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Verpackungshygiene
Die Welt der Wellpappe und ihr Einsatzgebiet erstreckt sich weit über das einfache Verpacken von Artikeln hinaus. Ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung für Wellpappe als Verpackungsmaterial ist die Hygieneanforderung, insbesondere für Produkte, die hohe Hygienestandards benötigen, wie Lebensmittel, pharmazeutische Produkte oder medizinische Geräte. Leider ist dieses Schlüsselthema oft unterrepräsentiert, und Unternehmen unterschätzen die Rolle der Hygiene in ihren Verpackungsprozessen. Hygiene wirkt sich direkt auf Produktsicherheit, Haltbarkeit, Sensorik und regulatorische Konformität aus. Ein systematisches Hygienemanagement minimiert Kontaminationen durch Mikroorganismen, Partikel, Chemikalien, Allergene und Fremdkörper und trägt damit zur stabilen Qualität entlang der gesamten Lieferkette bei.
Für Wellpappe-Verpackungen umfasst Hygienesicherheit die gesamte Wertschöpfungskette: vom Rohpapier über Klebstoffe und Druckfarben bis zu Lagerung, interner Logistik und Versand. Typische Gefährdungen sind Staub und Partikel aus der Verarbeitung, Mikroorganismen auf Oberflächen, Schmierstoffeinträge, Geruchsübertragungen, migrationsrelevante Substanzen sowie Kreuzkontaminationen durch unzureichend getrennte Material- und Personenflüsse. Ein risikobasiertes Vorgehen mit klaren Zuständigkeiten, dokumentierten Verfahren und wirksamer Überwachung ist daher essenziell, um robuste, normkonforme Verpackungsprozesse zu etablieren.
Definition: Was versteht man unter Hygienemaßnahmen bei den Verpackungen?
Die Verpackungshygiene ist ein integraler Bestandteil der gesamten Verpackungskette und beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen, die dazu dienen, die Produktqualität zu gewährleisten und Kontaminationen zu vermeiden. Sie umfasst nicht nur die Sauberkeit des Materials selbst, sondern auch die Vermeidung von Kontaminationen während des gesamten Verpackungsprozesses. Hygienische Abläufe, Sauberkeit in der Produktionsstätte und korrekter Umgang mit den Produkten sind grundlegende Elemente. Darüber hinaus gehören ein strukturiertes Risikomanagement, klare Zuständigkeiten, dokumentierte Arbeitsanweisungen sowie wirksame Kontrollen und Freigaben zum Umfang der Hygienemaßnahmen.
Im Sinne guter Herstellungspraxis (GMP) und guter Hygienepraxis (GHP) werden präventive Programme (Prerequisites) etabliert, die Personal-, Prozess- und Umfeldhygiene systematisch regeln. Dazu zählen neben Reinigungs- und Desinfektionsplänen auch Freigabe- und Sperrprozesse, Lieferantenbewertung sowie Schulungs- und Eignungsnachweise. Ziel ist die reproduzierbare Bereitstellung hygienekonformer Wellpappe-Verpackungen unter Berücksichtigung von Lebensmittelkontakt, technischen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben.
- Materialhygiene: Auswahl geeigneter Rohpapiere, Klebstoffe und Farben, die den vorgesehenen Kontaktbedingungen entsprechen.
- Prozesshygiene: Reinigung, Wartung und Validierung von Anlagen sowie Vermeidung von Kreuzkontaminationen durch Zonen- und Flusskonzepte.
- Personalhygiene: Schulung, Handhygiene, geeignete Kleidung und Zutrittsregelungen.
- Raumhygiene: Steuerung von Luft, Temperatur und Feuchte, Staub- und Schädlingsprävention.
- Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Chargenverfolgung, Prüfpläne, Abweichungs- und Reklamationsmanagement.
- Allergen- und Fremdstoffmanagement: Umgang mit potenziell migrationsrelevanten Stoffen, Glas- und Metallverboten, Partikelkontrolle.
- Lieferanten- und Dienstleistermanagement: Qualifizierung von Vorlieferanten, definierte Spezifikationen, Audits und klare Anforderungen an externe Serviceteams.
- Monitoring und Validierung: Umgebungs-, Oberflächen- und Produktprüfungen (z. B. ATP, mikrobiologische Abklatschtests), Verifizierung der Reinigungswirksamkeit.
Hygieneaspekte bei der Produktion von Wellpappe
Die Herstellung von Wellpappe und die dazugehörigen Hygieneaspekte sind eng miteinander verknüpft. Der Prozess beginnt mit pflanzlichen Fasern, die zu Papier verarbeitet und schließlich zur Wellpappe geformt werden. Während dieser Produktionsschritte ist es entscheidend, dass alle Produktionsanlagen und -maschinen sauber gehalten werden, um die Kontamination des Endprodukts zu vermeiden. Schon geringste Verunreinigungen können zu einer Beeinträchtigung der Hygienestandards und damit zum Risiko für die Produktsicherheit führen. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass thermische Prozessschritte, die die Keimlast reduzieren können, eine mögliche Rekontamination nach dem Heißbereich keinesfalls ausschließen; deshalb müssen nachgelagerte Verpackungsbereiche besonders geschützt und kontrolliert werden.
Rohmaterialien und Hilfsstoffe
Rohpapiere, Stärkeklebstoffe und Additive müssen für den vorgesehenen Einsatz geeignet sein. Bei direktem oder indirektem Lebensmittelkontakt sind migrationsarme Rezepturen sowie die Konformität mit geltenden Richtlinien wesentlich. Die Qualität des Prozesswassers sowie die Lagerung von Papierrollen und Hilfsstoffen in sauberen, trockenen Bereichen tragen zur Minimierung mikrobiologischer Risiken bei. Ebenso wichtig sind definierte Anbruch- und Verbrauchsfristen, sachgerechte Behälterkennzeichnung und der Schutz vor Geruchs- oder Aromatransfer.
Anlagenhygiene und Reinigung
Korrugatoren, Querschneider, Druck- und Stanzaggregate benötigen regelmäßige Reinigung, Wartung und Inspektion. Reinigungspläne sollten nach Risikobewertung erstellt, dokumentiert und deren Wirksamkeit überprüft werden. Schmierstoffe, Reinigungsmittel und Hilfsstoffe sind so zu wählen, dass keine unerwünschten Rückstände am Produkt verbleiben. Zudem unterstützen farbcodierte Werkzeuge, klar definierte Reinigungszonen und freigegebene Verfahren (z. B. Trockenreinigung vs. Nassreinigung) die Prozessstabilität.
Luft, Staub und Partikel
Staubarme Produktion, lokale Absaugungen, geregelte Luftströme sowie Filterkonzepte senken Partikelemissionen. Verpackungsbereiche nach dem Heißbereich sind besonders zu schützen, da hier Rekontaminationen durch Luft, Personenverkehr oder Materialfluss auftreten können. Ergänzend sind differenzierte Druckzonen, geregelte Tür- und Schleusenkonzepte sowie regelmäßige Filterwechsel und Luftqualitätsmessungen empfehlenswert.
Lagerung und interner Transport
Fertige Zuschnitte und Kartonagen sollten vor Feuchte, Staub und Gerüchen geschützt werden. Geschützte Pufferzonen, abgedeckte Ladungsträger und eine klare Trennung von Wareneingang, Produktion und Versand sind Bestandteile eines hygienischen Materialflusses. First-in-First-out (FiFo), Temperatur- und Feuchtemanagement sowie Schädlingsmonitoring ergänzen die Maßnahmen. Zusätzlich sind klare Kennzeichnungen, Sperrflächen für nicht freigegebene Ware und regelmäßige Zustandskontrollen entscheidend.
Verpackungsdruck und Veredelung
Beim Bedrucken und Veredeln von Wellpappe sind migrationsarme Farben und Lacke, niedrige Geruchsemissionen und geeignete Trocknungsbedingungen zu berücksichtigen. Das Handling von Druckfarbenbehältern, die Reinigung von Farbwerken und die Vermeidung von Versprühungen reduzieren Risiken. Für Anwendungen mit Lebensmittelbezug sind Konformitätsnachweise und Migrationsprüfungen besonders relevant.
Qualitätssicherung und mikrobiologische Prüfungen
Ein risikobasiertes Prüfkonzept umfasst Wareneingangsprüfungen, Inprozesskontrollen und Endprüfungen. Oberflächenabstriche, Umgebungsmonitoring (z. B. Sedimentationsplatten), ATP-Messungen und definierte Freigabekriterien liefern belastbare Nachweise für die Wirksamkeit der Hygienemaßnahmen. Abweichungen werden über strukturierte Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen (CAPA) aufgearbeitet.
Spezifikationen und Standards zur Gewährleistung der Hygiene
Es gibt verschiedene Normen und Vorschriften, die zur Sicherstellung der Hygieneanforderungen an die Verpackung industrieller Produkte beitragen. Einer der wichtigsten Standards ist die DIN EN ISO 22000, die sowohl Lebensmittelunternehmen als auch Unternehmen im Bereich Verpackung betrifft. Der Standard legt die Mindestanforderungen fest, die Unternehmen erfüllen müssen. Die Compliance mit diesem Standard gewährleistet eine sichere und hygienische Verpackung. Ergänzend kommen je nach Anforderung weitere Regelwerke und bewährte Verfahren zum Einsatz, die das Hygienemanagement konkretisieren und auditierbar machen.
- DIN EN 15593: Hygienemanagement für die Herstellung von Verpackungen und Verpackungsmaterialien.
- HACCP-Prinzipien: Systematische Gefahrenanalyse und Steuerung kritischer Lenkungspunkte im Prozess.
- Verordnung (EG) 1935/2004: Regelungen zu Materialien und Gegenständen, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen.
- Verordnung (EG) 2023/2006: Gute Herstellungspraxis für Materialien und Gegenstände mit Lebensmittelkontakt.
- BfR-Empfehlung XXXVI: Anforderungen an Papier, Karton und Pappe für den Lebensmittelbereich.
- Branchenspezifische Ergänzungen: Für sensible Anwendungen, etwa im medizinischen Umfeld, können Reinraumleitlinien und partikelarme Prozesse gemäß anerkannten Standards erforderlich sein.
- FSSC 22000, BRCGS Packaging Materials, IFS PACsecure: Branchenübliche Zertifizierungsrahmen zur Vertiefung von Lebensmittel- und Verpackungssicherheit.
- Begleitende Managementsysteme: Qualitätsmanagement (z. B. ISO 9001) unterstützt dokumentierte Prozesse, Risikodenken und kontinuierliche Verbesserung.
Für die praktische Umsetzung sind dokumentierte Reinigungs- und Inspektionspläne, Freigabeprozesse, Konformitätserklärungen und Prüfzeugnisse notwendig. Regelmäßige Audits, Schulungen und Korrekturmaßnahmen sichern die fortlaufende Wirksamkeit. Ergänzend sind Spezifikationen mit klaren Grenzwerten (z. B. für Partikel, Geruch, Migration) sowie verifizierbare Prüfpläne und Rückverfolgbarkeitskonzepte erforderlich.
Vor- und Nachteile von Hygiene bei den Verpackungen
Die strenge Einhaltung der Hygienevorschriften bei Verpackungen bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Ein großer Vorteil ist die sichergestellte Produktqualität. Kontaminierte Verpackungen können die Qualität des Produkts beeinträchtigen und gesundheitliche Risiken für den Endverbraucher darstellen. Deshalb sorgt eine gründliche Hygienekontrolle für eine hohe Kundenzufriedenheit und ein gutes Image des Unternehmens. Allerdings führt diese Genauigkeit zu höheren Betriebskosten und erfordert die ständige Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter. Es ist daher auf absehbare Zeit von großer Bedeutung, die richtige Balance zwischen optimaler Hygiene und den damit verbundenen Kosten zu finden.
- Vorteile: Reduktion von Reklamationen, geringere Rückrufrisiken, stabile Prozessqualität, Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, konsistente Sensorik und Optik der Produkte.
- Herausforderungen: Investitionen in Infrastruktur, Aufwand für Dokumentation und Audits, Zeitbedarf für Schulungen und Validierungen, Anpassungsbedarf bei Rezepturen und Prozessen.
- Weitere Aspekte: Verbesserte Markt- und Behördenakzeptanz, robustere Lieferketten durch standardisierte Prozesse; demgegenüber stehen Flächenbedarf für Zonen, Energieaufwand für Lufttechnik und erhöhte Anforderungen an Änderungsmanagement.
Praxisleitfaden: Hygienische Handhabung, Lagerung und Transport
- Zonenkonzept: Trennung von unreinen und reinen Bereichen, definierte Material- und Personenflüsse, Schleusen für sensible Zonen.
- Personalhygiene: Schulungen, Handhygiene, geeignete Schutzkleidung, klare Verhaltensregeln und Zutrittskontrollen.
- Wareneingang: Prüfung von Rohpapieren und Hilfsstoffen, Sauberkeit der Ladungsträger, Dokumenten-Check und Quarantänebereiche bei Unklarheiten.
- Ladungsträger und Umschlag: Saubere Ladehilfsmittel, Abdeckungen und Kantenschutz. Informationen zu geeigneten Schutzlösungen für Paletten in hygienekritischen Umgebungen unterstützen den hygienischen Materialfluss.
- Reinigung und Wartung: Planbare, dokumentierte Reinigung mit freigegebenen Mitteln, wirksame Staub- und Partikelkontrolle, vorbeugende Instandhaltung.
- Verpackungsnahe Prozesse: Sorgfältige Handhabung nach dem Heißbereich, Schutz vor Geruchsübertragungen, Verwendung geeigneter Farben und Hilfsstoffe für migrationskritische Anwendungen.
- Überwachung: Visuelle Kontrollen, Umgebungsmonitoring für Staub und Schädlinge, Stichprobenprüfungen und definierte Freigabekriterien.
- Besuchermanagement und Fremdfirmen: Einweisung, Zugangsbeschränkungen, Hygieneregeln für Dienstleister und kontrollierte Arbeitsbereiche.
- Medienhygiene: Qualität von Wasser und Druckluft, Filtration, regelmäßige Analytik und Wartung der Versorgungssysteme.
- Abfall- und Reststoffmanagement: Getrennte Entsorgungswege, geschlossene Behälter, zeitnahe Entsorgung zur Vermeidung von Schädlingsdruck und Geruchsbildung.
- Krisen- und Rückrufübungen: Regelmäßige Tests der Rückverfolgbarkeit, Mock-Recalls und Notfallkommunikation zur Absicherung der Lieferfähigkeit.
Zusammenfassung:
- Wellpappe-Verpackungen müssen sauber produziert und gelagert werden, um das Risiko der Verunreinigung des verpackten Produkts zu minimieren.
- Maschinen und Werkzeuge im Verpackungsprozess müssen regelmäßig gereinigt und gewartet werden, um einen hohen Hygienestandard aufrechtzuerhalten.
- Auch das Transportumfeld spielt eine entscheidende Rolle in der Verpackungshygiene: Es muss auf eine saubere, staub- und schmutzfreie Umgebung geachtet werden.
- Ein wirksames Hygienemanagement umfasst Material-, Prozess- und Personalhygiene sowie Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
- Relevante Normen und gesetzliche Vorgaben unterstützen die Umsetzung und Auditierbarkeit eines robusten Systems.
- Praxisnahe Maßnahmen in Produktion, Lager und Logistik reduzieren Risiken und stabilisieren die Produktqualität.
- Regelmäßiges Monitoring, Schulungen und konsequente Korrekturmaßnahmen sichern die nachhaltige Wirksamkeit der eingeführten Hygieneregeln.
Veröffentlicht am 27.06.2025
Letzte Überarbeitung am 13.10.2025 um 10:36 Uhr von Julia Kopp