Sofortkontakt
Wellstar-Packaging GmbH
Hubert-Weisser-Straße 2
78199 Bräunlingen
Tel. +49 (0)771 / 9294886-0
E-Mail
info@wellstar-packaging.de
Biokompatibilität
Die Bedeutung von umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien hat in den letzten Jahren stark zugenommen. In diesem Kontext spielt die Biokompatibilität eine entscheidende Rolle, insbesondere für Unternehmen in der Wellpappe-Industrie. Sie ist ein zentrales Kriterium, wenn Verpackungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zuverlässig, gesundheitlich unbedenklich und kreislauffähig funktionieren sollen.
Biokompatibilität beschreibt in diesem Zusammenhang nicht nur die gesundheitliche Unbedenklichkeit für Anwenderinnen und Anwender, sondern auch die Verträglichkeit mit biologischen Systemen entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Verarbeitung und Nutzung bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung. Gerade bei faserbasierten Materialien wie Wellpappe ist die Kombination aus Materialverträglichkeit, Recyclingfähigkeit und geringen Emissionen (z. B. VOC, Geruch) zentral. Hinzu kommt das Management von NIAS (nicht beabsichtigt eingebrachte Stoffe), eine minimierte Stoffmigration und eine sensorische Neutralität, damit sich Inhalte, Arbeitsumgebung und Umwelt durch die Verpackung nicht nachteilig verändern.
Definition: Was versteht man unter Biokompatibilität?
Im Kontext der Materialwissenschaften ist Biokompatibilität die Fähigkeit eines Stoffs, verträglich und harmlos für lebende Gewebe zu sein. Man könnte auch sagen, dass es die Fähigkeit ist, mit biologischen Systemen zu interagieren, ohne schädliche Auswirkungen auf diese zu haben. Für Verpackungen bedeutet dies insbesondere eine geringe Toxizität, ein kontrolliertes Migrationsverhalten und die Vermeidung von ökotoxikologisch bedenklichen Effekten in der Umwelt.
Über die allgemeine Materialverträglichkeit hinaus umfasst Biokompatibilität im Verpackungsbereich Aspekte wie geringe Toxizität, begrenzte Migration potenziell kritischer Substanzen (z. B. Mineralöle, Weichmacher, Schwermetalle), neutrale Geruchs- und Geschmacksprofile sowie eine problemlose Entsorgung im Rahmen der Kreislaufwirtschaft. Wichtig ist die Abgrenzung zu „biobasiert“ oder „biologisch abbaubar“: Biokompatibel heißt nicht zwingend biobasiert, und Abbaubarkeit ist nur ein möglicher Teilaspekt. Entscheidend ist die Gesamtsicht über den Lebenszyklus (Ökobilanz/LCA) sowie die Interaktion des Materials mit Menschen, Inhalt und Umwelt.
Kernaspekte der Biokompatibilität im Wellpappe-Kontext sind unter anderem:
- Unbedenkliche Zusammensetzung von Fasern, Klebstoffen, Druckfarben und Beschichtungen
- Geringe Migration und niedrige Emissionen in der Nutzung
- Recycling- und Kreislauffähigkeit ohne problematische Rückstände
- Risikominimierung für Mensch, Tier und Umwelt
- GMP-gerechte Herstellung und kontrollierte Prozesse zur Vermeidung von Kontaminationen
- Management von NIAS sowie Verzicht auf besonders besorgniserregende Stoffe (z. B. SVHC gemäß REACH)
- Dokumentierte Rückverfolgbarkeit und belastbare Konformitätserklärungen
Die Rolle der Biokompatibilität in der Wellpappe-Industrie
Die Wellpappe-Industrie hat die Wichtigkeit von Biokompatibilität erkannt, da sie das Potenzial hat, zur Entwicklung nachhaltigerer Verpackungslösungen beizutragen. In der Vergangenheit wurden Verpackungsmaterialien weitgehend auf ihre Kosten, Haltbarkeit und Stärke hin ausgewählt. Heutzutage spielen jedoch auch Faktoren wie Umweltauswirkungen und Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Es ist wichtig, dass Verpackungsmaterialien nicht nur stark und langlebig sind, sondern auch mit der Umwelt verträglich sind. Damit verbunden sind Designprinzipien wie „Design for Recycling“, geringe Stoffkomplexität und eine verlässliche Sensorik.
Hinzu kommen regulatorische Anforderungen (z. B. Stoffbeschränkungen, Migrationsgrenzen), der Schutz sensibler Inhalte (Lebensmittel, Pharma-Sekundärverpackungen, Kosmetik) und Erwartungen entlang der Lieferkette. Biokompatible Lösungen unterstützen Produktsicherheit, Markenintegrität und Arbeitsschutz (z. B. geringe Geruchsbelastung im Fulfillment) sowie die stoffliche Verwertung im Altpapierkreislauf. Auch Berichtsanforderungen und Kennzahlen im Rahmen von Nachhaltigkeitsberichten oder Ressourcenmanagement profitieren von klar definierten, biokompatiblen Materialkonzepten.
Regulatorischer Rahmen und Richtlinien
Relevante Bezugsrahmen sind u. a. die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 für Materialien mit Lebensmittelkontakt, REACH (Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) sowie branchenspezifische Empfehlungen wie BfR-Empfehlung XXXVI für Papier und Karton. Für Wellpappe bedeutsam sind außerdem Normen zur Recyclingfähigkeit und Vermeidung gefährlicher Substanzen. Ein Fokus liegt auf der Reduktion von MOSH/MOAH (Mineralölkohlenwasserstoffe) aus Recyclingfasern oder Druckfarben und der Einhaltung von Migrationsgrenzwerten.
Ergänzend sind gute Herstellungspraxis (GMP, z. B. Verordnung (EG) Nr. 2023/2006), Leitlinien für Druckfarben (z. B. EuPIA-Empfehlungen) sowie nationale Vorgaben wie die Schweizer Bedarfsgegenständeverordnung relevant. Für die Kreislauffähigkeit spielen u. a. DIN EN 13430, anerkannte Prüfmethoden der Papierindustrie (z. B. PTS/CEPI-Leitfäden) und Anforderungen des Verpackungsrechts (u. a. VerpackG) eine Rolle.
Praxisbezug: Anforderungen entlang des Lebenszyklus
In Einkauf, Entwicklung und Qualitätssicherung sind Kriterien wie Rohstoffherkunft, Additiv- und Farbsysteme, Klebstoffe, Barriereausrüstung, Prozesschemikalien und deren Einfluss auf Recyclingströme zu bewerten. Ebenso relevant sind Prüfberichte (Migration, Sensorik), Unbedenklichkeitserklärungen, Lieferantenaudits und Lebenszyklusbetrachtungen. Wirksam sind zudem Change-Control-Verfahren, eine strukturierte Risikobewertung (z. B. auf Basis von Anwendungsprofil und Exposition) sowie ein konsistentes Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitssystem.
Biokompatible Materialien in der Wellpappe-Produktion
Einige Materialien, die in der Wellpappe-Industrie verwendet werden, sind biologisch abbaubar und daher biokompatibel. Dazu gehören zum Beispiel Stärkekleber und biobasierte Farben. Häufig ist jedoch die Kombination aus faserbasiertem Träger, migrationsarmen Funktionsstoffen und recyclingfreundlichen Barrieren entscheidend, nicht allein die Biobasiertheit einzelner Komponenten.
Klebstoffe: Stärkebasierte Klebstoffe (z. B. aus Mais- oder Kartoffelstärke) sind Standard in der Wellpappenherstellung und gelten als gut verträglich. Ergänzend kommen vereinzelt Dispersions- oder Hotmelt-Systeme zum Einsatz, die migrations- und emissionsarm formuliert sein sollten. Boratreduzierte oder boratfreie Rezepturen können die Einstufung verbessern, sofern Verarbeitbarkeit und Festigkeit gewährleistet bleiben.
Druckfarben und Lacke: Wasserbasierte, migrationsarme Farbsysteme mit reduzierten Lösungsmittelanteilen und geringen Gehalten potenziell kritischer Substanzen (z. B. bestimmte Photoinitiatoren) unterstützen Biokompatibilität. Vegetabil basierte Bindemittelöle und Additive können die Bilanz verbessern, sofern Stabilität und Druckbild erhalten bleiben. Für sensible Anwendungen sind Low-Odor-/Low-Migration-Formulierungen und die Beachtung einschlägiger Leitlinien (z. B. EuPIA) empfehlenswert.
Fasern und Zusätze: Zellulosefasern aus Primär- oder Sekundärrohstoffen bilden die Basis. Bei Recyclingfasern ist das Screening auf MOSH/MOAH, optische Aufheller oder sonstige Kontaminanten wichtig. Nassfestmittel, Leimungsmittel und Hilfsstoffe sollten so gewählt werden, dass keine problematischen Rückstände verbleiben. Eine konsistente Altpapierqualität (z. B. definierte OCC-Fraktionen) und geeignete Aufbereitungsprozesse verbessern die Materialhygiene.
Barrieren und Beschichtungen: Für Feuchte- oder Fettbarrieren können wasserbasierte Dispersionsbeschichtungen, biobasierte Polymere oder mineralische Ausrüstungen eingesetzt werden. Ziel ist eine ausreichende Schutzwirkung bei gleichzeitig guter Rezyklierbarkeit und geringen Emissionen. Repulpbare Systeme (z. B. bestimmte PVOH- oder stärkehaltige Beschichtungen) sind vorteilhaft, sofern sie bei Kontaktbedingungen stabil bleiben und die Funktion sicherstellen.
Anwendungsbeispiele
- Transportverpackungen für trockene Lebensmittel (sekundärem bzw. tertiärem Kontakt) mit Fokus auf niedrige Migration und neutrale Sensorik
- Verpackungen für empfindliche Konsumgüter, bei denen Geruchsarmut und staubarme Oberflächen relevant sind
- Feuchte- und fettresistente Lösungen mit recyclingfreundlichen Dispersionsbarrieren
- E-Commerce-Verpackungen mit robuster Schutzfunktion und minimierten Emissionen für Fulfillment-Umgebungen
- Sekundärverpackungen für Kosmetik- und Pharmagüter, bei denen Migration und Partikelfreisetzung kontrolliert werden müssen
- Frische- und Feinkost-Umverpackungen, bei denen Kondensations- oder Fettbeständigkeit mit Rezyklierbarkeit in Einklang gebracht wird
Für den schnellen Bedarf an marktüblichen Lösungen bietet sich eine Übersicht zu sofort verfügbaren Verpackungen ab Lager an, um typische Materialkombinationen und ihre Eignung in der Praxis zu vergleichen. Ergänzend hilft ein strukturiertes Lastenheft (Anwendungsprofil, Kontaktart, Zielmärkte), passende Materialsysteme einzuordnen.
Prüfmethoden und Nachweise
- Gesamt- und spezifische Migrationstests (je nach Kontakt- und Anwendungsprofil)
- MOSH/MOAH-Screenings und Analytik weiterer definierter Stoffgruppen
- Sensorik- und Geruchstests (z. B. Robinson-Test) zur Beurteilung der Neutralität
- Bewertungen zur Recyclingfähigkeit und zum Einfluss von Beschichtungen auf das Altpapier
- Ökotoxikologische Betrachtungen für den Fall unbeabsichtigten Eintrags in die Umwelt
- Headspace- und GC-MS-Analytik zur Identifikation flüchtiger Bestandteile und NIAS
- Konformitätsdokumentation (z. B. DoC, Lieferantenerklärungen), REACH-/CLP-Konformitätsprüfungen
- Prozess- und Umgebungsmonitoring (GMP, Partikel-/VOC-Überwachung) zur Sicherstellung gleichbleibender Qualität
Design für Biokompatibilität und Kreislaufwirtschaft
Ein biokompatibles Verpackungsdesign für Wellpappe folgt dem Grundsatz „so viel Funktion wie nötig, so wenig Stoffvielfalt wie möglich“. Das umfasst die Reduktion potenziell migrierender Komponenten, die Auswahl repulpbarer Barrieren, einfache Trennbarkeit von Funktionsschichten sowie eine auf den Anwendungsfall abgestimmte Flächengewichts- und Wellengeometrie.
Empfehlungen für Entwicklung und Einkauf
- Frühe Einbindung von Qualitäts- und Regulierungsteams, um Migrations- und Sensorikziele festzulegen
- Präferenz für wasserbasierte, emissionsarme Systeme und deklarationsstarke Rohstoffe
- Bewertung von Lieferanten nach GMP-Kriterien, Change-Control und Rückverfolgbarkeit
- Pilotversuche mit praxisnahen Prüfmedien und realistischen Klimaprofilen
- Regelmäßige Re-Tests bei Rezeptur- oder Prozessänderungen sowie nach Änderungen der Rechtslage
Typische Fallstricke und Lösungsansätze
- Unklare Kontaktbewertung (sekundär/tertiär): Anwendung präzise definieren, Prüfdesign daran ausrichten
- Sensorikabweichungen durch Druck/Veredelung: low-odor Systeme, Aushärtung und Trocknung validieren
- Recyclinghemmnisse durch Barrieren: repulpbare Alternativen prüfen, Schichtdicken optimieren
- Variabilität in Recyclingfasern: qualitätsgesicherte Beschaffung, Wareneingangsscreenings etablieren
- Unzureichende Dokumentation: standardisierte Konformitätserklärungen und Stofflisten pflegen
Vor- und Nachteile von Biokompatibilität
Zu den Vorteilen biokompatibler Materialien gehört, dass sie im Allgemeinen eine geringere Umweltbelastung verursachen und zu einer stärkeren Nachhaltigkeit beitragen können. Außerdem werden sie häufig als sicherer und gesundheitsfreundlicher angesehen. Nachteile könnten sein, dass die Leistung solcher Materialien im Vergleich zu herkömmlichen Materialien eingeschränkt sein könnte und dass sie in manchen Fällen teurer sein könnten. Gleichwohl ist das Streben nach biokompatiblen Materialien in der Wellpappe-Industrie eine zukunftsorientierte Investition, die Qualitätssicherung, Produktsicherheit und Kreislauffähigkeit systematisch zusammenführt.
- Vorteile: Verbesserte Materialverträglichkeit, geringere Emissionen, Unterstützung von Recyclingströmen, bessere Akzeptanz bei sensiblen Anwendungen
- Herausforderungen: Balance zwischen Schutzfunktion (z. B. Feuchte, Fett, Stoß) und Kreislauffähigkeit; potenziell höhere Kosten; sorgfältige Rohstoffauswahl und Dokumentation erforderlich
- Abwägung: Performance, regulatorische Konformität und Umweltwirkung sind gesamthaft zu betrachten; belastbare Prüf- und Lieferantennachweise sind entscheidend
- Praxis: Iteratives Design mit Prüf- und Validierungsplänen reduziert Risiken und stabilisiert die Qualität über Chargen und Zeit
Zusammenfassung:
- Unter Biokompatibilität versteht man die Fähigkeit eines Materials, mit lebenden Systemen in Wechselwirkung zu treten, ohne nachteilige Effekte hervorzurufen.
- Bei Verpackungen aus Wellpappe spielt Biokompatibilität eine wichtige Rolle, da sie sicherstellt, dass die Verpackung keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.
- Biokompatible Verpackungen aus Wellpappe können dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens zu erreichen und einen positiven Beitrag zur Umweltbilanz zu leisten.
- Wesentliche Kriterien sind geringe Migration, neutrale Sensorik, geeignete Klebstoff- und Farbsysteme, recyclingfreundliche Barrieren sowie transparente Nachweise.
- Normative und regulatorische Anforderungen bilden den Rahmen; Prüfungen und Lieferantenerklärungen sichern die Praxisumsetzung ab.
- Eine systematische Auswahl und Bewertung der Materialkomponenten unterstützt die Balance aus Schutzwirkung, Kreislauffähigkeit und Materialverträglichkeit.
- GMP-konforme Prozesse, NIAS-Management und Rückverfolgbarkeit erhöhen die Sicherheit über den gesamten Lebenszyklus.
- Klare Anwendungsdefinitionen und regelmäßige Re-Validierungen halten Konformität und Funktionalität langfristig stabil.
Veröffentlicht am 26.07.2024
Letzte Überarbeitung am 30.09.2025 um 17:36 Uhr von Sebastian Würth