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Haptische Effekte
In der Welt der Wellpappe spielen die haptischen Effekte eine zentrale Rolle. Denn sie verleihen dem Verpackungsmaterial ein einzigartiges Gefühl, das auf den Kunden einen tiefgreifenden Eindruck machen kann. Über den Tastsinn werden Eigenschaften wie Rauheit, Steifigkeit, Temperaturgefühl, Griffigkeit und Kompressibilität unmittelbar erfahrbar. Gerade bei Wellpapp-Verpackungen entscheidet das Zusammenspiel aus Oberflächenstruktur, Wellenprofil und Bedruckung darüber, wie wertig, robust oder natürlich ein Produkt wahrgenommen wird. Darüber hinaus prägen haptische Reize das sensorische Gedächtnis: Wiederkehrende Tastqualitäten erleichtern die Orientierung, unterstützen die Einschätzung von Stabilität im Handling und fördern eine sichere Handhabung entlang der gesamten Lieferkette vom Packtisch bis zum Endkunden.
Definition: Was ist unter den haptischen Auswirkungen zu verstehen?
Die haptischen Auswirkungen beziehen sich auf das taktil wahrgenommene Erlebnis eines Produkts oder einer Oberfläche durch Berührung. Kommt dies bei Wellpapp-Verpackungen zur Anwendung, vermittelt es dem Endkunden ein unmittelbares, greifbares Gefühl des Produktes sowie der Verpackung. Die Wahrnehmung kann sich auf die Qualität, Stärke und sogar das Gewicht des Objektes erstrecken und schließt auch kinästhetische Eindrücke (z. B. Federung beim Drücken) ein. In der Praxis werden haptische Eindrücke vor allem von folgenden Faktoren geprägt:
- Oberflächenrauheit und -textur des Liners (glatt, matt, faserig, beschichtet)
- Steifigkeit und Dicke des Materials (Wellenart, Anzahl der Lagen)
- Griffigkeit der Außenseite (Reibungskoeffizient, Lacke, Beschichtungen)
- Elastizität und Federwirkung beim Drücken (Kompressibilität der Welle)
- Kanten- und Falzqualität (saubere Rillung, Bruchneigung, Faltwiderstand)
- Feuchtegehalt und Klimazustand des Materials (Auswirkung auf Griff und Formstabilität)
- Homogenität der Bedruckung und Kalanderung (lokale Glattheitsunterschiede, taktile Kontraste)
Haptik ist multisensorisch eingebettet: Sie ergänzt optische und akustische Reize, bleibt hier jedoch auf das Thema Berührung fokussiert. Für die Einordnung im Wellpapp-Kontext ist wichtig, dass taktile Reize nicht nur Dekoration sind, sondern Informationen über Schutzfunktion, Robustheit und Handhabung transportieren. Im Zusammenspiel mit Ergonomie und Gebrauchsanleitung unterstützt die Haptik benutzerfreundliche Öffnungsmechaniken und eine sichere Produktausgabe.
Anwendung der haptischen Effekte bei Wellpapp-Verpackungen
Die haptischen Effekte kommen ins Spiel, um attraktive Wellpapp-Verpackungen zu kreieren. Durch gezielte Strukturierungen oder Prägungen können hervorragende taktil vermittelte Erfahrungen erzeugt werden. Nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Haptik der Wellpappe beeinflusst die Kundenwahrnehmung. Typische Anwendungsfelder sind unter anderem:
- Relief- und Blindprägungen zur Akzentuierung von Flächen oder Logos
- Matt- oder Soft-Touch-Lacke für ein warmes, samtiges Gefühl
- Sand- oder Taktillacke mit Mikropartikeln für erhöhte Griffigkeit
- Strukturkaschierungen (geprägte Deckpapiere) für natürliche Texturen
- Gezielte Materialwahl der Außendecke (Kraftliner/Testliner) für raue oder glatte Haptik
- Partielle Lackfenster zur Führung der Hand über funktionale Zonen (z. B. Öffnungslaschen)
- Mikro-Embossing für fein differenzierte Muster ohne starke Beeinflussung der Weiterverarbeitung
Auch nachhaltige Materialkonzepte können haptisch wirksam sein, etwa durch naturnahen, texturierten Oberflächen aus Graspapier, die eine faserige, authentische Rauigkeit vermitteln. Gleichzeitig lässt sich durch unterschiedliche Wellenarten (z. B. E-, B- oder C-Welle) das Gefühl von Stabilität und Federung steuern: Mikrofluten wirken feiner und ruhiger, gröbere Wellen fühlbar kraftvoller. In regulierten Anwendungen (z. B. Lebensmittelkontakt) ist zusätzlich zu prüfen, welche Lacke und Beschichtungen geeignet sind, um haptische Effekte mit rechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Material- und Oberflächenparameter der Haptik
Grammatur, Liner und Wellenarten
Die Wahl der Deck- und Zwischenpapiere sowie der Wellengeometrie prägt das Tastgefühl maßgeblich. Höhere Grammaturen und stabile Liner erhöhen die Steifigkeit und vermitteln Substanz. Mikrofluten (E/F) bieten eine glattere, feinere Oberfläche, während B- oder C-Wellen eine kraftvollere Haptik und stärkere Federung erzeugen. Doppel- und Tripelwellen verstärken den Eindruck von Schutz und Volumen, können jedoch an Kanten „hart“ wirken, wenn Rillung und Falzung nicht sauber ausgeführt sind. Auch Faserrohstoff (Frischfaser- vs. Recyclinganteil) und die Art der Oberflächenbehandlung (z. B. Kalanderung) beeinflussen Glattheit, Wärmeempfinden und Griff.
Beschichtungen, Lacke und Bedruckung
Beschichtungen beeinflussen die Griffigkeit und Oberflächentemperaturwahrnehmung. Wasserbasierte Dispersionslacke erzeugen je nach Ausführung matte, seidige oder glänzende Effekte; Soft-Touch-Varianten wirken warm und samtig. Taktile Lacke mit Partikeln erhöhen die Reibung, was das sichere Greifen erleichtern kann. Hoher Farbauftrag glättet die Oberfläche, reduziert Rauheit und kann das Material kühler erscheinen lassen. Punktuell eingesetzte Lackfenster schaffen Kontraste zwischen glatten und rauen Bereichen. Die Auswahl der Pigmente und Bindemittel wirkt sich zudem auf Abriebfestigkeit und Kratzempfindlichkeit aus, was im täglichen Gebrauch spürbar wird.
Prägungen und Mikrostrukturen
Reliefprägungen erzeugen fühlbare Höhenunterschiede, die dem Griff Führung geben und Elemente hervorheben. Feine Mikrostrukturen (z. B. Leinen- oder Filzoptik) ergeben ein differenziertes Tastbild, ohne die Maschinenlaufeigenschaften stark zu beeinträchtigen. Bei tieferen Prägungen ist die Stabilität des Wellenkörpers zu berücksichtigen, um ein Crushen der Welle und damit Festigkeitsverluste zu vermeiden. In der Praxis bewährt sich die Kombination aus moderater Prägungstiefe, präziser Rillung und einem Liner mit ausreichender Festigkeit, um taktile Qualität und Funktionssicherheit auszubalancieren.
Feuchte und Klimabedingungen
Der Feuchtegehalt von Papier und Wellpappe beeinflusst die wahrgenommene Haptik deutlich: Zu trockene Materialien fühlen sich spröde und kühl an, zu feuchte eher weich und weniger griffig. Klimatisierung (Temperatur, relative Luftfeuchte) entlang der Prozesskette stabilisiert die Haptik, minimiert Verzug und hält Griffigkeit sowie Steifigkeit auf einem reproduzierbaren Niveau. Verpackungsentwicklungen sollten daher klimatische Toleranzen frühzeitig berücksichtigen.
Mess- und Prüfmethoden für haptische Eigenschaften
Haptik ist subjektiv, dennoch lassen sich relevante Parameter technisch erfassen und vergleichen:
- Rauheits- und Glattheitsmessungen von Papieren (z. B. Bendtsen, PPS, Bekk) zur Bewertung der Oberflächenfeinheit
- Reibungskoeffizient (COF) zur Beurteilung der Griffigkeit von Außenflächen
- Dickenmessung und Flächengewicht zur Einordnung der Substanz und der „Hand“ des Materials
- Kompressions- und Rückstellverhalten der Wellpappe zur Beurteilung der fühlbaren Federung
- Verbraucherbasierte Haptiktests (Blindtests, Vergleichsraster, semantische Differenziale) zur Ermittlung der bevorzugten Tastqualitäten
- Biegesteifigkeit und Faltwiderstand zur Einschätzung der gefühlten Stabilität (z. B. nach ISO-Methoden)
- Kanten- und Stapelfestigkeit (ECT/BCT) als indirekte Indikatoren für wahrgenommene Robustheit
Die Kombination aus objektiven Messwerten und strukturiertem Nutzerfeedback führt zu belastbaren Entscheidungen für haptische Ausprägungen im jeweiligen Anwendungsfall. Ergänzend unterstützen Klimatests und Alterungssimulationen die Bewertung der Haptikkonstanz über Zeit und Umgebungsbedingungen hinweg.
Gestaltungsrichtlinien für haptische Effekte
Damit haptische Maßnahmen bei Wellpapp-Verpackungen funktional und konsistent wirken, haben sich folgende Grundsätze bewährt:
- Funktion vor Dekor: Griffzonen, Öffnungslaschen und Tragebereiche erhalten bevorzugt griffige, robuste Oberflächen.
- Kontraste gezielt einsetzen: Wechsel zwischen matt/rau und glatt/glänzend lenkt Aufmerksamkeit und leitet die Handführung.
- Unboxing berücksichtigen: Tastpunkte entlang der Öffnungsmechanik unterstützen eine intuitive Handhabung.
- Produktion mitdenken: Prägungen und hohe Lackschichten so platzieren, dass Rillung, Falzung und Klebung sicher bleiben.
- Materialharmonie: Optik und Haptik sollten zueinander passen (z. B. natürliche Optik mit entsprechend natürlicher Textur).
- Konstanz über Chargen: Toleranzen bei Papier, Feuchte und Druck berücksichtigen, um stabile haptische Ergebnisse zu erzielen.
- Recyclingorientierung: Beschichtungen so wählen, dass die stoffliche Wiederverwertung nicht erschwert wird.
- Ergonomie einplanen: Haptische Markierungen können die Bedienlogik verdeutlichen und Fehlbedienungen reduzieren.
Die Rolle der Haptik bei der Markenbildung
Die haptischen Auswirkungen begünstigen eine stärkere Markenbindung. Wenn Kunden ein Produkt mit einer angenehm zu berührenden Verpackung in die Hand nehmen, entwickelt sich eine positive Verbindung zur Marke. Der Einsatz von Textur und andere haptische Aspekte fördern den Wiedererkennungswert einer Marke. In der Praxis wirken haptische Codes wie matt-samtig (ruhig, hochwertig), faserig-natürlich (authentisch, ressourcenschonend) oder glatt-glänzend (präzise, technisch). Wichtig ist die Konsistenz über Sortimente hinweg, damit die haptische Signatur eindeutig und verlässlich bleibt. Zusätzlich können haptische Leitmotive als Teil von Design-Guidelines definiert werden, um bei Neuauflagen und Line-Extensions reproduzierbare Tastqualitäten zu sichern.
Vor- und Nachteile der haptischen Auswirkungen
Die Haptik hat viele Vorteile. Sie hat die Fähigkeit, die Kundenbindung zu stärken und die Markenerfahrung zu verbessern. Mit haptischen Maßnahmen kann die Aufmerksamkeit auf bestimmte Produktinformationen gelenkt werden. Allerdings können solche Verfahren auch teurer sein und mehr Produktionszeit in Anspruch nehmen. Manchmal kann der Prozess auch Herausforderungen bei der Qualitätskontrolle hervorbringen. Es bedarf daher einer sorgfältigen Abwägung, ob der haptische Einsatz der Effekte auf die Wellpapp-Verpackung sich positiv auf den gesamten Produktwert auswirkt. Ergänzend zu diesen Punkten sind zu berücksichtigen:
- Werkzeug- und Rüstkosten für Prägungen und spezielle Lackierungen
- Potenzielle Beeinflussung der Maschinenlaufeigenschaften (Rillung, Falzung, Klebung)
- Risiken von Wellencrush bei zu starker Prägung oder hohem Druck
- Schwankungen durch Klimaeinflüsse (Feuchte, Temperatur) auf Rauheit und Griffgefühl
- Auswirkungen auf Recyclingfähigkeit bei bestimmten Beschichtungen
- Mögliche Verlängerung von Trocknungszeiten und Einfluss auf Durchsatz
- Abrieb- und Kratzempfindlichkeit je nach Lacksystem und Pigmentierung
Praxisbeispiele und Branchenkontext
In E-Commerce-Versandverpackungen erleichtern griffige Zonen das Handling beim Öffnen und Wiederverschließen. Im Lebensmittelbereich vermitteln natürliche, leicht raue Oberflächen Authentizität, während bei technischen Produkten glatte, kühle Haptik Präzision betonen kann. Für Präsentverpackungen lassen sich taktile Kontraste nutzen, um Blick- und Handführung auf relevante Informationen (z. B. Produktname, Nachhaltigkeitshinweis) zu lenken. In Logistik und Retail tragen robuste Kanten und eine gleichmäßige Oberflächenreibung dazu bei, Verrutschen auf Förderstrecken zu vermeiden und die Bedienbarkeit im Regal zu verbessern.
Prozess- und Qualitätssicherung
Für reproduzierbare haptische Ergebnisse empfiehlt sich ein abgestimmter Prüfplan: Materialeingangsprüfung (Rauheit, Feuchte), Inprozess-Kontrollen (Lackschichtdicke, Prägetiefe, COF) und Abnahmetests mit Panels. Musterkarten mit Referenzoberflächen und klar definierte Toleranzen unterstützen die Kommunikation zwischen Entwicklung, Vorstufe und Produktion. Durch Vorabtests an kritischen Stellen (Rillungen, Falze, Griffzonen) lassen sich spätere Qualitätsschwankungen und Reklamationen vermeiden.
Zusammenfassung:
- Die Begrifflichkeit "Haptische Effekte" bezeichnet die Erfahrungen, die wir durch den Tastsinn machen, so können bestimmte Oberflächenstrukturen wie die von Wellpappe eine besondere haptische Wahrnehmung hervorrufen.
- Haptische Effekte werden in der Verpackungsindustrie genutzt, um eine direkte physische Interaktion zwischen Kunde und Produkt zu ermöglichen. Wellpappe bietet dabei einen natürlichen, rauen und festen Griff.
- Die Ausarbeitung von haptischen Effekten bei Verpackungen aus Wellpappe kann die Wertigkeit und Qualität eines Produktes steigern und somit direkt den Verkaufserfolg beeinflussen.
- Materialwahl, Wellenprofil, Prägung und Lackierung bestimmen das Tastbild; Messwerte und Nutzerfeedback sichern reproduzierbare Ergebnisse.
- Vorteile (Orientierung, Markenbindung, Aufmerksamkeitslenkung) stehen zusätzlichen Kosten und Produktionsanforderungen gegenüber; eine abgestimmte Gestaltung maximiert den Nutzen.
- Konsequente Qualitätssicherung, geeignete Klimaführung und die Beachtung der Recyclingfähigkeit sichern eine konstante Haptik über den gesamten Lebenszyklus der Verpackung.
- Haptische Codes sollten als Teil der Designsystematik definiert werden, damit die taktile Signatur über Sortimente und Chargen hinweg stabil bleibt.
Veröffentlicht am 19.06.2024
Letzte Überarbeitung am 25.09.2025 um 13:43 Uhr von Julia Kopp