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Querzugfestigkeit
Die Querzugfestigkeit spielt eine grundlegende Rolle im Kontext von Wellpappe und deren Einsatz zur Herstellung von Verpackungen. Da die Beständigkeit eines Materials im direkten Zusammenhang mit seiner Belastbarkeit und somit seiner Zuverlässigkeit steht, ist die Querzugfestigkeit ein entscheidender Qualitätsindikator. Sie beeinflusst unmittelbar die Verpackungssicherheit, die Stabilität unter Transportbelastungen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Handhabungsfehlern entlang der gesamten Lieferkette.
Definition: Was versteht man unter Querzugfestigkeit?
Die Querzugfestigkeit ist ein Standardmaß zur Bestimmung der Festigkeit eines Materials. Bei der Prüfung der Querzugfestigkeit wird gemessen, wie stark ein Material, in diesem Fall Wellpappe, von einer Seite zur anderen gezogen werden kann, bevor es reißt oder bricht. Dieser Test gibt Aufschluss über die Belastbarkeit eines Materials gegenüber den auf es wirkenden Zugkräften.
Im Kontext von faserbasierten Werkstoffen unterscheiden Fachleute zwischen Längs- (MD) und Querrichtung (CD). Die Querzugfestigkeit bezieht sich auf die Zugbeanspruchung senkrecht zur Hauptlaufrichtung der Fasern und wird meist als Kraft pro Probenbreite angegeben. Sie dient als Werkstoffkennwert, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Rissen, Einrissen an Kanten und lokalen Beanspruchungen während Konfektionierung, Befüllung, Handling und Transport zu bewerten.
Für die Beurteilung werden in der Regel Liner- und Wellenpapiere getrennt charakterisiert; die resultierende Eigenschaft des Verbundes (Wellpappe) hängt anschließend vom Zusammenspiel der Einzelschichten, der Klebung und der Wellengeometrie ab.
Die anisotrope Natur faserbasierter Werkstoffe führt dazu, dass die Querzugfestigkeit (CD) typischerweise von der Längszugfestigkeit (MD) abweicht. Fasereigenschaften (Länge, Steifigkeit, Bindekräfte), die Leimung des Rohpapiers sowie die Qualität der Interlagenklebung im Verbund wirken dabei zusammen und determinieren das Rissinitiations- und Rissausbreitungsverhalten quer zur Hauptlaufrichtung.
Die Relevanz der Querzugfestigkeit für Wellpappe
Wellpappe besteht aus drei Schichten: einer Innen-, einer Außen- und einer Wellenschicht. Die Querzugfestigkeit spielt vor allem bei der Wellen- und Innenschicht eine wichtige Rolle, denn sie bestimmt, wie gut das Material den Belastungen standhält, die während des Produktionsprozesses und im Verlauf der Nutzung auftreten. Ein hoher Wert der Querzugfestigkeit ist daher ein Garant für ein robustes, langlebiges und verlässliches Verpackungsprodukt.
In der Praxis beeinflusst die Querzugfestigkeit unter anderem die Rill- und Stanzfähigkeit, die Kantenstabilität an Laschen sowie das Verhalten an Falzkanten. Sie wirkt sich auf die Neigung zu Kantenrissen aus und trägt dazu bei, dass Klebungen im Verbund zuverlässig halten. Bei dynamischen Beanspruchungen, beispielsweise durch Stöße oder Vibrationen, reduziert eine ausreichende Querzugfestigkeit das Risiko spontaner Rissbildung.
Auch der Feuchtegehalt des Materials spielt eine Rolle: Steigende relative Luftfeuchten können die Faser-Faser-Bindungen schwächen und die Querzugfestigkeit senken. Eine geeignete Materialwahl und klimatische Konditionierung sichern die geforderte Leistungsfähigkeit im praktischen Einsatz.
Bezug zur Konstruktion und Geometrie
Die Auslegung von Zuschnitten, Rillbildern und Klebelaschen erfordert eine Abstimmung zwischen Werkstoffkennwerten und geometrischen Randbedingungen. Für die technische Auslegung helfen weiterführende Informationen zu relevanten Abmessungen, um Materialeigenschaften und Zuschnittdesign passgenau zu kombinieren.
Praktisch bedeutsam sind die Lage der Falzlinien relativ zur Wellenrichtung, Mindestabstände zwischen Rillung und Stanzkonturen sowie die Gestaltung von Anfass- und Greifbereichen. Geometrische Übergänge mit Spannungsspitzen (z. B. enge Radien, scharfe Ecken) sollten so ausgelegt werden, dass die quer zur Faser wirkenden Zugspannungen minimiert werden.
Wie wird die Querzugfestigkeit gemessen?
Die Messung der Querzugfestigkeit erfolgt mittels Universalprüfmaschinen im Zugversuch. Dabei wird ein Probekörper aus dem zu prüfenden Material eingeklemmt und dann mit einer definierten Geschwindigkeit in die Querrichtung gezogen. Über die aufgebrachte Kraft und die dabei erzielte Dehnung lässt sich die Querzugfestigkeit berechnen. Diese Messungen bilden die Basis für die Qualitätskontrolle von Wellpappe.
Vor der Prüfung werden die Proben üblicherweise klimatisiert (standardisierte Temperatur- und Feuchtebedingungen), um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten. Die Prüfkörperbreite, die Einspannlänge und die konstante Prüfgeschwindigkeit werden normgerecht festgelegt. Die Auswertung erfolgt über die Kraft-Verlängerungs- beziehungsweise Spannungs-Dehnungs-Kurve; daraus werden Kennwerte wie maximale Zugkraft, Bruchdehnung und, falls erforderlich, das scheinbare Elastizitätsmodul bestimmt.
Probenahme und Auswertung
Für verlässliche Resultate ist eine repräsentative Probenahme entlang der Bahn- und Querrichtung wichtig. Mehrfachprüfungen und statistische Kennzahlen (Mittelwert, Standardabweichung) erhöhen die Aussagekraft. Abweichungen können auf Inhomogenitäten, unzureichende Klebung im Verbund oder Schwankungen im Rohpapier hindeuten.
Ergänzend empfiehlt sich die Dokumentation der Prüfbedingungen (Klimadaten, Einspannart, Dehnrate) sowie eine Plausibilitätsprüfung durch Vergleich mit Referenzqualitäten. In der Praxis werden häufig genormte Verfahren (z. B. nach DIN- oder TAPPI-Standards) eingesetzt, um Laborwerte untereinander vergleichbar zu machen.
Interpretation der Kennwerte
Die absolute Höhe der Querzugfestigkeit ist nur im Kontext der Anwendung zu bewerten: Für dünne, feinwellige Qualitäten kann eine geringere Querzugfestigkeit funktional ausreichen, wenn Rillgeometrie, Falzlayout und Klebung abgestimmt sind. Bei schweren Packgütern oder hoher Stapellast ist dagegen eine höhere Querzugfestigkeit zweckmäßig, um Kantenrisse und Schädigungen an Laschen zu vermeiden. Eine ausgewogene Kombination aus Querzugfestigkeit, Biegesteifigkeit und Kantenstauchwerten unterstützt eine prozesssichere Verarbeitung.
Vor- und Nachteile der Querzugfestigkeit
Der Hauptvorteil einer hohen Querzugfestigkeit liegt in der erhöhten Belastbarkeit der Wellpappe. Verpackungen aus Material mit hoher Querzugfestigkeit können somit schwerere Lasten tragen und sind darüber hinaus widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen. Sie eignen sich besonders für Produkte, die einen sicheren und robusten Transport erfordern. Ein weiterer Vorteil besteht in der längeren Lebensdauer des Materials. Wellpappe mit hoher Querzugfestigkeit ist imstande, auch bei starker Beanspruchung länger stabil zu bleiben, was die Effizienz und Nachhaltigkeit des Materials erhöht. Ein möglicher Nachteil entsteht dann, wenn die Querzugfestigkeit zu hoch ist und somit die Flexibilität des Materials beeinträchtigt wird. Denn Wellpappe muss nicht nur stark, sondern auch biegsam sein, um vielfältig einsetzbar zu bleiben. Daher ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Querzugfestigkeit und Biegsamkeit von großer Bedeutung.
In der Anwendung zeigt sich dieser Zielkonflikt besonders an Falzkanten und Rillungen: Zu hohe Steifigkeit kann die Verarbeitbarkeit mindern, während zu geringe Querzugfestigkeit die Gefahr von Einrissen erhöht. Ein material- und anwendungsgerechter Kompromiss berücksichtigt außerdem Grammatur, Wellenprofil (z. B. B-, C- oder E-Welle), Klebqualität und klimatische Bedingungen.
Einflussfaktoren im Überblick
- Faserqualität und Faserausrichtung: Anteil Primär-/Sekundärfasern, Faserlänge und Bindekräfte.
- Rohpapierparameter: Flächengewicht, Leimung, Feuchtegehalt und Oberflächenbeschaffenheit.
- Wellengeometrie und Klebung: Art der Welle, Klebepunkte und Klebstoffauftrag im Verbund.
- Prozessführung: Rillen, Stanzen, Falzen und Verklebung beeinflussen das lokale Spannungsfeld.
- Klimabedingungen: Temperatur- und Feuchteeinflüsse während Lagerung und Nutzung.
- Recycling- und Alterungseinflüsse: Faserermüdung durch Wiederaufbereitung sowie mögliche Versprödung bei Langzeitlagerung.
Zusammenhang mit weiteren Kennwerten
Die Querzugfestigkeit steht in Wechselwirkung mit anderen Prüfgrößen der Papier- und Wellpappenprüfung, etwa Kantenstauchwerten (z. B. ECT), Bruch- oder Biegekennwerten. Eine ganzheitliche Bewertung berücksichtigt diese Zusammenhänge, um Tragfähigkeit, Stapelstabilität und Verarbeitbarkeit sicherzustellen.
Ergänzend liefern Prüfungen wie SCT, RCT, FCT und BCT wertvolle Hinweise auf das Lastverhalten unter Druck- und Biegebeanspruchung. Zusammen mit der Querzugfestigkeit entsteht ein konsistentes Eigenschaftsprofil für die technische Auslegung.
Typische Fehlerbilder und Praxisbeispiele
- Kantenrisse an Laschen nach dem Rillen oder Falzen bei feuchteempfindlichen Qualitäten.
- Interlaminare Trennungen (Ablösungen im Klebebereich) bei unzureichender Klebstoffbenetzung.
- Rissinitiierung an Stanzradien mit kleinen Innenradien und ungünstiger Wellenorientierung.
- Beschädigungen durch Stoß- und Vibrationsbelastung beim Transport empfindlicher Güter.
Praxisbeispiel: Bei shelf-ready-Verpackungen führen enge Rillgeometrien in Kombination mit niedriger Querzugfestigkeit häufig zu Einrissen entlang der Sollbruchlinien. Durch Anpassung der Rilltiefe, Optimierung der Klebung und Auswahl eines Rohpapiers mit höherer Querzugfestigkeit lässt sich die Funktionssicherheit deutlich erhöhen.
Material- und Prozessoptimierung
Zur gezielten Erhöhung der Querzugfestigkeit kommen unter anderem eine angepasste Faserzusammensetzung (Balance aus Primär- und Sekundärfasern), eine geeignete Leimung des Rohpapiers, optimierte Trocknungs- und Konditionierbedingungen sowie ein definierter Klebstoffauftrag im Wellpappenverbund in Betracht. Prozessseitig unterstützen schonende Rillgeometrien, adäquate Stanzwerkzeuge und eine kontrollierte Klimaführung die Stabilität quer zur Faserrichtung.
Zusammenfassung:
- Die Querzugfestigkeit ist ein zentraler Indikator für die Qualität und Belastbarkeit von Verpackungsmaterialien, insbesondere von Wellpappe.
- Ein hoher Wert in der Querzugfestigkeit zeugt von einer stabilen und reißfesten Verpackung, was gerade bei hochwertigen oder schweren Produkten entscheidend ist.
- Durch das gezielte Prüfen und Optimieren der Querzugfestigkeit kann die Produktsicherheit erhöht und gleichzeitig Material eingespart werden, was sowohl ökonomisch als auch ökologisch von Vorteil ist.
- Die Messung erfolgt normgerecht in Querrichtung mit klimatisierten Proben und liefert Kennwerte wie maximale Zugkraft und Bruchdehnung.
- Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Querzugfestigkeit und Biegsamkeit unterstützt Verarbeitbarkeit, Kantenstabilität und praktische Beanspruchungen über den gesamten Lebenszyklus.
- Klimaeinflüsse sind wesentlich: Standardisierte Konditionierung und kontrollierte Umgebungen verbessern Reproduzierbarkeit und Praxistauglichkeit.
- Die Auswertung sollte stets die Anisotropie (MD/CD) berücksichtigen, um Konstruktion und Materialeinsatz zielgerichtet abzustimmen.
Veröffentlicht am 03.06.2024
Letzte Überarbeitung am 08.10.2025 um 12:35 Uhr von Sebastian Würth