Sofortkontakt
Wellstar-Packaging GmbH
Hubert-Weisser-Straße 2
78199 Bräunlingen
Tel. +49 (0)771 / 9294886-0
E-Mail
info@wellstar-packaging.de
X-Achsen-Stabilitätstests
In der Welt der Wellpappenverpackungen spielen technische Parameter eine bedeutsame Rolle. Eine dieser Kennziffern ist die X-Achsen-Stabilität. Diese zentrale Markierung hilft dabei, die Stabilität und Haltbarkeit der Wellpappe zu beurteilen. Sie beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen entlang einer definierten Hauptrichtung der Probe und ist damit ein wesentlicher Faktor für die Beurteilung von Tragfähigkeit, Stapelfestigkeit und Formstabilität unter Transport- und Lagerbedingungen. Da Wellpappe anisotrop ist, unterscheiden sich die Eigenschaften je nach Richtung deutlich – die X-Achse macht diese Richtung explizit mess- und vergleichbar. In der Praxis entspricht die X-Richtung häufig der Maschinenlauf- oder Faserlaufrichtung bestimmter Decklagen, wodurch sich charakteristische Unterschiede zur Quer- oder Y-Richtung ergeben. Eine klare Festlegung dieser Orientierung ermöglicht belastbare Aussagen über das Verhalten unter Druck-, Biege- und Schubbeanspruchungen, die entlang logistischer Prozessketten auftreten.
Definition: Was versteht man unter X-Achsen-Stabilitätstests?
Die X-Achsen-Stabilität ist eine Kennzahl, die angibt, inwiefern eine Wellpappe gegen Beanspruchungen in der X-Richtung beständig ist. Um diese zu bestimmen, werden sogenannte X-Achsen-Stabilitätstests durchgeführt. Hierbei wird die Festigkeit der Wellpappe in ihrer Hauptspannungsrichtung geprüft. In Prüfplänen wird die X-Richtung eindeutig festgelegt (z. B. parallel zur Faserlaufrichtung des Deckpapiers oder in Bezug auf die Flutrichtung), um Messergebnisse reproduzierbar zu machen. Zusätzlich ist eine eindeutige Kennzeichnung der Probenorientierung (z. B. „X“ = Maschinenrichtung, „Y“ = Querrichtung) in der Dokumentation unerlässlich, damit Werte korrekt interpretiert, verglichen und normgerecht ausgewertet werden können.
Je nach Testverfahren spiegelt die Kennzahl verschiedene Mechanismen wider, etwa Kantenstauchwiderstand (Druck), Biege- und Schersteifigkeit oder zyklische Ermüdung. Ergebnisse werden in der Regel als Kraft (N), Spannung (kPa), Festigkeit pro Probenbreite (N/mm) oder als Grenzlasten/Dehnungen dokumentiert, stets unter Angabe der Probenorientierung zur X-Achse. Ergänzend werden Versagensmodi (z. B. Beulen, Knicken, Klebstoffversagen), der Verformungsverlauf sowie Messunsicherheiten und Umweltbedingungen angegeben, um die Aussagekraft der Kennwerte zu erhöhen.
- Zielgröße: Widerstand gegenüber Lasten in definierter X-Richtung, abgeleitet aus richtungsabhängigen Prüfungen
- Prüforientierung: klare Angabe der Probenlage zur X-Achse, einschließlich Markierung auf der Probe
- Ergebnisdarstellung: absolute Lasten, spezifische Kennwerte oder Grenzwerte, ergänzt um Klima- und Probenangaben
Messmethoden bei den X-Achsen-Stabilitätstests
Es wird generell zwischen statischen und dynamischen Tests unterschieden. Bei den statischen Tests wird die Wellpappe einer konstanten Belastung ausgesetzt, während bei den dynamischen Tests regelmäßig wechselnde Kräfte einwirken. Beide Testmethoden erlauben Rückschlüsse auf die X-Achsen-Stabilität, wobei dynamische Tests auch auf die Lebensdauer der Wellpappe hinweisen. In der Praxis werden häufig genormte Einzel- und Systemtests kombiniert, um ein belastbares Gesamtbild über Tragfähigkeit und Sicherheit im Gebrauch zu erhalten. Ergänzend können analytische Abschätzungen und empirische Korrelationen (z. B. zwischen ECT und Kistendruck) die Prüfstrategie unterstützen.
- Statische Einzelprüfungen: Kantenstauchversuch (edgewise compression) mit definierter Probenbreite in X-Richtung, Biegeversuch zur Ermittlung der Steifigkeit, Scherversuche und Kriechtests unter konstanter Last zur Bewertung zeitabhängiger Verformung. Bei Bedarf werden Kurzspann-Druckprüfungen an Komponentenpapieren zur Einordnung des Materialbeitrags herangezogen.
- Systemtests: Stapeldruck- bzw. Kistendruckprüfung zur Ermittlung der Tragfähigkeit kompletter Schachteln mit Orientierung der tragenden Kanten entlang der X-Achse. Dabei werden Fügung, Rillung und Klebung als systemrelevante Einflüsse miterfasst.
- Dynamische Prüfungen: zyklische Druckwechsel (Ermüdung), Vibrationsprofile gemäß Transportkollektiven sowie Stoß- und Fallbelastungen, die realistische Beanspruchungsfolgen abbilden. Die Kombination aus Vibrations- und Klimaprofilen erlaubt Aussagen zu Feuchtewechseln und Materialermüdung.
Die Auswahl des Prüfprogramms folgt dem vorgesehenen Einsatz: Dauerhafte Lagerstapel profitieren von statischen und Kriechprüfungen, wechselbelastete Anwendungen eher von zyklischen und kombinierten Prüfungen. Wichtig ist dabei die korrekte Probenorientierung, damit die festgelegte X-Richtung auch tatsächlich bewertet wird. Zusätzlich sollten Prüfgeschwindigkeiten, Auflagerbedingungen und Plattenparallelität so gewählt werden, dass unerwünschte Nebeneffekte (z. B. Kippmomente) minimiert werden.
Prüfbedingungen, Probekörper und Auswertung
Reproduzierbare Ergebnisse setzen standardisierte Bedingungen voraus. Üblich sind Klimatisierungen (z. B. 23 °C/50 % r. F.), definierte Ruhezeiten, kalibrierte Prüfmaschinen, konstante Prüfgeschwindigkeiten und exakt zugeschnittene Proben. Die Probenkantung, das Schneidewerkzeug, die Auflage und der Lastangriffspunkt beeinflussen die Ergebnisse spürbar. Auch die Ebenheit der Proben, die Gratbildung an Schnittkanten sowie die Ausrichtung der Flut- zur Faserlaufrichtung sind zu kontrollieren, um systematische Abweichungen zu vermeiden.
Geometrie und Größe der Proben müssen vorab festgelegt werden. Dazu zählen Breite/Länge der Streifen, Ausrichtung zu Flut- oder Faserlaufrichtung sowie die Position der tragenden Kante. Für Detailfragen zu Maßeinheiten und Probengeometrien bieten sich weiterführende Erläuterungen zu Abmessungen in Prüfprozessen an. Die Auswertung umfasst Maximalwerte, Verformungsverläufe, eventuelle Knick- oder Beulereignisse sowie die statistische Beurteilung (z. B. Mittelwert, Standardabweichung, Konfidenzintervalle). Ein vollständiger Prüfbericht dokumentiert außerdem das Klima, die Probenhistorie (z. B. Vorbelastung, Lagerdauer) und die Serien-/Losnummern.
Parameternormen in der Wellpappen-Industrie
Innerhalb der Wellpappen-Branche sind die X-Achsen-Stabilitätstests ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätskontrolle. Es gibt eine Vielzahl von Normen und Vorschriften, an denen sich die Messungen orientieren. Grob unterteilt wird hierbei in nationale und internationale Normen, wobei internationale Normen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Wichtige Referenzen sind beispielsweise Methoden zur Kantenstauch-, Biege- und Kistendruckprüfung sowie zur Klimatisierung und zur Probenvorbereitung. Ergänzend werden branchenübliche Leitfäden und Verfahrenshinweise genutzt, um Prüfaufbauten zu vereinheitlichen und Messunsicherheiten transparent zu machen.
- ISO 3037: Bestimmung der Kantenstauchfestigkeit (ECT) an Wellpappe (Orientierung zur X-Achse anzugeben).
- DIN 55468 (Reihe): Prüfungen an Wellpappe und -schachteln, u. a. Druck- und Biegeversuche.
- ISO 12048: Kistendruckprüfung für Transportverpackungen aus Pappe; relevante Systemprüfung mit Bezug zur Stapelbelastung.
- ISO 187: Klimatisierung von Papier, Karton und Pappe vor Prüfungen (z. B. 23/50 Standardklima).
- Weitere Methoden: TAPPI/FEFCO-Verfahren für ergänzende Material- und Systemtests, z. B. Kurzspann-Druck, Biegesteifigkeit, Vibrations- und Stoßprüfungen.
Die Auswahl normativer Methoden richtet sich nach Materialaufbau, Einsatzfall und den geforderten Qualitätskennwerten. Eine eindeutige Dokumentation der Probenorientierung ist dabei verpflichtend, um Vergleichbarkeit sicherzustellen. Wo sinnvoll, werden Korrelationen zwischen materialbezogenen und systembezogenen Kennwerten herangezogen, um belastbare Designregeln abzuleiten.
Vor- und Nachteile von X-Achsen-Stabilitätstests
Die X-Achsen-Stabilitätstests bringen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Deren Durchführung ist ein wirksames Mittel, um die Qualität und Stabilität der Wellpappe sicherzustellen. Sie tragen dazu bei, die Haltbarkeit der Verpackung zu gewährleisten und Risiken wie Produktbeschädigungen zu minimieren. Ein Nachteil ist jedoch der mit den Tests verbundene Aufwand sowie die Tatsache, dass eine gewisse Abweichung der Testergebnisse immer gegeben ist. Zudem bilden Laborbedingungen nur einen Ausschnitt der realen Belastungen ab, weshalb Feldbeobachtungen und ergänzende Systemtests zur Absicherung empfohlen sind.
- Vorteile: belastbare Entscheidungsgrundlage für Konstruktions- und Materialwahl, Nachweis der Tragfähigkeit in definierter Richtung, Möglichkeit zur Optimierung des Materialeinsatzes und zur Absicherung von Transport- und Lagerprozessen.
- Grenzen: Prüfungen bilden reale Nutzung nur näherungsweise ab; Ergebnisse sind abhängig von Klima, Probenvorbereitung und Maschinen-Setup; dynamische Effekte und Alterung erfordern zusätzliche Tests.
- Aufwände: Prüfzeit, Probenfertigung und Kalibrierung; statistische Absicherung benötigt ausreichende Stichprobengrößen.
Einflussfaktoren auf die X-Achsen-Stabilität
Es gibt mehrere Faktoren, die die X-Achsen-Stabilität beeinflussen können. Hierzu gehören das verwendete Material, der Feuchtigkeitsgehalt der Wellpappe, die Wellenform sowie der Klebstoff. Indem alle diese Faktoren bei der Produktion sorgfältig berücksichtigt werden, können hochwertige Wellpappenverpackungen hergestellt werden, die den Anforderungen der Kunden gerecht werden. Ebenso wirken Fertigungstoleranzen (z. B. Dickenstreuung, Rillqualität) und Prozessparameter (Trocknung, Temperaturführung) auf die Richtungskennwerte und somit auf die Stapel- und Formstabilität in der X-Richtung.
- Materialaufbau: Qualität der Deckenpapiere und Wellenpapiere, Grammaturen, Recyclinganteil und Faserlänge.
- Wellenprofil: B-, C-, E- oder Kombinationen (ein-, zwei- oder dreiwellig) bestimmen Steifigkeit und Stauchwiderstand in X-Richtung.
- Klebstoffsystem: Stärkeleim-Rezeptur, Leimauftrag und Bindefestigkeit zwischen Welle und Deckenpapier.
- Feuchte und Klima: Wassergehalt und Umgebungsbedingungen beeinflussen Festigkeit, Kriechverhalten und Biegekennwerte.
- Fertigung und Konfektion: Schneid- und Rillqualität, Kantenausbildung, Faserorientierung sowie mögliche Mikrodefekte.
- Alterung und Nutzung: Lagerdauer, Temperaturwechsel, wiederholte Belastungszyklen und Handhabung im Prozess.
X-Achsen-Stabilitätstests und Nachhaltigkeit
Da Wellpappe ein besonders nachhaltiges Verpackungsmaterial ist, tragen die X-Achsen-Stabilitätstests dazu bei, die Umweltverträglichkeit der Industrie zu erhöhen. Durch die Prüfung der Materialfestigkeit können die Ressourcen effizient eingesetzt und Abfall reduziert werden. Auf diese Weise tragen die Tests zur Nachhaltigkeit der Verpackungsindustrie bei. Prüfgestützte Auslegung erlaubt materialeffiziente Konstruktionen, die den geforderten Schutz erreichen, ohne unnötige Sicherheitszuschläge. Zugleich senkt eine robuste, auf die X-Richtung abgestimmte Dimensionierung das Risiko von Transportschäden und Folgekosten. In Summe entsteht ein ausgewogenes Verhältnis aus Schutzwirkung, Materialeinsatz und Prozesssicherheit über die gesamte Lieferkette.
Praxisleitfaden: typischer Prüfablauf
- Prüfziel und X-Richtung definieren (Orientierung festhalten).
- Proben klimatisieren und zuschneiden; Geometrie dokumentieren.
- Prüfmaschine kalibrieren, Prüfgeschwindigkeit festlegen.
- Statische und/oder dynamische Sequenzen durchführen.
- Versagensmodus, Maximalkräfte und Deformationen erfassen.
- Statistische Auswertung und Vergleich mit Grenzwerten/Einsatzprofilen.
Verwandte Kennwerte und Abgrenzung
- ECT (Kantenstauch): materialbezogene Kante-in-Last-Richtung; liefert Grundlage für Stapelfestigkeit.
- BCT (Kistendruck): Systemverhalten kompletter Schachteln; integriert Material, Geometrie und Fügung.
- FCT (Flachstauch) und Biegesteifigkeit: ergänzende Kennwerte für Deckel-/Seitenwände.
- Kriech- und Ermüdungskennwerte: erforderlich für Langzeit- und Wechsellastfälle.
Zusammenfassung:
- X-Achsen-Stabilitätstests sind Verfahren, die zur Bewertung und Kontrolle der Stabilität von Verpackungen verwendet werden, insbesondere solche aus Wellpappe.
- Diese Tests helfen Unternehmen, die Belastbarkeit ihrer Verpackungsprodukte unter verschiedenen Bedingungen zu beurteilen und stellen sicher, dass die Produkte während des Transports und der Lagerung stabil bleiben.
- Durch X-Achsen-Stabilitätstests können Unregelmäßigkeiten und mögliche Schwachstellen in einer Wellpappenschachtel erkannt werden, um eine optimale Produktqualität und -sicherheit zu gewährleisten.
- Die klare Definition der X-Richtung, standardisierte Probenvorbereitung und Klimatisierung sind entscheidend für belastbare, vergleichbare Ergebnisse.
- Die Kombination aus statischen und dynamischen Prüfungen liefert ein realistisches Bild über Tragfähigkeit, Dauerfestigkeit und Sicherheit im Einsatz.
- Erkenntnisse aus den Tests unterstützen eine ressourcenschonende Auslegung und reduzieren Ausschuss, Transportschäden und Materialeinsatz.
Veröffentlicht am 28.06.2025
Letzte Überarbeitung am 12.11.2025 um 10:07 Uhr von Sebastian Würth