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Überfüllschutz
Beim Gebrauch von Verpackungen aus Wellpappe spielt der Überfüllschutz eine zentrale Rolle. Er dient dazu, die zulässige Füllhöhe und den Füllgrad zu begrenzen, sodass Kartonagen, Faltkartons und Versandverpackungen ihre Schutz- und Stapelfunktion während Lagerung, Intralogistik und Transport zuverlässig erfüllen. Ein wirksamer Überfüllschutz vermeidet Kantenquetschungen, Verformungen, Stauchschäden und Folgeschäden an der verpackten Ware. Zugleich sorgt eine definierte Kopffreiheit (Headspace) für reproduzierbare Verschlusswege und unterstützt eine planbare, materialsparende Vorratshaltung in der Verpackungslogistik.
Definition: Was versteht man unter Überfüllschutz?
Unter Überfüllschutz versteht man konstruktive Merkmale, organisatorische Vorgaben oder mechanische Elemente, die verhindern, dass eine Verpackung über die vorgesehene Füllhöhe hinaus beladen wird. Ziel ist es, das Risiko zu mindern, dass ein Karton infolge Überlastung seine Form verliert, aufplatzt oder die Schutzwirkung reduziert. In der Praxis umfasst dies unter anderem eine definierte maximale Füllhöhe, Markierungen im Innenraum, Einlagen oder Stege als Anschläge, zusätzliche Rillungen, Deckelstopper, Falzkanten mit Signalwirkung sowie – je nach Ausführung – perforierte Abrissbereiche zur kontrollierten Höhenreduktion. Ergänzend kommen einfache Messhilfen (z. B. Lehren, Schablonen) zum Einsatz, mit denen die Einhaltung der Fülllinie schnell überprüft werden kann.
Ein Überfüllschutz setzt damit eine Obergrenze für Menge, Masse oder Volumen der einzulegenden Artikel und kann sowohl über die Konstruktion (z. B. Stanzkonturen, Rillabstände, Laschengeometrie) als auch über Arbeitsanweisungen (Fülllinien, Prüfhinweise) realisiert werden. Er ist darauf ausgelegt, die Alltagstauglichkeit von Kartonagen zu erhöhen, die Rillzonen und Kanten zu entlasten und den Produktschutz im gesamten Verpackungsprozess – vom Kommissionieren bis zur Palettierung – abzusichern. Wichtig ist zudem die eindeutige Kommunikation der zulässigen Füllhöhe, etwa durch gut sichtbare Piktogramme oder farblich abgesetzte Linien im Innenraum.
Abgrenzung: Überfüllschutz vs. Fixierung des Packguts
Überfüllschutz begrenzt primär die Füllhöhe und damit die zulässige Innenlast im oberen Bereich der Verpackung. Fixierende Elemente (z. B. Formeinlagen, Polster, Klemmschalen) dienen hingegen der positionsstabilen Lagerung des Produkts. In vielen Anwendungen werden beide Prinzipien kombiniert: Die Fixierung verhindert Bewegung und Reibung, während der Überfüllschutz Kopffreiheit und Verschlussfähigkeit sicherstellt.
Ziele des Überfüllschutzes
- Sicherstellung der Formstabilität des Kartons bei zulässiger Innenlast.
- Schutz der Ware vor Druck-, Reib- und Stoßschäden durch zu geringe Kopffreiheit.
- Prozesssicherheit beim Kommissionieren, Verschließen, Palettieren und Stapeln.
- Planungssicherheit hinsichtlich Trag- und Stapeldruck sowie Transportbelastungen.
- Materialeffizienz durch passende Füllgrade ohne unnötige Reservevolumina.
- Standardisierung von Packvorgaben zur Verringerung von Prozessstreuungen.
- Arbeitsschutz durch reduzierte Kraftaufwände beim Verschließen und geringere Verletzungsgefahr an überstehenden Klappen.
Die Anforderungen an einen qualitativ hochwertigen Überfüllschutz
Ein wirksamer Überfüllschutz muss sowohl konstruktive als auch prozessuale Anforderungen erfüllen. Er sollte sicherstellen, dass die Verpackung ihre Form auch im oberen Füllbereich hält und sich Deckelklappen ohne übermäßige Vorspannung schließen lassen. Zudem sollten eingesetzte Materialien (z. B. Wellpappsorten mit angemessener ECT/BCT-Leistung) die erforderlichen Druck- und Stoßreserven mitbringen. Gleichzeitig ist eine einfache und intuitive Handhabung wichtig, damit Packkräfte die maximale Füllhöhe eindeutig erkennen und einhalten können. Farben, Symbole und taktile Markierungen erhöhen die Erkennbarkeit; klare Arbeitsanweisungen und kurze Trainingszyklen fördern die konsequente Umsetzung im Alltag.
- Konstruktive Eindeutigkeit: klar erkennbare Fülllinie, definierte Anschläge/Stopper, ausreichend steife Deckelkonstruktionen.
- Mechanische Reserve: angepasste Wellenqualität und Papiergrammaturen für die erwarteten Lastfälle (unter Berücksichtigung sinnvoller Sicherheitsfaktoren).
- Verschlussfähigkeit: Klappen müssen ohne erzwungenes Spannen schließen; Klebe- oder Selbstklebestreifen dürfen nicht überlastet werden.
- Ergonomie: schneller Zugriff, freier Greifraum und keine Beeinträchtigung der Entnahme trotz Begrenzung der Füllhöhe.
- Prozesskompatibilität: Kennzeichnung verständlich, Schulungsaufwand gering, Prüfmethoden (Sicht-/Höhenkontrolle) praktikabel.
- Qualitätssicherung: dokumentierte Prüfpläne, Stichprobenfrequenzen und Freigabekriterien für neue oder geänderte Verpackungsvarianten.
Für die Auslegung ist die innere Füllhöhe in Relation zur Innenhöhe maßgeblich. Toleranzen der Rillung, der Materialstauchung und der Verschlussart sind einzuplanen. Nützliche Hintergründe liefert ein Überblick mit ausführlichen Hinweisen zu geeigneten Abmessungen für Versandkartons, um Füllhöhen, Kopffreiheit und Verschlusswege praxisnah abzustimmen.
Typische Ausführungen des Überfüllschutzes
- Innenanschläge und Einlagen: Stege, Rahmen oder Trays begrenzen die Einlegehöhe und stabilisieren die Seitenwände.
- Rilllinien und Markierungen: zusätzliche Rillung oder Druckmarke als visuelle Fülllinie; optional mit taktiler Orientierung.
- Deckelstopper: konstruktive Laschen, die bei korrekter Füllhöhe sauber greifen und bei Überfüllung Widerstand anzeigen.
- Perforierte Anpassung: definierte Perforation für das Kürzen eines Deckelteils zur kontrollierten Volumenreduktion.
- Fixierende Elemente: Spannrahmen, Klemmprofile oder Einleger zur positionsgenauen Fixierung und Füllgradbegrenzung.
- Variable Rillhöhen: mehrstufige Rillbilder für flexible Packhöhen innerhalb einer Verpackungsgröße.
- Höhenlehren: einfache Karton- oder Kunststofflehren als Hilfsmittel für schnelle Füllhöhenkontrollen im Prozess.
Die Funktion des Überfüllschutzes in der Wellpappenindustrie
In der Wellpappenindustrie senkt ein konsequenter Überfüllschutz die Ausfall- und Reklamationsquote, da er das Überschreiten der konstruktiven Grenzen von Faltkartons verhindert. Die definierte Kopffreiheit wirkt als Pufferraum gegen Stöße und lokale Belastungen, die beim Handling, beim Sortieren, im Paketstrom oder auf der Palette auftreten. Dadurch bleiben Kanten, Rillzonen und Klebestellen entlastet, was die Stapelstabilität und den Produktschutz unterstützt. Gleichzeitig werden Transportkräfte gleichmäßiger in die Seitenwände eingeleitet, was das Risiko lokaler Durchbiegungen mindert.
Besonders relevant ist der Zusammenhang von Füllhöhe, Verschlussart und Stapeldruck auf Ladeeinheiten. Werden Kartons auf einer Europalette eng gesetzt, können kleinste Überfüllungen zu systematischen Vorspannungen führen, die die gesamte Ladeeinheit beeinflussen. Ein auf die realen Transport- und Lagerszenarien abgestimmter Überfüllschutz schafft hier reproduzierbare Bedingungen. Dies ist auch für automatisierte Intralogistiksysteme (Fördertechnik, Sorter, Depalettierer) bedeutsam, da uniforme Außenmaße und plan aufliegende Deckel die Betriebssicherheit erhöhen.
Praxisbeispiele
- E-Commerce-Versand: Fülllinien in Versandkartons verhindern, dass lose Waren den Deckel hochdrücken und Klebestreifen unter Last versagen.
- Archiv- und Ordnerverpackungen: Anschläge begrenzen die Rückenbreite und halten den Deckel flächig schließend, um Verzug zu vermeiden.
- Bruchgefährdete Güter: Einleger und Rahmen schaffen Kopffreiheit über empfindlichen Zonen (z. B. Kanten, Ecken, Verschlüsse der Produkte).
- Pharmazeutische Sekundärverpackungen: definierte Füllhöhen sichern die Einhaltung der Packdichte und erleichtern visuelle Endkontrollen.
- Automotive-Kleinteile: Stege und Trays begrenzen Schüttguthöhen in KLT-kompatiblen Kartonagen und verhindern Reibverschleiß.
Vor- und Nachteile des Überfüllschutzes
Überfüllschutzsysteme bieten mehrere Vorteile: Sie erhöhen die Sicherheit während Transport und Lagerung, vermeiden Schäden an der verpackten Ware und reduzieren die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen. Durch definierte Füllhöhen verbessert sich die Prozessstabilität, da Verschlüsse zuverlässig greifen und Stapeldrücke gleichmäßiger übertragen werden. Ebenso unterstützt ein klarer Überfüllschutz eine effiziente Kommissionierung, da Packvorgaben leicht überprüfbar sind. Zusätzlich lassen sich Packmittelvarianten vereinheitlichen, was die Variantenvielfalt reduziert und die Schulung vereinfacht.
Dennoch kann ein zu strikter Überfüllschutz Nachteile mit sich bringen. Wird die Box zu konservativ dimensioniert, bleibt Innenraum ungenutzt oder es entsteht ein höherer Bedarf an Füllstoff. Zudem können zusätzliche Bauteile (Einlagen, Stopper) Kosten und Handlingaufwand erhöhen. Auch die Zugänglichkeit zum Packgut kann sich verschlechtern, wenn Anschläge und Stege ungünstig platziert sind. Eine ausgewogene Auslegung mit Blick auf Produktempfindlichkeit, Handhabung, Füllgrade und Transportwege ist daher entscheidend. Empfehlenswert sind iteratives Prototyping und belastungsnahe Tests, um Überkonstruktion zu vermeiden.
Prüfung und Nachweis
- Höhen- und Verschlussprüfung: Kontrolle, ob Klappen ohne Vorspannung schließen und der Deckel flächig aufliegt.
- Kompression und Stapeldruck: Prüfung der Kartonstabilität (z. B. BCT-orientierte Ansätze) bei typischen Belastungen.
- Fall- und Schwingtests: Verifizierung, dass Kopffreiheit und Fixierung Stoßenergie und Vibrationen ausreichend abfangen.
- Prozessaudit: Stichproben im Packprozess zur Einhaltung der Fülllinie und zur ergonomischen Handhabung.
- Klimakonditionierung: Berücksichtigung von Feuchte- und Temperatureinflüssen auf Materialsteifigkeit und Rillverhalten.
- Inprozesskontrollen: einfache Lehren oder Prüfkarten zur schnellen Füllhöhenprüfung an der Packstation.
Best Practices für die Umsetzung
- Fülllinien deutlich markieren und in Arbeitsanweisungen erläutern.
- Rillabstände und Laschengeometrie so wählen, dass Deckel ohne Kraftschluss schließen.
- Einlagen nur so komplex wie nötig gestalten; auf schnelle Entnahme achten.
- Toleranzen der Materialien (Stauchung, Rückfederung) bei der Füllhöhenplanung berücksichtigen.
- Regelmäßige Schulungen für Packkräfte, um Überfüllung und Unterfüllung zu vermeiden.
- Farbcodierungen und Piktogramme einsetzen, um Grenzstände intuitiv erkennbar zu machen.
- Rückmeldeschleifen mit Logistik und Qualitätssicherung nutzen, um Füllgrenzen kontinuierlich zu verfeinern.
Häufige Fehler und deren Vermeidung
Zu den typischen Fehlermustern zählen unklare Fülllinien, zu geringe Kopffreiheit bei variierenden Produkten, unzureichende Rillsteifigkeit im Deckelbereich sowie Überbeanspruchung von Klebestreifen. Abhilfe schaffen eindeutige Markierungen, die Anpassung der Rillbilder, ausreichend steife Deckellaschen und die Festlegung minimaler Kopffreiheit in Abhängigkeit von Produktart und Verschlussmethode.
Normen, Kennzahlen und Berechnung
Für die Auslegung sind Kennwerte wie ECT (Edge Crush Test) und BCT (Box Compression Test) relevante Orientierungsgrößen. Die zulässige Füllhöhe sollte in Bezug zu erwarteten Stapeldrücken, dynamischen Belastungen und zu den Verschlusskräften definiert werden. Praxisnah ist die Festlegung einer minimalen Kopffreiheit in Millimetern bzw. als prozentualer Anteil der Innenhöhe, ergänzt um Sicherheitszuschläge für Materialtoleranzen, Klimaeinflüsse und Prozessstreuungen. Prüfpläne können sich an gängigen Testmethoden orientieren und sollten reale Transportprofile (z. B. Palettierung, Umschlag, Paketstrom) abbilden.
Nachhaltigkeitsaspekte
Ein angemessen dimensionierter Überfüllschutz trägt zur Ressourcenschonung bei: Er verhindert Folgeschäden, reduziert Retourenquoten und minimiert den Bedarf an zusätzlichem Füllmaterial. Gleichzeitig ermöglicht er eine präzisere Abstimmung von Verpackungsabmessungen auf das Packgut, was Materialeinsatz und Transportvolumen senken kann.
Zusammenfassung:
- Überfüllschutz ist eine wichtige Sicherheitsmaßnahme, die gerade in der Verpackungsindustrie angewendet wird, um Beschädigungen der Ware durch Überfüllung der Verpackungen zu verhindern.
- Insbesondere bei der Nutzung von Wellpappe-Verpackungen ist der Überfüllschutz elementar, um das Produkt sicher und unbeschädigt an den Bestimmungsort zu liefern.
- Durch entsprechende Lösungen im Bereich Überfüllschutz können Unternehmen nicht nur mögliche Schäden an den Produkten umgehen, sondern auch Verluste durch Verschwendung von Verpackungsmaterial minimieren.
- Er wird konstruktiv (z. B. Rillungen, Anschläge, Deckelstopper) und prozessual (Fülllinien, Prüfhinweise) realisiert, um Füllhöhe und Füllgrad klar zu begrenzen.
- Eine ausgewogene Auslegung berücksichtigt Materialeigenschaften, Verschlussart, Stapeldruck und Handhabung im Packprozess.
- Vorteile sind höhere Prozesssicherheit und geringere Schadensraten; Nachteile entstehen, wenn Überfüllschutz zu restriktiv dimensioniert oder ergonomisch ungünstig umgesetzt wird.
- Regelmäßige Prüfungen und klare Kennzeichnungen stellen sicher, dass der Überfüllschutz im Alltag wirksam bleibt.
- Zusätzliche Praxisregeln wie definierte Kopffreiheiten, einfache Lehren zur Füllhöhenkontrolle und klimabezogene Tests erhöhen die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
Veröffentlicht am 24.07.2024
Letzte Überarbeitung am 04.11.2025 um 12:07 Uhr von Manuel Hofacker