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Überfüllsicherung
Beim Verfahren der Verpackungsproduktion spielt die Überfüllsicherung eine wesentliche Rolle. Sie stellt sicher, dass bei Verpackungen aus Wellpappe, die mit Füllgütern beladen werden, keine übermäßige Füllung stattfindet. Die Gewährleistung eines optimalen Füllstandes ist entscheidend für die Qualität und Sicherheit des Verpackungsprozesses. Überfüllung kann zu verformten Kanten, aufgebeulten Deckeln, reduzierter Stapelstabilität sowie Beschädigungen am Inhalt führen und wirkt sich auf Transportfähigkeit, Lagerung und Prozesskosten aus. Eine systematische Überfüllsicherung stabilisiert die Prozessqualität und reduziert Reklamationen, indem sie reproduzierbare Füllhöhen und Massen sicherstellt. Zusätzlich trägt sie dazu bei, die konstruktive Festigkeit der Wellpappe (zum Beispiel Kantenstauch- und Stapelfestigkeit) in der Anwendung zu erhalten, unnötige Andruckkräfte am Verschluss zu vermeiden und die Leistungsfähigkeit der Verpackungslinie auch bei hohen Taktzahlen abzusichern.
Definition: Was versteht man unter Überfüllsicherung?
In Verbindung mit der Verpackungsindustrie, insbesondere bei der Verwendung von Wellpappe, bezieht sich Überfüllsicherung auf Mechanismen und Techniken, die eine übermäßige Füllung von Verpackungen verhindern. Durch ein ausgewogenes Verhältnis von Volumen und Gewicht wird nicht nur die Stabilität der Verpackung gewährleistet, sondern auch die Sicherheit im Transport- und Lagerprozess verbessert. Ziel ist die Einhaltung vorgegebener Sollwerte (Füllhöhe, Volumen, Masse) innerhalb definierter Toleranzen. Der Begriff umfasst konstruktive Elemente an der Verpackung, sensorische und softwaregestützte Kontrollen in der Linie sowie organisatorische Regeln, die ein Überfüllen vorbeugen. Gängige Bezeichnungen sind auch Füllstandsbegrenzung, Füllkontrolle oder Füllmengensicherung. Im erweiterten Verständnis schließt die Überfüllsicherung zudem die Absicherung von Verschlussprozessen (z. B. Kleben, Umreifung, Deckelaufsetzen) ein, damit diese ohne übermäßige Kompression oder Spannung ausgeführt werden können.
Funktionsweise und Techniken der Überfüllsicherung
Die Überfüllsicherung unterstützt dabei, die ideale Füllmenge in einer Verpackungseinheit zu garantieren. Diese kann durch verschiedene technologische Ansätze erreicht werden, wie beispielsweise Füllstandskontrollgeräte, die den Füllstand überwachen und bei Erreichen der vorgegebenen Höchstmenge den Befüllungsprozess stoppen. Ein weiterer Ansatz ist der Einsatz von Volumenbegrenzern in der Verpackung, die einen maximalen Füllstand physisch limitieren. In automatisierten Linien werden Grenzwerte in Maschinensteuerungen hinterlegt und mithilfe von Sensoren, Waagen und Kameras überwacht; eine zentrale Rolle spielen dabei präzise definierte Abmessungen in der Liniensteuerung. Ergänzend kommen fail-safe-Strategien mit redundanter Sensorik, Plausibilitätsprüfungen (z. B. Abgleich von Gewicht und Höhe) sowie zeitbasierte Beruhigungsphasen zum Einsatz, um Messfehler durch Schwingungen oder Produktbewegungen zu minimieren.
Sensorik und Messmethoden
- Gewichtsbasiert: Kontrollwaagen und Dosierwaagen stoppen oder korrigieren die Befüllung, sobald die definierte Obergrenze erreicht ist.
- Höhen- und Volumenmessung: Optische Sensoren, Lichtschranken, Laser- und 3D-Systeme erfassen Füllhöhen, auch bei variierenden Schüttkegeln.
- Kontaktlose Verfahren: Ultraschall- oder kapazitive Sensoren messen Füllstände bei intransparenten Gebinden.
- Bildverarbeitung: Kamerasysteme erkennen Fülllinien, Überstände, ungleichmäßige Verteilung und Fremdkörper.
- Differenzwiegen: Vor-/Nach-Gewichtsvergleiche kompensieren Schwankungen von Behälter- und Einsatzgewichten und erhöhen die Dosiergenauigkeit.
- Kraft- und Schließwegüberwachung: Erhöhte Deckelschließkräfte oder verkürzte Schließwege deuten auf Überfüllung hin und lösen Eingriffe aus.
Konstruktive Maßnahmen an der Verpackung
- Volumenbegrenzer und Einleger: Stege, Einlagen, Trays oder Formteile definieren nutzbares Volumen und verhindern Überstand des Inhalts.
- Rillungen und Faltgeometrie: Markierte Faltlinien, definierte Rilltiefen und Stauchreserven begünstigen korrektes Schließen, ohne Druck auf das Füllgut.
- Mechanische Anschläge: Anschlagleisten oder Füllmarken im Inneren bieten Orientierung für manuelle Prozesse.
- Öffnungs- und Verschlussdesign: Klappenlängen, Einstecktechnik und ggf. Perforation können die maximal praktikable Füllhöhe vorgeben.
- Füllhilfen: Anfasungen, Führungslaschen oder integrierte Trichteransätze unterstützen eine gleichmäßige Verteilung des Inhalts und vermeiden lokale Überstände.
- Stabilisierende Zonen: Zusätzliche Rillungen oder Knautschzonen reduzieren Andruckspitzen am Deckel beim Verschließen.
Prozessuale und softwaregestützte Sicherung
- Parametrierte Grenzwerte: Obere Eingriffsgrenzen (OEG) und Warnschwellen lösen Korrektur oder Stopp aus.
- Interlocks und Poka-Yoke: Der nachgelagerte Verschluss- oder Etikettiervorgang wird nur freigegeben, wenn Füllstandskriterien erfüllt sind.
- Kalibrierung und Prüfmittelüberwachung: Regelmäßige Kalibrierintervalle sichern Messgenauigkeit bei verschiedenen Füllgütern und Klimabedingungen.
- Datenaufzeichnung: Chargenbezogene Protokollierung ermöglicht Rückverfolgbarkeit, Trendanalysen und Auditfähigkeit.
- Rezeptverwaltung: Formatabhängige Parameter (Volumen, Grenzwerte, Geschwindigkeiten) werden als Rezepte verwaltet und rückverfolgbar freigegeben.
- Statistische Prozessregelung: Laufende Auswertung von Prozessdaten (z. B. Cp/Cpk) stabilisiert die Befüllqualität.
Parametrisierung: Toleranzen und Einflussgrößen
- Füllgutcharakteristik: Schüttdichte, Fließverhalten, Korngröße, Viskosität und Temperatur beeinflussen die Mess- und Dosiergenauigkeit.
- Umweltbedingungen: Luftfeuchte und Temperatur verändern Materialsteifigkeit der Kartonage und die Messwerte.
- Verpackungsgeometrie: Innenvolumen, Faltart, Wandstärke und Steifigkeit wirken auf zulässige Füllhöhe und Schließkräfte.
- Prozessgeschwindigkeit: Höhere Takte erfordern kurze Reaktionszeiten und robuste Algorithmen zur Erkennung von Überfüllung.
- Materialtoleranzen: Schwankungen in Wellpappenqualitäten (Wellenprofil, Papiergrammatur, Klebung) wirken auf Schließverhalten und zulässige Reservevolumina.
- Maschinenzustand: Verschleiß an Förderelementen, Dosiereinheiten oder Verschlussaggregaten beeinflusst die Wiederholgenauigkeit.
Überfüllsicherung in der Praxis: Anwendungsbereiche
Die Überfüllsicherung findet Anwendung in verschiedenen Industriezweigen wie Nahrungsmittelindustrie, Chemie und Pharmaindustrie, wo sie einen essenziellen Beitrag zur Produktqualität und Sicherheit leistet. Besonders bei sensiblen Produkten wie Medikamenten oder Lebensmitteln können Überfüllungen gravierende Folgen haben und müssen daher strikt vermieden werden. Darüber hinaus spart sie auch Kosten, indem sie eine effiziente Nutzung der Verpackungsmaterialien ermöglicht. Ergänzend profitieren Branchen wie Kosmetik, Elektronik, Haushaltswaren und E-Commerce, in denen definierte Füllmengen die Verschlusssicherheit, die Palettierbarkeit und die Transportstabilität verbessern. In der Logistik minimiert eine verlässlich eingehaltene Füllhöhe Beschädigungen beim Stapeln und reduziert Kräfte auf Kanten und Deckelflächen. Auch im Co-Packing-Umfeld mit häufigen Formatwechseln erhöht eine robuste Überfüllsicherung die Prozesssicherheit und hilft, Reklamationen und Retouren zu vermeiden.
Typische Szenarien
- Schüttgüter: Granulate, Pulver und Körner erfordern stabile Füllkegel und exakte Abschaltpunkte.
- Stückgüter: Sets, Kits oder Gebinde mit variierenden Stückzahlen werden durch Einlagen und Fächer vor Überstand geschützt.
- Flüssigkeiten und viskose Medien: Schaumbildung und Temperaturdrift erfordern angepasste Mess- und Beruhigungszeiten vor dem Verschluss.
- Gefahrstoffnahe Anwendungen: Vermeidung von Quetschungen und Leckagen durch kontrollierte Füllhöhen unterstützt die Sicherheit entlang der Lieferkette.
- Temperaturempfindliche Lebensmittel: Kondensatbildung wird durch definierte Beruhigungszeiten und geeignete Sensorik berücksichtigt.
- E-Commerce-Umverpackung: Füllmaterialien (z. B. Papierpolster) werden mengenmäßig begrenzt, um ein sicheres Schließen und eine hohe Stapelstabilität zu gewährleisten.
Vor- und Nachteile von Überfüllsicherung
Die Vorteile einer Überfüllsicherung sind vielfältig und betreffen sowohl Aspekte der Qualität als auch der Wirtschaftlichkeit. Sie garantiert die Einhaltung von Standards und Vorschriften, optimiert den Materialverbrauch und sorgt damit für Kosteneinsparungen. Darüber hinaus ermöglicht sie einen sicheren Transport und Lagerung der Waren und verbessert damit die gesamte Lieferkette. Jedoch bringt sie auch einige Nachteile mit sich. Dazu gehören vor allem die zusätzlichen Kosten für die Implementierung der speziellen Technik und die Notwendigkeit einer regelmäßigen Wartung dieser Systeme. Zudem können technische Fehler oder Fehleinstellungen zu Problemen beim Befüllen der Verpackungen führen. In Hochgeschwindigkeitsprozessen können Falschauslösungen kurzfristig die Linienleistung reduzieren; ein geeignetes Tuning der Grenzwerte und eine saubere Kalibrierstrategie wirken dem entgegen.
- Zusätzliche Vorteile: Weniger Transportschäden, geringere Retourenquoten, verbesserte Palettenstabilität, reproduzierbare Qualität und nachvollziehbare Dokumentation.
- Mögliche Nachteile: Rüstaufwand bei Formatwechseln, Schulungsbedarf für Bedienpersonal, potenzielle Falschauslösungen bei inhomogenem Füllgut oder reflektierenden Oberflächen.
- Einfluss auf Effizienzkennzahlen: Stabilere OEE durch reduzierte Ausschuss- und Nacharbeitsquoten, sofern die Parametrierung prozesssicher erfolgt.
Qualitätssicherung, Prüfung und Dokumentation
Eine wirksame Überfüllsicherung wird durch systematische Qualitätssicherungsmaßnahmen begleitet. Dazu zählen Stichprobenprüfungen von Füllhöhe und Gewicht, Prüfpläne nach definierten AQL-Werten, regelmäßige Kalibrierungen der Messmittel sowie Funktionsprüfungen von Sensoren und Abschaltvorrichtungen. Prozessfähigkeitskennzahlen und Trendanalysen helfen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und Ursachen zu beheben. Klare Anweisungen für den Umgang mit Grenzwertverletzungen (Stoppen, Aussortieren, Nacharbeiten) sichern die Prozessstabilität. Ergänzend unterstützen Messsystemanalysen (z. B. Wiederhol- und Reproduzierbarkeitsstudien), Grenzmuster und digitale Checklisten eine konsistente Bewertung der Befüllqualität.
Planung und Auslegung der Überfüllsicherung
- Festlegung von Soll- und Grenzwerten: Definition von Toleranzfenstern für Füllhöhe bzw. Gewicht je Verpackungsformat und Füllgut.
- Validierung: Versuche mit repräsentativen Materialien und Prozessgeschwindigkeiten zur Bestätigung der Mess- und Abschaltgenauigkeit.
- Skalierbarkeit: Berücksichtigung künftiger Produktvarianten, Formatwechsel und Prozessleistungen bei der Konzeptwahl.
- Ergonomie und Arbeitssicherheit: Gut sichtbare Füllmarken, verständliche Anzeigen und eindeutige Bedienerführung reduzieren Fehlbedienungen.
- Risikobetrachtung: FMEA und definierte Maßnahmenpläne adressieren potenzielle Fehlerursachen in Befüll- und Verschlussprozessen.
- Wartungskonzept: Geplante Inspektionen, Ersatzteilbevorratung und Sensorreinigungszyklen sichern die Langzeitstabilität.
- Schnittstellen: Klare Definition der Signale zwischen Füller, Fördertechnik und Verschlussaggregaten verhindert Fehltrigger.
Normen, Richtlinien und Prüfverfahren
Je nach Branche sind rechtliche Vorgaben und gute Herstellungspraxis zu berücksichtigen. Dazu zählen Anforderungen an Messrichtigkeit und Rückverfolgbarkeit, hygienegerechtes Design in der Lebensmittelverpackung, Validierung und Qualifizierung in regulierten Umfeldern sowie interne Werksnormen zur Auslegung von Toleranzen. Prüfverfahren wie Stichprobenpläne nach definierten Akzeptanzkriterien, Kartonageprüfungen (z. B. Druck- und Stauchtests) sowie Validierungsdokumente für die Linienfreigabe stellen sicher, dass die Überfüllsicherung unter realen Betriebsbedingungen zuverlässig arbeitet.
Integration in Verpackungslinien und Datenanbindung
Für eine robuste Überfüllsicherung ist die nahtlose Einbindung in Steuerungen, Feldbusse und übergeordnete Systeme wesentlich. Relevante Produktionsdaten (Füllhöhen, Gewichte, Alarme, Rückweisungen) werden an Leitstände oder Manufacturing-Systeme übermittelt, um Trends zu überwachen und Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Ereignis- und Chargenprotokolle ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit, während zentrale Rezeptverwaltung und Benutzerrechte die konsistente Parametrierung über Schichten und Formate hinweg unterstützen.
Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz
Eine präzise Überfüllsicherung reduziert Materialeinsatz und Ausschuss. Vermeidung von Überstand senkt Nacharbeits- und Neuverpackungsraten, schützt die Wellpappe vor unnötiger Belastung und erhält die Wiederverwendbarkeit von Komponenten. Gleichzeitig werden Energie- und Zeitaufwände in der Linie verringert, da Störungen durch blockierende Verschlüsse oder deformierte Kartons seltener auftreten. Dies unterstützt ressourcenschonende Prozesse entlang der gesamten Lieferkette.
Praxis-Tipps und Fehlerbehebung
In der Anwendung bewähren sich klare Start-up-Routinen (z. B. Warmlauf- und Beruhigungszeiten), saubere Sensorpositionierung außerhalb von Staub- und Reflexzonen, regelmäßiges Nachjustieren der Rezepte nach Formatwechsel sowie Testläufe mit Grenzmustern. Bei häufigen Falschauslösungen helfen Plausibilitätschecks (Höhe plus Gewicht), zusätzliche Abschirmungen gegen Fremdlicht und Vibrationsdämpfung an Messpunkten. Für manuelle Befüllprozesse sind gut sichtbare Füllmarken, ergonomische Arbeitsplätze und eindeutige Arbeitsanweisungen entscheidend.
Zusammenfassung:
- Überfüllsicherungen sind essenziell bei der Verpackungsherstellung, insbesondere bei der Verwendung von Wellpappe. Sie stellen sicher, dass die Verpackung unter keinen Umständen zu voll wird und schützen so das Produkt vor möglichen Schäden.
- Diese spezielle Sicherungstechnik erhöht die Effizienz des Verpackungsprozesses und minimiert das Risiko von Produktverlusten. So kann ein Unternehmen, das Verpackungen aus Wellpappe nutzt, seine Rentabilität steigern.
- Die Verwendung von Überfüllsicherungen in Verpackungssystemen hat sich als best practice in der Industrie etabliert. Sie sind ein unerlässlicher Bestandteil einer sicheren und zuverlässigen Verpackungslösung.
- Technisch kommen gewichtsbasiertes Wiegen, optische Füllhöhenkontrollen, mechanische Volumenbegrenzer sowie softwaregestützte Interlocks zum Einsatz.
- Konsequente Kalibrierung, definierte Toleranzen und dokumentierte Prüfpläne sichern die Reproduzierbarkeit und unterstützen konforme Lieferprozesse.
- Eine durchdachte Integration in die Linie, valide Datenaufzeichnung und kontinuierliche Verbesserung erhöhen die Langzeitstabilität und senken Folgekosten.
Veröffentlicht am 21.06.2024
Letzte Überarbeitung am 22.10.2025 um 14:07 Uhr von Sebastian Würth