Besuchen Sie uns auf der E-Commerce Berlin Expo Stand D6 vom 17. - 18. Februar 2026 in Berlin.

Sofortkontakt

Wellstar-Packaging GmbH
Hubert-Weisser-Straße 2
78199 Bräunlingen

Tel. +49 (0)771 / 9294886-0
E-Mail info@wellstar-packaging.de

Quellstoffe

Die Wellpapp-Industrie setzt verstärkt auf die vielseitigen Eigenschaften von Quellstoffen. Mit ihrer ausgeprägten Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und wieder abzugeben, tragen sie zur Steuerung des Feuchthaushalts in papierbasierten Verbunden bei. In der Herstellung und Optimierung von Wellpappkarton spielen sie eine Rolle in Klebstoffsystemen, Beschichtungen und papierseitigen Rezepturen. Das gezielte Quellverhalten beeinflusst Dimensionsstabilität, Festigkeit und Gebrauchstauglichkeit von Wellpapp-Erzeugnissen unter wechselnden Klimabedingungen. Darüber hinaus unterstützen Quellstoffe die Prozessrobustheit bei Klimawechseln, indem sie Sorptions- und Desorptionsvorgänge abpuffern und so Verzüge, Delaminationen und Schwankungen im Klebverbund reduzieren.

Neben der Feuchtigkeitsbindung wirken Quellstoffe als funktionale Additive: Sie können die Viskosität von Stärkeleimen stabilisieren, die Porenstruktur modifizieren, die Wasseraufnahme kinetisch verzögern und so das Risiko unerwünschter Durchfeuchtung senken. Richtig dosiert, lassen sich dadurch Transport- und Lagereigenschaften von Kartonagen verlässlicher reproduzieren. Zusätzlich fördern sie die Homogenität der Leimlinie, verbessern die Benetzung und können die Wärmeübertragung im Klebspalt beeinflussen, was die Verklebung an Einzel- und Doppelmaschine konsistenter gestaltet.

Definition: Was versteht man unter Quellstoffen?

Unter Quellstoffen versteht man Materialien, die in der Lage sind, Flüssigkeiten aufzunehmen und dadurch reversibel aufzuquellen. Das geschieht über physikalische Mechanismen wie Osmose, Wasserstoffbrückenbindungen und Kapillarwirkung. Je nach Struktur und chemischer Zusammensetzung kann das ursprüngliche Volumen deutlich zunehmen, ohne dass das Material sich auflöst. In der Anwendung als funktionale Füll- und Hilfsstoffe in der Wellpapp-Herstellung wird diese Fähigkeit zur kontrollierten Feuchtigkeitsbindung und -abgabe genutzt. Unterschieden wird häufig zwischen reversibler Quellung (mit Rückkehr zur Ausgangsgröße nach Trocknung) und teilreversibler Quellung, die durch Vernetzungsgrad, Polymerarchitektur und Ionengehalt des Mediums beeinflusst wird.

Abgrenzung zu verwandten Additiven

Quellstoffe unterscheiden sich von reinen Hydrophobierungsmitteln, die Wasseraufnahme primär verhindern, und von Retentionsmitteln, die Partikel im Faserverbund halten. Quellende Additive wirken vor allem über temporäre Wasseraufnahme und Volumenzunahme, was die Mechanik und das Feuchteverhalten des Verbunds beeinflussen kann. Ebenso sind sie von klassischen Füllstoffen abzugrenzen, die vorwiegend zur Kostensenkung oder Oberflächenbeeinflussung eingesetzt werden: Quellstoffe adressieren vorrangig die Feuchtedynamik und die rheologischen Eigenschaften von Leimen und Pasten.

Einsatz und Funktion der Quellstoffe in der Wellpapp-Production

Quellstoffe finden in der Wellpapp-Produktion an mehreren Stellen Anwendung: in der Papierfabrikation (Stockstoff- und Leimungsebene), in Beschichtungen, sowie in Stärkeleim-Formulierungen beim Verkleben von Decken- und Wellenpapieren. Ziel ist es, Feuchtigkeit kontrolliert zu binden, den Wasserhaushalt während des Verarbeitungsprozesses zu steuern und so die Feuchtigkeitsbeständigkeit, Dimensionsstabilität und Prozessfenster zu verbessern. Ergänzend helfen sie, Feuchtegradienten zwischen Deck- und Wellenbahn auszugleichen, was die Tendenz zu Längs- oder Querwellen (Warp) reduziert.

Wesentliche Wirkungen im Prozess

  • Feuchtemanagement: Temporäre Bindung freier Flüssigkeit reduziert die schnelle Durchfeuchtung und stabilisiert das Quellmaß der Fasern.
  • Viskositätskontrolle im Klebstoff: Additive wie CMC können als Verdicker und Wasserretentionsmittel die Verarbeitungsstabilität von Stärkeleimen unterstützen.
  • Mechanische Eigenschaften: Durch modifiziertes Feuchteprofil lassen sich Kantenstauchwiderstand (ECT) und Stapelstauchwiderstand (BCT) unter klimatischer Belastung besser absichern.
  • Gewichts- und Ressourceneffekte: In bestimmten Anwendungen ermöglicht das Feuchtemanagement die Nutzung leichterer Papierqualitäten ohne unverhältnismäßige Einbußen in der Gebrauchsfestigkeit.
  • Maßhaltigkeit und Planlage: Gleichmäßige Feuchteverteilung begrenzt Krümmung, Verzug und Schrumpfspannungen, was die Weiterverarbeitung (Rillen, Stanzen, Falten) erleichtert.
  • Klebverbund-Stabilität: Verbesserte Wasserretention im Leim unterstützt gleichmäßige Gelbildung der Stärke und mindert Leimdurchschlag oder „Bleeding“.

Typische Eintragsstellen in der Prozesskette

Quellstoffe werden praxisnah dort zugeführt, wo sie die größte Wirkung entfalten: im Stockstoff (zur Steuerung der Faserfeuchte und Porosität), in der Leimung oder im Film-/Size-Press (zur Oberflächeneinstellung), in der Offline-/Inline-Beschichtung (zur Barriere- und Feuchteführung) sowie im Stärkeleim an der Wellpappenanlage (zur Prozess- und Klebstoffrheologie).

Prozessparameter und Dosierung

Die Wirkung hängt von Dosierung, Partikelgröße, Eintragsort (Papier, Beschichtung, Klebstoff), pH-Wert, Temperatur und Kontaktzeit ab. Eine Überdosierung kann zu zu hoher Wasserbindung, verlängerten Trocknungszeiten, Verblockungen oder einer Beeinträchtigung der Rill- und Faltbarkeit führen. Praxisüblich ist eine abgestimmte, niedrig dosierte Zugabe, die über Laborversuche und Produktionsversuche validiert wird. Dabei sind Konditionierung (Temperatur/rel. Feuchte), Maschinenparameter (Pressdrücke, Trocknerprofil, Leimauftrag), Ruhzeiten und Lagerklima relevant, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Arten von Quellstoffen in der Wellpappenindustrie

Es gibt verschiedene Arten von Quellstoffen, die in der Wellpappenindustrie genutzt werden. Dazu gehören insbesondere Naturfasern wie Zellulose und Stärke, modifizierte Biopolymere sowie synthetische Polymere. Beide Gruppen besitzen spezifische Eigenschaften, die je nach Verwendungszweck, Substrat und klimatischen Anforderungen eingesetzt werden. Die Auswahl erfolgt anforderungsgerecht nach Quellgrad, Quellgeschwindigkeit, Stabilität im pH-/Temperaturfenster und Wechselwirkung mit Stärkeleim- und Faserchemie.

Natürliche und modifizierte biobasierte Quellstoffe

  • Zellulose und Mikrofibrillierte Zellulose (MFC): Erhöhen Wasserbindung und Netzwerkfestigkeit, beeinflussen Porosität und Oberflächenstruktur. MFC kann als rheologischer Modifikator wirken und die Kantenfestigkeit unter Feuchtebelastung stabilisieren.
  • Stärke und Derivate: Dienen als tragende Komponenten in Stärkeleimen; Derivate können Retentions- und Quellverhalten gezielt verändern. Anpassungen an Amylose-/Amylopektin-Verhältnis und Substitutionsgrad steuern Gelpunkt, Viskosität und Feuchteabgabe.
  • Hemicellulosen und pflanzliche Hydrogele: Ergänzende Additive zur Feinjustierung der Feuchtedynamik. Sie unterstützen die Bildung eines gleichmäßigen Feuchteprofils und können die Oberflächenenergie moderat anpassen.

Synthetische Quellstoffe

  • Superabsorber (z. B. Polyacrylate): Sehr hohe Wasseraufnahme; geeignet für definierte Zonen, in denen punktuelle Feuchte schnell gebunden werden soll. Aufgrund der hohen Kapazität ist eine zurückhaltende Dosierung und gezielte Platzierung sinnvoll.
  • Carboxymethylcellulose (CMC) und Polyvinylalkohol (PVOH): Als Verdicker und Wasserretentionsmittel in Klebstoffsystemen verbreitet. Sie fördern Scherverdünnung, stabile Applikation und können Fadenbildung am Leimwerk begrenzen.
  • Mineralische quellfähige Additive (z. B. Bentonit): Wirken über Schichtstruktur und Ionenaustausch; eher zur Viskositäts- und Retentionssteuerung genutzt. Sie stabilisieren Feststoffverteilungen und unterstützen die Feinpartikelbindung.

Vor- und Nachteile von Quellstoffen

Der Einsatz von Quellstoffen bietet eine Reihe von Vorteilen: Sie verbessern das Feuchtemanagement, stabilisieren prozessrelevante Parameter im Leimauftrag, unterstützen Dimensionsstabilität und können helfen, das Gewicht papierbasierter Verbunde in passenden Einsatzfällen zu reduzieren. Zudem erlauben sie eine gezielte Anpassung von Eigenschaften wie Wasseraufnahme (Cobb), Rillbarkeit und Rückfederung. In der Praxis ergeben sich daraus robustere Eigenschaften gegenüber Klimaschwankungen entlang der Lieferkette.

Potenzielle Herausforderungen

  • Kosten: Höhere Materialpreise im Vergleich zu rein konventionellen Füllstoffen erfordern eine Nutzenbetrachtung über den gesamten Lebenszyklus.
  • Prozesskomplexität: Abgestimmte Rezepturen und enge Prozessfenster sind notwendig, um Trocknung, Verklebbarkeit und Maschinengeschwindigkeit nicht zu beeinträchtigen.
  • Technische Wechselwirkungen: Quellverhalten kann Schnitt-, Rill- und Perforiereigenschaften verändern; eine Anpassung der Prozessparameter ist sinnvoll.
  • Recyclingaspekte: Additive sollten die Wiederaufbereitung der Fasern nicht stören; gängige Systeme sind in der Regel kompatibel, dennoch ist eine Prüfung ratsam.
  • Qualitätskonstanz: Eine konsistente Rohstoffqualität und Chargenstabilität sind wichtig, um Schwankungen in Viskosität, Retention und Quellgrad zu vermeiden.

Wirtschaftlicher Faktor: Quellstoffe im Branchenvergleich

In puncto Wirtschaftlichkeit spielen Quellstoffe aufgrund ihrer Materialkosten und des Einflusses auf Prozesszeiten eine maßgebliche Rolle. Trotz höherer Einzelkosten kann der Einsatz rentabel sein, wenn Ausschussquoten sinken, klimabedingte Schwankungen reduziert werden und Festigkeitseigenschaften unter realen Bedingungen stabiler bleiben. Eine Gesamtkostenbetrachtung (Material, Prozess, Qualität, Reklamationen) liefert die Grundlage für fundierte Entscheidungen. Neben direkten Effekten sind indirekte Einsparungen durch höhere Prozesssicherheit und reduzierte Stillstände zu berücksichtigen.

Qualitätssicherung und Prüfmethoden

  • Klimazyklus-Tests: Bewertung von Dimensionsstabilität und Festigkeit bei wechselnder Temperatur und relativer Luftfeuchte.
  • Cobb- und Sorptionsprüfungen: Ermittlung der Wasseraufnahme; Vergleich von Referenz- und modifizierten Rezepturen.
  • ECT/BCT-Messungen: Verknüpfung der Feuchteaufnahme mit Kanten- und Stapelstauchwiderstand.
  • Praxisnahe Transporttests: Simulation von Druck-, Stoß- und Vibrationsbelastungen unter konditionierten Klimata.
  • Rheologie- und Retentionsanalysen: Erfassung von Viskositätsprofilen (Schergradienten), Wasserhaltevermögen und Partikelbindung in Leim- und Beschichtungssystemen.

Für die Auslegung der Konstruktion und die Bewertung der Maßhaltigkeit können weiterführende Erläuterungen zu Abmessungen im Lexikon hilfreich sein.

Zukunftsperspektiven: Quellstoffe und ihre Bedeutung für die Wellpappenindustrie

Angesichts steigender Anforderungen an papierbasierte Transport- und Versandlösungen gewinnen anwendungsoptimierte Rezepturen an Bedeutung. In diesem Kontext gelten Quellstoffe als Baustein, um Feuchtelasten robuster zu beherrschen, Eigenschaftsprofile gezielt einzustellen und Materialeinsatz zu optimieren. Perspektivisch sind biobasierte, funktionalisierte Hydrogele, kombinierte Barrieresysteme und datengestützte Prozessregelungen relevant, um Quellverhalten präziser zu steuern und die Qualität unter variablen Klimabedingungen abzusichern. Digitale Mess- und Regelkreise mit inline erfasster Feuchte sowie adaptive Leimrezepturen können die Wirksamkeit weiter erhöhen.

Regulatorische und nachhaltige Aspekte

Bei Anwendungen mit sensiblen Inhalten sind migrationsarme Rezepturen und normgerechte Rohstoffe zu berücksichtigen. Gleichzeitig besteht ein Fokus auf Ressourcenschonung, Rezyklierbarkeit und die Minimierung von Nebenwirkungen in der Faseraufbereitung. Fortschritte bei biobasierten Polymeren und optimierten Additivsystemen unterstützen diese Zielsetzungen. Zusätzlich sind Anforderungen an Kontaktmaterialien, Emissionsverhalten während der Verarbeitung und die Kompatibilität mit gängigen Recyclingprozessen zu beachten.

Zusammenfassung:

  • Quellstoffe bezeichnen Materialien, die Wasser aufnehmen, aufquellen und dadurch an Volumen zunehmen. In der Verpackungsindustrie, insbesondere bei Wellpappe-Verpackungen, können sie zur Verbesserung der Stabilität und Festigkeit eingesetzt werden.
  • Durch die Nutzung von Quellstoffen ist es möglich, die Qualität der Verpackungen signifikant zu steigern. Sie können dazu beitragen, die Haltbarkeit und Schlagfestigkeit von Wellpappenverpackungen zu erhöhen, was für den sicheren Transport von Waren unerlässlich ist.
  • Quellstoffe sind in der Regel umweltfreundlich und erneuerbar, was sie zu einer nachhaltigen Option in der Verpackungsindustrie macht. Bei der Herstellung von Verpackungen, insbesondere von Wellpappe, tragen sie daher zur Schonung der Ressourcen und zum Umweltschutz bei.
  • Einsatzorte: Papierseite, Beschichtung und Klebstoffformulierungen; Ziel ist ein kontrolliertes Feuchtemanagement und stabile Verarbeitung.
  • Arten: Biobasierte (Zellulose, Stärke, MFC) und synthetische Systeme (CMC, PVOH, Superabsorber) mit unterschiedlichen Quell- und Retentionseigenschaften.
  • Nutzen und Grenzen: Verbesserte Feuchtebeständigkeit und konstante Festigkeiten stehen potenziellen Mehrkosten und prozessualen Anpassungen gegenüber.
  • Qualifizierung: Labor- und Praxistests (Cobb, ECT/BCT, Klimazyklus) sichern die geeignete Dosierung und den verlässlichen Einsatz im Produktionsalltag.
  • Prozesshinweis: Dosierung, Eintragsort und Klima sind entscheidend; Überdosierung kann Trocknung und Weiterverarbeitung beeinträchtigen.
  • Ausblick: Biobasierte Hydrogele und datenbasierte Prozessführung stärken die Steuerbarkeit des Quellverhaltens unter variierenden Klimabedingungen.

Veröffentlicht am 14.07.2024
Letzte Überarbeitung am 13.01.2026 um 13:06 Uhr von Julia Kopp

Zitieren oder teilen Sie diesen Artikel gerne!