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Organische Materialien
Wellpappe und organische Materialien stehen in einer engen Beziehung. In der Verpackungsindustrie hat sich Wellpappe aufgrund ihrer Eigenschaften und Vorteile mehr und mehr durchgesetzt. Unverzichtbar sind hierbei organische Materialien, da sie einen Großteil der Zellstoffproduktion für Wellpappe ausmachen. Neben Primärfasern aus Holz spielen heute Sekundärfasern aus Altpapier sowie biobasierte Hilfsstoffe (zum Beispiel stärkehaltige Klebstoffe) eine maßgebliche Rolle. Dadurch entsteht ein Faser- und Materialkreislauf, der ressourcenschonend ist und technische sowie ökologische Anforderungen miteinander verbindet. Zusätzlich unterstützt der Einsatz organischer Materialien die Reduktion des Materialeinsatzes bei gleicher Funktion, die Substitution fossiler Rohstoffe in relevanten Prozessschritten und eine hohe Wiederverwertbarkeit der Verpackungen. So lassen sich in der Praxis robuste, gewichtsoptimierte und funktionsgerechte Verpackungslösungen für Transport, Lagerung und Versand realisieren.
Definition: Was versteht man unter organischen Materialien?
Unter organischen Materialien, auch organische Stoffe, versteht man natürliche oder künstlich hergestellte Materialien, die Kohlenstoff enthalten und in der Regel auf Lebewesen zurückzuführen sind. Dazu gehören Holz, Papier oder Textilien, aber auch Erzeugnisse wie Kunststoffe, die auf Erdöl basieren. Für die Herstellung von Wellpappe sind insbesondere Materialien von Interesse, die aus Pflanzenfasern gewonnen werden und deshalb nachwachsen und recycelbar sind. In der Verpackungspraxis stehen biogene, faserbasierte Rohstoffe im Vordergrund, weil sie kreislauffähig sind und sich in etablierte Sammel- und Aufbereitungssysteme integrieren lassen.
Im Kontext faserbasierter Werkstoffe umfasst dies biogene Rohstoffe wie Zellulose- und Lignocellulosefasern aus Nadel- und Laubholz, alternative Pflanzenfasern (z. B. Gras, Stroh oder Hanf) sowie biologisch basierte Bindemittel wie Stärke. Charakteristisch sind ein hoher Anteil an Zellulose und Hemizellulose, ein variabler Ligninanteil sowie damit verbundene Eigenschaften wie Steifigkeit, Reißfestigkeit und Formstabilität. Ergänzend werden wasserbasierte Hilfs- und Betriebsstoffe eingesetzt, die die Verarbeitung und Performance unterstützen. Dazu zählen modifizierte Stärken, pflanzenbasierte Proteine als Klebstoffkomponenten, natürliche Harze und Dispersionssysteme. Bei Funktionsanforderungen können dünne, überwiegend organische Beschichtungen eingesetzt werden, die Recyclingfähigkeit und Kreislaufführung nicht behindern.
Typische Gruppen organischer Materialien im Überblick
- Fasermaterialien: Primärfasern aus Holz, Sekundärfasern aus Altpapier, alternative Pflanzenfasern (z. B. Gras, Stroh).
- Klebstoffe und Additive: Stärkeklebstoffe, biobasierte Additive zur Optimierung von Verarbeitung, Festigkeit und Bedruckbarkeit.
- Beschichtungen auf Wasserbasis: Dünne, größtenteils organische Schichten zur Funktionserweiterung (z. B. Reibungs-, Gleit- oder Feuchteverhalten) im Rahmen recyclinggerechter Anwendungen.
- Biobasierte Funktionspolymere: Lignin- und Hemizellulose-Derivate, pflanzenbasierte Proteine sowie natürliche Wachse zur Anpassung von Oberflächeneigenschaften.
- Prozesshilfsmittel: Enzymatische Systeme, natürliche Dispergiermittel und harzfreie Formulierungen zur Stabilisierung von Faserflotten und Verklebungen.
Anwendung und Nutzen in der Wellpappenproduktion
Organische Stoffe spielen in der Herstellung von Wellpappe eine tragende Rolle. Die Hauptkomponente der Pappen ist nämlich Zellstoff, welcher aus Holzfasern durch Aufschluss gewonnen wird. Diese organischen Materialien bilden die Grundlage für hochwertige Wellpappen-Produkte. Ihr Einsatz ermöglicht es, leichte, stabile und gleichzeitig umweltfreundliche Verpackungen zu erzeugen.
In der Praxis werden mehrere Papierschichten kombiniert: Außen- und Innenlage (Liner) sowie die gewellte Mittellage (Welle). Je nach Anforderung variiert die Fasermischung zwischen Primär- und Recyclingfasern, um Eigenschaften wie Kantenstauchwiderstand, Berstfestigkeit, Durchstoßarbeit und Bedruckbarkeit gezielt einzustellen. Organische Klebstoffe auf Stärkebasis verbinden die Papierschichten und sorgen für dimensionsstabile Verbunde bei wirtschaftlicher Verarbeitung.
Für unterschiedliche Einsatzszenarien werden Wellenprofile (z. B. B-, C-, E- oder Kombinationen als Doppel- und Tripelwelle) ausgewählt und mit passenden Linern kombiniert. So lassen sich spezifische Anforderungen wie Stapelfestigkeit, Dämpfung, Faltbarkeit, Rillbarkeit und eine saubere Druckbildwiedergabe adressieren. Durch optimierte Fasermischungen, flächengewichtsspezifische Designs und gezielte Oberflächenbehandlungen können Verpackungen für E-Commerce, Industrie, Lebensmittelkontakt oder sensible Güter ausgelegt werden.
Beispiele aus der Praxis
- Zellstoff aus Holz: Liefert lange, belastbare Fasern für hohe Festigkeit bei geringem Flächengewicht.
- Recyclingfasern: Nutzen den bestehenden Faserpool mehrfach, reduzieren Primärrohstoffeinsatz und unterstützen kreislauffähige Materialströme.
- Stärkeklebstoffe: Biobasiert, wasserbasiert und prozesssicher – verbindend zwischen Welle und Deckschichten.
- Alternative Fasern: Ergänzen den Rohstoffmix, beispielsweise Grasfaserpapiere für spezifische Anforderungen und regionale Wertschöpfung. Weiterführende Informationen zu modernen, ressourcenschonenden Verpackungen aus Graspapier.
- Biobasierte Additive: Lignin- und Stärke-Derivate zur Erhöhung der Nassfestigkeit, Verbesserung der Verklebung und Steuerung der Viskosität im Prozess.
- Wasserbasierte Funktionsschichten: Dünne, recyclingverträgliche Beschichtungen zur Optimierung von Gleit- oder Reibwerten und zur kontrollierten Feuchteaufnahme.
Verarbeitung und Eigenschaften von organischen Materialien in der Wellpappenindustrie
In der Wellpappenproduktion werden organische Materialien in Form von Zellstoff verwendet. Der Zellstoff wird in speziellen Maschinen zu einer stabilen Welle geformt und mit glatten Papierschichten verbunden. Das Resultat ist eine wirtschaftlich und ökologisch vorteilhafte Verpackungslösung. Organische Materialien in Form von Zellstoff überzeugen durch ihre Festigkeit, ihr geringes Gewicht und ihre umweltverträglichen Eigenschaften.
Der industrielle Ablauf umfasst in der Regel: Faseraufbereitung (Aufschluss von Holz oder Aufbereitung von Altpapier), Papierherstellung (Entwässern, Pressen, Trocknen), Wellenbildung über beheizte Riffelwalzen, Auftrag des Stärkeklebstoffs, Kaschieren der Deckpapiere, anschließende Trocknung und Konditionierung. Prozessparameter wie Temperatur, Feuchtegehalt und Klebstoffviskosität beeinflussen die Verbundqualität und damit die mechanischen Kennwerte.
Materialeigenschaften sind stark von Faserqualität, Flächengewicht und Feuchtezustand abhängig. Wichtige Merkmale sind Steifigkeit in Maschinen- und Querrichtung, Kantenstauchwiderstand, Berstfestigkeit, Energieaufnahme bei Stößen, Maßhaltigkeit sowie die Fähigkeit, Druckbilder sauber wiederzugeben. Als biogener Werkstoff reagiert der Verbund auf Klimaeinflüsse; eine geeignete Lagerung und klimatische Konditionierung sind daher wesentliche Bestandteile der Qualitätssicherung.
Zusätzlich bestimmen Gelpunkt und Feststoffgehalt des Stärkeklebstoffs, Leimfilmdicke, Riffelwalzentemperatur, Bahngeschwindigkeit und Anpressdruck die Qualität der Verklebung. Durch energieeffiziente Trocknungsprofile, Wärmerückgewinnung, geschlossene Wasserkreisläufe und präzise Feuchtesteuerung werden stabile Prozesse, geringe Ausschussraten und konstante Materialeigenschaften erzielt. Digitale Überwachungssysteme mit inline-Messungen (z. B. Bahnfeuchte, Grammatur, Temperatur) unterstützen die Reproduzierbarkeit.
Relevante Qualitätskennwerte
- Flächengewicht und Dicke: Basis für die Einordnung von Stabilität und Handhabung.
- Kantenstauchwiderstand (ECT): Maß für die Druckstabilität der Wellstruktur.
- Berstfestigkeit und Durchstoßarbeit: Indikatoren für Widerstand gegenüber punktuellen Belastungen.
- Feuchtegehalt und Wasseraufnahme (z. B. Cobb): Einfluss auf Steifigkeit, Verklebung und Bedruckbarkeit.
- Biegesteifigkeit und SCT/RCT: Kennwerte zur Beurteilung der Tragfähigkeit und der Faserverbundqualität.
- BCT (Stapelbelastung der fertigen Schachtel): Systemkennwert, der Konstruktion, Wellenprofil und Materialqualität integriert.
Normen und Prüfmethoden
- Grammatur und Dicke: Bestimmung nach ISO 536 und ISO 3034.
- ECT und RCT: Prüfungen gemäß ISO 3037 (ECT) und ISO 12192 (RCT).
- SCT und Biegesteifigkeit: Ermittlung nach ISO 9895 (SCT) und ISO 5628/5629.
- Berst- und Durchstoßprüfung: Typische Verfahren nach ISO 2758/2759 (Berst) und ISO 3036 (Durchstoßarbeit).
- Wasseraufnahme (Cobb): Bestimmung nach ISO 535, relevant für Bedruckbarkeit und Verklebung.
- BCT: Box Compression nach ISO 12048 zur Bewertung der Schachtelfestigkeit.
Vor- und Nachteile organischer Materialien
Organische Stoffe in der Wellpappenherstellung bringen viele Vorteile mit sich. Sie sind nachhaltig, da sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und leicht recycelbar sind. Zudem ist Wellpappe sehr stabil und gleichzeitig leicht, was den Transport und die Handhabung vereinfacht. Auch in Sachen Kosten überzeugen organische Materialien, da Holz als Rohstoff relativ günstig und gleichzeitig reichlich vorhanden ist. Allerdings haben organische Materialien auch Nachteile. Der Hauptkritikpunkt ist der hohe Wasserverbrauch bei der Herstellung. Zudem kann die Verfügbarkeit von organischen Materialien, vor allem von Holz, in einigen Regionen eingeschränkt sein. Hier spielen Faktoren wie Übernutzung der Wälder und klimatische Bedingungen eine Rolle.
- Vorteile: Erneuerbarkeit der Rohstoffe, hoher Festigkeits-zu-Gewicht-Vorteil, gute Bedruckbarkeit, etablierte Recyclinginfrastruktur, reduzierter Einsatz fossiler Materialien durch biobasierte Klebstoffe.
- Potenzielle Nachteile: Wasser- und Energiebedarf in Faseraufbereitung und Papierherstellung, Feuchteempfindlichkeit des Werkstoffs, Faserlängenverkürzung über viele Recyclingzyklen, regionale Rohstoffschwankungen.
- Risikofaktoren: Witterungsbedingte Ernteschwankungen, logistische Abhängigkeiten, Qualitätsvariabilität bei Sekundärfasern und Anforderungen an klimatisch kontrollierte Lagerung.
Ökologische Bewertung und Kreislaufführung
Die ökologische Performance organischer Materialien profitiert von geschlossenen Stoffkreisläufen und hohen Wiederverwertungsquoten. Ein steigender Anteil an Sekundärfasern, effiziente Prozesse, reduzierte Flächengewichte bei gleicher Funktion sowie recyclinggerechtes Design tragen wesentlich dazu bei, den Ressourcenverbrauch zu mindern und Materialströme langfristig zu stabilisieren.
Entscheidend sind darüber hinaus eine verantwortungsvolle, zertifizierte Forstwirtschaft, kurze Transportwege, der Einsatz erneuerbarer Energien in der Papierherstellung, eine optimierte Wasserführung und sortenreine Materialkonzepte. Designstrategien wie Monomateriallösungen, reduzierte Komplexität bei Bedruckung und Beschichtung sowie eine klare Kennzeichnung fördern hohe Rücklauf- und Wiederverwertungsquoten.
Die Zukunft der organischen Materialien in der Wellpappenproduktion
Experten sehen eine vielversprechende Zukunft für den Einsatz organischer Materialien in der Wellpappenindustrie. Durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung werden immer effizientere und nachhaltigere Produktionsmethoden angestrebt. Darunter fällt beispielsweise der gezielte Anbau von schnellwachsenden Baumarten für die Zellstoffproduktion oder die Nutzung von Recyclingmaterial. Kleinere Akteure und Start-ups experimentieren zudem mit innovativen organischen Materialien wie Pilzmyzel oder Hanf.
Darüber hinaus rücken alternative Faserquellen (z. B. Gras und agrarische Reststoffe) sowie prozessseitige Innovationen in den Fokus: enzymatische Aufschlussverfahren, optimierte Stärkeklebstoffe, wasserbasierte Funktionsschichten und digitale Prozessregelungen zur präzisen Steuerung von Feuchte- und Temperaturprofilen. Material- und Designstrategien wie Monomateriallösungen und kreislaufgerechte Konstruktionen unterstützen die Wiederverwertung ohne aufwendige Trennschritte.
Schwerpunkte kommender Entwicklungen
- Rohstoffdiversifizierung: Ergänzung klassischer Holzfasern durch alternative, regional verfügbare Faserpflanzen.
- Prozessoptimierung: Senkung von Wasser- und Energieeinsatz, stabile Verklebung bei geringeren Temperaturen, reduzierte Trocknungszeiten.
- Funktionserweiterung: Bedarfsgerechte Oberflächenfunktionen mit recyclingverträglichen, überwiegend organischen Systemen.
- Digitalisierung und Monitoring: Inline-Sensorik, datenbasierte Prozessführung und vorausschauende Instandhaltung zur Qualitätssicherung.
- Materialdesign: Grammatur- und Faserfeinabstimmung zur Erreichung geforderter Kennwerte bei reduziertem Ressourcenverbrauch.
Schlussbemerkung
Organische Materialien leisten einen entscheidenden Beitrag in der Wellpappenindustrie. Mit ihrem Einsatz wird eine nachhaltige Verpackungsproduktion möglich, die sich durch geringes Gewicht und hohe Stabilität auszeichnet. Herausforderungen wie hoher Wasserverbrauch oder regionale Verfügbarkeiten werfen allerdings Fragen auf. Es wird deutlich, dass die Branche weiterhin innovative Ansätze und Lösungen benötigt, um den Anforderungen von Wirtschaft und Umwelt gerecht zu werden.
Entscheidend bleibt eine ganzheitliche Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus: vom Rohstoff über die Verarbeitung bis zur Wiederverwertung. Transparente Kennwerte, belastbare Prüfmethoden und kontinuierliche Prozessverbesserungen bilden die Grundlage, um Leistungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit organischer Materialien im Wellpappensektor weiter zu stärken. Ergänzend fördern standardisierte Prüfungen und klar definierte Spezifikationen eine verlässliche Qualität im industriellen Einsatz.
Zusammenfassung:
- Organische Materialien sind umweltfreundliche Rohstoffe, die aus der Natur stammen und in der Herstellung von Verpackungen, insbesondere Wellpappe, verwendet werden können.
- Diese natürlichen Materialien, wie z. B. Holzfasern, sind erneuerbar und bieten eine nachhaltige Option zur Reduzierung von Abfällen und zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft.
- Die Verwendung von organischen Materialien in der Produktion von Wellpappe verbessert nicht nur die Ökobilanz von Unternehmen, sondern kann auch die Qualität und Funktionalität der Verpackungen verbessern.
- Biobasierte Klebstoffe, ein hoher Anteil an Recyclingfasern und ein prozessorientiertes Qualitätsmanagement erhöhen Effizienz und Materialleistung.
- Potenziale liegen in alternativen Faserquellen, optimierten Aufschluss- und Trocknungsprozessen sowie recyclinggerechten Konstruktionen.
- Relevante Kennwerte wie ECT, BCT, Biegesteifigkeit und Cobb ermöglichen eine zielgerichtete Auslegung von Wellpappe für verschiedene Anwendungen.
Veröffentlicht am 07.08.2024
Letzte Überarbeitung am 24.12.2025 um 11:47 Uhr von Sebastian Würth