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Querbelastbarkeit
In der Welt der Verpackungsindustrie spielt die Querbelastbarkeit eine bedeutende Rolle, insbesondere bei der Nutzung von Wellpappe als Verpackungsmaterial. Ein tiefes Verständnis dieses Begriffs und seiner Bedeutung kann dabei helfen, die optimale Wellpappe für spezifische Anforderungen zu wählen. Querbelastungen treten entlang der Lieferkette auf: beim Palettieren, während des Transports (Bremsen, Kurvenfahrten, Schwingungen), in der Lagerung und beim innerbetrieblichen Handling. Eine sachgerechte Auslegung reduziert Transportrisiken, sorgt für Maßhaltigkeit der Packmittel und erhöht die Sicherheit des Packgutes. Darüber hinaus trägt eine gezielte Berücksichtigung der Querbeanspruchungen dazu bei, Verformungen der Seitenwände zu minimieren, die Passgenauigkeit von Schachteln zu erhalten und Beschädigungen an Kanten, Rilllinien und Flächen vorzubeugen. So lässt sich die Gebrauchstauglichkeit über den gesamten Lebenszyklus der Verpackung stabil sicherstellen.
Definition: Was versteht man unter Querbelastbarkeit?
Unter Querbelastbarkeit versteht man die Fähigkeit eines Materials, seitlichen Druck- und Schubkräften standzuhalten. Bei der Wellpappe bedeutet dies, dass sie dem Einfluss tangentialer Kräfte und seitlicher Stauchung auf Seitenwände, Kanten und Flächen widersteht. Die Robustheit und Widerstandsfähigkeit von Wellpappe gegenüber diesen seitlichen Belastungen definiert ihre Gebrauchstauglichkeit im Alltag. Neben Schubbeanspruchungen entstehen in den Paneelen auch Biege-, Beul- und Knickmechanismen, die gemeinsam das Versagensbild prägen. Die Querbelastbarkeit ergibt sich daher aus einem Zusammenspiel von Biegesteifigkeit, Schubmodul, Papierfestigkeiten und dem wellpappenspezifischen Verbund.
Richtungsabhängigkeit: Die mechanischen Eigenschaften von Wellpappe unterscheiden sich in Maschinenlaufrichtung (MD) und quer dazu (CD). Querbelastbarkeit bezieht sich vor allem auf das Verhalten in Querrichtung, also auf die Stabilität der Paneele gegen Beulen, Knicken und lokale Stauchung. Sie ist damit eng mit Biegesteifigkeit, Paneelstabilität und der Struktur der Welle verknüpft. Typischerweise ist die Steifigkeit und Tragfähigkeit in MD höher, während in CD die Ausbeulneigung steigt; diese Anisotropie muss bei Zuschnitt, Wellenorientierung und Faltkonstruktion berücksichtigt werden, um ein ausgewogenes Last-Verformungs-Verhalten zu erreichen.
Abgrenzung zu verwandten Kennwerten
- Kantenstauchwiderstand (ECT): misst die Stauchfestigkeit an der Kante; beeinflusst die Boxdruckfestigkeit, aber ist nicht identisch mit seitlicher Paneelbelastung.
- Flachstauchwiderstand (FCT): beschreibt die Stauchfestigkeit der Welle; relevant für lokale Eindrücke, jedoch nicht allein aussagekräftig für seitliche Paneelstabilität.
- Ringstauch- und Kurzspann-Druckprüfungen (RCT/SCT): charakterisieren die Papierfestigkeit und liefern Eingangsgrößen für die Paneel- und Kastenfestigkeit.
- Box Compression (BCT): vertikale Stapeldruckfestigkeit; Querbelastbarkeit wirkt sich indirekt aus, wenn Seitenwände seitlich ausbeulen und dadurch Tragfähigkeit verlieren.
Typische Lastfälle und Beispiele
Querbelastungen entstehen in vielen praxisnahen Situationen: beim Kurvenfahren und abrupten Bremsen in der Distribution, beim quetschenden Greifen durch Fördertechnik oder Kommissionierhilfen, bei formschlüssiger bzw. kraftschlüssiger Palettierung mit Umreifung, Stretch- oder Schrumpffolie, beim Überstand von Kartons auf Paletten, beim Anfahren von Rampen und beim Transport in Mischpaletten. Zusätzlich wirken punktuelle Querkräfte durch harte Kanten oder ungleichmäßig verteilte Produktgewichte, die lokale Beulen und Eindrücke auslösen können. Eine systematische Analyse dieser Lastfälle erhöht die Planungssicherheit bei der Auswahl und Konstruktion von Schachteln.
Die Rolle der Querbelastbarkeit in der Wellpappe
Die Querbelastbarkeit spielt eine entscheidende Rolle in der Herstellung und Nutzung von Wellpappe. Sie determiniert, wie gut die Verpackung Warensendungen während des Transports schützt. Eine hohe Querbelastbarkeit vermindert das Risiko von Beschädigungen. Indem man die Eigenschaften und Variablen, die die Querbelastbarkeit beeinflussen, versteht und anwendet, lässt sich die ideale Wellpappe für unterschiedliche Verpackungszwecke auswählen. Ebenso beeinflusst die Querbelastbarkeit die Maßhaltigkeit der Seitenwände und damit die Passgenauigkeit bei Deckel-/Bodenkonstruktionen, das Verhalten in Mehrwegzyklen sowie die Stabilität in automatisierten Verpackungs- und Förderprozessen.
Einflussfaktoren auf die Querbelastbarkeit
- Wellenprofil und Aufbau: E-, B-, C- oder kombinierte Doppel-/Dreifachwellen (z. B. BC) ändern die Paneelsteifigkeit; dickere und höhere Profile erhöhen meist die seitliche Tragreserve.
- Papierqualitäten: Grammatur, Faserqualität (z. B. Wellenstoff, Testliner, Kraftliner) und Leimung bestimmen RCT/SCT und damit die Paneelstabilität.
- Laufrichtung und Zuschnitt: Die Orientierung der Welle zur Hauptbelastungsrichtung beeinflusst Beul- und Knickverhalten der Seitenflächen.
- Rillung, Stanzungen, Öffnungen: Rilllinien, Aussparungen und Perforation reduzieren lokal die Steifigkeit und können zu früherem Ausknicken führen.
- Klima und Feuchte: Erhöhte relative Feuchte verringert Festigkeit und Steifigkeit; Klimakonditionierung ist daher essenziell.
- Inhalt und Lastverteilung: Schwerpunktlage, Flächenpressung und Punktlasten (z. B. Kanten von Produkten) erhöhen lokale Querbeanspruchungen.
- Palettierung und Ladungssicherung: Formschluss, Zwischenlagen und Umreifung beeinflussen, wie seitliche Kräfte in die Außenwände eingeleitet werden.
Auch geometrische Aspekte wie Zuschnitt, Wandhöhe und Paneelbreite wirken mit: großflächige Seitenwände beulen unter Querlast eher aus als kleinere Felder. Nähere Informationen bieten Vertiefende Hinweise zu Abmessungen und Toleranzen. Zusätzlich spielen Klebestellen (Klebnaht), die Qualität der Verklebung der Welle, Faltklappenlängen sowie Innenausstattungen wie Stege oder Polster eine Rolle, da sie die Lastpfade verändern und die Stabilität der Seitenflächen erhöhen können.
Messung und Berechnung der Querbelastbarkeit
Die Messung der Querbelastbarkeit erfolgt durch spezielle Tests, die meist in Laborumgebungen durchgeführt werden. Bei diesen Tests wird die Wellpappe seitlichem Druck ausgesetzt, um zu sehen, wie sie sich verhält. Aus diesen Daten lässt sich dann die Querbelastungsfähigkeit der Wellpappe berechnen. Zum Messen der Querbelastbarkeit werden in der Regel Geräte wie Querdrucktester oder Ringstauchgeräte eingesetzt. Ergänzend liefern Biegesteifigkeitsprüfungen und Paneeltests an Schachteln wertvolle Hinweise auf das Beul- und Knickverhalten.
Prüfansätze in der Praxis: Neben Querdrucktests an Plattenproben werden standardisierte Kennwerte herangezogen, die Rückschlüsse auf die Paneelstabilität zulassen. Dazu zählen RCT/SCT für die Papiere und ECT für den Verbund. Ergänzend kommen Paneel- bzw. Seitendruckprüfungen an fertigen Schachteln zum Einsatz, bei denen die Seitenwand als Fläche quer belastet wird. Die Auswertung erfolgt über Kraft-Weg-Kurven (Elastizitätsbereich, Maximum, Knickpunkt) sowie berechnete Flächen- oder Linienlasten. Durch Variation von Klima und Belastungsgeschwindigkeit lassen sich Empfindlichkeiten und Sicherheitsreserven quantifizieren.
Klimakonditionierung und Prüfbedingungen: Referenzklimata (z. B. 23 °C/50 % r. F.) sind wichtig, da Feuchte die Steifigkeit deutlich reduziert. Belastungsgeschwindigkeit, Probengeometrie (Breite/Höhe der Paneele) und Kantenqualität (Rill-/Schneidkanten) beeinflussen die Ergebnisse und sollten dokumentiert werden. Für reproduzierbare Ergebnisse sind ausreichende Probenanzahlen, Konditionierungszeiten und die eindeutige Angabe der Wellenorientierung gegenüber der Last erforderlich.
Kennzahlen und Modelle
Zur ingenieurmäßigen Bewertung der Querbelastbarkeit werden Kennzahlen wie ECT, Biegesteifigkeit in MD/CD, das Schubmodul des Verbunds und die geometrischen Abmessungen der Paneele herangezogen. Aus diesen Größen lassen sich kritische Beullasten und Knickpunkte abschätzen, entweder über empirische Diagramme, vereinfachte Plattenmodelle oder numerische Simulationen. Die Kombination aus Werkstoffkennwerten (RCT/SCT), Verbundkennwerten (ECT) und realer Geometrie liefert praxisnahe Prognosen für das seitliche Trag- und Verformungsverhalten.
Normen und Prüfstandards
In der Praxis kommen anerkannte Prüfverfahren nach gängigen Normen zum Einsatz (u. a. für ECT, FCT, RCT/SCT, BCT sowie Biegesteifigkeit). Die Auswahl der Verfahren richtet sich nach der Zielgröße: Materialscreening, Verbundbewertung oder Bauteilprüfung an der fertigen Schachtel. Eine transparente Dokumentation der Prüfparameter ermöglicht die Vergleichbarkeit zwischen Chargen und Lieferanten.
Übertragung in die Auslegung
- Aus Kennwerten wie ECT und Paneelabmessungen können Beulreserven abgeschätzt werden; numerische Simulationen oder empirische Diagramme ergänzen Laborwerte.
- Praxistests an prototypischen Schachteln (Seitendruck, Fall-/Vibrationsprüfungen mit seitlichen Komponenten) validieren die Auslegung unter realitätsnahen Belastungen.
- Sicherheitszuschläge berücksichtigen Streuungen durch Klima, Materialchargen und Handling.
- Orientierung der Welle gezielt zur Hauptquerlast ausrichten und große Paneelfelder durch konstruktive Elemente (z. B. Einlagen, Stege) unterteilen.
- Ladungssicherung (Umreifung, Folierung) so auslegen, dass seitliche Kräfte flächig eingeleitet und lokale Einschnürungen vermieden werden.
- Serienbegleitende Prüfungen etablieren, um Langzeiteinflüsse wie Feuchteaufnahme oder wiederholte Querbeanspruchung zu überwachen.
Vor- und Nachteile von Querbelastbarkeit
Die Querbelastbarkeit hat sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ein klarer Vorteil ist, dass Wellpappe mit hoher Querbelastbarkeit sicherstellt, dass die Fracht während des Transports gut geschützt ist. Dies erhöht die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Packgutes und verringert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Beschädigungen und daraus resultierenden Kosten. Auf der anderen Seite kann eine höhere Querbelastbarkeit auch zu einem Anstieg der Herstellungskosten führen, da für die Produktion solcher Wellpappe möglicherweise teurere Materialien oder Technologien benötigt werden. Zudem kann sehr hohe Steifigkeit die Faltbarkeit einschränken und das Rill- sowie Verschlussverhalten beeinflussen.
- Vorteile: bessere Maßhaltigkeit der Seitenwände, geringere Beulneigung, höhere Toleranz gegen seitliche Stöße und Druck, stabileres Verhalten auf Mischpaletten und in gemischten Lagen.
- Potenzielle Nachteile: höherer Materialeinsatz und Gewicht, reduzierte Faltbarkeit bei sehr steifen Qualitäten, ggf. geringere Energieaufnahme bei punktuellen Stößen im Vergleich zu weicheren Strukturen.
- Abwägung: Die Auswahl sollte auf den Lastfällen, den klimatischen Rahmenbedingungen und der geforderten Lebensdauer der Packmittel basieren.
Kosten-Nutzen-Betrachtung
Eine wirtschaftliche Auslegung balanciert Materialeinsatz und Quertragfähigkeit. Ziel ist es, die benötigte Paneelstabilität mit möglichst geringem Flächengewicht zu erreichen, ohne die Handhabung oder maschinelle Verarbeitung zu beeinträchtigen. Dazu gehören abgestufte Materialkonzepte, ausreichende Sicherheitsfaktoren für Feuchte- und Handlingeinflüsse sowie robuste Konstruktionsdetails an rill- und stanzintensiven Bereichen.
Best Practices zur Erhöhung der Querbelastbarkeit
- Wellenorientierung zur dominanten Querlast optimieren und großformatige Paneele konstruktiv unterteilen.
- Geeignete Papierqualitäten und Grammaturen wählen, die ein ausgewogenes Verhältnis aus RCT/SCT und Biegesteifigkeit bieten.
- Rill- und Stanzbild so gestalten, dass Kerbwirkungen minimiert und kritische Zonen verstärkt werden.
- Klebnähte und Verklebungen prozesssicher auslegen, um den Verbund bei Querbeanspruchung zu stabilisieren.
- Ladungssicherung so ausführen, dass seitliche Kräfte flächig eingeleitet werden; Eck- und Kantenschutz verhindert lokale Überlastungen.
- Klimaführung und Lagerung beachten: Konditionierte Materialien verarbeiten und Feuchteexposition entlang der Lieferkette begrenzen.
- Praxistests mit realem Packgut und realistischen Lastkollektiven durchführen, um Annahmen zu verifizieren.
Häufige Fehlerbilder und Ursachen
- Ausbeulen großer Seitenwände durch ungleichmäßige Lastverteilung oder fehlende Innenabstützung.
- Knicklinien entlang von Rillungen infolge zu geringer Reststegdicken oder zu scharfer Rillgeometrien.
- Lokale Eindrücke durch punktuelle Kantenlasten des Inhalts oder durch zu straffes Umreifen.
- Festigkeitsverlust durch erhöhte Feuchte und inadäquate Klimakonditionierung vor Test und Einsatz.
- Überdeckelung oder Palettenüberstand, die zusätzliche Querkräfte und Hebelarme erzeugen.
Praxisbeispiele
Bei empfindlichen Produkten mit hohem Schwerpunkt (z. B. Haushaltsgeräte) sind Seitenwände oft kritische Elemente. Hier steigern Doppelwellen, optimierte Wellenorientierung und flächig einleitende Zwischenlagen die Querbelastbarkeit. In Mischpaletten mit wechselnden Lagen fördern Formschluss, Eckschutz und eine abgestimmte Umreifung die Paneelstabilität. In der innerbetrieblichen Logistik mit automatisierter Fördertechnik reduziert eine sorgfältige Abstimmung von Greifkräften und Fördergeschwindigkeiten lokale Quetschungen und seitliche Stauchungen.
Zusammenfassung:
- Die Querbelastbarkeit ist eine Kerneigenschaft für Verpackungen, vor allem bei solchen aus Wellpappe, und bezeichnet deren Widerstandsfähigkeit gegen seitlich einwirkende Kräfte.
- Bei der Auswahl der richtigen Verpackung für Ihre Produkte spielt die Querbelastbarkeit eine entscheidende Rolle, da sie die Stabilität der Verpackung und damit den Schutz des verpackten Gutes sichert.
- Hohe Querbelastbarkeit ermöglicht es, dass auch bei Stapelung die unteren Verpackungen nicht unter dem Druck zusammenbrechen und so die darin enthaltenen Waren optimal schützen.
- Materialaufbau, Wellenprofil, Papierqualitäten, Laufrichtung und klimatische Bedingungen bestimmen die Paneelstabilität und sollten systematisch berücksichtigt werden.
- Laborwerte (z. B. RCT/SCT/ECT) und Seitendruckprüfungen an fertigen Schachteln ergänzen sich, um praxisnahe Aussagen zur Querbelastung zu erhalten.
- Eine durchdachte Ladungssicherung, angepasste Konstruktionsdetails und klimabewusste Prozesse erhöhen die Quertragfähigkeit und die Maßhaltigkeit im Einsatz.
- Die Auslegung sollte auf realistischen Lastfällen, validierten Prüfungen und angemessenen Sicherheitszuschlägen basieren, um Streuungen und Umwelteinflüsse abzudecken.
Veröffentlicht am 20.05.2025
Letzte Überarbeitung am 21.11.2025 um 11:22 Uhr von Sebastian Würth