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Lieferantenbewertung

Die Beurteilung der Leistung von Lieferanten spielt eine essenzielle Rolle in der Wellpappenindustrie. Sie entscheidet über die Qualität der gelieferten Wellpappe, deren Konformität mit den Standards und die Effizienz des Produktionsprozesses. Eine belastbare Bewertung wirkt sich direkt auf Ausschussquoten, Prozessstabilität, Rüstzeiten, Reklamationsaufkommen, Termintreue und die wirtschaftliche Gesamtleistung entlang der Wertschöpfungskette aus. Je konsistenter die Ergebnisse der Zulieferer, desto planbarer werden Materialfluss, Produktionsplanung und Servicelevel gegenüber nachgelagerten Prozessen. In der Praxis betrifft dies Rohpapiere, Klebstoffe, Hilfsstoffe, Druckfarben, Wellpappenzuschnitte und Bogenware gleichermaßen. Konsistente Lieferqualität reduziert Stillstände an Well- und Verarbeitungsanlagen, stabilisiert Rill- und Stanzprozesse und sichert die Gebrauchstauglichkeit von Verpackungen im Versand- und Lageralltag.

Definition: Was versteht man unter Lieferantenbewertung?

Die Lieferantenbewertung handelt von der systematischen Analyse und Bewertung der Leistung der Lieferanten eines Unternehmens. Sie konzentriert sich auf verschiedene Aspekte wie Qualität, Preis, Lieferzeit, Service und Zuverlässigkeit. Basierend auf einer ausführlichen Anbieterbewertung können die Unternehmen fundierte Entscheidungen über die Auswahl und den Umgang mit ihren Lieferanten treffen. Es kann dazu beitragen, die Fehlerrate in der Produktion zu reduzieren und die Effizienz zu verbessern. Darüber hinaus umfasst sie die formale Freigabe (Qualifizierung), die laufende Überwachung (Monitoring) und die Weiterentwicklung (Entwicklung) von Lieferpartnern. Typische Instrumente sind standardisierte Scorecards mit gewichteten Kriterien, regelmäßige Audits, klar definierte Kennzahlen sowie präzise Rückmelde- und Eskalationsprozesse. Ergänzend werden Qualitätssicherungsvereinbarungen (QSV), Service-Level-Agreements (SLA) und eindeutige Spezifikationen genutzt, um Anforderungen an Material, Maßhaltigkeit und Prozessfähigkeit verbindlich festzulegen.

Kriterien einer effektiven Lieferantenbewertung

In der Bewertung der Zulieferer in der Wellpappenindustrie gibt es mehrere entscheidende Aspekte. Die Qualität des gelieferten Materials und dessen Übereinstimmung mit den Spezifikationen steht an erster Stelle. Zeitnahe Lieferungen, angemessene Preise, Serviceleistungen und die Flexibilität bei unvorhergesehenen Änderungen sind andere wichtige Parameter. Eine gründliche Beurteilung dieser Kriterien kann zur Identifizierung zuverlässiger Lieferanten führen, die den Betriebsablauf optimieren und zur Gesamtproduktivität beitragen. Zusätzlich sind Rückverfolgbarkeit, Stabilität über Chargen hinweg und eine robuste Dokumentation (z. B. Prüfzeugnisse) relevant, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen.

  • Material- und Prozessqualität: Konformität mit Spezifikationen, Konstanz von Grammatur, Feuchtegehalt, Klebkraft und Wellenprofil; mechanische Kennwerte wie Kantenstauchwiderstand (ECT) oder Stapelstabilität. Wichtig sind zudem Prozessfähigkeitsnachweise (z. B. Regelkarten) und reproduzierbare Leimparameter für stabile Maschinenläufe.
  • Maßhaltigkeit und Toleranzen: Einhaltung von Schnitt-, Rill- und Stanzmaßen sowie präzise Abmessungen nach definierten Spezifikationen über Chargen hinweg. Maßvarianten, Rilltiefe und Faserrichtung sind transparent auszuweisen und statistisch zu überwachen.
  • Lieferleistung: Termintreue (On-Time Delivery), Vollständigkeit (OTIF), kurze Wiederbeschaffungszeiten, zuverlässige Abrufabwicklung und transparente Avisierung. Prognosegüte, Sicherheitsbestandskonzepte und Reaktionsfähigkeit auf Planänderungen erhöhen die Versorgungssicherheit.
  • Kosten- und Preisstabilität: Nachvollziehbare Kalkulation, stabile Konditionen, Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung inklusive Logistik- und Qualitätskosten. Preisgleitklauseln und Transparenz bei Rohstoffindizes unterstützen eine faire Bewertung.
  • Service und Kommunikation: Reaktionsgeschwindigkeit, Qualität technischer Unterstützung, Dokumentationslage (z. B. Prüfprotokolle) sowie Verfügbarkeit von Ansprechpartnern. Strukturierte Change-Notifications und klare Eskalationspfade verkürzen Durchlaufzeiten bei Abweichungen.
  • Flexibilität und Kapazität: Skalierbarkeit bei Nachfragespitzen, Fähigkeit zu kurzfristigen Planänderungen, Notfall- und Backup-Konzepte. Mehrwerk-Strategien und Kapazitätsnachweise mindern Produktionsrisiken.
  • Nachhaltigkeit und Compliance: Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, Umwelt- und Arbeitssicherheitsstandards, Risikomanagement und systematische Verbesserungsprogramme. Relevante Zertifizierungen (z. B. Umwelt- oder Energiemanagement) können als Nachweis dienen.
  • Reklamations- und Verbesserungsmanagement: Strukturierte Ursachenanalyse (z. B. 5-Why), zügige Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen, messbare Wirksamkeit (wirksame CAPA). Wiederholfehler werden durch Wissensdatenbanken und Lessons Learned vermieden.
  • Entwicklungsfähigkeit: Technische Expertise, Unterstützung bei Muster-/Erstmusterprozessen, gemeinsame Optimierung von Material, Konstruktion und Prozessen. Co-Engineering und Versuchsmuster mit klaren Abnahme- und Prüfkriterien fördern Innovationen in der Verpackungsentwicklung.

Prozess der Lieferantenbeurteilung

Der Vorgang einer systematischen Lieferantenbewertung besteht aus verschiedenen Phasen. Zunächst wird ein Bewertungsschema erstellt, das alle relevanten Kriterien umfasst. Die Lieferanten werden dann in regelmäßigen Abständen beurteilt, wobei auch Rückmeldungen von verschiedenen Abteilungen des Unternehmens einbezogen werden können. Basierend auf den Ergebnissen können Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert und mit den Lieferanten besprochen werden. Im Fall von wiederholten negativen Bewertungen kann es sogar zur Beendigung der Geschäftsbeziehung kommen. Ergänzend empfiehlt sich die Integration der Ergebnisse in die Lieferantenklassifizierung, Vergabestrategien und die operative Planung (z. B. Losgrößen, Sicherheitsbestände, Zweitquellen).

  1. Vorqualifizierung und Freigabe: Abgleich von Anforderungen, Nachweis der Prozessfähigkeit, ggf. Audit und Musterfreigabe. Prüfumfang, Grenzmuster und Abnahmebedingungen werden dokumentiert, um spätere Interpretationsspielräume zu vermeiden.
  2. Kriterien und Gewichtung festlegen: Definition einer Scorecard mit nachvollziehbaren Gewichten je Kriterium (z. B. Qualität 40 %, Lieferung 30 %, Kosten 20 %, Service 10 %). Die Gewichtungen werden regelmäßig auf Basis von Geschäftsrisiken und Produktanforderungen überprüft.
  3. Datenerhebung: Nutzung objektiver Quellen aus Wareneingang, Prüfmitteln, ERP/MES, Logistikdaten, Reklamationssystem und Produktionskennzahlen. Automatisierte Schnittstellen reduzieren manuelle Fehler und erhöhen die Aktualität.
  4. Bewertung und Klassifizierung: Punktevergabe je Kennzahl, Bildung einer Gesamtnote, Kategorisierung (z. B. A/B/C) mit klaren Schwellenwerten. Abweichungen werden mit Ursachen, Maßnahmen und Fristen hinterlegt.
  5. Feedback und Maßnahmen: Strukturiertes Review, vereinbarte Maßnahmenpläne, Termine, Verantwortlichkeiten und Wirksamkeitskontrolle. Gemeinsame Workshops und technische Reviews beschleunigen Korrekturen.
  6. Überwachung und Audits: Zyklische Bewertungen, Prozess- oder Systemaudits bei Bedarf, Fokus auf Abweichungen und deren nachhaltige Beseitigung. Auditfeststellungen werden in der Scorecard abgebildet.
  7. Eskalation und Ausphasen: Bei anhaltender Unterperformance definierte Eskalationsstufen bis hin zu Sperrung, Reduzierung des Volumens oder Beendigung der Belieferung. Gezieltes Dual Sourcing mindert die Risikowirkung in der Versorgung mit Verpackungsmaterial.

Methoden und Kennzahlen

  • Scorecards: Standardisierte Bewertungsbögen mit klaren Definitionen je Kriterium, um Vergleichbarkeit sicherzustellen. Visuelle Ampellogiken erleichtern das Monitoring.
  • Kennzahlen (KPIs): PPM-/Fehlerquote, Reklamationsrate, On-Time/OTIF, durchschnittliche Abweichung bei Qualitätsmerkmalen, Durchlaufzeit. Ergänzend: First-Pass-Yield, Nacharbeitungsquote, Auditabweichungen je Kategorie.
  • Analysewerkzeuge: Pareto-Analysen, Trenddarstellungen, Regelkarten zur Überwachung von Prozessfähigkeit und Stabilität. Korrelationen und Root-Cause-Analysen unterstützen die Ursachenfindung.
  • Auditinstrumente: Prozessaudits, Remote-Assessments, Dokumentenreviews für kontinuierliche Konformitätsprüfung. Reifegradmodelle (z. B. 1–5) schaffen Transparenz über Entwicklungsstände.

Branchenspezifische Besonderheiten der Wellpappenindustrie

  • Klimatische Einflüsse: Feuchte- und Temperaturmanagement wirkt auf Festigkeit und Verarbeitbarkeit; Lieferanten sollten stabile Bedingungen nachweisen. Konditionierung und Verpackungsdichte beeinflussen zusätzlich die Materialperformance.
  • Wellenkombinationen und Leimung: Konstanz von Wellenprofilen und Klebstoffparametern bestimmt Maschinenlauf und Stabilität. Prüfungen der Haftzugfestigkeit und der Leimauftragsverteilung sichern reproduzierbare Ergebnisse.
  • Rill- und Stanzqualität: Saubere Rillen, exakte Schnittkanten und maßhaltige Konturen sichern reibungslose Weiterverarbeitung. Werkzeugverschleiß und Materialausrichtung sind regelmäßig zu verifizieren.
  • Druckmerkmale: Gleichmäßige Farbübertragung, Registerhaltigkeit und Oberflächenbeschaffenheit beeinflussen die Gebrauchstauglichkeit. Farbmetrik (ΔE), Punktzuwachs und Oberflächenspannung dienen als Messgrößen.
  • Verfügbarkeit: Kurze Lieferzeiten, verlässliche Abrufe und bedarfsgerechte Losaufteilung sichern die Produktion im Tagesgeschäft. Konsignationslager und definierte Mindestbestände können Schwankungen abfedern.

Zusätzliche Aspekte: Daten, Risiken und Normen

Eine belastbare Lieferantenbewertung stützt sich auf valide, aktuelle Daten. Digitale Schnittstellen, automatisierte Wareneingangsprüfungen und klar definierte Prüfpläne erhöhen die Datenqualität. Risikoorientierte Ansätze (z. B. Klassifizierung nach Produktkritikalität) helfen, Auditfrequenzen und Prüftiefen sinnvoll auszusteuern. Relevante normative Rahmenwerke wie Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagementsysteme liefern Anhaltspunkte für strukturierte Prozesse, ersetzen jedoch keine eigene Leistungsbewertung. Für Verpackungen ist zudem die Einhaltung von Material- und Produktsicherheitsanforderungen (z. B. Lebensmittelkontakt, Recyclingfähigkeit) zu berücksichtigen.

Praxisbeispiel: Anwendung in der Verpackungsentwicklung

In der Umstellung auf eine neue Wellenkombination werden gemeinsam mit dem Lieferanten Musterläufe gefahren. Prüfpläne definieren ECT, Rillqualität, Klebung und Druckbild je Charge. Die Scorecard gewichtet Qualität und Lieferleistung höher, da Anlaufstabilität und Terminziele kritisch sind. Abweichungen aus Wareneingang und Produktion werden als Sofortmaßnahme mit Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen hinterlegt. Nach drei Monaten zeigen Trendanalysen sinkende Reklamationsquoten und verbesserte On-Time-Werte; die Lieferantenklassifizierung steigt von B auf A, was die Vergabe künftiger Serienaufträge wahrscheinlicher macht.

Häufige Fehler und Best Practices

Typische Fehler sind uneinheitliche Datendefinitionen, zu seltene Aktualisierungen der Scorecard oder rein subjektive Bewertungen. Best Practices sind eindeutig dokumentierte Kriterien, automatisierte Datenflüsse, regelmäßige Kalibrierungen der Bewertenden, nachvollziehbare Gewichtungen und transparente Kommunikation der Ergebnisse. Eine klare Trennung zwischen kurzfristigen Korrekturen und strukturellen Verbesserungen unterstützt die nachhaltige Entwicklung von Wellpappe-Lieferanten.

Vor- und Nachteile von Lieferantenbewertung

Eine gründliche Beurteilung der Lieferanten hat viele Vorteile. Sie kann dabei helfen, Qualitätsprobleme zu identifizieren und zu reduzieren, Kosten zu senken und eine kontinuierliche Verbesserung zu fördern. Gleichzeitig können jedoch auch Nachteile entstehen. So kann der Bewertungsprozess zeitaufwendig sein und Ressourcen binden. Darüber hinaus kann eine negative Bewertung die Beziehung zu einem Lieferanten belasten. Trotz dieser potenziellen Herausforderungen gewinnt die Lieferantenbeurteilung in der Wellpappenindustrie zunehmend an Bedeutung, da sie dazu beiträgt, höhere Standards zu setzen und ein stabiles Produktionsumfeld zu gewährleisten. Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen, damit Erkenntnisse zeitnah in die Beschaffungsstrategie und die Produktionsplanung zurückfließen.

  • Vorteile: Transparenz über Leistungsfähigkeit, fundierte Vergabeentscheidungen, geringere Fehlerraten, planbare Liefertermine, strukturierte Zusammenarbeit bei Verbesserungen. Messbare Effekte zeigen sich in geringeren Rüst- und Stillstandszeiten sowie stabileren Verpackungsprozessen.
  • Weitere Effekte: Reduzierung versteckter Folgekosten (z. B. Nacharbeit, Stillstände), frühzeitiges Erkennen von Risiken und Kapazitätsengpässen. Verbesserte Kommunikationsqualität erhöht die Umsetzungsgeschwindigkeit von Maßnahmen.
  • Herausforderungen: Datenqualität und -verfügbarkeit, möglicher Bias in Bewertungen, administrativer Aufwand, potenzielle Spannungen in der Lieferbeziehung. Unterschiedliche Erwartungshorizonte können zu Zielkonflikten führen.
  • Gegenmaßnahmen: Klare Kriterien, automatisierte Datenerfassung, regelmäßige Kalibrierung der Bewertenden, transparente Kommunikation der Ergebnisse. Ein strukturierter Review-Zyklus und eindeutige Verantwortlichkeiten fördern nachhaltige Verbesserungen.

Zusammenfassung:

  • Lieferantenbewertung ist ein wichtiges Mittel zur Qualitätskontrolle, das dabei hilft, die besten Produzenten von Verpackungsmaterialien wie Wellpappe zu identifizieren. Sie schafft Vergleichbarkeit und unterstützt fundierte Vergabeentscheidungen.
  • Dieses Verfahren ermöglicht es Unternehmen nicht nur, den besten Anbieter zu finden, sondern auch die Stabilität ihrer Lieferketten sicherzustellen und die Qualität ihrer Wellpappeverpackungen zu verbessern. Datenbasierte Bewertungen fördern eine verlässliche Produktionsplanung.
  • Die Bewertung umfasst mehrere Kriterien, dazu gehören unter anderem die Liefergeschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Qualität der Produkte, Kommunikation und die Einhaltung von Umweltstandards. Bei Wellpappe-Lieferanten wäre beispielsweise auch deren Fähigkeit, individuelle Verpackungslösungen anzubieten, von Bedeutung. Branchenspezifische Messgrößen wie ECT, Klebkraft und Rillgüte sind dabei zentral.
  • Ein strukturiertes Vorgehen mit definierten Kennzahlen, gewichteten Kriterien und regelmäßigen Reviews erhöht die Vergleichbarkeit und Wirksamkeit der Beurteilung. Auditfeststellungen und Trendanalysen werden konsistent eingebunden.
  • Branchenspezifische Qualitätsmerkmale wie Festigkeit, Feuchteführung, Rill- und Stanzgüte sollten explizit in die Scorecard aufgenommen werden. Ergänzende Prüfanweisungen sichern reproduzierbare Ergebnisse über Chargen hinweg.
  • Kontinuierliche Verbesserung durch gemeinsam vereinbarte Maßnahmenpläne stärkt die Leistungsfähigkeit entlang der Lieferkette und reduziert Störungen im Produktionsablauf. Risikoorientierte Priorisierung sorgt für effizienten Ressourceneinsatz.

Veröffentlicht am 15.07.2024
Letzte Überarbeitung am 22.10.2025 um 13:30 Uhr von Julia Kopp

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