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Critical Control Point Verpackung
Kontrolle und Qualitätssicherung spielen eine zentrale Rolle in der Produktion und Logistik, insbesondere wenn es um sensible Güter wie Lebensmittel, Kosmetika oder Medikamente geht. Hier kommt die Methode der Critical Control Points (CCP) ins Spiel, die bei Lösungen aus Wellpappe und verwandten Kartonagen eine tragende Funktion übernehmen kann. Durch eine systematische Gefahrenanalyse, definierte Grenzwerte sowie ein konsequentes Monitoring wird sichergestellt, dass Risiken im Verpackungsprozess beherrscht und konform zu geltenden Standards gesteuert werden. Dies umfasst die lückenlose Absicherung entlang der gesamten Lieferkette, vom Wareneingang über die Verarbeitung bis hin zur finalen Versandkontrolle, inklusive klarer Zuständigkeiten, Freigabeprozesse und dokumentierter Prüfpläne.
CCPs sind dabei nicht nur in der Endverpackung relevant. Bereits Materialeingang, Lagerung, Umgebungsbedingungen, Verarbeitungsschritte und das Zusammenführen von Produkt und Umhüllung können kritische Phasen darstellen. Ziel ist es, physikalische, chemische und biologische Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, zu eliminieren oder auf ein akzeptables Niveau zu reduzieren. Dazu zählen auch Risiken durch recycelte Faserstoffe, migrationsrelevante Komponenten, Staub- und Partikelemissionen oder Kreuzkontaminationen in multifunktionalen Produktionsbereichen. Präventive Instandhaltung, Hygienekonzepte (GHP) und gute Herstellungspraxis (GMP) bilden die Grundlage, auf der CCPs gezielt aufsetzen.
Definition: Was versteht man unter Critical Control Point Verpackung?
Die Critical Control Point Verpackung ist ein Element des HACCP-Konzepts (Hazard Analysis and Critical Control Points). Sie beschreibt einen strategischen Kontrollpunkt in Herstellung, Handhabung und Weiterverarbeitung, an dem potenzielle Risiken gezielt gesteuert werden. Ein CCP unterscheidet sich von allgemeinen Kontrollstellen (CP) dadurch, dass hier kritische Grenzwerte definiert und überwacht werden, deren Überschreiten zu unmittelbaren Korrektur- oder Sperrmaßnahmen führt. Voraussetzung ist eine fundierte Gefahrenanalyse, die das Risiko (Eintrittswahrscheinlichkeit × Schweregrad) bewertet und nur die wirklich kritischen Schritte als CCP klassifiziert. In der Praxis ergänzt die CCP-Steuerung grundlegende Hygienemaßnahmen (z. B. Reinigungspläne, Personalhygiene) und gute Herstellungspraxis. Ebenso werden Eingriffs- und Alarmgrenzen festgelegt, Prüfmittel und Messmethoden validiert sowie die Reaktionswege bei Abweichungen eindeutig beschrieben, um reproduzierbare Entscheidungen zu ermöglichen.
Im Kontext papierbasierter Umhüllungen umfasst dies unter anderem die Bewertung von Materialeigenschaften (z. B. geeignete Rohpapiere, migrationsarme Farbsysteme), Prozessparametern (Kleben, Stanzen, Falten), Umgebungsbedingungen (Staub, Feuchte, Temperatur) sowie der Schnittstellen zum Füllgut. Entscheidend ist die messbare Festlegung von Grenzwerten, deren laufende Überwachung und eine klare Dokumentation. Hinzu kommen sensorische Aspekte (Geruch, Geschmacksneutralität), die Beachtung von Barriereeigenschaften bei Lebensmittelkontaktmaterialien, das Schädlingsmonitoring in Lagerbereichen und die Sicherstellung eines konsistenten Freigabeprozesses durch qualifiziertes Personal.
Beispiel: Kritischer Kontrollpunkt im Verpackungsprozess mit Wellpappe
Bei einer Wellpappe-Umverpackung kann ein CCP der Moment sein, in dem das Produkt in die Schutzschachtel eingebracht wird. In dieser Phase liegt ein erhöhtes Risiko für Kontamination (Fremdkörper, Staub, mikrobiologische Einträge) oder Beschädigung vor. Kritische Kontrollen umfassen hier unter anderem angemessene Hygienepraktiken und Schulung der Mitarbeiter, freigegebene und saubere Kontaktflächen, kontrollierte Luftqualität im Verpackbereich, definierte Handhabungsanweisungen sowie das Sperren von Materialien bei Abweichungen. Je nach Produkt kann zusätzlich eine Fremdkörperkontrolle (z. B. visuell oder kamerabasiert) etabliert werden. Ergänzend sind die korrekte Chargentrennung der Verpackungsmaterialien, eine eindeutige Kennzeichnung des Freigabestatus und ein standardisiertes Einrichten des Arbeitsplatzes (5S) zweckmäßig, um Fehlgriffe und Verwechslungen zu vermeiden.
Weitere CCP-nahe Beispiele im Ablauf: verwendete Klebstoffe müssen korrekt dosiert und ausgehärtet sein, um Rückstände zu vermeiden; Druck- und Kaschierprozesse sind so zu führen, dass ein Übertrag (Set-off) oder unzulässige Migration minimiert wird; die Umgebungsfeuchte wird im zulässigen Korridor gehalten, damit die Stabilität der Schachtel und der Schutz während Transport und Lagerung gewährleistet bleibt. Zusätzlich sind Kantenqualität und Rillgenauigkeit regelmäßig zu prüfen, um Beschädigungen am Füllgut auszuschließen; bei empfindlichen Produkten kann eine inline-basierte Oberflächeninspektion helfen, Partikel oder Klebefäden frühzeitig zu erkennen. Eine vorausschauende Wartung der Anlagen reduziert Prozessschwankungen und unterstützt die Einhaltung definierter Prozessfähigkeiten.
Anwendungsbereiche von CCPs in der Verpackungsindustrie
Für Unternehmen, die Umhüllungen aus Wellpappe herstellen oder nutzen, können CCPs an unterschiedlichen Stellen des Wertstroms definiert werden. Je nach Füllgut und Risikoappetit kommen die Bauart der Verpackung, die Materialbeschaffenheit der Wellpappe oder der Transportprozess in Betracht. Eine strukturierte Festlegung und Überwachung dieser Punkte trägt dazu bei, die Qualität des Enderzeugnisses zu sichern und regulatorische Vorgaben einzuhalten. Das gilt sowohl für Primär-, Sekundär- als auch Transportverpackungen, beispielsweise bei shelf-ready Lösungen, E-Commerce-Versandverpackungen oder pharmazeutischen Sekundärverpackungen mit besonderen Anforderungen an Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit.
- Wareneingang: Freigabe nur bei konformen Rohpapieren, Hilfsstoffen und Farbsystemen (z. B. migrationsarm, geeignete Konformitätserklärungen).
- Verarbeitung: Kontrolle von Klebstoffauftrag, Trocknung/Aushärtung, Staubentwicklung an Stanz- und Rillstationen, Sauberkeit der Linien.
- Kontaktphase mit dem Füllgut: Saubere Packplätze, definierte Handhabungsregeln, Vermeidung von Kreuzkontamination.
- Kennzeichnung: Lesbarkeit und Richtigkeit von Chargen-, Mindesthaltbarkeits- oder Batch-Informationen.
- Lagerung und Transport: Einhaltung von Temperatur- und Feuchtekorridoren, Schutz vor Geruchsübertragung und Verunreinigung.
- Maßhaltigkeit und Passform: Fertigungs- und Prüfanweisungen, um korrekte Abmessungen im Verpackungsprozess berücksichtigen zu können; Berücksichtigung von Rill- und Falt-Toleranzen sowie Maßprüfplänen.
- Reinigung und Hygiene: Validierte Reinigungsverfahren, dokumentierte Freigaben vor Produktionsstart.
- Rückverfolgbarkeit: Vollständige Chargendokumentation von Rohpapieren, Klebstoffen, Farben und Zwischenerzeugnissen bis zur Auslieferung.
- Schädlingsmonitoring: Überwachung kritischer Zonen in Lager- und Produktionsbereichen, dokumentierte Maßnahmen bei Befall.
Vorgehen zur Identifikation und Steuerung von CCPs
- Prozessaufnahme: Alle Schritte vom Wareneingang bis zur Auslieferung visualisieren (z. B. Flussdiagramm).
- Gefahrenanalyse: Physikalische (Fremdkörper, Partikel), chemische (Migration, Rückstände, MOSH/MOAH) und biologische Risiken (Mikroorganismen) bewerten.
- Risikobewertung: Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung; Priorisierung kritischer Szenarien.
- CCP-Entscheidungsbaum: Abgrenzung zwischen CCP, allgemeiner Kontrollstelle und Grundvoraussetzung (Hygiene, GHP).
- Kritische Grenzwerte definieren: Messbar, begründet und über Prüfmittel verifizierbar.
- Überwachung festlegen: Was wird wie oft, durch wen, mit welchen Geräten geprüft (inklusive Toleranzen und Alarmgrenzen).
- Korrektur- und Korrekturmaßnahmen: Vorgehen bei Abweichungen (Sperrung, Nacharbeit, Ursachenanalyse).
- Verifizierung und Validierung: Regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen, Audits, Trendanalysen, Kalibrierungen.
- Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Lückenlose Aufzeichnungen, Chargenbezug, Freigabevermerke.
- Schulung und Befähigung: Qualifikationsprofile, regelmäßige Unterweisungen, Wirksamkeitskontrollen der Trainings.
- Lieferantenmanagement: Bewertung, Freigabe und Re-Audits von Zulieferern für Rohpapiere, Klebstoffe und Farben.
- Managementbewertung: Periodische Reviews von Kennzahlen, Abweichungen und Verbesserungsmaßnahmen.
Typische kritische Grenzwerte und Prüfmethoden
- Umgebungsbedingungen: Temperatur- und Feuchtebereich im Lager und an der Linie (z. B. zur Vermeidung von Verzug, Stabilitätsverlust, Geruchsaufnahme).
- Partikel- und Staubmanagement: Grenzwerte für Staubbelastung in sensiblen Bereichen; abschnittsweise Reinigung mit dokumentierter Freigabe.
- Druck und Veredelung: Vorgaben zu Farbe, Trocknung und Set-off; Prüfpläne für Migrationspotenziale und Geruch.
- Klebung: Minimal- und Maximalauftrag, Aushärtezeiten, Haftfestigkeit; Stichproben mit definierter Prüfhäufigkeit.
- Mechanische Eigenschaften: Kantenstauchwiderstand (ECT) oder Stapelstabilität als Qualitätskriterien, sofern relevant für Produktschutz.
- Kennzeichnung: Inline-Lesekontrolle, Prüfziffern, Plausibilitätschecks; Freigabekriterien für Etikett und Aufdruck.
- Sensorik: Geruchsprüfungen und ggf. taint-relevante Tests bei Lebensmittelkontaktmaterialien.
- Mikrobiologie (falls anwendbar): Grenzwerte für Gesamtkeimzahl in definierten Zonen, validierte Reinigungsintervalle.
- Konformitätsnachweise: Prüfzeugnisse zu migrationsrelevanten Stoffen, Dokumente nach gültigen Leitlinien.
Rechtliche und normative Grundlagen
Die Ausgestaltung von CCPs in der Verpackungsherstellung orientiert sich an anerkannten Regelwerken und Branchenstandards. Für Lebensmittelkontaktmaterialien sind insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 sowie einschlägige Leitlinien und Empfehlungen maßgeblich. Managementsysteme wie ISO 22000 oder FSSC 22000 und anwendungsspezifische Regelwerke unterstützen die systematische Verankerung von Gefahrenanalysen, Validierungen und Verifizierungen. In der Praxis werden CCP-Anforderungen mit internen Spezifikationen, Arbeitsanweisungen (SOPs) und Auditprogrammen verzahnt, um eine belastbare Compliance zu gewährleisten.
Rollen, Verantwortlichkeiten und Kompetenzen
Eine wirksame CCP-Steuerung erfordert klar definierte Rollen entlang der Prozesskette. Verantwortlichkeiten für Festlegung, Monitoring und Freigabe müssen transparent sein, damit Abweichungen zeitnah erkannt und abgearbeitet werden können. Qualifizierte Mitarbeitende mit Kenntnissen zu Messmethoden, Grenzwerten und Dokumentationspflichten sind entscheidend, ergänzt um Vertretungsregelungen und Eskalationspfade.
- Qualitätssicherung: Festlegung von Grenzwerten, Prüfplänen, Auditierung und Verifizierung.
- Produktion: Umsetzung der Vorgaben, Erstfreigaben an der Linie, Sperr- und Freigabeprozesse.
- Einkauf und Logistik: Lieferantenfreigabe, Wareneingangskontrolle, Lagerbedingungen, Rückverfolgbarkeit.
- Instandhaltung: Präventive und korrigierende Maßnahmen zur Sicherung stabiler Prozessparameter.
- Management: Bereitstellung von Ressourcen, Freigabe von Maßnahmenplänen, regelmäßige Reviews.
Praktische Umsetzung und digitale Unterstützung
Zur effizienten Steuerung von CCPs in Wellpappe-Prozessen eignen sich digitale Checklisten, Messdatenerfassung und Alarmschwellen mit automatischer Benachrichtigung. Dadurch werden Messwerte, Trendanalysen und Audittrails nachvollziehbar und zeitnah verfügbar. Schnittstellen zu ERP- und Lagersystemen erleichtern die Chargenverfolgung und unterstützen Sperr- sowie Freigabeentscheidungen. Standardisierte Formblätter, klare Benennungskonventionen und regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen erhöhen die Prozessstabilität.
- Digitale Prüfpläne mit Pflichtfeldern und Plausibilitätsprüfungen.
- Echtzeit-Monitoring kritischer Parameter mit Eskalationslogik.
- Fehler-Ursachen-Analyse (z. B. mit 5-Why oder Ishikawa) zur nachhaltigen Abstellung von Abweichungen.
- Kontinuierliche Verbesserung durch Kennzahlen (z. B. Reklamationsquote, Prozessfähigkeit) und Lessons Learned.
Dokumentation, Schulung und kontinuierliche Verbesserung
Wirksame CCP-Steuerung setzt geschulte Mitarbeitende, eindeutige Arbeitsanweisungen und verlässliche Aufzeichnungen voraus. Dazu zählen Prüfpläne, Checklisten, Freigabeprotokolle, Abweichungsberichte und Maßnahmenpläne. Regelmäßige Unterweisungen, Praxisübungen und Wirksamkeitskontrollen stärken das Verständnis für kritische Prozessschritte und erhöhen die Prozessstabilität. Trendanalysen unterstützen, Grenzwerte und Prüffrequenzen an neue Erkenntnisse anzupassen. Elektronische Dokumentation mit Versionierung, Audittrail und definierter Aufbewahrungsdauer verbessert Nachvollziehbarkeit und erleichtert interne sowie externe Audits.
Vor- und Nachteile von Critical Control Point Verpackung
Die Vorteile der Anwendung von CCPs bei der Wellpappen-Verpackung sind vielfältig. Sie tragen zur Produktsicherheit bei, unterstützen normkonforme Abläufe und erhöhen die Reproduzierbarkeit. Durch regelmäßige Kontrollen können Risiken frühzeitig erkannt und behoben werden. Zudem stärkt ein solches Vorgehen das Vertrauen in die Prozessfähigkeit. Herausforderungen bestehen in der Einführung und Pflege: Die Implementierung erfordert Aufwand, methodische Kompetenz und geeignete Messmittel. Unternehmen müssen CCPs korrekt bestimmen, kritische Grenzwerte valide herleiten, Monitoring-Maßnahmen festlegen und diese kontinuierlich prüfen und anpassen. Eine zielgerichtete Ressourcenplanung und die Abstimmung mit Lieferanten und Dienstleistern sind dabei hilfreich.
- Vorteile: Risikoreduktion, stabile Abläufe, geringere Reklamationsquoten, verbesserte Nachvollziehbarkeit, klare Verantwortlichkeiten.
- Herausforderungen: Aufwand für Analyse, Schulungsbedarf, Kalibrier- und Wartungsprozesse, potenzielle Fehleinstufung von Kontrollstellen, Ressourcenbindung.
- Nutzen für Audits: Strukturiertes Vorgehen, belastbare Aufzeichnungen, transparente Entscheidungsgrundlagen.
- Aufwandstreiber: Komplexität der Produkte, Vielfalt der Materialien, Anforderung an Prüfmittel und Datenerfassung.
Zusammenfassung:
- Wellpappe erfordert in der Produktion und beim Verpackungsprozess besondere Überwachungspunkte, die als Critical Control Points (kritische Kontrollpunkte) bezeichnet werden.
- Diese Überwachungspunkte dienen dazu, mögliche Risiken bei der Verpackungsherstellung zu identifizieren und zu minimieren, um Produktsicherheit und Qualität zu gewährleisten.
- Beispiele für Critical Control Points im Bereich der Verpackung könnten sein: die Überprüfung der Druckfarben auf Giftstoffe, die Kontrolle der Klebstoffe auf Allergene oder die Sicherstellung der richtigen Lagerbedingungen für die Verpackungen aus Wellpappe.
- CCPs basieren auf einer Gefahrenanalyse mit messbaren Grenzwerten, definierten Prüffrequenzen und dokumentierten Korrekturmaßnahmen.
- Wirksamkeit entsteht durch Monitoring, Verifizierung, Schulung und konsequente Dokumentation entlang des gesamten Prozesses von Wareneingang bis Versand.
- Rechtliche und normative Anforderungen, validierte Prüfmethoden sowie ein belastbares Lieferantenmanagement unterstützen die konsistente Umsetzung von CCPs in der Praxis.
- Digitale Werkzeuge für Datenerfassung und Trendanalysen erleichtern die Steuerung und kontinuierliche Verbesserung kritischer Kontrollpunkte.
Veröffentlicht am 19.04.2025
Letzte Überarbeitung am 17.11.2025 um 10:38 Uhr von Julia Kopp