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Plastikalternativen
Die Suche nach Alternativen zu Kunststoffverpackungen spielt in Zeiten hoher Umweltauflagen und steigendem Bewusstsein für Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. Besonders im Bereich der Wellpappenindustrie, wo es um den Schutz und den sicheren Transport von Produkten geht, rücken Plastikalternativen stark in den Fokus. Neben der Reduktion fossiler Rohstoffe stehen Aspekte wie Recyclingfähigkeit, Materialeffizienz, CO2-Bilanz und Praxistauglichkeit entlang der gesamten Lieferkette im Vordergrund. Durchdachte Material- und Konstruktionsentscheidungen beeinflussen nicht nur die ökologische Wirkung, sondern auch Prozesssicherheit, Logistik und Produktintegrität.
Zudem gewinnen regulatorische Entwicklungen und Branchenstandards an Bedeutung. Vorgaben zu Verpackungsabfällen, Einwegkunststoffen und Mindestrezyklatanteilen verändern Beschaffung, Design und Entsorgung. Unternehmen prüfen verstärkt die Datenqualität ihrer Ökobilanzen und die Kompatibilität von Materialkombinationen mit etablierten Erfassungs- und Sortierstrukturen. In der Praxis zeigt sich: Plastikalternativen funktionieren besonders effizient, wenn Konstruktion, Material und Prozesse aufeinander abgestimmt sind und entlang der Supply Chain klare Qualitäts- und Prüfpläne existieren.
Definition: Was versteht man unter Plastikalternativen?
Unter Plastikalternativen versteht man verschiedene Materialien und Lösungen, die als Ersatz für herkömmlichen Kunststoff eingesetzt werden können. Das Hauptziel dabei ist es, die Umweltbelastung durch Plastikmüll zu reduzieren. In der Wellpappenindustrie dienen solche Alternativen dazu, Produkte sicher und gleichzeitig umweltfreundlich zu verpacken.
Der Begriff umfasst sowohl papier- und faserbasierte Werkstoffe als auch biobasierte Polymere, Rezyklate und hybride Lösungen mit reduzierten Kunststoffanteilen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen „biobasiert“ (Herkunft des Rohstoffs), „recyclingfähig“ (technische und tatsächliche Wiederverwertbarkeit), „biologisch abbaubar“ bzw. „kompostierbar“ (unter definierten Bedingungen) sowie „wiederverwendbar“ (Mehrweg). Normative Bezüge sind u. a. EN 13430 (werkstoffliches Recycling), EN 13432 (Kompostierbarkeit) und Lebenszyklusanalysen nach ISO 14040/44.
Im Kontext der Wellpappe schließt die Definition auch verarbeitungsrelevante Aspekte ein: Rill- und Stanzfähigkeit, Bedruckbarkeit, Kanten- und Flächenstabilität sowie die Eignung für gängige Kleb- und Verschlusssysteme. Eine klare Begriffsabgrenzung verhindert Fehlentscheidungen, etwa die Gleichsetzung von „biobasiert“ mit „biologisch abbaubar“ oder die Annahme, dass jede Kompostierbarkeit automatisch eine geeignete Entsorgungsoption darstellt.
Arten von Plastikalternativen in der Wellpappenindustrie
Es existieren verschiedene Arten von Plastikalternativen, die sich für den Einsatz in der Wellpappenindustrie eignen. Zu diesen gehören beispielsweise Naturfaser-Composite, pflanzliche Verpackungen und Materialien auf Stärkebasis. Aber auch recycelte Verpackungen und Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen spielen eine wachsende Rolle.
- Papier- und Faserwerkstoffe: Wellpappe, Vollpappe, Formfaser-Trays, Faserguss; häufig mit wasserbasierten Beschichtungen zur Barrierebildung.
- Gras- und Agrarfaseranteile: Kombinationen aus Zellstoff und Grasfasern zur Materialeinsparung und Reduktion energieintensiver Fasern; siehe ökologisch vorteilhafte Verpackungen aus Graspapier im Überblick.
- Stärkebasierte Materialien: Schäume oder Folienersatz auf Basis von Stärke (z. B. Polsterelemente), Klebstoffe für Wellpappe.
- Biobasierte Polymere: PLA, PHA oder PBS für spezielle Anwendungen; häufig in Kombination mit papierbasierten Trägern.
- Rezyklate: Einsatz von Kunststoff- oder Papier-Rezyklaten zur Senkung des Primärrohstoffbedarfs.
- Pilzmyzel-Formteile und Bagasse: geformte Alternativen für Polster- und Fixierelemente in standardisierten und maßgeschneiderten Lösungen.
- Papierpolster- und Füllsysteme: materialeffiziente, recyclingfähige Polsterungen für den Versand sensibler Güter.
- Papierbasierte Verschlüsse und Bänder: verstärkte Papiertapes, nassklebende Systeme und faserkompatible Etiketten als Ersatz für Folienbänder.
- Dispersions- und wasserbasierte Barrieren: fett- und feuchteabweisende Beschichtungen, die den Papierkreislauf berücksichtigen und die Trennbarkeit erhalten.
Materialeigenschaften und Leistungsmerkmale
- Mechanik: Kantenstauchwiderstand (ECT), Durchstoß- und Reißfestigkeit, Biege- und Stapelstabilität.
- Klimabeständigkeit: Verhalten bei Feuchte und Temperatur, gegebenenfalls Barrierebeschichtungen oder Imprägnierungen.
- Prozessfähigkeit: Bedruckbarkeit, Rill- und Falzeigenschaften, maschinelle Verarbeitbarkeit.
- Recyclingfähigkeit: Monomaterial-Designs und Vermeidung schwer trennbarer Verbunde.
- Barrierekennwerte: Wasseraufnahme (z. B. Cobb), Fettbarriere (z. B. KIT), Wasserdampfdurchgang (WVTR) und Sauerstoffdurchgang (OTR) je nach Anwendung.
- Produktspezifische Eignung: ESD-Schutz für Elektronik, migrationsbezogene Konformität für lebensmittelnahen Einsatz, Geruchsneutralität.
Prüf- und Bewertungsmethoden
- Struktur- und Festigkeitsprüfungen: ECT, BCT, FCT, RCT und Falltests für Transportbelastungen.
- Klimaprüfungen: Konditionierung nach definierten Temperatur- und Feuchteprofilen sowie Praxistests in simulierten Lieferketten.
- Barriere- und Oberflächentests: Cobb, KIT, Heißsiegel-, Reib- und Kratzbeständigkeit.
- Recyclingprüfung: Dispergierbarkeit von Beschichtungen, Ablösbarkeit von Klebstoffen, Sortierfähigkeit im PPK-Strom.
Die Rolle von Plastikalternativen im Nachhaltigkeitsmanagement
Die Verwendung von Plastikalternativen kann einen wesentlichen Beitrag zum Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens leisten. So kann der Einsatz dieser Materialien dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens zu reduzieren und seine ökologische Verantwortung zu stärken. Zudem können Plastikalternativen auch bei der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben und in der Kommunikation gegenüber Kunden ein wichtiges Argument sein.
Im Rahmen von Strategien zu Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung unterstützen Alternativen die Reduktion von Scope‑3-Emissionen, die Erhöhung von Rezyklatanteilen und das Design for Recycling. Relevante Hebel sind:
- Materialreduktion durch optimierte Konstruktionen (Right-Sizing, Gewichtsreduktion).
- Monomaterial-Ansätze zur Vereinfachung des Recyclings.
- Substitution kritischer Substanzen durch wasserbasierte Systeme und faserkompatible Barrieren.
- Lebenszyklusbetrachtungen zur Priorisierung von Maßnahmen mit realer Umweltwirkung.
- Transparente Kennzeichnung und Datennachweise (z. B. Materialpass, Recyclinghinweise) für eine konsistente Entsorgungspraxis.
- Langzeitvalidierung der Performance im Betrieb, um Rückläufer, Ausschuss und unnötige Materialreserven zu vermeiden.
Vor- und Nachteile von Plastikalternativen
Die Vorteile von Plastikalternativen liegen in ihrer Umweltverträglichkeit und in den Möglichkeiten, sie im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements zu verwenden. Zudem bieten sie oft eine gute Performance bei der Verpackung und dem Schutz von Produkten. Allerdings können sie auch Nachteile haben. So sind sie oft teurer und manchmal nicht so flexibel einsetzbar wie herkömmlicher Kunststoff. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von bestimmten Materialien oder die Möglichkeit, sie zu recyceln, oft noch begrenzt.
- Vorteile: hohe Recyclingquoten im Papierstrom, breite Verfügbarkeit an Standardformaten, gute Druck- und Informationsfläche, Reduktion fossiler Anteile, häufig günstige CO2-Bilanz.
- Nachteile: Feuchteempfindlichkeit ohne Barriere, begrenzte Eignung für langzeitige Nass- oder Fettbelastung, potenziell höhere Kosten in Nischenanwendungen, teilweise eingeschränkte Wiederverwendbarkeit.
- Abwägung: Entscheidungskriterien sind Produktanforderungen, Transportprofil, gesetzliche Rahmenbedingungen und Infrastruktur für Sammlung und Verwertung.
- Praxisnotiz: Die Umstellung erfordert oft Anpassungen bei Lagerung, Handling und Kennzeichnung; Pilotläufe und Validierungen reduzieren Risiken.
Recycling und Entsorgung
Faserbasierte Lösungen lassen sich in der Regel im PPK-Stoffstrom wiederverwerten. Entscheidend sind geringe Störstoffanteile, gut lösliche Klebstoffe und möglichst einfache Materialverbunde. Biobasierte Polymere sind nur dann sinnvoll, wenn eine geeignete Erfassungs- und Verwertungsinfrastruktur besteht. Kompostierbarkeit sollte klar von Heim- und Industriekontext unterschieden werden; die Kennzeichnung und tatsächliche Entsorgungswege müssen zusammenpassen. Rezyklateinsatz und modulare Konstruktionen unterstützen geschlossene Kreisläufe.
Für eine reibungslose Wiederverwertung gilt: sortierfreundliche Farben und Drucke, reduzierte Metall- oder Folienelemente sowie trennbare, faserkompatible Barrieren. Klebstoffe sollten wasserlöslich oder dispergierbar sein, Etiketten nach Möglichkeit papierbasiert. Wo Funktionsschichten unvermeidlich sind, erleichtern klare Trennstellen und Kennzeichnungen die richtige Zuordnung im Sammelsystem.
Anwendungsbeispiele in der Wellpappenpraxis
- Versand und E-Commerce: papierbasierte Polster, integrierte Aufreiß- und Rücksendehilfen, reduzierte Verbunde.
- Fixierelemente und Trays: geformte Faserteile als Ersatz für Kunststoffformteile.
- Lebensmittelnahe Anwendungen: dispersionsbeschichtete Papiere für kurzzeitige Feuchte- oder Fettbarrieren, je nach regulatorischer Eignung.
- Technische Güter: stoßdämpfende Papierpolster, passgenaue Einsätze aus Wellpappe, Kombinationen aus recyclingfähigen Monomaterialien.
- Elektronik und Ersatzteile: antistatische papierbasierte Einsätze, faserbasierte ESD-Lösungen in Kombination mit geeigneter Kennzeichnung.
- Temperierte Sendungen: papierbasierte Isoliereinlagen und modulare Inlays, die sich nach Gebrauch dem PPK-Strom zuführen lassen.
Zusätzlich lassen sich Mehrwegkonzepte mit faserbasierten Komponenten realisieren, etwa durch robuste Außenverpackungen in Verbindung mit austauschbaren, recyclingfähigen Polsterelementen. Standardisierte Baukästen erleichtern die Skalierung über verschiedene Produktgruppen hinweg.
Kriterien für die Auswahl
- Schutzanforderungen: Bruch-, Stoß- und Druckfestigkeit, klimatische Bedingungen entlang der Lieferkette.
- Materialkreislauf: Recyclingfähigkeit, Trennbarkeit, Einsatz von Rezyklaten.
- Ressourceneffizienz: Flächennutzung, Gewichts- und Volumenoptimierung, Transportverdichtung.
- Regulatorik: Konformität mit geltenden Normen und rechtlichen Vorgaben im Zielmarkt.
- Prozessfähigkeit: Verfügbarkeit, Lieferstabilität, maschinelle Verarbeitung, Druck- und Kennzeichnung.
- Qualitätssicherung: Prüfpläne, Freigabekriterien, Toleranzen sowie Rückverfolgbarkeit von Materialchargen.
- Wirtschaftlichkeit: Gesamtbetriebskosten über den Lebenszyklus, inklusive Handhabung, Ausschuss, Retouren und Entsorgung.
- Datenlage: belastbare Ökobilanzdaten, Materialpässe und eindeutige Recyclinghinweise zur Transparenz in der Kommunikation.
Zusätzliche Normen, Tests und Zertifizierungen
Für eine belastbare Bewertung von Plastikalternativen sind standardisierte Prüfungen und Zertifizierungen hilfreich. Neben mechanischen Kennwerten unterstützen Barriere-, Klima- und Transporttests die Auswahl geeigneter Materialien. Zertifikate zur Recyclingfähigkeit oder Kompostierbarkeit sind nur im Zusammenspiel mit der realen Infrastruktur belastbar.
- Transport- und Falltests für praxisnahe Belastungen über verschiedene Versandprofile.
- Material- und Barriereprüfungen, um Feuchte-, Fett- und Gasdurchlässigkeit anwendungsbezogen zu bewerten.
- Konformitätsnachweise für lebensmittelnahen Kontakt sowie eindeutige Produktkennzeichnung.
Implementierung und Praxisempfehlungen
Die Einführung von Plastikalternativen gelingt besonders dann, wenn interdisziplinär vorgegangen wird. Konstruktion, Einkauf, Qualitätssicherung und Logistik sollten frühzeitig eingebunden werden, um Anforderungen zu harmonisieren und Iterationsschleifen zu minimieren.
- Schrittweise Umstellung mit Pilotserien und dokumentierten Stresstests.
- Design for Recycling konsequent umsetzen: Monomaterial, trennbare Schichten, klare Kennzeichnung.
- Lieferkettendaten erfassen, um ökologische und wirtschaftliche Effekte nachvollziehbar zu machen.
- Regelmäßige Review-Zyklen, um Materialinnovationen und neue regulatorische Vorgaben einzubeziehen.
Zusammenfassung:
- Wellpappe zählt zu den umweltfreundlichen Alternativen zu Plastik, da sie biologisch abbaubar ist und einen reduzierten CO2-Fußabdruck aufweist.
- Durch die Anwendung von PLA-Biokunststoffen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, kann die Kunststoffproduktion in Verpackungsunternehmen minimiert werden.
- Glas und Metall sind ebenso wiederverwendbare und haltbare Alternativen zu Plastik, die sich gut für die Verpackungsindustrie eignen.
- Faserbasierte Lösungen überzeugen durch hohe Recyclingfähigkeit und etablierte Sammelsysteme; Monomaterial-Designs vereinfachen die Wiederverwertung.
- Biobasierte Alternativen sind nicht automatisch kompostierbar; Eignung und Infrastruktur müssen geprüft werden.
- Barriereanforderungen, Feuchtebelastung und mechanische Kennwerte bestimmen die Materialwahl.
- Lebenszyklusanalysen unterstützen eine belastbare Bewertung der ökologischen Wirkung über den gesamten Produktlebensweg.
- Praxisnahe Tests, klare Kennzeichnung und trennbare Materialaufbauten erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Umstellung auf Plastikalternativen.
Veröffentlicht am 29.06.2024
Letzte Überarbeitung am 08.10.2025 um 12:29 Uhr von Manuel Hofacker