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Luftfeuchtigkeitskontrolle
In der Verpackungsindustrie spielt die Luftfeuchtigkeitsregulierung, besonders im Zusammenhang mit Wellpappe, eine wichtige Rolle. Ein optimaler Feuchtigkeitsgehalt kann die Qualität und Langlebigkeit der Wellpappe signifikant beeinflussen. Es existieren verschiedene Techniken und Methoden, um diesen entscheidenden Faktor zu kontrollieren und zu steuern. Dabei geht es um das Zusammenspiel von relativer Luftfeuchte, Temperatur, Papierfeuchte (Gleichgewichtsfeuchte), Luftbewegung und Verweilzeiten entlang der Prozesskette. Eine stabile Klimatisierung reduziert Schwankungen der mechanischen Kennwerte, mindert Verzug (Schüsseln/Warping) und verhindert Kondensation sowie zu trockene, spröde Oberflächen. Empfohlen wird ein kontrolliertes Produktions- und Lagerklima mit konstanter Luftfeuchte, abgestimmt auf Papierqualitäten, Wellenprofile und den Klebstoffeinsatz. Zusätzlich sollten saisonale Außenklimaeinflüsse, Transportbedingungen und die klimatische Konditionierung vor der Weiterverarbeitung berücksichtigt werden, um Feuchtegradienten in Lagenverbunden und Packstapeln zu vermeiden.
Definition: Was versteht man unter Luftfeuchtigkeitskontrolle?
Die Kontrolle über die Luftfeuchtigkeit bezieht sich auf die genaue Messung und Regulierung der Menge an Wasserdampf in der Luft. Insbesondere für das Segment der Wellpappenstoffen ist eine präzise und kontinuierliche Regulierung erforderlich. Sie ermöglicht es den produzierenden Unternehmen, die physischen Eigenschaften des Endprodukts zu optimieren und die Verpackungsqualität zu steigern. In der Praxis umfasst dies die Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Feuchte, die Beobachtung des Taupunkts sowie die Erfassung der Raumtemperatur, da diese Größen die Gleichgewichtsfeuchte der Faserstoffe direkt beeinflussen. Übliche Messmittel sind kapazitive Hygrometer, psychrometrische Sensoren und Datenlogger, die kontinuierlich Trends aufzeichnen. Gesteuert wird häufig über PID-Regelung in HVAC-Systemen oder über zonierte Befeuchtungs- bzw. Entfeuchtungstechnik, damit definierte Sollwerte für einzelne Produktionsbereiche (Wellpappenanlage, Weiterverarbeitung, Lager) stabil gehalten werden. Ergänzend sind Sensorplatzierung (Ein- und Ausblasbereiche, Maschinenumfeld, Stapelkerne), Hysterese der Regelung, Redundanzkonzepte und regelmäßige Verifikation der Messkette (Kalibrierzertifikate, Prüfintervalle) entscheidend. Normgerechte Prüf- und Konditionierklimate (z. B. 23 °C/50 % r. F.) dienen als Referenz für Kennwertvergleiche und Prüfserien.
Messgrößen und Zielkorridore
Als Richtwerte haben sich in vielen Anwendungen 45–55 % relative Luftfeuchte bei moderater Raumtemperatur etabliert. Entscheidend ist die Gleichmäßigkeit: Kurze Peaks, etwa durch Außenlufteintrag oder Dampfeinwirkung an Vorwärmern, sollten begrenzt und schnell kompensiert werden. Zusätzlich hilft die Erfassung des Taupunkts, Kondensation an kalten Oberflächen sicher auszuschließen. In der Beurteilung sind Sorptions- und Desorptionshysterese von Papier zu berücksichtigen; der Feuchtegehalt stellt sich verzögert ein und reagiert auf Temperaturänderungen. Ein eng geführtes Setpoint-Fenster mit definierter Toleranz (z. B. ±2 % r. F.) und Alarmgrenzen ermöglicht proaktive Eingriffe. Für reproduzierbare Prüfungen sind ausreichende Konditionierzeiten und einheitliche Luftwechselraten im Prüfraum unerlässlich.
Die Wirkung der Luftfeuchtigkeit auf die Wellpappendichte
Die Feuchtigkeit der Umgebungsluft hat einen signifikanten Einfluss auf die Dichte der Wellpappe. Steigt die Luftfeuchtigkeit, erhöht sich auch die Dichte des Materials durch die Aufnahme von Wasserdampf. Dieser Prozess, auch als Hygroskopizität bekannt, kann die physischen Eigenschaften des Materials erheblich beeinflussen und dessen Beständigkeit reduzieren. Daher ist eine gezielte Kontrolle der Luftfeuchtigkeit unerlässlich. Gleichzeitig verändern sich mit dem Feuchtegehalt die mechanischen Kennwerte: Steifigkeit, ECT/BCT, Kanten- und Flächenstabilität nehmen bei zu hoher Feuchte ab, während zu niedrige Feuchte die Bruchanfälligkeit erhöht. Die Stärkeklebung kann bei erhöhter Feuchte quellen und in kritischen Fällen zu Delamination beitragen. Ebenso begünstigen wechselnde Klimabedingungen Verzug, wenn Deckpapiere und Wellenbahn unterschiedlich Feuchte aufnehmen oder abgeben. Auf mikroskopischer Ebene führt Fasersättigung zu Quellung, reduzierter Faser-Faser-Reibung und veränderter Leimpenetration; makroskopisch zeigt sich dies in Geometrieänderungen der Welle, Maßänderungen der Zuschnitte und einer Verschiebung der Resonanzen in dynamischen Belastungen.
Mechanische und dimensionale Effekte
- Gleichgewichtsfeuchte: Papierfasern streben je nach Temperatur und relativer Luftfeuchte einen spezifischen Feuchtegehalt an; Abweichungen wirken direkt auf Steifigkeit und Tragfähigkeit.
- Verformung: Unausgewogene Feuchteprofile führen zu Schüsselung, Kantenrollen und Planlageproblemen in der Weiterverarbeitung.
- Klebstoffverhalten: Stärkeklebstoffe reagieren empfindlich auf Feuchte, was Aushärtung, Festigkeit und Maschinenlauf beeinflusst.
- Creep/Setzung: Hohe Feuchte begünstigt zeitabhängige Verformung unter Last und reduziert Stapelstabilität.
- Maßhaltigkeit: Längen- und Breitenänderungen der Bahnen können Toleranzfenster im Druck, bei Rillen und Stanzen überschreiten.
- Oberflächeneigenschaften: Zu trockene Oberflächen fördern Staubentwicklung und elektrostatische Aufladung; zu feuchte Oberflächen beeinträchtigen Bedruckbarkeit und Trocknung.
- Akklimatisierung: Unzureichendes Angleichen zwischen Lager- und Produktionsklima führt zu inneren Spannungen und erhöhtem Ausschuss.
Anforderungen und Herausforderungen bei der Regulierung der Luftfeuchtigkeit
Die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit stellt in der Produktion und der Lagerung von Wellpappe eine beträchtliche Herausforderung dar. Um die Materialqualität aufrechtzuerhalten, müssen die Feuchtigkeitslevel präzise gemessen und reguliert werden. Unvorhersehbare Klimaveränderungen und wechselnde Umgebungsbedingungen können die Kontrolle erschweren. Daher sind technische Lösungen und Strategien erforderlich, um die Qualität der Wellpappe bei unterschiedlichen Luftfeuchtigkeiten zu gewährleisten. Entlang der Prozesskette – vom Rohpapierlager über Vorwärmer und Leimauftragsstation bis hin zu Rill-/Schneidprozessen, Druck, Konfektionierung und Lagerung – entstehen lokale Mikroklimata. Türen, Tore und Luftzüge, saisonale Außeneinflüsse sowie Abwärmequellen erfordern zonenspezifische Regelung. Auch die Stapelhöhe, Packdichte und Zuschnittgrößen beeinflussen das innere Klima einer Palette oder eines Pakets; hierzu liefern weiterführende Informationen zu relevanten Abmessungen in diesem Kontext eine nützliche Einordnung. Zusätzlich sind Energieeffizienz, Hygiene bei Befeuchtungssystemen (Aerosolmanagement, Wasserqualität) sowie die Integration in Gebäudetechnik und Prozessleittechnik wesentliche Aspekte. Für internationale Lieferketten müssen zudem Konditionierung und Schutz gegen Kondensation in temperierten und unbeheizten Transportabschnitten berücksichtigt werden.
Typische Stellhebel in der Praxis
- HVAC-Zonierung mit separaten Sollwerten für Produktion, Weiterverarbeitung und Lagerbereiche.
- Automatisierte Luftbefeuchtung/Entfeuchtung mit Taupunktüberwachung zur Kondensationsvermeidung.
- Isolierte Schleusen und Luftschleier, um Feuchte- und Temperaturspitzen beim Warenein- und -ausgang zu minimieren.
- Kontinuierliche Datenerfassung (Trendanalysen) und Alarmgrenzen für proaktive Eingriffe.
- Regelmäßige Kalibrierung der Sensorik zur Sicherung belastbarer Messwerte.
- Auswahl geeigneter Entfeuchtungstechnik (Kondensations- vs. Adsorptionsprinzip) in Abhängigkeit von Temperaturbereich und Feuchtelast.
- Wasseraufbereitung und Wartungspläne für Befeuchter zur Sicherstellung hygienischer Betriebsbedingungen.
- Optimierte Luftführung (Umluftanteil, Luftwechselrate, Vermeidung von Zug) zur Minimierung lokaler Hotspots und Gradienten.
- Saisonale Anpassung von Setpoints und Rampenstrategien beim Wiederanfahren nach Stillstand.
Vor- und Nachteile von Luftfeuchtigkeitskontrolle
Bei der korrekten Feuchtigkeitsregulierung gibt es sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. Zu den Vorteilen gehört die Sicherstellung der Qualität und Langlebigkeit des Materials. Eine gut geregelte Feuchtigkeitskontrolle verbessert die Robustheit der Wellpappe und erhöht die Produktleistung. Auf der anderen Seite kann eine unzureichende Kontrolle der Luftfeuchtigkeit erhebliche Probleme verursachen. Zum einen kann zu viel Feuchtigkeit die Wellpappstruktur schwächen und zu einer Reduzierung der Tragfähigkeit führen. Zum anderen kann ein zu niedriger Feuchtigkeitsgrad die Materialflexibilität beeinträchtigen und das Risiko von Brüchen erhöhen. Daher ist ein ausgewogenes Verfahren zur Luftfeuchtigkeitskontrolle wichtig, um die bestmögliche Qualität und Langlebigkeit der Wellpappe zu gewährleisten. Zusätzlich beeinflusst die Luftfeuchte die Prozesssicherheit in Druck- und Veredelungsschritten sowie die Stabilität von Kennwerten über Chargen und Jahreszeiten hinweg, was die Planbarkeit von Lieferterminen und die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen unterstützt.
- Vorteile: reproduzierbare Planlage, stabile Kennwerte, geringere Ausschussquoten, bessere Weiterverarbeitbarkeit, reduzierte Staub- und Elektrostatik-Probleme bei moderater Feuchte.
- Herausforderungen: Energie- und Wartungsaufwand der Anlagen, Vermeidung lokaler Überbefeuchtung, Einbindung in Arbeitsschutz und Hygiene, Abstimmung mit temperaturabhängigen Prozessen.
- Abwägung: Setzpunktwahl als Kompromiss zwischen Steifigkeit, Flexibilität und prozesssicherer Klebung.
- Ergänzend: Investitions- und Betriebskosten müssen gegen Qualitäts- und Effizienzgewinne, geringere Reklamationsquoten und reduzierte Stillstände aufgewogen werden.
Anwendungsbeispiele für Luftfeuchtigkeitskontrolle in der Wellpappenindustrie
Es existieren diverse Methoden und Techniken zur Luftfeuchtigkeitskontrolle in der Wellpappenverarbeitung. Technische Geräte wie Hygrometer dienen zur genauen Messung der Luftfeuchtigkeit. Darüber hinaus gibt es komplexere Anlagen wie HVAC-Systeme (Heating, Ventilation, Air Conditioning), die sowohl die Luftfeuchtigkeit als auch die Temperatur regulieren und so ein konstantes Produktionsumfeld gewährleisten. In der Praxis werden Setpoints über Schichtgrenzen hinweg überwacht und mit Produktionsparametern (z. B. Geschwindigkeit, Leimauftrag, Vorwärmereinstellungen) korreliert, um Abweichungen früh zu erkennen und gegenzusteuern.
- Die Luftbefeuchtungssysteme verbessern die Flexibilität und Haltbarkeit der Wellpappe.
- Mit Hilfe von Entfeuchtungsgeräten können übermäßige Feuchtigkeitsmengen aus der Produktionsumgebung entfernt werden.
- Die idealen Bedingungen liegen zwischen 45% und 55% relativer Luftfeuchtigkeit.
- Inline-Feuchtemessung am Wellpappenaggregat mit Rückkopplung an Vorwärmer und Leimauftragszonen zur Stabilisierung der Bahn.
- Klimatisierte Zwischenlager für Rohpapiere und Halbfabrikate, um Feuchteangleich vor der Verarbeitung zu ermöglichen.
- Datenlogging in Druck- und Stanzbereichen, um Feuchte- und Temperaturdrift frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
- Saisonale Anpassung der Sollwerte (Winter-/Sommerbetrieb) zur Reduktion von Verzug und Klebeproblemen.
- Mobile Messungen bei Wareneingängen sowie in Transportbehältnissen zur Beurteilung von Mikroklimata entlang der Lieferkette.
- Verknüpfung von Feuchte-Trends mit Qualitätsmerkmalen (ECT/BCT, Planlage) in Auswertungen zur kontinuierlichen Verbesserung.
Die Wirksamkeit steigt, wenn Verantwortlichkeiten, Eskalationspfade und Wartungsroutinen eindeutig definiert sind und wenn Schulungen den Umgang mit Messwerten sowie die Interpretation von Trenddaten abdecken.
Qualitätssicherung und Prüfmethoden
Zur Wirksamkeitskontrolle gehören standardisierte Prüfungen (z. B. Kanten- und Stapeldrucktests) unter definierten Klima-Randbedingungen. Stabilität zeigt sich, wenn Kennwerte bei konstanten Klima-Setpoints reproduzierbar bleiben. Ergänzend unterstützen Stichprobenmessungen der Papierfeuchte, visuelle Planlagekontrollen und Wartungspläne für Befeuchter/Entfeuchter die Prozesssicherheit. Messsystemanalysen (z. B. Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit) sowie Regelkarten und Trendanalysen in der statistischen Prozesslenkung helfen, Abweichungen früh zu erkennen. Konditionierzeiten vor Prüfungen und die Dokumentation von Klimaereignissen (Alarme, Wartung) sind wichtige Bausteine einer belastbaren Qualitätsaussage.
Zusammenfassung:
- Luftfeuchtigkeitskontrolle spielt eine wesentliche Rolle für Unternehmen, die Verpackungen aus Wellpappe herstellen oder nutzen, da es die Qualität und Haltbarkeit dieser Verpackungen beeinflusst.
- Die korrekte Überwachung und Steuerung der Luftfeuchtigkeit kann dazu führen, dass Wellpapp-Verpackungen weniger anfällig für Beschädigungen sind, länger halten und ihre Funktionalität besser erfüllen.
- Die Einbeziehung eines effizienten Systems zur Kontrolle der Feuchtigkeit ermöglicht einen konstanten Produktionsprozess, schützt das Produkt und sorgt für eine optimale Leistung der Wellpapp-Verpackungen.
- Empfehlenswert sind klare Zielkorridore (z. B. 45–55 % r. F.) mit durchgängiger Messung, Protokollierung und zonenspezifischer Regelung entlang der gesamten Prozesskette.
- Stabile Klimabedingungen minimieren Verzug, sichern Klebstoffperformance und erhöhen die Reproduzierbarkeit mechanischer Kennwerte über Chargen hinweg.
- Normgerechte Prüfumgebungen und ausreichende Konditionierung unterstützen belastbare Kennwertvergleiche und reduzieren Streuungen.
- Datenbasierte Regelung mit Alarmierung, dokumentierter Kalibrierung und definierten Eingriffsplänen erhöht die Prozessrobustheit vom Rohpapierlager bis zum Versand.
Veröffentlicht am 02.06.2024
Letzte Überarbeitung am 16.01.2026 um 13:11 Uhr von Sebastian Würth