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Goldprägung
Die Behandlung und Veredelung von verschiedensten Produkten, insbesondere im Kontext von Transport- und Verkaufsverpackungen aus Karton und Wellkarton, kann durch unterschiedliche Techniken erfolgen. Eine der etablierten Methoden ist die Goldprägung, die zur optischen Hervorhebung und zur taktilen Aufwertung von Oberflächen eingesetzt wird. In der Praxis wird sie auf Wellkarton, Vollkarton, Etikettenmaterialien und weitere Substrate übertragen. Der Einsatz dieser Veredelungstechnik bietet sowohl ästhetische als auch funktionale Vorteile, etwa eine prägnante Signalwirkung am Point of Sale, eine klare Markenkennzeichnung und – in Kombination mit Relief – eine deutlich spürbare Haptik. In der Verpackungspraxis wird Goldprägung zudem genutzt, um Varianten oder Editionen eindeutig zu differenzieren, Informationen gezielt zu strukturieren und die Wahrnehmung von Qualitätsmerkmalen nachhaltig zu unterstützen. Auch im E-Commerce-Umfeld trägt sie zu einem wertigen Unboxing-Eindruck bei, ohne die Schutzfunktion der Verpackung zu beeinträchtigen.
Definition: Was versteht man unter Goldprägung?
Die Goldprägung – im industriellen Umfeld häufig als Heißfolienprägung oder Metallfolienprägung bezeichnet – ist ein Veredelungsprozess, bei dem mittels Hitze, Druck und Zeit ein dünner metallisierter Schichtaufbau (Transferfolie) auf definierte Bereiche eines Produkts übertragen wird. Im Gegensatz zur traditionellen Vergoldung mit Blattgold kommen bei der Heißfolienprägung überwiegend mehrschichtige Folien zum Einsatz, die einen Trägerfilm, eine Ablöschicht, eine Farbschicht (z. B. Goldton, matt oder glänzend) und eine Klebeschicht enthalten. Das Ergebnis ist ein edles, hochwertiges Erscheinungsbild mit charakteristischem Metallglanz, das Motive, Schriften oder Logos deutlich akzentuiert und die wahrgenommene Qualität des Produkts steigern kann. Die reflektierende Metallisierung (häufig eine bedampfte Aluminiumschicht mit definierter Deckkraft) sorgt für eine hohe Brillanz und Kantenschärfe, die mit konventionellen Metallic-Druckfarben in dieser Form meist nicht erreicht wird.
Abgrenzung: Neben der Heißfolienprägung existieren verwandte Verfahren wie Kaltfolientransfer (ohne thermische Aktivierung, meist im Druckprozess integriert) sowie Blindprägung (Relief ohne Folie). Goldprägung kann mit diesen Techniken kombiniert werden, um optische und haptische Effekte zu vereinigen. Mikrostrukturierungen, feine Linienraster oder holografische Effekte sind ebenfalls möglich und dienen neben der Gestaltung auch der fälschungserschwerenden Kennzeichnung. Im Unterschied zur Kaltfolie ist die Heißfolie weniger abhängig von druckfarbigen Klebeschichten und zeigt auf vielen Substratklassen eine sehr reproduzierbare Kantenzeichnung.
Prozess der Goldprägung
Der Prozess der Goldprägung beginnt mit der Gestaltung der zu prägenden Bereiche und der Herstellung der Prägewerkzeuge (Klischee/Matrize und gegebenenfalls Gegenform). In der Anwendung werden die ausgewählten Bereiche des Substrats über die Klebeschicht der Folie aktiviert. Anschließend erfolgt unter definierten Bedingungen – Hitze, Druck und Kontaktzeit – der Transfer der metallisierten Schicht auf das Material. Bei Wellkarton, kaschiertem Karton oder ungestrichenen Substraten ist die Haftung abhängig von Oberflächenenergie, Rauheit, Bedruckung (z. B. Offset-, Flexo- oder Digitaldruck) und eventuellen Lackschichten. Für gleichmäßige Ergebnisse sind ein sauberer Unterbau (Makeready), die passende Gegenform und eine stabile Maschineneinstellung entscheidend, damit sich die Prägekraft kontrolliert verteilt und das Substrat – insbesondere bei Wellpappe – nicht gestaucht oder beschädigt wird.
Werkzeuge, Folien und Substrate
- Werkzeuge: Prägeklischees bestehen häufig aus Messing, Stahl oder Magnesium. Messing und Stahl sind langlebig und für feine Details geeignet; Magnesium ist kosteneffizient, aber weniger verschleißfest. Für Reliefkombinationen kommen geätzte oder gravierte Matrizen mit definierter Höhe/Tiefe zum Einsatz; strukturierte Oberflächen (z. B. Leinen, Wellen, Punktprofile) lassen sich durch spezielle Gravuren abbilden. Für großflächige Motive empfiehlt sich eine segmentierte Werkzeugkonstruktion, um Temperaturgleichmäßigkeit und planparallelen Druck zu erleichtern.
- Folien: Verfügbar in diversen Goldtönen (glänzend, matt, satiniert), mit Spezialeffekten (holografisch, gebürstet) oder farbigen Metalltönen. Die Auswahl beeinflusst Glanzgrad, Abriebfestigkeit und Überdruckbarkeit. Klebeschicht-Varianten sind auf gestrichene, ungestrichene oder synthetische Oberflächen abgestimmt; die Wahl der Folie richtet sich nach Substratrauheit, Lacksystem und gewünschter Beständigkeit (z. B. Kratzfestigkeit, Temperatur- und Chemikalienresistenz).
- Substrate: Eignung von Wellkarton (z. B. E-, B-, F-Welle), Vollkarton, Etikettenpapieren und gestrichenen/ungestrichenen Qualitäten ist zu prüfen. Vorbehandlungen und Deckschicht (z. B. Primer, Dispersionslack) beeinflussen den Transfer. Bei Wellpappe sind Flächenpressung, Stauchverhalten und Wellenrichtung (Flute Direction) zu berücksichtigen, um Kantenabriss, Wolkigkeit oder Reliefverlust zu vermeiden. Auch recycelte Faserqualitäten mit variierender Oberflächenenergie können eine Anpassung der Prozessparameter erfordern.
Typische Prozessparameter
Die Parameter variieren je nach Folientyp, Substrat und Maschinenkonfiguration:
- Temperaturbereich häufig zwischen ca. 90–160 °C
- Kontaktkraft/Druck abhängig von Flächenanteil und Motivdichte
- Verweildauer/Kontaktzeit bestimmt durch Maschinengeschwindigkeit und Auflage
- Passeranforderungen bei Kombination mit Druck: exakte Registergenauigkeit
Für größere Flächen, Vollflächen oder hohe Flächendeckung sind gleichmäßige Temperaturführung und ausreichender Gegendruck essenziell, um Fehlstellen, Wolkigkeit oder Kantenabriss zu vermeiden. Zusätzlich wirken sich Materialfeuchte (empfohlen häufig 45–55 % r. F.), Kartonsteifigkeit und Maschinenauflage (Makeready-Papiere, Unterlagen) direkt auf den Transfer aus. Druck wird praxisnah in N/cm oder als Tonnage pro Format bewertet; das optimale Fenster ergibt sich aus Andrucken. Bei mehrstufigen Motiven ist eine saubere Reihenfolge (zuerst Druck/Lack, dann Heißfolie, anschließend Rillen/Stanzt) zu berücksichtigen.
Gestaltungsrichtlinien und Datenaufbereitung
Für reproduzierbare Ergebnisse sind klare Designvorgaben hilfreich:
- Mindestlinienstärken von etwa 0,2–0,3 mm für feine Linien
- Schriftgrößen ab ca. 6 pt, abhängig von Schriftart und Substrat
- Ausreichende Abstände (≥ 0,3 mm) zwischen geprägten Elementen
- Vermeidung großflächiger Vollflächen auf sehr rauen Substraten, um Unterbrechungen zu minimieren
- Definierte Leserichtung und Kornrichtung berücksichtigen, insbesondere bei Reliefkombinationen
Bei konstruktiven Vorgaben, Falzungen oder Stanzkonturen sind Passer- und Maßbezüge zu beachten. Nützliche Ergänzungen liefern weiterführende Hinweise zu praxisrelevanten Abmessungen und Toleranzen. Zusätzlich empfiehlt sich eine saubere Datenanlage mit vektorbasierten Konturen in einer separaten Volltonfarbe (z. B. “Foil”/100 %), auf Überdrucken gestellt und ohne Rasterverläufe. Trapping sollte vermieden werden; stattdessen mit definierten Ausspaarungen arbeiten, damit die Folie direkt auf der geeigneten Oberfläche haftet. Negative Schriften in Folie sollten großzügig dimensioniert werden; feine Innenformen sind auf rauen Deckschichten kritisch.
Maschinentechnik und Verfahrensvarianten
Für die Goldprägung kommen Flachbett-, Zylinder- und Rotationsmaschinen zum Einsatz. Flachbettanlagen (Tiegel/Platen) bieten hohe Präzision und eignen sich für detailreiche Motive sowie für Kombinationen mit Blindprägung. Rotationssysteme sind für hohe Geschwindigkeiten und Inline-Prozesse im Rollen- oder Schmalbahnbereich ausgelegt. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Format, Auflage, Substrat und Integration in bestehende Prozessketten (Druck, Lack, Rillen, Stanzen). Moderne Systeme erlauben zonale Temperaturprofile, digitale Temperaturregelung und präzise Registerregelung für mehrfarbige Druckbilder mit nachgelagerter Folienveredelung.
Fehlerbilder und Troubleshooting
Typische Abweichungen sind unvollständiger Transfer (Pinholes), wolkige Flächen, Kantenabriss, Doppelkonturen und Glanzverlust. Ursachen liegen häufig in zu niedriger Temperatur, unzureichendem Druck, zu kurzer Kontaktzeit, ungeeigneter Folie oder kritischer Lackierung. Abhilfe schaffen angepasste Parameter, alternative Folientypen, Änderung der Lackreihenfolge (z. B. Prägung auf nicht lackierten Bereichen) sowie ein optimiertes Makeready. Bei Wellpappe verhindert eine angemessene Stützauflage das Eindrücken der Welle; Passerprobleme lassen sich durch stabile Bogenführung und Markenkontrolle reduzieren.
Prozess der Goldprägung
Goldprägung lässt sich mit Druck, Reliefeffekten (Hoch-/Tiefprägung), Lackierungen und Stanzungen kombinieren. In der Weiterverarbeitung sind Rillung, Falzung und – je nach Konstrukt – auch Ausrisse oder Perforationen möglich. Wichtig ist, die Reihenfolge der Prozesse zu planen, um Abrieb, Kantenschäden oder Glanzverlust zu vermeiden. Prüfen Sie die Kompatibilität mit Klebeprozessen und automatischer Konfektionierung.
Qualitätssicherung
Zur Sicherstellung gleichbleibender Ergebnisse dienen standardisierte Prüfungen und Kontrollen:
- Sichtprüfung von Kanten, Flächenhomogenität und Passer
- Abriebfestigkeit/Kratzbeständigkeit, ggf. Klebebandtest
- Haftfestigkeit auf lackierten bzw. bedruckten Flächen
- Klimaprüfung (Temperatur-/Feuchteeinfluss) auf Glanz und Haftung
- Glanzmessung (z. B. bei 60°) zur Beurteilung der Oberflächenqualität
- Registriergenauigkeit am fertigen Zuschnitt nach Rillen und Stanzen
- Alterungs- und Lichtbeständigkeitstests, sofern gefordert
Anwendungsbereiche der Goldprägung in der Verpackungsindustrie
Goldprägung wird in verschiedenen Segmenten genutzt, um ausgewählte Elemente visuell und haptisch zu akzentuieren. Typische Beispiele sind Verpackungen für Luxus- und Premiumartikel (z. B. Uhren, Schmuck, Parfüm und Kosmetik), hochwertige Lebensmittel und Getränke (z. B. Pralinen, Tee, Spirituosen), Sondereditionen, saisonale Produkte (z. B. Weihnachtskollektionen), Gruß- und Einladungskarten, Kalender, Etiketten, Bucheinbände und Ausstattungen für Präsentationsmappen. Gerade bei kartonbasierten Konstruktionen mit sichtbaren Deckschichten lassen sich feine Details und klare Konturen umsetzen. Ergänzend kommen Anwendungen im Bereich Geschenkverpackungen, limitierte Promotions, hochwertige Faltschachteln für OTC- und Pflegeprodukte sowie Display-Komponenten hinzu, bei denen Fernwirkung und klare Fokuspunkte gefordert sind.
Besonders geschätzt wird die Methode, wenn Haptik und Differenzierung eine Rolle spielen: Durch die Kombination aus metallischem Glanz und optionaler Reliefprägung entsteht ein fühlbares Profil. Darüber hinaus können spezielle Folien (z. B. holografische Muster) zur fälschungserschwerenden Kennzeichnung beitragen. In mehrsprachigen oder mehrteiligen Verpackungskonzepten lassen sich Varianten rational markieren, ohne das Druckbild wesentlich zu verändern.
Vor- und Nachteile von Goldprägung
Die Vorteile von Goldprägungen sind vielfältig. Sie bieten eine hohe visuelle Aufmerksamkeit, betonen Designelemente und schaffen einen hochwertigen Eindruck. Produkte können durch die aufgebrachte Goldprägung gezielt hervorgehoben werden. Der taktile Mehrwert – insbesondere bei kombinierter Reliefprägung – verstärkt das Qualitätsempfinden beim Anfassen. Zusätzlich erlaubt die Technik eine präzise Reproduktion feiner Konturen, Linien und Mikrodetails, was in der Gestaltung von Logos, Siegeln und Emblemen genutzt wird.
Es gibt jedoch Aspekte, die bedacht werden sollten. Die Herstellung verursacht zusätzliche Prozessschritte und erfordert spezialisierte Werkzeuge und Erfahrung in der Einstellung von Temperatur, Druck und Zeit. Das führt zu höheren Rüstkosten und zu auflagenabhängigen Stückkosten. Außerdem sind gestalterische Grenzen zu beachten, etwa bei extrem feinen Linien auf rauen Substraten. In der Weiterverarbeitung können ungünstige Prozessreihenfolgen Abrieb oder Glanzverlust verursachen. Hinsichtlich der Wiederverwertung gilt: Der Folienauftrag ist in der Regel sehr dünn; bei üblichen Flächenanteilen beeinträchtigt er den Faserstoffkreislauf typischerweise nicht, dennoch sollten großflächige Vollflächen abgewogen werden. Bei Primärverpackungen mit Lebensmittelkontakt sind zudem migrationsrelevante Aspekte und die Eignung der eingesetzten Lacke und Folien zu prüfen (z. B. Barrieren, Geruchsneutralität).
- Vorteile: präziser Metallglanz ohne metallisierte Druckfarben, klare Konturen, gute Fernwirkung, kombinierbar mit Relief für Haptik, definierte Reproduzierbarkeit bei korrekter Prozessführung.
- Potenzielle Nachteile: zusätzliche Kosten durch Werkzeuge und Rüstzeiten, Designrestriktionen bei sehr feinen Details, mögliche Empfindlichkeit gegenüber Kratzern/Mechanik, sorgfältige Reihenfolge der Weiterverarbeitung erforderlich.
- Praxisempfehlungen: frühzeitige Abstimmung von Motiv, Substrat und Folie; Andrucke/Muster zur Validierung; Qualitätskontrollen (Abrieb/Haftung); klimastabile Lagerung und Verpackung der veredelten Erzeugnisse.
Zusammenfassung:
- Die Goldprägung ist eine bewährte Technik, um das Erscheinungsbild von Wellpappe-Verpackungen und kartonbasierten Konstruktionen aufzuwerten und ihren wahrgenommenen Wert zu steigern.
- Diese Methode der Veredelung erzeugt einen charakteristischen Metallglanz und vermittelt einen Eindruck von Qualität und Wertigkeit, der sich für hochwertige und aufmerksamkeitsstarke Anwendungen eignet.
- Mit Goldprägung lassen sich detaillierte Designs und firmenspezifische Logos klar und dauerhaft auf einer Verpackung darstellen; die Kombination mit Reliefprägung erhöht zusätzlich die Haptik und Differenzierung.
- Technische Parameter wie Temperatur, Druck, Kontaktzeit und Substratoberfläche bestimmen das Ergebnis maßgeblich; Andrucke und Muster helfen, Gestaltung und Prozess sicher abzustimmen.
- Die Planung der Weiterverarbeitung (Rillen, Stanzen, Falzen, Kleben) sowie geeignete Qualitätsprüfungen (Abrieb, Haftung, Passer) tragen zu konsistenten Resultaten bei.
- Ökologische Aspekte: Der sehr dünne Folienauftrag ist in üblichen Flächenanteilen meist unkritisch für den Faserstoffkreislauf; großflächige Vollflächen sollten dennoch sorgfältig abgewogen werden.
- Für kritische Substrate (ungestrichene Qualitäten, Wellpappe) sind Folienauswahl, Makeready und kontrollierte Klimabedingungen zentrale Stellhebel für eine stabile Haftung und gleichmäßige Flächen.
- Eine strukturierte Datenanlage (separate Volltonfarbe für Folie, korrekte Ausspaarungen, sauberes Register) erleichtert Produktion, Kontrolle und Wiederholgenauigkeit.
Veröffentlicht am 06.06.2025
Letzte Überarbeitung am 16.12.2025 um 09:49 Uhr von Sebastian Würth