative und qualitative Verfahren, etwa die Prozesskostenrechnung oder die SWOT-Analyse, ergänzt um Zeitreihen- und Szenarioverfahren zur Bewertung von Volatilität und Unsicherheit.
Vorgehensmodell und Analysewerkzeuge
- Ziel- und Rahmenklärung: Zweck, Scope, Zeitfenster, Datenverfügbarkeit und zu betrachtende Knoten der Supply Chain definieren. Kritische Produkte, Service-Level-Ziele und Segmentierungslogik festlegen.
- Ist-Aufnahme und Visualisierung: Prozessmapping, Value-Stream-Mapping, Netzwerkdiagramme und Materialflussdarstellungen. Engpässe, Entkopplungspunkte und Rückkopplungen sichtbar machen.
- Datenaufbereitung und Validierung: Datenbereinigung, Plausibilitätsprüfungen, Stichproben und Abgleich mit operativen Kennzahlen. Einheitliche Einheiten, Kalender und Zeitstempel sicherstellen.
- Kennzahlenanalyse: Servicegrad/OTIF, Forecast-Genauigkeit (z. B. MAPE), Durchlaufzeit, Bestandsreichweite, Auslastung, Cash-to-Cash-Zyklus, Transport- und Handlingkosten. In der Wellpappe zusätzlich: Ausschussquote, Rüst- und Bahnwechselzeiten, ECT/BCT-relevante Qualitätsdaten, Palettennutzungsgrad.
- Ursachen- und Engpassanalyse: Bottleneck-Analyse (TOC), ABC-/XYZ-Analysen, Sensitivitäts- und Szenarioanalysen (z. B. Nachfragepeaks, Lieferverzug), Root-Cause-Methoden (z. B. 5-Why, Ishikawa).
- Simulation und Netzwerkdesign: Was-wäre-wenn-Analysen, Re-Routing, Konsolidierungspunkte, Sicherheitsbestände, alternative Bezugsquellen, Standort- und Routenvarianten, Kapazitäts-Shifts zwischen Anlagen.
- Maßnahmenplanung und Monitoring:
Datenqualität und Governance
Die Aussagekraft der Lieferkettenanalyse hängt maßgeblich von der Datenqualität ab. Einheitliche Stammdaten, eindeutige Identifikatoren, konsistente Zeithorizonte und eine klare Datenverantwortung sind essenziell. Regelmäßige Aktualisierung und ein standardisiertes Reporting sichern die Vergleichbarkeit von Ergebnissen. Ergänzend unterstützen klare Datenmodelle (Artikelstruktur, Verpackungseinheiten, Losgrößen, Rüstlogik) und definierte Namenskonventionen eine stabile Analysebasis.
Risikoperspektive und Resilienz
- Risikomatrix: Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung bewerten (z. B. Lieferantenausfall, Transportverzug, Materialknappheit, Energiepreisvolatilität, Witterungseinflüsse).
- Resilienzmaßnahmen: Dual Sourcing, Pufferbestände an neuralgischen Punkten, flexible Kapazitäten, alternative Transportwege, Priorisierungsregeln für kritische Aufträge.
- Frühwarnindikatoren: Abweichungen in Lead Times, Auslastung, Qualitätskennzahlen und Sendungsstatusmeldungen. Zusätzlich: veränderte Altpapier- und Rohpapierpreise, Kapazitätsausfälle in Weiterverarbeitung oder Transport.
Analytische Verfahren und Technik
- Prognose und Segmentierung: Zeitreihenmodelle (gleitende Durchschnitte, exponentielle Glättung), Saisonalitäts-Checks, ABC-/XYZ-Klassifikationen.
- Optimierung und Simulation: Losgrößen- und Kapazitätsmodelle, Bestandsoptimierung unter Service-Level-Vorgaben, Diskrete-Ereignis-Simulation für Materialflüsse.
- Prozess- und Qualitätsanalyse: SPC, Pareto-Analysen, OEE-Betrachtungen in Schnitt und Weiterverarbeitung, Korrelationen zwischen Feuchtegehalt und Ausschuss.
- Automatisierung: Ereignisgesteuerte Alerts, standardisierte Dashboards, automatisierte EDI-Prüfregeln für Bestellungen, Lieferavise und ASN.
Integration der Lieferkettenanalyse in der Wellpapp-Industrie
In der Wellpapp-Industrie ermöglicht die Lieferkettenanalyse eine verbesserte Steuerung der Produktion und sorgt für eine effiziente Nutzung der Ressourcen. Durchgängige Transparenz vom Rohpapierabruf bis zur Auslieferung unterstützt eine stabile Planbarkeit, reduziert Rüst- und Stillstandszeiten und verbessert die Auslastung. Zudem können durch die Analyse Engpässe identifiziert, priorisiert und behoben werden. Dies trägt zu einer erhöhten Kundenzufriedenheit bei, da die zeitgerechte Lieferung von Wellpappe verlässlicher erreichbar wird.
Typische Hebel liegen in der Synchronisierung von Rohpapierzufluss, Bahnwechsel- und Rüststrategien, Feinplanung in der Weiterverarbeitung sowie der Abstimmung mit Transportfenstern. Eine enge Kopplung von Nachfrageprognosen, Kapazitätsplanung und Bestandsstrategien mindert Schwankungen und reduziert den Bullwhip-Effekt. Zudem lassen sich Packmuster, Palettierung und Laderaumauslastung so gestalten, dass Transportkosten und CO₂-Emissionen sinken, ohne den Lieferservice zu beeinträchtigen.
Praxisnahe Anwendungsfelder
- Rohstoffdisposition: Bedarfsgerechte Einplanung von Rohpapier und Hilfsstoffen entlang der erwarteten Auftragsstruktur und Lieferzeiten.
- Kapazitätsabgleich: Auslastung von Wellpappanlage, Stanzen und Kleben balancieren; Engpässe sichtbar machen und gezielt entlasten.
- Transport und Distribution: Tourenplanung und Bündelung nach regionalen Clustern, Minimierung von Teilladungen und Wartezeiten.
- Retouren- und Reklamationsfluss: Systematische Analyse von Rückläufern zur Ursachenbehebung und zur Stabilisierung der Kette.
- Qualitäts- und Umgebungsbedingungen: Überwachung von Feuchte, Temperatur und Planlage; Einfluss auf Verarbeitbarkeit, ECT/BCT und Ausschuss berücksichtigen.
- Rüst- und Formatwechsel: Sequenzierung nach Wellenart, Grammatur und Druckbild zur Reduktion von Stillständen sowie zur Sicherung der Termintreue.
- Bestandsstrategien: Definition von Sicherheitsbeständen für kritische Rollenbreiten und gängige Zuschnitte; dynamische Anpassung an Prognosegüte.
Für standardisierte Logistikbedarfe sind schnell lieferbare Verpackungen direkt ab Lager in der Planung relevant, weil sie die Verfügbarkeit sichern und Puffer in der Kette reduzieren können. In Kombination mit klaren Wiederbeschaffungsregeln lässt sich die Nachversorgung planbarer gestalten.
Daten- und Stammdatenanforderungen
Eine belastbare Lieferkettenanalyse setzt saubere Stammdaten voraus: eindeutige Artikel- und Packeinheiten, korrekte Umrechnungen (Stück, m², lfm), konsistente Kalender, definierte Rüstmatrizen sowie gepflegte Transport- und Laufzeitparameter. Zusätzlich sind belastbare Qualitätsmerkmale (z. B. Feuchtefenster, Festigkeiten) zu hinterlegen, um Qualitäts- und Leistungsdaten sinnvoll zu verknüpfen.
Best Practices für die Umsetzung
- Schnittstellen klären: Eindeutige Verantwortung für Datenerzeugung, -pflege und -nutzung vereinbaren.
- Iterativ vorgehen: Mit klar abgegrenzten Piloten starten, Quick Wins realisieren und Erkenntnisse in eine Roadmap überführen.
- Standardisieren: Kennzahlendefinitionen, Reporting-Zyklen und Schwellenwerte verbindlich dokumentieren.
- Kontinuierlich verbessern: KPIs regelmäßig reviewen, Maßnahmen nachsteuern und Lessons Learned festhalten.
Vor- und Nachteile von Lieferkettenanalyse
Die Vorteile der Lieferkettenanalyse liegen in der verbesserten Transparenz der Supply Chain. Unternehmen können dadurch mehr Kontrolle über ihre Lieferketten erlangen und Prozesse effektiver gestalten. Ferner führt die Analyse zu einem besseren Verständnis der eigenen Wertschöpfungskette, was langfristig zu einem Wettbewerbsvorteil führen kann. Gleichzeitig erhöht sich die Planungs- und Prognosegüte, wodurch Servicegrade stabilisiert und Kosten gesenkt werden können.
- Vorteile im Überblick:
- Kennzahlenbasierte Steuerung von Beschaffung, Produktion und Distribution.
- Früherkennung von Engpässen und Störungen entlang kritischer Kettenknoten.
- Optimierung von Beständen und Durchlaufzeiten bei stabiler Lieferleistung.
- Höhere Planungsqualität durch bessere Prognosen und Lastverteilung.
- Transparente Verantwortlichkeiten und verbesserte Zusammenarbeit mit Partnern.
- Unterstützung von Nachhaltigkeitszielen durch effizientere Flüsse und weniger Ausschuss.
- Robustere Abläufe durch klare Entkopplungspunkte und definierte Eskalationswege.
- Messbare Qualitätsverbesserungen durch Verknüpfung von Prozess- und Produktdaten.
Auf der anderen Seite besteht der Hauptnachteil der Lieferkettenanalyse in dem hohen Aufwand für die Datenerhebung und -auswertung. Dies kann sowohl zeit- als auch kostenintensiv sein. Darüber hinaus ist die Qualität der Analyse stark von verfügbaren Daten und ihrer Korrektheit abhängig. Ohne Governance und klare Verantwortlichkeiten drohen Fehlinterpretationen, inkonsistente Kennzahlen und unterkritische Maßnahmen.
- Herausforderungen und Grenzen:
- Initialer Analyseaufwand und laufende Pflege der Datenbasis.
- Heterogene IT-Landschaften und fehlende Schnittstellen können die Auswertung erschweren.
- Ergebnisse sind nur so belastbar wie die Validität der zugrunde liegenden Daten.
- Organisatorischer Änderungsbedarf: Prozesse, Rollen und Routinen müssen angepasst werden.
- Modellrisiken bei Simulationen und Szenarien, wenn Annahmen unvollständig sind.
- Abhängigkeiten von volatilen Märkten (Rohpapier, Energie, Transportkapazitäten) erschweren stabile Prognosen.
Zusammenfassung:
- Die Lieferkettenanalyse ermöglicht es Unternehmen, die gesamte Kette von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur Lieferung des fertigen Produkts zu überblicken und zu verstehen.
- Mit einer effektiven Analyse können Unternehmen wie solche, die Wellpappe-Verpackungen anbieten, Schwachstellen in der Lieferkette identifizieren und ihre Prozesse optimieren, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
- Die Lieferkettenanalyse kann dazu beitragen, die Nachhaltigkeit der Verpackungsindustrie zu verbessern, indem sie beispielsweise Möglichkeiten zur Reduzierung des Materialverbrauchs bei der Herstellung von Wellpappe-Verpackungen aufzeigt.
- Relevante Kennzahlen (z. B. Servicegrad, Durchlaufzeit, Bestandsreichweite) liefern messbare Orientierung für Prioritäten und Maßnahmen; in der Wellpappe ergänzen Qualitäts- und Rüstkennzahlen die Steuerung.
- Eine robuste Datenbasis und klare Governance sind Voraussetzung, um valide Ergebnisse und dauerhafte Verbesserungen zu erzielen.
- Risikoorientierte Maßnahmen wie alternative Bezugsquellen und flexible Kapazitäten erhöhen die Resilienz der gesamten Lieferkette.
- Ein iteratives Vorgehen mit standardisierten Reports, klaren Verantwortlichkeiten und regelmäßigen Reviews verankert die Verbesserungen dauerhaft im Tagesgeschäft.
Veröffentlicht am 28.06.2025
Letzte Überarbeitung am 28.10.2025 um 13:16 Uhr von Manuel Hofacker