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Nuten und Falzen

Die Welt der Verpackungen ist vielfältig, besonders wenn es um die Verwendung von Wellpappe geht. Ein entscheidender Faktor dabei ist die Technik der Nutung und des Faltens. Dieses Konzept ist in diesem Bereich weit verbreitet und bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Im Kontext der Wellpappenverarbeitung beschreiben diese Schritte das gezielte Vorbereiten des Materials für definierte Biegelinien, um reproduzierbar stabile und materialschonende Faltungen zu ermöglichen. Damit werden Funktion, Maßhaltigkeit und Schutzwirkung von konstruktiven Verpackungslösungen maßgeblich bestimmt. Darüber hinaus beeinflussen korrekt geführte Faltlinien die Aufbaugenauigkeit, das Kantenbild und die Funktionssicherheit von Verschlüssen, Laschen und Einsteckmechaniken. Eine prozesssichere Nutung reduziert Ausschuss, erleichtert das Aufrichten auf Faltklebemaschinen und unterstützt eine konstante Qualität über verschiedene Chargen hinweg. Ergänzend verbessert eine präzise Nutung das automatische Befüllen und Verschließen, senkt Rüstaufwände und erhöht die Wiederholgenauigkeit in Serie.

In der Praxis dienen Nuten und Falzen dazu, aus flachen Zuschnitten dreidimensionale Gebinde herzustellen, ohne die Faserdecken unnötig zu schädigen. Durch korrekt ausgelegte Faltlinien, passende Werkzeuge und abgestimmte Prozessparameter lassen sich Bruchkanten, Risse und ungleichmäßige Kantenquetschungen minimieren. Gleichzeitig wird die Spannungsverteilung im Material gezielt gelenkt, sodass Deckpapiere an der Außenseite der Falz nicht aufbrechen und die Innenlagen nicht übermäßig gestaucht werden. Das Ergebnis sind saubere Kanten, wiederholgenaue Faltwinkel und eine gute Passung an Stoßkanten, Einlagen und Verschlussbereichen. Zusätzlich lassen sich definierte Biegeradien und Toleranzen so beherrschen, dass Anschlussprozesse wie Kleben, Drucken und Konfektionieren störungsfrei laufen.

Definition: Was versteht man unter Nuten und Falzen?

Die Begriffe Nutung und Falzung stammen aus dem Bereich der Papiertechnik. Im Grunde genommen bezeichnet die Nutung das Einprägen einer Führungslinie in das Material, damit dieses entlang dieser Linie gefaltet werden kann. Der Vorgang, der auf die Nutung folgt, ist das Falzen. Dabei wird das Material entlang der vorgegebenen Linie geknickt. Eine technisch saubere Nutung erzeugt einen definierten Faltkanal mit ausreichender Breite und Tiefe in Relation zur Gesamtstärke des Wellpappenaufbaus. In der Fachsprache wird hierfür teils auch Scoring verwendet, wobei stets die kontrollierte Stauchung ohne Materialtrennung gemeint ist.

Ergänzend hat sich die Terminologie „Rillen“ beziehungsweise „Rillung“ etabliert: Eine Rillung ist eine definierte Vertiefung beziehungsweise Stauchung der Wellstruktur und Deckenpapiere, die einen Faltkanal bildet. Die Falzung nutzt diese Rillnut als Scharnier, um einen präzisen Faltwinkel zu erzeugen. Je nach Konstruktion wird zwischen Berg- und Talfalte unterschieden; die Wahl beeinflusst die Spannungs- und Dehnungsverteilung in den Deckenpapieren. Die Bergfalte legt die Außendecke nach außen, die Talfalte nach innen - dies wirkt sich direkt auf Bildaufdrucke, Kantenfestigkeit und das Aufreißverhalten aus.

Abzugrenzen sind Nuten und Falzen von Schneiden und Stanzen (Materialtrennung) sowie Mikro- oder Teilrillungen, die eher als Sollbiegelinien dienen. Auch eine Perforation stellt kein Falt-, sondern ein Trennelement dar; sie ermöglicht kontrolliertes Einreißen entlang einer Loch- oder Schlitzlinie. Für definierte Falzungen sind Perforationen ungeeignet, da die Materialbrücke die Scharnierwirkung nicht dauerhaft sicherstellt. Kombinierte Ansätze wie partielle Schnitte mit Rillung dürfen nur dort eingesetzt werden, wo die dauerhafte Gelenkfunktion nicht gefordert ist.

Anwendung von Nutung und Falzung in der Wellpappenverarbeitung?

Das Nuten und Falzen findet vor allem bei der Erstellung von Verpackungen aus Wellpappe Anwendung. Durch diese technischen Prozesse können komplexe Strukturen und Formen aus dem flachen Ausgangsmaterial erzeugt werden. Kleine und große Kartons, Schachteln oder spezielle Formverpackungen entstehen so aus einfachen Wellpappenplatten. Auch Versandkisten, Faltkisten, Trays mit Stapelrändern, Umreifungsschutzecken, Banderolen und variable Höheneinsätze werden durch abgestimmte Rillbilder form- und funktionssicher realisiert. In automatisierten Logistikketten sichern präzise Rillungen das zuverlässige Aufrichten und Schließen, auch bei hohen Taktzahlen.

Klassische Anwendungsfälle sind Faltschachteln, Stülpdeckelvarianten, Trays, Steckkonstruktionen, Umverpackungen, Mehrpunktklebekartons sowie Zuschnitte mit Einsteck- oder Klebelaschen. Auch bei Innenpolstern, Einlagen, Stegen und Einfassungen sorgen Rilllinien für definierte Biegungen, damit Kanten sauber anliegen und Bauteile passgenau arretiert werden. Hinzu kommen Kombikonstruktionen mit partiellem Rillen und Schneiden, die Öffnungsmechaniken, Sichtfenster, Griffmulden oder Ausreißlaschen integrieren. Der kontrollierte Kraftfluss entlang der Rillnut begünstigt zudem eine hohe Formstabilität über den Lebenszyklus des Gebindes.

Die Auslegung der Rilllinien berücksichtigt unter anderem Materialqualität, Wellenart (zum Beispiel E-, B-, C- oder Doppelwelle), Faltfolge, spätere Belastung im Stapel sowie geforderte Maßhaltigkeit an Kanten, Öffnungsmechaniken und Verschlusslaschen. Ebenso fließen Druckbilder (Pre- oder Postprint) ein, um Bildbruch an Falzkanten zu vermeiden und Lesbarkeit von Kennzeichnungen zu sichern. Bei digitalem Vordruck sind Rillpositionen und Farbflächen frühzeitig abzustimmen, um Kantenbrüche oder Glanzunterschiede zu minimieren.

Technischer Prozess des Nuten und Falzens?

Der technische Prozess der Nutung und des Faltens ist in der Regel automatisiert. Spezielle Maschinen führen das Nuten und Falzen präzise und mit hoher Geschwindigkeit aus. Das ermöglicht hohe Produktionskapazitäten und eine gleichbleibende Qualität der Wellpappenverpackungen. Neben der Linienfertigung sind auch modulare Anlagen mit wechselbaren Werkzeugen üblich, um schnell zwischen unterschiedlichen Formaten und Konstruktionen zu wechseln. Abhängig von Volumen und Variantenvielfalt kommen Inline- und Offline-Konzepte zum Einsatz, die Rüstzeiten und Durchsatz unterschiedlich gewichten.

In der Weiterverarbeitung kommen unter anderem Slotter, Rotationsstanzen, Flachbettstanzen und Faltklebemaschinen zum Einsatz. Rillwerkzeuge formen mit Rilllinien (Rillmesser und Rillplatte) und Gegenwerkzeugen (Rillkanal) den Faltbereich. Dabei wird die Welle lokal gestaucht, um den Biegewiderstand gezielt zu reduzieren. Die anschließende Falzung erfolgt entlang der vorbereiteten Linie durch Falzwalzen, Faltgurte oder mechanische Führungen. Prozessstabilität entsteht durch exakt abgestimmte Anpresskräfte, registrierte Anlagepunkte und eine gleichmäßige Bahnführung über die Maschine. Ergänzend steigern sensorische Überwachungen und geregelte Anpressprofile die Reproduzierbarkeit über Formatwechsel hinweg.

Prozessparameter und Materialeinfluss

  • Rillbreite und -tiefe: Muss zur Materialdicke und zur Steifigkeit der Deckenpapiere passen, um Rissbildung zu vermeiden.
  • Rillkanalgeometrie: Breite, Tiefe und Radien des Gegenwerkzeugs bestimmen die Quetschung und Rückfederung.
  • Faserorientierung: Falten quer oder längs zur Hauptlaufrichtung beeinflusst die Faltbarkeit und Kantenqualität.
  • Feuchtegehalt: Zu trockene Qualitäten neigen zu Rissen; zu hohe Feuchte kann zu Quetschungen und unpräzisen Falzen führen.
  • Wellenart und Deckenpapiere: Feinwelliges Material (z. B. E-Welle) erfordert andere Rillverhältnisse als grobwelliges (z. B. C-Welle); Mehrlagenqualitäten (Doppelwelle) benötigen häufig breitere Rillkanäle.
  • Maschinengeschwindigkeit: Höhere Takte erhöhen die dynamische Belastung; Falzwalzen und Führungen müssen darauf abgestimmt sein.
  • Werkzeugzustand: Abnutzung an Rilllinien und Gegenplatten führt zu Maßdrift und ungleichmäßiger Kompression.
  • Temperatur und Klimabedingungen: Schwankungen beeinflussen Faserelastizität und Rückfederung; konstante Klimaführung stabilisiert die Falzqualität.
  • Rillverhältnis: Praxiswerte liegen häufig bei etwa 1,2 bis 2,0-facher Kanalbreite zur Gesamtstärke; Abweichungen sind material- und wellenspezifisch zu prüfen.
  • Konditionierzeit: Vor der Verarbeitung auf Zielklima bringen, um Faltwinkel und Kantenbild zu stabilisieren.
  • Anpressprofil: Walzenhärte, Druckzonen und Gurtführung beeinflussen die Symmetrie der Falzlinie.
  • Inline-Messtechnik: Optische Kontrolle und Kraftmessung unterstützen die Regelung von Rilldruck und Register.

Qualitätsmerkmale eines guten Falzes

  • Sauberer, gerader Faltverlauf ohne Aufbrechen der Außendecke.
  • Gleichmäßige Kantenverdichtung ohne übermäßige Quetschzonen.
  • Reproduzierbarer Faltwinkel, geringe Rückfederung.
  • Hohe Maßhaltigkeit entlang der Faltkante; korrekte Lage der Klebelasche.
  • Unversehrte Druck- und Dekorflächen im Falzbereich ohne Bildbruch.
  • Störungsfreies Durchlaufen nachgelagerter Prozesse (Kleben, Verschließen, Befüllen).
  • Konstante Rilltiefe und -breite über die gesamte Bogenbreite.
  • Planlage des Zuschnitts nach dem Falten ohne Wellenwurf im Falzbereich.

Vor- und Nachteile von Nuten und Falzen?

Mit den Techniken des Nuten und Faltens ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den Vorteilen gehört ganz klar die Möglichkeit, komplexe Formen und Strukturen aus einfachen Platten zu schaffen. Das schafft ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten und Anwendungsbereichen für die Endprodukte. Zudem ermöglicht der automatisierte Prozess eine hohe Produktionsgeschwindigkeit, wodurch große Mengen an Verpackungen in kurzer Zeit hergestellt werden können. Hinzu kommen gute Wiederholbarkeit, passgenaue Kantenbilder und eine materialsparende Formgebung im Vergleich zu massiver Materialtrennung. In Verbindung mit stabilen Klimabedingungen und einem abgestimmten Rillverhältnis steigt die Prozessfähigkeit messbar.

Ein Nachteil der Technik liegt in der Notwendigkeit von spezialisierten Maschinen und gegebenenfalls auch von ausgebildeten Fachkräften für deren Bedienung und Wartung. Dies kann insbesondere für kleinere Unternehmen eine Hürde darstellen. Zudem kann die Lebensdauer der nuten- und falzenden Werkzeuge in den Maschinen begrenzt sein und der Prozess kann Materialschäden verursachen, wenn er nicht präzise ausgeführt wird. Je nach Wellengüte und Klimatisierung sind zusätzliche Abstimmungen erforderlich, um Rückfederung und Kantenbruch zu minimieren. Nicht optimal gewählte Rillkanäle, unpassende Falzrichtungen oder fehlende Klimakonditionierung wirken als Multiplikatoren für Fehlerbilder und Ausschuss.

Weitere potenzielle Nachteile sind Toleranzabweichungen bei nicht optimaler Rillkanalwahl, sichtbare Quetschspuren bei empfindlichen Deckenpapieren sowie Einschränkungen bei sehr kleinen Biegeradien. Vorteile zeigen sich dagegen in der materialsparenden Formgebung, der guten Stapel- und Gebrauchstauglichkeit sowie der hohen Prozessstabilität bei korrekt eingestellten Maschinen. Auch aus Sicht der Wiederverwertung wirkt eine kontrollierte Rillung positiv, da das Material ohne zusätzliche Fremdstoffe verformt wird und seine Recyclingfähigkeit behält.

Häufige Fehlerbilder und Abhilfe?

  • Rissbildung an der Außendecke: Rillung zu schmal oder zu tief, Material zu trocken; Abhilfe: breiteren Rillkanal wählen, Feuchte anpassen, Faltfolge prüfen.
  • Unsaubere Kantenquetschung: Unpassendes Werkzeugpaar; Abhilfe: Rilllinien- und Kanalgeometrie auf Material kalibrieren.
  • Versatz der Falzlinie: Registrierfehler in Stanze/Slotter; Abhilfe: Bahnführung und Anlagepunkte justieren.
  • Rückfederung/zu großer Faltwinkel: Unzureichende Rilltiefe; Abhilfe: Rilldruck erhöhen oder Kanalgeometrie anpassen.
  • Eingerissene Klebelaschen: Faserverlauf ungünstig oder Falzrichtung ungeeignet; Abhilfe: Falzrichtung ändern, Faserorientierung berücksichtigen.
  • Druckbildbruch am Falz: Falsche Falzseite zur bedruckten Außendecke; Abhilfe: Berg-/Talfalte passend definieren, Druckzonen entlasten.
  • Geplatzte Innenlage: Zu steiler Faltverlauf oder zu enger Rillkanal; Abhilfe: Kanal verbreitern, Faltwinkel stufenweise bilden.
  • Schiefwinkligkeit nach dem Aufrichten: Ungleichmäßige Rilltiefe über die Breite; Abhilfe: Werkzeugzustand prüfen, Anpressprofil ausgleichen.
  • Aufwurf an Stoßkanten: Übermäßige Materialwanderung; Abhilfe: Rillzuschlag anpassen, Falzfolge optimieren.

Abgrenzung zu verwandten Verfahren?

Beim Schneiden und Stanzen wird das Material getrennt, beim Nuten/Rillen dagegen gezielt verformt. Eine Perforation dient als definierte Trennlinie und wird nicht zur dauerhaften Scharnierbildung genutzt. Weiterführende Informationen bietet die Definition und Einsatz einer sauberen Perforation.

Zusätzlich lassen sich Mikroperforationen, Einstanzungen und Anrisse als Funktionsmerkmale kombinieren, jedoch ersetzen sie keine belastbaren Faltgelenke. Für hohe Kantenstabilität und exakte Geometrien bleibt die korrekt dimensionierte Rillnut das zentrale Element. Laserbasierte Ritzungen sind für dekorative oder Öffnungsfeatures sinnvoll, nicht jedoch als tragfähige Falzgelenke in hochbelasteten Bereichen.

Praxisempfehlungen für Auslegung und Prozess?

  • Rillkanalbreite und Rilllinienhöhe stets auf Wellenart, Deckenpapier und Grammatur abstimmen.
  • Falzrichtung und Faltfolge frühzeitig in die Konstruktionszeichnung integrieren, um materialgerechte Biegeradien zu sichern.
  • Prototypen und Vorserienmuster heranziehen, um Faltkräfte, Passungen und Kantenqualität unter realen Bedingungen zu prüfen.
  • Regelmäßige Werkzeugpflege (Rilllinien, Gegenplatten) verhindert Maßdrift und sichert konsistente Ergebnisse.
  • Maschinenklima stabil halten (Temperatur/rel. Luftfeuchte), um Schwankungen der Faltbarkeit zu vermeiden.
  • Rillverhältnis dokumentieren und für wiederkehrende Aufträge als Referenzwert pflegen.
  • Aufdrucke, Barcodes und Funktionspiktogramme nicht über kritische Falzkanten führen oder entsprechend absichern.
  • Halbfabrikate klimakonditionieren und Lagerwechselzeiten einplanen, um konstante Feuchtezustände sicherzustellen.
  • Inline-Prüfpunkte definieren (Register, Rillmaß, Faltwinkel) und mit Freigabegrenzen im Prüfplan hinterlegen.

Normen, Maße und Toleranzen?

Für die zuverlässige Funktion einer konstruktiven Verpackung ist die Abstimmung von Rillbild, Zuschnittmaßen und Toleranzen entscheidend. In der Praxis werden Kantenlängen, Faltfolgen und Laschenüberlappungen so ausgelegt, dass beim Aufrichten keine Spalten entstehen und Klebungen sicher schließen. Das sogenannte Rillzuschlagsmaß berücksichtigt Stauchung und Materialwanderung an der Falzkante, damit Innen- und Außengeometrie zusammenpassen. Ergänzende Prüfpläne definieren Messpunkte und Grenzwerte für Serienfertigung und Requalifizierung.

  • Rillzuschlag: Ausgleichswert für Materialstauchung im Falzbereich, abhängig von Wellenart und Deckenpapier.
  • Format- und Winkeltoleranz: Beeinflussen die Passung an Stoßkanten und die Stapelfähigkeit im Gebinde.
  • Klebelaschenlänge: So bemessen, dass ausreichend Klebefläche ohne Überstand vorhanden ist.
  • Rillabstandstoleranzen: Kritisch für Deckelpassung, Einsteckmechanik und Planlage von Trays.
  • Spaltmaß an Klappen: Für Deckel- und Bodenklappen so definieren, dass kein Überstand entsteht und die Schließkräfte eingehalten werden.

Prüf- und Messmethoden

Die Qualität von Nutung und Falzung wird mit einfachen und instrumentellen Prüfungen bewertet. Neben optischen Prüfungen kommen Messmittel für Faltwinkel, Kantenbild und Rückfederung zum Einsatz. Zusätzlich flankieren mechanische Kennwerte die Beurteilung der Funktionsfähigkeit.

  • Falzbruchtest: Sichtprüfung auf Risse und Faserbruch an der Außendecke nach definierten Biegezyklen.
  • Messung des Faltwinkels: Vergleich Soll-/Ist-Winkel zur Beurteilung der Reproduzierbarkeit.
  • Kantenstauchwiderstand (ECT): Indirekter Einfluss der Falzqualität auf die Stapelstabilität.
  • Öffnungs- und Schließzyklen: Praxisnahe Simulation für Faltschachteln und wiederkehrende Verschlüsse.
  • Mikroschliff der Falzzone: Beurteilung von Stauchungstiefe, Rissinitiierung und Symmetrie des Faltkanals.
  • Inline-Kameraprüfung: Detektion von Registerfehlern, Rillversatz und Beschädigungen in Echtzeit.

Gestaltungs- und Konstruktionshinweise?

Bereits in der Konstruktion wird festgelegt, wo Nuten verlaufen, welche Falzrichtung gewählt wird und in welcher Reihenfolge das Aufrichten erfolgt. Durchdachte Faltfolgen verhindern Materialüberlastung, vermeiden Kollisionen mit Einstecklaschen und sichern eine effiziente Maschinenführung. Bei bedruckten Zuschnitten sollte der Falz so gelegt werden, dass kritische Designelemente nicht über die stärkste Biegezone laufen.

  • Berg-/Talfalte festlegen: Entsprechend Materialseite und Druckbild wählen, um Bildbruch zu vermeiden.
  • Mindestradien beachten: Sehr enge Biegeradien nur mit angepasster Rillkanalbreite realisieren.
  • Laschengeometrie optimieren: Gezielte Rillpositionen erleichtern Einstecken und Kleben.
  • Einlagen/Stege: Rillbilder so auslegen, dass Einheiten plan anliegen und Bauteile fixiert werden.
  • Fenster und Grifföffnungen: Rillungen so positionieren, dass Schwächungen abgefangen und Kanten verstärkt werden.
  • Toleranzketten: Wechselwirkungen aus Rillzuschlag, Klebefuge und Materialwanderung gesamtheitlich auslegen.

Nachhaltigkeits- und Prozessaspekte?

Eine materialschonende Nutung senkt Ausschuss und verlängert Werkzeugstandzeiten. Gleichzeitig bleibt die Recyclingfähigkeit erhalten, da keine zusätzlichen Materialien erforderlich sind. Durch stabile Prozesse mit gleichbleibender Falzqualität lassen sich Ressourcenverbrauch, Umrüstzeiten und Stillstände reduzieren. Die Optimierung von Rilldruck, Kanalgeometrie und Klimaführung wirkt sich direkt auf Durchsatz und Qualität aus. Wasserbasierte Druck- und Klebesysteme profitieren von gleichmäßigen Rillkanten, da sie definierte Benetzungs- und Trocknungsbedingungen vorfinden.

Zusammenfassung:

  • Nuten bezeichnet die Technik, in Wellpappe Vertiefungen zu erzeugen, um das Material leichter falten zu können. Dieses Verfahren ist hauptsächlich im Bereich der Verpackungsherstellung anwendbar.
  • Die Methode des Falzens wird genutzt, um das genutete Material in eine bestimmte Form zu bringen. So entstehen präzise und widerstandsfähige Verpackungen aus Wellpappe.
  • Das Zusammenspiel von Nuten und Falzen ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Gestaltung und Herstellung von Verpackungslösungen. Ob große, kleine, einfache oder komplexe Formen - die Techniken erlauben eine vielfältige Anpassung an spezifische Anforderungen.
  • Die Ergebnisqualität hängt maßgeblich von Rillgeometrie, Materialeigenschaften, Feuchte und Falzrichtung ab; korrekt abgestimmte Parameter minimieren Risse und Quetschungen.
  • Automatisierte Prozesse erhöhen die Reproduzierbarkeit und Taktleistung, erfordern jedoch geeignetes Werkzeug, erfahrenes Personal und regelmäßige Kontrolle.
  • Zusätzliche Prüfungen wie Falzbruchtest, Winkeltreue und visuelle Kantenkontrolle sichern die Funktionsfähigkeit in der Anwendung.
  • Eine durchdachte Konstruktionsphase mit definierter Faltfolge, passenden Rillzuschlägen und abgestimmter Berg-/Talfalte verhindert Fehlerbilder und verbessert die Maßhaltigkeit.
  • Klima- und Prozessführung sowie dokumentierte Rillverhältnisse bilden die Grundlage für stabile Serienproduktion bei gleichbleibender Qualität.

Veröffentlicht am 22.06.2024
Letzte Überarbeitung am 01.05.2026 um 15:13 Uhr von Julia Kopp

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