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Materialbeschaffung
Im Kontext von Wellpapp-Verpackungen spielt die Materialbeschaffung eine entscheidende Rolle. Sie umfasst den kompletten Prozess von der Auswahl über den Einkauf bis hin zur Lieferung von Wellpappe und anderen benötigten Materialien. Dabei beeinflusst sie maßgeblich die Qualität der Endprodukte sowie die Wirtschaftlichkeit des unternehmerischen Handelns. Zusätzlich wirkt die Materialbeschaffung auf die Lieferkettenstabilität, die Planbarkeit der Produktion und die Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe, insbesondere in volatilen Marktphasen. Eine durchdachte Beschaffungsstrategie berücksichtigt Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership), Risiken entlang der Lieferkette, Compliance-Anforderungen und ökologische Kriterien, ohne die prozesssichere Verarbeitung der Materialien aus den Augen zu verlieren.
Definition: Was versteht man unter Materialbeschaffung?
Die Materialbeschaffung bezeichnet einerseits den Einkauf von Rohstoffen, Halbzeugen und Betriebsstoffen, in diesem Fall speziell von Wellpapp-Materialien. Andererseits umfasst sie auch die logistischen Prozesse von der Bestellung bis hin zur Anlieferung. Für die Herstellung von Wellpapp-Produkten ist dabei neben der Verfügbarkeit auch die Qualität des Materials von besonderer Bedeutung. Hinzu kommen Aspekte wie Losbildung, Mindestabnahmemengen, vertraglich vereinbarte Lieferzeiten und die Fähigkeit der Lieferanten, Bedarfspeaks zuverlässig zu bedienen. Die Gesamtkostenbetrachtung umfasst nicht nur den Einkaufspreis, sondern auch Transport, Lagerhaltung, Qualitätskosten, Ausschuss und potenzielle Stillstandskosten.
Begrifflich lässt sich zwischen strategischem Sourcing (Lieferanten- und Warengruppenstrategien), operativem Einkauf (Bestellabwicklung, Terminverfolgung) und Disposition (Bedarfsermittlung, Bestandssteuerung) unterscheiden. Typische Beschaffungsobjekte sind Liner- und Testliner-Papiere, Fluting-Qualitäten, Stärkeleime, Hilfsstoffe und Druckchemie. Zentrale Aufgaben sind die Definition von Materialspezifikationen (z. B. Grammaturen, Wellenarten, Feuchtegehalt), die Sicherstellung konstanter Qualität über Prüfpläne sowie die Pflege von Material- und Lieferantenstammdaten. Ergänzend spielen Norm- und Prüfverfahren (z. B. ECT, BCT, Cobb, RCT), definierte Toleranzen sowie eindeutige Kennzeichnungen und Etikettenstandards eine Rolle, um eine chargenreine Rückverfolgbarkeit sicherzustellen und die Prozessfähigkeit in Wellpappwerken zu gewährleisten.
Prozesse und Abläufe der Materialbeschaffung
Die Materialbeschaffungsprozesse in Betrieben starten in der Regel mit der Bedarfsermittlung. Hierbei wird der voraussichtliche Bedarf an Wellpappe und anderen Materialien ermittelt. Auf Basis dieser Prognosen erfolgen Bestellung und Einkauf der benötigten Materialien. Die Lieferanten werden nach Kriterien wie Preis, Qualität oder Liefertreue ausgewählt. Nach der Lieferung erfolgen die Wareneingangskontrolle und die Einlagerung. Digitale Schnittstellen (z. B. EDI) für Bedarfs- und Lieferabrufe, Lieferavise (ASN) und Statusmeldungen unterstützen Transparenz und Termintreue, während definierte Eskalations- und Kommunikationspfade Risiken früh adressieren.
Typischer Ablauf in der Praxis:
- Bedarfsprognose und Disposition (MRP, Bestellpunkt- oder Bestellrhythmusverfahren, ABC/XYZ-Analysen)
- Anfrage, Angebotsvergleich und Vergabe (Preis, Gesamtbetriebskosten, Termintreue, Kapazität)
- Bestellung, Auftragsbestätigung, Terminüberwachung und Transportkoordination
- Wareneingangsprüfung (Sicht-, Maß- und Qualitätskontrolle, Dokumentation gemäß Prüfplan)
- Einlagerung nach FIFO/FEFO unter geeigneten Klima- und Feuchtebedingungen
- Reklamations- und Abweichungsmanagement sowie kontinuierliche Lieferantenbewertung
- Regelmäßige Bestandsabgleiche (Cycle Counting), Inventurvorbereitung und Analyse von Reichweiten und Umschlagshäufigkeiten
- Ursachenanalyse bei Liefer- oder Qualitätsabweichungen und Ableitung präventiver Maßnahmen (Lessons Learned, CAPA)
Qualität und Spezifikation
Für die Verarbeitung in der Wellpappfertigung sind definierte Spezifikationen zentral. Dazu zählen unter anderem Grammatur und Papierart, Wellenart (z. B. B-, C-, E-Welle), Feuchtegehalt, Festigkeitskennwerte (etwa Kantenstauchwiderstand und Box-Performance), Leimrezeptur und Oberflächeneigenschaften für Druck und Weiterverarbeitung. Maßhaltigkeit und Toleranzen sind dabei ebenso wichtig wie eine klare Kennzeichnung und chargenreine Rückverfolgbarkeit. Weiterführende Informationen liefern etwa Weiterführende Details zu Abmessungen und Toleranzen bei Kartonagen. Ergänzend sind Prüfbedingungen (Temperatur, relative Luftfeuchte), Probenahmepläne, Freigabemuster und Sperrprozesse festzulegen, um Konstanz in der Produktion sicherzustellen.
Praxisrelevant sind zudem definierte Feuchtefenster und Lagerklimata (z. B. kontrollierte relative Luftfeuchte), geeignete Wickelhärten und Hülsendurchmesser bei Papierrollen sowie eindeutige Etikettendaten für ERP/MES. Für drucksensitive Anwendungen zählen Porosität, Oberflächenrauheit und Farbannahme zu den kritischen Parametern; für Transportrobustheit spielen ECT/BCT-Reserven, Durchstoßwiderstand, Biegesteifigkeit und Planlage eine zentrale Rolle.
Disposition und Bestandsmanagement
Zur Vermeidung von Engpässen werden Sicherheitsbestände, Wiederbeschaffungszeiten und Losgrößen auf Basis von Verbrauchsmustern festgelegt. Gängige Verfahren sind Bestellpunkt- und -rhythmussteuerung, Kanban, Materialbedarfsplanung (MRP) und Rahmenverträge mit Abrufen. Die Wahl hängt von Volatilität der Nachfrage, Lieferzeiten, Mindestabnahmemengen und Lagerkosten ab. Wesentliche Kennzahlen sind Servicegrad, Reichweite, Bestandsumschlag, On-Time-Delivery und Abweichungsquoten im Wareneingang. Ergänzend kommen statistische Prognosemodelle (z. B. gleitende Durchschnitte, exponentielle Glättung), servicegradbasierte Sicherheitsbestände, MOQ-Optimierung und Kapazitätsabgleiche zum Einsatz, um Rüstzeiten, Bahnauslastung und Materialverfügbarkeit in Einklang zu bringen.
Strategien der Materialbeschaffung
Es gibt unterschiedliche Strategien der Materialbeschaffung, die je nach Unternehmen und Produkt variieren können. Ziel einer jeden Strategie ist es, die Materialbeschaffung optimal zu gestalten und Kosten, Qualität und Versorgungssicherheit bestmöglich auszubalancieren. Einzel- oder Sammelbestellungen, Just-in-time oder Just-in-sequence sind nur einige Möglichkeiten, die Prozesse in der Materialbeschaffung zu organisieren. Eine strukturierte Warengruppen- und Lieferantenportfolioanalyse (z. B. nach Kritikalität und Wertanteil) unterstützt die Priorisierung von Maßnahmen, während Szenarioplanungen und Risiko-Heatmaps Resilienz in der Lieferkette erhöhen.
Ergänzend kommen zum Einsatz:
- Single-, Dual- und Multi-Sourcing zur Steuerung von Abhängigkeiten und Verhandlungsspielräumen
- Lokales versus globales Sourcing unter Berücksichtigung von Transportaufwand, Lead Times und Risiko
- Rahmenverträge mit Preisgleit- oder Indexklauseln sowie Abrufvereinbarungen
- Konsignationslager und Vendor-Managed-Inventory zur Reduzierung gebundenen Kapitals
- Bündelung von Warengruppen und Standardisierung von Spezifikationen
- Lieferantenaudits, Qualifizierungen und Entwicklungsprojekte zur Sicherung konsistenter Qualität
- Nearshoring- und Redundanzkonzepte zur Absicherung gegen geopolitische und logistische Störungen
- Transparente KPI-Steuerung (z. B. OTD, OQD, Cost-to-Serve) und regelmäßige QBRs mit Lieferanten
Vor- und Nachteile von Materialbeschaffung
Die Vorteile der sorgfältigen Materialbeschaffung liegen auf der Hand: Sie ermöglicht eine zuverlässige Versorgung mit qualitativ hochwertigen Materialien und kann zur Kosteneinsparung beitragen. Allerdings geht sie auch mit Herausforderungen einher. So kann die Abhängigkeit von bestimmten Lieferanten Risiken bergen. Zudem kann es durch Schwankungen auf den Rohstoffmärkten zu Preisänderungen kommen, die eine vorausschauende Planung erschweren. Nicht zuletzt können der sogenannte Bullwhip-Effekt und unzureichende Stammdatenqualität die Bestands- und Terminplanung negativ beeinflussen.
- Vorteile: stabile Lieferfähigkeit, planbare Qualität, geringere Ausschussquoten, reduzierte Umrüst- und Stillstandszeiten, bessere Gesamtkosten durch standardisierte Spezifikationen und abgestimmte Losgrößen.
- Nachteile/Risiken: Preisvolatilität, Kapazitätsengpässe, Qualitätsabweichungen, Transportrisiken, Währungs- und Regulierungsrisiken sowie Abhängigkeiten bei Single-Sourcing-Konzepten.
- Gegenmaßnahmen: Lieferantenportfolio balancieren, Sicherheitsbestände, alternative Qualitäten qualifizieren, Frühwarnindikatoren (OTD/OQD), transparente Eskalations- und Reklamationsprozesse.
- Weitere Maßnahmen: Szenarioplanung, duale Freigaben für kritische Grammaturen und Wellenarten, kontinuierliche Verbesserung durch Root-Cause-Analysen und belastbare Änderungsprozesse (Change Control).
Die Besonderheiten der Materialbeschaffung bei Wellpapp-Produkten
Im Kontext von Wellpapp-Produkten kommt der Materialbeschaffung eine spezielle Rolle zu. Da Wellpappe aus Naturfasern besteht, ist eine nachhaltige und ökologisch verantwortliche Beschaffung dieser Rohstoffe von hoher Bedeutung. Zum einen kann dies die Attraktivität der Endprodukte steigern, zum anderen kann dies aber auch zu höheren Kosten in der Materialbeschaffung führen, wenn zum Beispiel auf zertifizierte Rohstoffe zurückgegriffen wird. Parallel sind Nachweise über Herkunft, Recyclinganteile und kreislauforientierte Stoffströme relevant, ebenso wie belastbare Daten zur CO₂-Bilanz der eingesetzten Materialien.
Zusätzlich sind wellpappspezifische Faktoren zu beachten: Rohpapier- und Leimqualitäten beeinflussen Verarbeitbarkeit, Klebung und Festigkeit; Feuchteempfindlichkeit erfordert geeignete Lager- und Produktionsklimata; Rollen- und Bogenlogistik bedingt passende Handlings- und Palettierkonzepte. Auch die gewünschte Bedruckbarkeit, Falz- und Rillfähigkeit sowie die Eignung für automatisierte Abpacklinien wirken zurück auf die Materialspezifikation und Lieferantenauswahl. Für reibungslose Abläufe sind Rollenbreiten (zur optimalen Bahnausnutzung), Hülsendurchmesser, Wickelrichtung, zulässige Rollen- und Bogenmaße sowie geeignete Paletten- und Ladungssicherungskonzepte zu definieren.
- Technische Parameter: Grammaturfenster, Wellenkombinationen, Kantenstauch-, Durchstoß- und Box-Performance, Planlage und Oberflächenbeschaffenheit.
- Umweltaspekte: Rezyklatanteile, Ressourceneffizienz, kreislauforientierte Stoffströme und nachweisbare, verantwortungsvolle Faserherkunft.
- Logistik: Schonendes Handling von Papierrollen, klimakonditionierte Lagerbereiche (z. B. kontrollierte relative Luftfeuchte), geeignete Paletten- und Ladungssicherung.
- Prozessintegration: Abgleich von Materialspezifikationen mit Anlagentechnik (z. B. Rill- und Schneidparameter), definiertes An- und Abfahren der Wellpappenanlage, abgestimmte Klebstoffviskositäten.
Schlussfolgerungen zur Materialbeschaffung bei Wellpapp-Produkten
Die Materialbeschaffung ist ein zentraler Bestandteil in der Herstellung von Wellpapp-Produkten. Sie hat direkten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, die Qualität der Produkte sowie auf die Versorgungssicherheit. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, erfordert sie eine vorausschauende und flexible Planung, gute Marktkenntnisse und eine funktionierende Logistik. Durch eine nachhaltige und verantwortungsvolle Beschaffung von Rohstoffen kann zusätzlich ein Beitrag zur Umweltschonung geleistet werden. Entscheidend sind zudem robuste Lieferantenbeziehungen, belastbare Daten- und Prozessqualität sowie ein kontinuierliches Monitoring der Kennzahlen, um Zielkonflikte zwischen Kosten, Qualität und Liefersicherheit transparent zu steuern.
Praxisorientiert bedeutet dies: belastbare Bedarfsplanung, klare Materialspezifikationen, qualifizierte Lieferanten, sinnvolle Bestands- und Losstrategien, transparente Qualitätsprüfung und kontinuierliche Verbesserung anhand messbarer Kennzahlen. So lassen sich Qualität, Kosten und Liefersicherheit ausgewogen steuern. Ergänzend unterstützen digitale Workflows, eindeutige Stammdaten, standardisierte Prüfberichte und klar definierte Eskalationspfade eine stabile und nachvollziehbare Beschaffungsorganisation.
Zusammenfassung:
- Die Materialbeschaffung ist der Prozess der Suche, Auswahl und Kauf von Rohstoffen oder Materialien, die für die Produktion von Produkten benötigt werden, wie beispielsweise Wellpappe für Verpackungen.
- Sie umfasst auch die Verwaltung und Kontrolle der Materialflüsse, um die richtige Menge an Materialien zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zu haben, um die Produktionseffizienz zu maximieren und die Kosten zu minimieren.
- Insbesondere bei der Herstellung von Verpackungen aus Wellpappe ist eine effiziente Materialbeschaffung wichtig, denn sie spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität der Endprodukte und kann erheblichen Einfluss auf die Produktionskosten und den Ertrag eines Unternehmens haben.
- Wesentliche Elemente sind Spezifikationsmanagement, Lieferantenauswahl, Dispositionsverfahren, Bestandssteuerung und Wareneingangsprüfung.
- Strategische Optionen reichen von Single- bis Multi-Sourcing, Rahmenverträgen, Abrufmodellen, Konsignationslager und Just-in-time/Just-in-sequence.
- Relevante Kennzahlen: Servicegrad, On-Time-Delivery, Qualitätsabweichungsquote, Bestandsreichweite, Bestandsumschlag und Gesamtkostenbetrachtung.
- Nachhaltige, verantwortungsvolle Beschaffung unterstützt Ressourceneffizienz und stabile Qualität über den Lebenszyklus von Wellpapp-Erzeugnissen.
- Risikomanagement, Stammdatenqualität und digitale Schnittstellen (z. B. für Abrufe und Lieferavise) erhöhen Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit und Versorgungssicherheit.
- Durch standardisierte Prozesse, klare Rollen und kontinuierliche Lieferantenentwicklung lassen sich Schwankungen in Qualität und Lieferfähigkeit wirksam begrenzen.
Veröffentlicht am 04.06.2024
Letzte Überarbeitung am 22.10.2025 um 14:16 Uhr von Julia Kopp