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Papierwickel
Die Welt der Wellpappe-Verpackung ist vielschichtig und technisch geprägt. Ein Baustein, der in Konstruktion und Leistungsfähigkeit häufig den entscheidenden Unterschied macht, ist der Papierwickel. Als tragender Bestandteil beeinflusst er das Tragverhalten, die Formstabilität und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Druck- und Stoßbeanspruchungen. Durch seine Geometrie und Materialauslegung trägt der Papierwickel maßgeblich dazu bei, dass transportierte Güter zuverlässig geschützt und Lasten sicher abgeleitet werden.
Im Fertigungs- und Konstruktionskontext gilt der Papierwickel als strukturgebendes Element mit klar definierbaren Kenngrößen und reproduzierbaren Eigenschaften. Er lässt sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen, etwa hinsichtlich Wandstärke, Durchmesser oder Festigkeit, und ermöglicht so eine präzise Auslegung für den jeweiligen Einsatzzweck.
Darüber hinaus interagiert der Papierwickel als Papierröhre beziehungsweise Papierhülse mit anderen Komponenten der Verpackung aus Wellpappe. Er übernimmt Lastpfade entlang Kanten, Flächen und Stützpunkten, reduziert lokale Spannungsspitzen und stabilisiert Verpackungsgeometrien gegen Verformung. Dies wirkt sich positiv auf den Kantenstauchwiderstand, die Ringfestigkeit und die Gesamtperformance der konstruktiven Verpackung aus.
Definition: Was versteht man unter Papierwickel?
Papierwickel bezeichnet eine rollen- beziehungsweise rohrförmige Struktur aus schmalen Papier- oder Kartonstreifen, die in mehreren Lagen spiralförmig um einen Kern gewickelt und miteinander verklebt werden. Das Ergebnis ist ein stabiler, zylindrischer Hohlkörper, der als Wellpappe-Komponente eingesetzt wird, um Bauteile zu versteifen, Lastpfade zu verstärken oder als eigenständiges Verpackungselement zu dienen.
Die Spiralwicklung ermöglicht eine gleichmäßige Lastverteilung entlang der Mantelfläche. Je nach Wickelwinkel, Lagenzahl und Papierqualität entstehen spezifische mechanische Eigenschaften wie hohe Ring- und Druckfestigkeit sowie gute Biegesteifigkeit. In der Praxis unterscheidet man häufig zwischen spiralgewickelten und parallelgewickelten Ausführungen; im Kontext technischer Anwendungen dominiert der Spiralwickel aufgrund seiner effizienten Kraftaufnahme und der flexiblen Anpassbarkeit.
Neben Spiralhülsen existieren parallelgewickelte Kartonhülsen, bei denen die Faserorientierung überwiegend in Längsrichtung ausgerichtet ist. Spiralgewickelte Papierhülsen erreichen durch den typischen Wickelwinkel (häufig zwischen etwa 25° und 75° zur Hülsenachse) eine vorteilhafte Kombination aus Umfangs- (Ring-) und Längssteifigkeit. Die Verklebung der Lagen erfolgt mit definierter Klebstofffilmdicke, sodass ein homogener Lagenverbund entsteht, der Schubkräfte zuverlässig überträgt und Delamination vorbeugt.
Die Herstellung von Papierwickel
Die Fertigung erfolgt in der Regel aus Recyclingfaser-basierten Papieren (z. B. Testliner, Hülsenkarton), die zu schmalen Bahnen geschnitten werden. Diese Streifen werden kontrolliert um eine Wickelachse geführt und mit wasserbasierten Klebstoffen (häufig Stärke- oder Dextrinleime, teils modifiziert mit PVAc) lageweise verbunden. Der Feuchtegehalt der Papierbahnen, die Bahnspannung sowie der Wickelwinkel werden prozesssicher geregelt, um Maßhaltigkeit und Festigkeit zu gewährleisten. So entsteht ein homogener, zylindrischer Wickelkörper, der als Baustein einer Verpackung aus Wellpappe oder als eigenständiges Schutzelement eingesetzt wird.
Prozessschritte im Überblick
- Aufbereitung des Rohpapiers (Konditionierung, Zuschneiden in definierte Streifenbreiten).
- Klebstoffauftrag zwischen den Lagen mit definiertem Auftragsgewicht.
- Spiralwicklung bei festgelegtem Wickelwinkel und konstanter Bahnspannung.
- Formstabilisierung und Trocknung bis zum Erreichen der Zielfeuchte.
- Kalibrierung und Zuschnitt auf Länge, Prüfung der Maß- und Formtoleranzen.
In modernen Anlagen sorgen Wickelkopf, Dorn, Abzugseinheit und Inline-Säge für reproduzierbare Hülsenlängen und saubere Schnittkanten. Kontakt- oder berührungslose Messsysteme überwachen Durchmesser, Ovalität und Wandstärke in Echtzeit. Eine fein dosierte Trocknung verhindert Spannungsrisse und minimiert Restfeuchte-Gradienten, die zu Verzug führen könnten.
Relevante Kenngrößen
- Innendurchmesser, Außendurchmesser und Wandstärke (Ergebnis aus Lagenzahl und Papiergrammatur).
- Wickelwinkel und Faserorientierung (beeinflussen Biege- und Ringfestigkeit).
- Ovalität und Rundlaufgenauigkeit (wichtig für passgenauen Einsatz).
- Dichte und Klebstoffanteil (wirken auf Gewicht und Steifigkeit).
- Feuchtegehalt und Klimabeständigkeit (maßgeblich für Dimensionsstabilität).
- Lagenversatz und Wickelrichtung (links- oder rechtsgängig; beeinflusst Schubverbund und Rundlauf).
- Kantenqualität der Stirnseiten (relevant für Punktbelastungen und Endschutzlösungen).
Qualität und Prüfung
- Mechanische Kennwerte werden typischerweise über Kurzzeit-Druckversuche, Ring- und Flachstauchtests (z. B. SCT, RCT, CMT) ermittelt.
- Maßhaltigkeit wird über Toleranzen für Durchmesser, Wandstärke, Länge und Ovalität verifiziert.
- Verklebungsqualität wird durch Delaminations- und Schältests kontrolliert, um Lagenverbund und Prozessstabilität sicherzustellen.
Zusätzliche Prüfungen wie Berstfestigkeit, Flachstauchwiderstand, Eigenspannungsanalyse nach Klimakonditionierung sowie Prüfklima-Referenzen (z. B. 23 °C/50 % r. F.) erhöhen die Vergleichbarkeit. Für Papier- und Papphülsen werden in der Praxis häufig anerkannte Normen und Prüfleitfäden herangezogen (z. B. ISO- und DIN-Reihen im Bereich Papier, Karton und Rollenkerne), um Messmethoden und Toleranzklassen eindeutig zu definieren.
Nutzen in der Verpackungsindustrie
Als funktionales Element dient der Papierwickel zur lokalen oder flächigen Verstärkung, zur Lastverteilung entlang Kanten und Flächen sowie als formstabile Röhre für empfindliche oder langformatige Güter. In der Praxis kommen Papierwickel unter anderem als Kerne für Folien, Bänder und Gewebe, als konstruktive Abstandshalter, als Kanten- und Flächenträger oder als eigenständige Röhren zum Einsatz.
Besonders verbreitet ist die Nutzung als Transport- und Schutzhülle in zylindrischer Form, etwa für Pläne, Poster, Stäbe, Profile oder Zeichnungen. Hierfür werden Papierwickel als spiralgewickelte Röhren als robuste Versandhülsen eingesetzt, die durch ihre Geometrie eine hohe Ringfestigkeit und einen zuverlässigen Oberflächenschutz bieten.
- Lebensmittel- und Konsumgüterbereiche: Kerne für flexible Packstoffe, Schutzhüllen für empfindliche Langgüter.
- Elektronik und Medientechnik: Transport von Kabeln, Rohren, Stäben und sensiblen Komponenten.
- Textil- und Folienindustrie: Wickelkerne für Bahnwaren mit hohen Anforderungen an Rundlauf und Steifigkeit.
- Bau- und Metallsektor: Schutz von Profilen, Leisten und Stangenmaterial.
- Pharma- und Kosmetikbereich: Schutzverpackungen für Proben, Röhrchen und filigrane Langteile.
- Möbel- und Innenausbau: Fixierung und Kantenschutz für Leisten, Profile und Furnierbündel.
- Druck- und Werbetechnik: Transport von großformatigen Drucken, Bannern und Postern.
Vor- und Nachteile der Papierwickel
Die Nutzung bietet eine Kombination aus Stabilität, Planbarkeit und Ressourceneffizienz. Spiralgewickelte Konstruktionen halten axialen und radialen Stauchbeanspruchungen zuverlässig stand und lassen sich durch Wahl von Papierqualität, Lagenzahl und Wickelwinkel gezielt auslegen. Aus ökologischer Sicht ist der hohe Anteil an Recyclingfasern vorteilhaft; das Material kann üblicherweise wiederverwertet werden. Grenzen bestehen bei dauerhaft hoher Feuchtebelastung und bei Anwendungen, die ausgeprägte Schlagzähigkeit oder wasserabweisende Eigenschaften erfordern. Außerdem eignen sich starr aufgebaute Wickel nicht für jedes Produktformat oder jeden Radius, insbesondere wenn hohe Flexibilität gefordert ist.
- Vorteile: hohe Ring- und Druckfestigkeit, maßhaltige Fertigung, anpassbare Wandstärken, gute Verfügbarkeit, recyclinggerechte Materialien.
- Weitere Vorteile: reproduzierbare Kenngrößen, geringer Werkzeugaufwand, wirtschaftliche Herstellung in unterschiedlichen Losgrößen.
- Nachteile: begrenzte Feuchte- und Nassfestigkeit ohne zusätzliche Imprägnierung, eingeschränkte Eignung bei komplexen Freiformen, potenzielle Delamination bei unzureichender Verklebung.
- Optionale Verbesserungen: hydrophobe Beschichtungen, angepasste Klebstoffsysteme, Kantenschutz und Enddeckscheiben zur Stabilisierung der Stirnflächen.
- Weitere Hinweise: geeignete Lagerung und Konditionierung, kontrollierte Schnittqualität und Endbearbeitung zur Minimierung von Kerbwirkungen.
Auslegung und Auswahlkriterien
- Belastungsfall: axialer vs. radialer Druck, Biegebeanspruchung, Stoß- und Vibrationslasten.
- Geometrie: Innendurchmesser, Wandstärke, Länge, Toleranzen und erforderliche Passungen.
- Umgebung: Lager- und Transportklima, Feuchtewechsel, Temperaturbereiche.
- Prozess: benötigte Schnittlängen, Konfektionierung, Endenkonfiguration (entgratet, verschlossen, offen).
- Material: Papierqualitäten (Hülsenkarton, Testliner), Grammatur, Nassfestmittel, Klebstoffsystem.
- Sicherheitsreserven: dimensionierende Lastfälle, empirische Faktoren und Prüfwerte (z. B. SCT/RCT) zur Auslegung berücksichtigen.
Typische Fehlerbilder und Prävention
- Delamination zwischen Lagen: Klebstoffauftrag und Pressdruck überprüfen, Trocknung optimieren.
- Ovalität/Rundlaufabweichung: Wickelspannung, Winkel und Kalibrierung anpassen.
- Kantenaufbrüche: Entgratung, Endschutz oder Abschlussdeckel vorsehen.
- Feuchtebedingte Maßänderungen: Konditionierung und geeignete Barrieren nutzen.
- Faltenbildung und Lagenverschiebung: Streifenführung, Bahnzug und Wickelwinkel stabilisieren.
- Klebstoffdurchschlag: Auftragsmenge und Viskosität an Papieraufnahmevermögen anpassen.
- Mikrorisse an Stirnflächen: Schnittparameter, Messerzustand und Abstützung beim Sägen optimieren.
Materialien, Normen und Prüfklima
Für Papierwickel werden überwiegend Hülsenkarton, Testliner und gelegentlich Kraftliner in definierten Grammaturen eingesetzt. Additive wie Nassfestmittel oder Leimharze können die Feuchtebeständigkeit erhöhen, müssen jedoch mit der Recyclingfähigkeit in Einklang stehen. Standardisierte Prüfklimata (typisch 23 °C/50 % r. F.) nach anerkannten Normen gewährleisten vergleichbare Ergebnisse bei der Ermittlung mechanischer Kenngrößen. Normative Dokumente für Papier, Karton und Hülsen definieren Messmethoden, Toleranzen und Benennungen, wodurch sich Papierwickel verlässlich spezifizieren lassen.
Weiterverarbeitung und Konfektion
Je nach Einsatzzweck werden Papierwickel konfektioniert: Längenzuschnitt, Fasen oder Entgratung der Stirnseiten, Einbringen von Schlitzungen für Rastpunkte sowie das Anbringen von Enddeckscheiben oder Kappen. Bedruckungen und Kennzeichnungen (z. B. Chargen- oder Richtungsmarkierungen) unterstützen die Rückverfolgbarkeit und Montage. Für empfindliche Produkte können Auskleidungen, Zwischenlagen oder Endpolster integriert werden, ohne den Monomaterial-Charakter der Papierröhre zu verlieren.
Lagerung, Klima und Handling
Eine sachgerechte Lagerung auf ebenen Flächen oder in passenden Aufnahmen minimiert Ovalität und Druckstellen. Papierwickel sollten vor direkter Feuchte geschützt und vor dem Einsatz auf das Zielklima konditioniert werden. Beim Handling reduziert die Verwendung geeigneter Greif- und Auflagehilfen Kantenbeschädigungen; das Stapeln sollte der Belastbarkeit in Längs- und Querrichtung angepasst sein.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Papierwickel sind in der Regel aus faserbasierten, recyclingfähigen Materialien gefertigt. Der Einsatz wasserbasierter Klebstoffe, ein hoher Anteil an Recyclingfasern sowie sortenreine Konstruktionen unterstützen die Wiederverwertung. Durch bedarfsgerechte Auslegung lassen sich Materialeinsatz und Masse optimieren, ohne die Schutzfunktion zu beeinträchtigen. Lebenszyklusbetrachtungen profitieren von kurzen Transportwegen, standardisierten Qualitäten und einer recyclingfreundlichen Konfektion.
Berechnungs- und Konstruktionshinweise
Für die Dimensionierung empfiehlt sich ein iteratives Vorgehen: Festlegen der Lastfälle, Abschätzen der erforderlichen Wandstärke aus Lastniveau, Durchmesser und zulässigen Spannungen, Abgleich mit verfügbaren Grammaturen und Lagenzahlen sowie Validierung über Prüfwerte (z. B. SCT/RCT) und Prototypen. Sicherheitszuschläge berücksichtigen Fertigungstoleranzen, Klimaschwankungen und Stoßereignisse. Die Kombination aus empirischen Erfahrungswerten und genormten Prüfmethoden führt zu robusten, reproduzierbaren Auslegungen.
Zusammenfassung:
- Papierwickel bezeichnet eine Methode zur Herstellung von stabilen Papierprodukten, bei der einzelne Papierbahnen spiralförmig um einen Kern gewickelt werden.
- Diese Technik ist besonders nützlich in der Verpackungsindustrie, wo sie zum Einsatz kommt, um starke und robuste Verpackungslösungen wie Röhren aus Wellpappe zu produzieren.
- Die durch das Wickelverfahren erzeugten Papierröhren bieten hervorragende Schutzfunktionen, was sie zu einer beliebten Wahl für die sichere Verpackung von Produkten macht.
- Wesentliche Kenngrößen sind Innendurchmesser, Wandstärke, Wickelwinkel, Lagenzahl und Ovalität; sie bestimmen Druckfestigkeit, Biegesteifigkeit und Maßhaltigkeit.
- Typische Anwendungen reichen von Kernen für Bahnwaren bis zu eigenständigen Röhren für den Transport langformatiger Güter.
- Grenzen bestehen ohne Zusatzschutz bei Feuchte- und Schlagbeanspruchung; geeignete Beschichtungen und exakte Prozessführung erhöhen die Zuverlässigkeit.
- Normierte Prüfmethoden, definiertes Prüfklima und eine saubere Konfektion sichern reproduzierbare Ergebnisse und eine passgenaue Integration in Wellpappe-Verpackungen.
- Eine bedarfsgerechte Auslegung verbindet mechanische Leistungsfähigkeit mit Ressourceneffizienz und unterstützt kreislauffähige Verpackungslösungen.
Veröffentlicht am 02.06.2024
Letzte Überarbeitung am 03.12.2025 um 10:50 Uhr von Sebastian Würth