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Gewebeverstärkte Kartons

Wellpapp-Lexikon, eine Publikation von Wellstar-Packaging GmbH, enthält zahlreiche Informationen rund um Wellpappe und ihre Anwendung. Heute beschäftigen wir uns mit einem speziellen Thema: gewebeverstärkten Kartons. Doch was macht diese Art von Karton so besonders? Denkbar für die Anwendung sind viele Industriezweige, die Unterstützung in Sachen Verpackung benötigen. Im Folgenden werden Aufbau, Herstellung, Eigenschaften, typische Einsatzszenarien sowie Grenzen dieser Lösung ausführlich erläutert. Ergänzend werden praxisrelevante Prüfmethoden, Auslegungsansätze und Aspekte der Handhabung beschrieben, um eine fundierte Einordnung im Kontext moderner Verpackungstechnik zu ermöglichen.

Definition: Was versteht man unter gewebeverstärkten Kartons?

Der Begriff gewebeverstärkter Karton bezeichnet eine mehrlagige Kartonage beziehungsweise einen Verbundwerkstoff, der durch ein eingearbeitetes Gewebe eine erhöhte Stabilität, Steifigkeit und Belastbarkeit erhält. Die Grundlage besteht aus einer normalen Wellpappe (Liner und gewellte Zwischenlage), die durch ein integriertes Trägergewebe verstärkt wird. Je nach Anforderung kann es sich um textile Gewebe (z. B. Polyester, Polyamid, Glasfaser) oder um metallische Gitter handeln. Durch diese Einlage wird die Lastverteilung verbessert, die Kantenstabilität erhöht und die Widerstandsfähigkeit gegen Durchstoßen sowie Risse gesteigert. In der Praxis wird diese Lösung auch als Verbundkarton, Hybridkarton oder gewebeverstärkte Wellpappe bezeichnet; sie verbindet das geringe Flächengewicht faserbasierter Materialien mit der robuster ausgelegten Gewebestruktur. Typische Zielgrößen in der Auslegung sind ein definiertes Verhältnis aus Tragfähigkeit, Eigengewicht und Verarbeitbarkeit.

Typische Gewebearten und Eigenschaften

  • Polyester-/Polyamid-Gewebe: flexibel, zäh, gute Ermüdungsfestigkeit, geeignete Wahl für dynamische Belastungen. Sie zeigen ein günstiges Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit und sind in unterschiedlichen Bindungen (Leinwand-, Köperbindung) verfügbar, was die Anpassung an Biege- oder Zuglasten erleichtert.
  • Glasfasergewebe: hohe Steifigkeit, formstabil, resistent gegen Temperaturspitzen, jedoch spröder als Kunstfasergewebe. Glasfaser bietet eine geringe Kriechneigung (Kriechverhalten) und trägt zur Erhöhung der Biegesteifigkeit über große Spannweiten bei.
  • Aramid-Fasern: sehr hohe Zugfestigkeit bei geringem Gewicht, für anspruchsvolle Schutzanforderungen. Aramide unterstützen Kanten- und Punktschutz, wenn scharfkantige Güter mit erhöhtem Durchstoßrisiko verpackt werden.
  • Metallgewebe: besonders robust, erhöhte Durchstoß- und Schnittbeständigkeit, höheres Flächengewicht. Geeignet für Anwendungen mit abrasiver Beanspruchung oder dort, wo lokale Verstärkungen definiert die Lastspitzen aufnehmen müssen.

Relevante mechanische Kennwerte

  • Kantenstauchwiderstand (ECT): Verbesserung der Tragfähigkeit entlang der Kanten. Der Zugewinn ist abhängig von Gewebeart, Position im Verbund und Faserorientierung.
  • Box Compression Test (BCT): erhöhte Stapeldruckfestigkeit kompletter Gebinde. Die Verstärkung stabilisiert den Querschnitt und reduziert die plastische Verformung bei Langzeitlast.
  • Durchstoß- und Reißfestigkeit: reduziertes Risiko für Transportschäden durch punktuelle Belastungen. Insbesondere an Kanten, Grifföffnungen und Auflagepunkten wird die Widerstandsfähigkeit deutlich gesteigert.
  • Biegesteifigkeit: geringere Verformung bei langgestreckten oder flächigen Bauteilen. Dies ermöglicht größere Spannweiten und reduziert Stützkonstruktionen im Packgutträger.

Herstellung von gewebeverstärkten Kartons

Die Herstellung dieser besonderen Kartonvariation reiht sich nahtlos in den gewohnten Prozess ein: Zunächst wird die Wellpappe hergestellt. Anschließend erfolgt das Einarbeiten des Gewebes. Da dieses direkt im Produktionsverlauf integriert wird, lässt sich das Endprodukt optisch häufig kaum von herkömmlichen Varianten unterscheiden. Technisch betrachtet kommen je nach Konstruktion folgende Integrationspunkte in Betracht:

  • Zwischen Liner und Wellenlage: Gewebe wirkt als tragende Schicht nahe der neutralen Faser.
  • Zwischen zwei Liner-Lagen (Sandwich): Homogene Lastverteilung bei Flächenbelastung.
  • Als Kanten- oder Zonenverstärkung: gezielte Einlage an hochbelasteten Bereichen.

Für das Verbinden der Schichten werden stärkehaltige oder dispersionsbasierte Klebstoffe eingesetzt; bei speziellen Anforderungen kommen wärmeaktivierbare Systeme zum Einsatz. Qualitätssicherungsmaßnahmen umfassen Stichproben zur ECT-/BCT-Prüfung, Klimasimulationen (Temperatur/Feuchte) und Sichtkontrollen auf Delamination oder ungleichmäßige Gewebeeinbettung. Ergänzend werden Prozessfenster für Klebstoffauftrag, Trocknung und Abzugskräfte festgelegt, um eine gleichmäßige Haftung zwischen Liner, Wellenbahn und Gewebe sicherzustellen. Für reproduzierbare Ergebnisse ist die Bahnlage des Gewebes (Spannung, Bahnführung, Überlappungen) sowie die Faserorientierung entscheidend.

Verarbeitbarkeit und Weiterverarbeitung

  • Ritzen, Rillen, Stanzen: möglich, erfordert ggf. angepasste Werkzeuge aufgrund des erhöhten Abriebs durch das Gewebe. Eine optimierte Rilltiefe und -breite verhindert Faserbrüche entlang der Gewebestruktur.
  • Kleben und Heften: Standardverfahren sind nutzbar; Vorversuche sichern konstante Verbindungen. Für hochfeste Verklebungen empfiehlt sich die Überprüfung der Klebstoffbenetzung an Gewebe-nahem Liner.
  • Bedrucken: je nach Linerqualität üblich; Gewebelage beeinflusst den Druck nicht direkt. Sowohl Flexo- als auch Digitaldruck sind möglich, sofern Oberflächenenergie und Planlage stimmen.
  • Perforation: umsetzbar, jedoch mit reduzierten Toleranzen zu planen, da die Gewebestruktur den Rissverlauf beeinflussen kann. Gezielte Ausklinkungen und Schlitzgeometrien reduzieren unkontrollierte Rissausbreitung.

Anwendungsbereiche und Nutzung

Der gewebeverstärkte Karton kommt überall dort zum Einsatz, wo ein erhöhter Schutz des Inhalts nötig ist. Dazu zählen neben der anspruchsvollen Elektronik-Branche auch der Maschinenbau oder die Automobilindustrie. Sie alle profitieren von der erhöhten Stabilität und Resistenz des gewebeverstärkten Kartons. Ergänzend kann die Innenausstattung mit praxisnahe Füll- und Polstersysteme für den Versand die Schutzwirkung gegen Stöße und Vibrationen zusätzlich verbessern. Auch in der Intralogistik bewährt sich der Ansatz als wiederverwendbares Transportmittel, etwa für Umlaufverpackungen und Zwischenlagen.

  • Elektronik: Schutz platinenbestückter Baugruppen, Gerätegehäuse, 19-Zoll-Module mit sensiblen Kanten. Zusätzlich eignen sich zonenverstärkte Bereiche für Steckverbinderzonen, die erhöhte Durchstoßsicherheit benötigen.
  • Maschinenbau: schwere Komponenten, Antriebswellen, Frästeile und Baugruppen mit punktuellen Lastspitzen. Längere Bauteile profitieren von erhöhter Biegesteifigkeit, wodurch Stützelemente reduziert werden können.
  • Automobilindustrie: Fahrwerks- und Motorenteile, Getriebekomponenten, Airbag-Module oder empfindliche Interieurbauteile. Definierte Kantenverstärkungen schützen Funktionsflächen und Dichtkanten.
  • Luft- und Raumfahrt: leichte, formstabile Verpackungslösungen für hochpräzise Teile mit engem Toleranzfenster. Das niedrige Eigengewicht unterstützt Gewichtsvorgaben in globalen Transportketten.
  • Metallverarbeitung: Teile mit scharfen Kanten, bei denen Durchstoß- und Schnittfestigkeit relevant ist. Gewebelagen minimieren Kantenaufbrüche auch bei wiederholtem Handling.
  • Mehrweg- und Intralogistik: Einsätze als Warenträger, Zwischenlagen und Auskleidungen in Behältern bei zirkulierenden Warenströmen. Die erhöhte Abriebfestigkeit steigert die Lebensdauer im Mehrfacheinsatz.

Vor- und Nachteile von gewebeverstärkten Kartons

Ausgezeichnet durch ihre hohe Beständigkeit, sind diese Kartons besonders für schwere und empfindliche Güter geeignet. Des Weiteren tragen sie zur Sicherheit des Transports bei, da sie sich weniger leicht verformen lassen. Ein klarer Pluspunkt im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist eine sorgfältige Auslegung notwendig, damit Leistungsfähigkeit, Kosten und Recyclinganforderungen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

  • Vorteile
    • Erhöhte Stapel- und Kantenstabilität bei gleichbleibender oder reduzierter Materialdicke.
    • Verbesserte Durchstoß-, Reiß- und Abriebfestigkeit, insbesondere an kritischen Zonen.
    • Geringere Verformung unter Langzeitlast (Creep), dadurch höhere Prozesssicherheit.
    • Optionale Klimastabilität durch anforderungsgerechte Gewebeauswahl.
    • Geeignet für wiederholte Handlingszyklen in internen Logistikprozessen.
    • Flexible Auslegung: lokale Zonenverstärkungen reduzieren Materialeinsatz außerhalb hochbelasteter Bereiche.
    • Verbesserte Maßhaltigkeit bei wechselnden Umgebungsbedingungen durch erhöhte Verbundsteifigkeit.
  • Nachteile
    • Höhere Material- und Produktionskosten im Vergleich zu Standardkonstruktionen.
    • Erhöhtes Flächengewicht, was sich auf Handling und Frachtkosten auswirken kann.
    • Mehr Werkzeugverschleiß beim Stanzen/Rillen; mögliche Anpassungen im Zuschnitt notwendig.
    • Recycling je nach Gewebeart komplexer (Trennung von Fasermaterialien und Gewebe).
    • Längere Lieferzeiten durch spezialisierte Fertigung und Materialverfügbarkeit.
    • Eventuell erhöhte Komplexität in der Qualitätsprüfung (z. B. zusätzliche Stichprobenpunkte für Verbundhaftung).

Die nachteiligen Aspekte sind vor allem die höheren Produktionskosten und der erhöhte Aufwand bei der Herstellung. Nichtsdestotrotz überwiegen die Vorteile in vielen Anwendungsbereichen deutlich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gewebeverstärkte Kartons einen großen Beitrag zur Sicherheit und Effizienz in der Verpackungsbranche leisten. Eine systematische Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus hilft, die Wirtschaftlichkeit bei zugleich hoher Schutzwirkung zu sichern.

Wann lohnt sich der Einsatz?

  • Bei hohen Stapelanforderungen oder langen Lagerzeiten unter Last.
  • Bei punktuellen Belastungen, scharfkantigen Gütern oder erhöhtem Durchstoßrisiko.
  • Wenn Bauteile großflächig, lang oder schlank sind und Durchbiegung zu vermeiden ist.
  • Bei wiederkehrenden Umläufen in internen Materialflüssen mit erhöhten Beanspruchungen.
  • Für Exportverpackungen mit variierenden Klimabedingungen entlang der Transportkette.

Nachhaltigkeit und Entsorgung

Ökologische Aspekte hängen stark von der Gewebeart und dem Verbundaufbau ab. Monomateriallösungen mit faserbasierten Geweben erleichtern die stoffliche Verwertung. Bei Mischverbunden ist eine sortenreine Trennung wünschenswert; ablösbare Gewebe oder wasserlösliche Klebstoffsysteme können die Recyclingfähigkeit verbessern. Generell gilt: Die verlängerte Nutzungsdauer und die Reduktion von Transportschäden wirken ressourcenschonend, da Ersatzlieferungen und Materialverluste reduziert werden. Zusätzlich lässt sich durch gezielte Zonenverstärkung der Materialeinsatz optimieren, was den ökologischen Fußabdruck gegenüber vollflächig verstärkten Lösungen senken kann.

Qualitätssicherung und Prüfplanung

  • Festlegung realitätsnaher Prüfbedingungen (Klimakammer, Temperatur-/Feuchtezyklen).
  • Mechanische Tests wie ECT/BCT, Durchstoß- und Reißversuche sowie Fall- und Schwingprüfungen.
  • Bewertung der Kanten- und Flächenbelastung in Anlehnung an den realen Transportweg.
  • Dokumentation von Toleranzen, Rill- und Stanzparametern sowie Rückverfolgbarkeit von Chargen.

Konstruktive Varianten und Auslegung

  • Einwellige Ausführung mit Gewebeeinlage: Gewichtssparende Lösung mit gezieltem Leistungsplus. Geeignet für Bauteile, bei denen eine moderate Steigerung der Kantenstabilität ausreicht.
  • Doppel- oder schwerwellige Variante: für kombinierte Anforderungen aus Druck-, Biege- und Durchstoßbelastung. Sinnvoll bei großen Packstücken mit hohen BCT-Zielwerten.
  • Zonenverstärkung: partielle Gewebeeinlagen an Kanten, Grifföffnungen oder Auflagepunkten. Minimiert Materialverbrauch und konzentriert die Wirkung auf kritische Bereiche.
  • Zusätzliche Kantenelemente: in kritischen Bereichen zur Vermeidung von Quetschungen und Ausbrüchen. In Kombination mit Aussteifern oder Eckschonern können lokale Spitzenlasten abgefangen werden.

Zusammenfassung:

  • Gewebeverstärkte Kartons sind eine Art von Verpackungsmaterial, das speziell dafür entwickelt wurde, erhöhte Stabilität und Widerstandsfähigkeit zu bieten.
  • Diese Verpackungsprodukte sind eine hervorragende Alternative zur Wellpappe, da sie nicht nur stärker, sondern auch haltbarer sind und den Inhalt besser vor Beschädigungen schützen können.
  • Die besondere Verstärkung dieser Kartons durch Gewebe macht sie ideal für den Versand schwerer Gegenstände, wodurch sie eine wertvolle Ressource für Unternehmen sind, die sich auf den Transport von schweren oder zerbrechlichen Produkten spezialisiert haben.
  • Die Einbettung des Gewebes erfolgt im Produktionsprozess und verbessert ECT/BCT, Durchstoß- und Reißfestigkeit messbar.
  • Typische Anwendungen finden sich in Elektronik, Maschinenbau, Automobilindustrie, Luftfahrt und Mehrweganwendungen.
  • Vorteile sind höhere Prozesssicherheit und reduzierte Verformung; Nachteile betreffen vor allem Kosten, Gewicht und Recyclingaufwand.
  • Eine sorgfältige Auslegung mit realitätsnaher Prüfplanung stellt sicher, dass die gewählte Konstruktion die geforderten Belastungen zuverlässig abdeckt.

Veröffentlicht am 10.05.2025
Letzte Überarbeitung am 13.01.2026 um 12:43 Uhr von Sebastian Würth

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