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Container-Stauung
Containerstauung ist ein wiederkehrendes Phänomen in der globalen Liefer- und Produktionskette. Es betrifft Industrien mit hohen Umschlagmengen, darunter die Verpackungsindustrie und insbesondere Unternehmen, die mit Wellpappe arbeiten. Die Auswirkungen reichen von längeren Lieferzeiten über gebundene Bestände bis hin zu erhöhten Transport- und Lagerkosten. Im Umfeld von Wellpappe zeigt sich dies zusätzlich durch schwankende Zulaufzeiten für Kraftliner, Testliner und Wellpapenpapiere, veränderte Rüstsequenzen und steigende Anforderungen an Disposition, Qualitätskontrolle und Terminmanagement (z. B. On-time-in-full). Zudem erhöht sich der Koordinationsaufwand mit Speditionen, Reedereien und Terminals, um Abholfenster stabil zu halten und Standzeiten zu vermeiden.
Als logistisches Risiko kann Containerstauung am Ursprung (Exporthäfen), am Ziel (Importhäfen) und entlang der Hinterlandverbindungen auftreten. Für Hersteller, Verarbeiter und Anwender von Wellpappe führt dies zu Planungsunsicherheit, Terminverschiebungen, Engpässen bei Rohpapieren und Fertigware sowie zu Kostensteigerungen entlang der gesamten Lieferkette. Neben Hafen- und Terminalüberlastung wirken sich auch Gate-In/Gate-Out-Restriktionen, Slot-Buchungen, verknappte Equipment-Verfügbarkeit und gestörte Feeder- und Binnentransporte aus. Das Ergebnis sind verlängerte Durchlaufzeiten, höheres Working Capital, volatiler Servicegrad und ein erhöhtes Risiko, Lieferzusagen nicht einhalten zu können.
Definition: Was versteht man unter Containerstauung?
Die Containerstauung bezeichnet die Anhäufung von Containern und Schiffen in oder vor Häfen, Terminals und Umschlagpunkten, die zu Wartezeiten, Umschlagsverzögerungen und Störungen in der Lieferkette führt. Ursachen sind unter anderem unerwartet hohes Warenaufkommen, witterungsbedingte Ausfälle, eingeschränkte Terminalkapazitäten oder überlastete Hinterlandtransporte. Die Folge sind verlängerte Transit- und Verweilzeiten, reduzierte Fahrplanstabilität und höhere Gebühren (z. B. für Standzeiten). In der Praxis wird Containerstauung häufig an steigender Yard-Utilisierung, verminderten Kranbewegungen pro Stunde, längeren Liegezeiten und Rückstaus auf der Reede erkennbar. Zusätzlich entstehen Kosten durch Demurrage/Detention, reduzierte Free-Time-Fenster, Umroutungen sowie kurzfristige Kapazitätsbuchungen.
Für Betriebe, die Wellpappe verarbeiten oder entsprechende Lösungen einsetzen, bedeutet Containerstauung eine Verschiebung von Materialzuflüssen, verspätete Zustellung von Fertigprodukten, Unsicherheiten bei Bedarfsterminierung und eine erschwerte Kostenkalkulation. Bei Wellpappenrohpapieren kann dies die Planung von Wellenprofilen (z. B. B-, C-, E-Welle), Klebstoffrezepturen und Feuchtemanagement beeinflussen, da veränderliche Klima- und Transitbedingungen die Materialeigenschaften (z. B. ECT, Kantenstauchwiderstand) tangieren.
Begriffsabgrenzung
Containerstauung (Stau im Hafen/Terminal) ist zu unterscheiden von Equipment-Imbalance (Ungleichverteilung von leeren Containern), Transportengpässen im Hinterland (z. B. Lkw-/Bahn-Kapazitäten) und allgemeinen Lieferkettenstörungen (z. B. Streiks, Infrastrukturprobleme). In der Praxis treten diese Phänomene häufig gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Ebenfalls abzugrenzen sind Blank Sailings (fahrplanbedingte Auslassungen), Rollovers (nicht verladenes Frachtgut), Port Omissions (Überspringen von Häfen) sowie saisonale Nachfragespitzen, die kurzfristig zu Überlastungen führen können.
Ursachen der Containerstauung
Es gibt zahlreiche Gründe, die zu einer Containerstauung führen. Dazu zählen ein stark gestiegenes Handelsvolumen mit saisonalen Spitzen, Kapazitätsgrenzen in Häfen und Terminals, witterungsbedingte Schließungen sowie arbeitsrechtliche Konflikte. Betriebsinterne Faktoren wie Unterbesetzung, technische Ausfälle und ineffiziente Abläufe können die Situation zusätzlich verschärfen. Auch externe Ereignisse wie Routenverlagerungen, Sicherheitsthemen oder Engpässe an Wasserstraßen wirken sich direkt auf die Abfertigung aus. Zusätzliche Treiber sind reduzierte Fahrplanzuverlässigkeit, Bündelungseffekte durch Allianzen, veränderte Routen (z. B. Umfahrungen) sowie knappe Slot-Kapazitäten an Gates und Terminals.
- Überlastete Hafeninfrastruktur und hohe Yard-Belegung (begrenzte Stellflächen, hohe TEU-Dichte, Engpässe bei Kran- und Gate-Kapazitäten)
- Reduzierte Fahrplanstabilität durch Umladungen und Ausfälle (Blank Sailings, Port Omissions, verlängerte Anlaufabstände)
- Equipment- und Containerknappheit in Exportregionen (Ungleichverteilung leerer Boxen, begrenzte Chassis-Verfügbarkeit)
- Hinterlandengpässe bei Lkw, Bahn und Binnenschiff (Slotmangel, Baustellen, Brücken- und Schleusenrestriktionen)
- Wetterextreme, Sperrungen und zeitweilige Hafenschließungen (Sturm, Hoch-/Niedrigwasser, Vereisung, Sichtbehinderungen)
- Arbeitskonflikte, Zollverzögerungen oder IT-Systemstörungen (Streiks, Ausfälle bei Terminal-IT, Dateninkonsistenzen und EDI-Fehler)
Aktuelle Treiber und Indikatoren
Typische Warnsignale sind steigende Verweilzeiten im Terminal, hohe Auslastung der Lagerflächen, sinkende Ankunftspünktlichkeit, wachsende Rückstauquoten auf der Reede und deutliche Schwankungen der Frachtraten. Unternehmen im Bereich Wellpappe beobachten zusätzlich verlängerte Zulaufzeiten für Rohpapiere und Hilfsstoffe sowie unregelmäßige Abholfenster für Fertigware. Relevante Kennzahlen sind u. a. durchschnittliche Gate-Durchlaufzeiten, Containerverfügbarkeit (Equipment Balance), Free-Time-Reduktionen, Demurrage/Detention-Quoten, Rollover-Raten sowie die Abweichung von ETA/ETD. Frühe Hinweise liefern Abweichungen in Annahmefenstern, verengte Slotkontingente und auffällige Transitzeit-Varianzen zwischen Routen und Carriern.
Die Auswirkungen der Containerstauung auf die Wellpappenbranche
Die Folgen der Containerverspätungen sind in der Wellpappenbranche deutlich spürbar. Engpässe bei Rohpapieren, Stärken, Leimen und Zusatzstoffen verzögern die Produktion. Fertigware erreicht Distributionszentren und Kunden später, wodurch Lieferzusagen, Aktionsstarts und Produktionstakte unter Druck geraten. Gleichzeitig erhöhen sich Beschaffungs-, Lager- und Transportkosten, einschließlich Gebühren für Standzeiten und Umladungen. Qualitätsthemen können durch längere Transporte und wechselnde Klimabedingungen (Feuchte, Temperatur) zunehmen, was die Planbarkeit von Stapelstabilität und Durchlaufzeiten beeinflusst. Darüber hinaus können Feuchtegehaltsschwankungen die Klebstoffperformance und den ECT/Kantenstauchwiderstand beeinflussen; längere Transitzeiten begünstigen Beschädigungen (z. B. Wellenbruch, Kantenquetschungen), die in der weiteren Verarbeitung zu Ausschuss und Nacharbeit führen.
- Schwankende Lieferzeiten für Rohmaterialien und Halbzeuge (Kraftliner, Testliner, Hilfsstoffe, Kaschierpapiere)
- Höhere Sicherheitsbestände und gebundenes Kapital (erhöhter Platzbedarf, zusätzliche Handlingzyklen, Cash-to-Cash-Verlängerung)
- Mehr Umplanungsaufwand in Beschaffung, Produktion und Distribution (Rüstoptimierung, Schichtplanung, priorisierte Auftragsreihenfolgen)
- Kostendruck durch Zuschläge, Umwege und zusätzliche Handlings (Demurrage/Detention, kurzfristige Speditionsaufpreise, Umschlag in Ersatzterminals)
- Risiko qualitativer Beeinflussungen durch verlängerte Transportketten (Feuchte, Temperatur, mechanische Belastungen über längere Zeiträume)
- Veränderte Losgrößen und Taktzeiten zur Stabilisierung der Abläufe (Standardisierung von Formaten, Konsolidierung von Abrufen)
Kosten- und Zeitdimensionen
Containerstauung führt zu verlängerten Lead Times und variablen Transitzeiten. Unternehmen kalkulieren mit größeren Zeitkorridoren, erhöhen Sicherheitsbestände und berücksichtigen potenzielle Zusatzkosten (Demurrage/Detention, Umroutungen, kurzfristige Kapazitätsbuchungen). Dies wirkt sich direkt auf Preisbildung, Margen und Servicegrade aus. Zusätzlich steigen Working-Capital-Bedarf und Lagerumschlagsdauer; Opportunitätskosten durch Stockouts oder Expedite-Sendungen (z. B. alternative Verkehrsträger) müssen in Szenariorechnungen berücksichtigt werden. Im Ergebnis verschieben sich OTIF-Kennzahlen, Planungsprämissen und Service-Level-Ziele, was ein enges Zusammenspiel von Einkauf, Produktion, Qualitätssicherung und Logistik erforderlich macht.
Vor- und Nachteile von Containerstauung
Die Nachteile liegen auf der Hand: verspätete Zuläufe, höhere Kosten und eingeschränkte Planungssicherheit. Indirekt kann die Situation aber auch Optimierungsimpulse setzen. Unternehmen analysieren Bestände, straffen Stammdaten, erhöhen die Transparenz in der Disposition und prüfen alternative Beschaffungs- und Distributionswege. Dennoch überwiegen die Nachteile der Containerstauung, insbesondere für Betriebe, die auf planbare Materialzuflüsse und termingerechte Auslieferung angewiesen sind. In einigen Fällen entsteht jedoch ein Anreiz, Verpackungsportfolios zu standardisieren, Prozessvariabilität zu senken und Engpassressourcen gezielt zu entlasten.
- Nachteile: Zeitverzug, Zusatzkosten, schwankende Servicegrade, operative Komplexität.
- Mögliche Vorteile: Anstoß für Prozessverbesserungen, Diversifikation von Bezugsquellen, Standardisierung von Formaten und Losgrößen zur Reduzierung von Varianten.
Prävention und Maßnahmen in der Praxis
Um die Auswirkungen von Containerstauung zu begrenzen, kommen technische, organisatorische und planerische Maßnahmen zum Einsatz. Wesentlich sind Transparenz, Redundanz in der Versorgung und flexible Produktions- und Distributionskonzepte. Ergänzend helfen dynamische Sicherheitsbestände, Szenarioplanung, Ereignismanagement und eine eng verzahnte Zusammenarbeit mit Speditionen, Reedereien und Terminalbetreibern. In der Wellpappenpraxis bewähren sich modulare Verpackungskonzepte, Substitutionsregeln für Wellenprofile und vorausschauendes Feuchtemanagement entlang der verlängerten Transportkette.
- Frühzeitige Kapazitätsbuchungen und alternative Routen/Terminals prüfen.
- Dual Sourcing für kritische Rohpapiere und Hilfsstoffe etablieren, regionale Lieferanten einbinden.
- Bestände risikoorientiert dimensionieren (Sicherheitsbestände, rollierende Bedarfsplanung, Szenarioanalysen).
- Standardisierte Formate und Variantenreduktion zur Verkürzung von Rüstzeiten und zur Erhöhung der Flexibilität nutzen.
- Abstimmung mit Speditionen/Hinterlandverkehr zu Abholfenstern, Slot-Buchungen und Equipment-Verfügbarkeit.
- Qualitäts- und Feuchtemanagement entlang der verlängerten Transportkette sicherstellen (z. B. Verpackungsklimaschutz, geeignete Lagerbedingungen).
- Temporäre Beschaffungsbrücken aufbauen, z. B. kurzfristig verfügbare Verpackungen ab Lager beziehen, um Lieferlücken zu schließen.
- Vertrags- und Konditionsmanagement (Incoterms, Standzeitregelungen, Eskalationspfade) regelmäßig überprüfen.
- Digitale Transparenz schaffen: ETA-Tracking, Ereignisbenachrichtigungen, Ausnahmemanagement.
Praxisbeispiel (vereinfacht)
Verzögert sich der Zulauf bestimmter Rohpapiersorten um mehrere Wochen, lassen sich Aufträge mit alternativen Spezifikationen (gleichwertige Profil-/Flutpaare) priorisieren, Sicherheitsbestände gezielt einsetzen und Auslieferungen phasenweise bündeln. Parallel werden Transportfenster mit Spediteuren abgestimmt, um Standzeiten zu vermeiden und Engpässe zu überbrücken. Ergänzend kann eine temporäre Anpassung der Wellenprofile (z. B. Wechsel zwischen C- und B-Welle) in Kombination mit qualitätsgesicherten Substitutionsregeln die Lieferfähigkeit stabilisieren. Ein enges Monitoring von Feuchte- und Temperaturparametern während Lagerung und Transport unterstützt die Sicherung der Stapelstabilität und minimiert qualitätsbedingte Nacharbeit.
Messgrößen und operative Steuerung
Für die Beurteilung von Containerstauung sind Kennzahlen wie Gate-Durchlaufzeit, durchschnittliche Verweilzeit je TEU, Yard-Auslastung, Kranbewegungen pro Stunde, Rollover-Quote, Equipment-Verfügbarkeit, ETA/ETD-Abweichungen und Free-Time-Nutzung relevant. In der betrieblichen Praxis helfen Regelkreise aus Bedarfsplanung, ATP/CTP-Prüfungen, dynamischen Sicherheitsbeständen, Ausnahme- und Ereignismanagement sowie Engpasspriorisierung, um die Auswirkungen auf Beschaffung, Produktion und Distribution beherrschbar zu halten. Für Wellpappe-spezifische Abläufe sind zusätzlich OEE, Ausschussquoten, Klebstoffverbrauch, Feuchtegehalt und ECT-Prüfungen zentrale Steuerungsgrößen.
Unterschiedliche Ausprägungen der Containerstauung
Containerstauung kann exportseitig (fehlende Leercontainer, begrenzte Gate-In-Slots), importseitig (Rückstau bei Entladung, eingeschränkte Terminals) oder im Hinterland (überlastete Bahn- und Binnenschiffkapazitäten) dominieren. Auch unterscheiden sich die Effekte je nach Frachtart: Reefer, Gefahrgut oder Übermaßsendungen unterliegen besonderen Restriktionen, die sich auf Buchung, Umladung und Laufzeiten auswirken. Für die Wellpappenbranche bedeutet dies, dass bestimmte Hilfsstoffe oder Spezialpapiere besonders sorgfältig geplant und mit ausreichenden Puffern abgesichert werden sollten, um Produktionsstillstände zu vermeiden.
Zusammenfassung:
- Containerstauung ist ein Vorgang, bei dem der Transport von Gütern ins Stocken gerät, was zu großen Verzögerungen in der Lieferkette führt.
- Diese Situation kann besonders für Unternehmen, die auf die Lieferung von Wellpappe für Verpackungen angewiesen sind, problematisch sein, da Verzögerungen den Produktionsprozess beeinträchtigen können.
- Es ist wichtig, alternative Liefermethoden oder Lieferanten zu haben, um auf mögliche Verzögerungen durch Containerstauungen vorbereitet zu sein.
- Ursachen reichen von Kapazitätsgrenzen in Häfen über Wetterereignisse bis zu Engpässen im Hinterlandtransport.
- Typische Effekte sind längere Lead Times, zusätzliche Kosten und höherer Koordinationsaufwand in Beschaffung, Produktion und Distribution.
- Wirksame Gegenmaßnahmen sind Transparenz, Diversifikation von Bezugsquellen, risikoorientierte Bestandsstrategien und flexible Produktionsplanung.
Veröffentlicht am 26.04.2025
Letzte Überarbeitung am 31.10.2025 um 11:08 Uhr von Manuel Hofacker