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Gezielte Entlüftung
Die gezielte Entlüftung ist ein bedeutendes Element in der Produktion und Verwendung von Wellpappe. Diese Praxis ist essenziell in der Verpackungsindustrie, um Feuchtigkeitsansammlungen zu vermindern, Druckspitzen abzubauen und die Qualität des Packstoffs über Lagerung, Transport und Anwendung hinweg zu wahren. Durch einen kontrollierten Luftaustausch werden klimatische Einflüsse besser beherrscht, Kondensation reduziert und das Risiko materialbedingter Verformungen verringert. In der Praxis betrifft dies das gesamte Mikroklima in und um das Packgut: Temperaturgradienten, Taupunktunterschreitungen und relative Luftfeuchte werden über definierte Ventilationspfade gezielt beeinflusst, sodass Wellpappverpackungen auch bei wechselnden Umgebungsbedingungen funktional und maßhaltig bleiben.
Definition: Was versteht man unter gezielter Entlüftung?
Unter gezielter Entlüftung versteht man den planvollen Prozess, überschüssige Luft oder Dampf aus einem Packmittel oder aus dem Packgutumfeld entweichen zu lassen, um Stabilität, Schutzwirkung und Haltbarkeit zu sichern. Bei der Herstellung von Wellpappverpackungen ist es häufig erforderlich, eingeschlossene Luft kontrolliert abzuführen, um Verformungen, Aufwölbungen, Delaminationen oder Beschädigungen des Materials zu vermeiden. Dieser Aspekt beeinflusst die Performance des Packmittels in der Praxis deutlich, insbesondere bei wechselnden Klimabedingungen oder temperaturempfindlichen Produkten. Im Unterschied zu einer allgemeinen Belüftung fokussiert die gezielte Entlüftung auf einen gerichteten, berechneten Luft- und Dampfaustausch, der Diffusion, Konvektion und Druckausgleich konstruktiv in Einklang bringt.
Im Kern geht es um Druckausgleich und Feuchtemanagement: Luft- und Dampfmengen dürfen nicht unkontrolliert akkumulieren. Durch definierte Öffnungen, Schlitzungen oder spezielle Konstruktionsmerkmale kann der Gasaustausch so gesteuert werden, dass das Produktumfeld stabil bleibt, ohne die Schutzwirkung des Packmittels übermäßig zu beeinträchtigen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen kontinuierlichem Luftwechsel (präventiv) und kurzfristiger Druckentlastung (reaktiv), etwa bei schnellen Temperaturwechseln in Kühlketten oder bei Wareneingang und Kommissionierung.
- Ziel: Vermeidung von Kondenswasser, Reduktion von Schimmelrisiken, Schutz vor Verzug und Formverlust.
- Geltungsbereich: Vom Zuschnitt über den Versand bis zur Nutzung, insbesondere bei empfindlichen Inhalten und wechselnden Umgebungen.
- Abgrenzung: Gezielte Entlüftung ist kein unkontrollierter Luftaustritt, sondern eine geplante, konstruktive Funktion.
- Messgrößen: Offene Fläche in Prozent, Lochdurchmesser und -abstand, freier Querschnitt, Position zur Wellenrichtung, erwartete Luftwechselrate unter definierten Klimabedingungen.
- Schnittstellen: Materialauswahl (Papiere, Barrieren), Supply-Chain-Anforderungen (Kühlkette, Temperatursprünge) und Packgutausprägung (Empfindlichkeit gegenüber Feuchte, Staub, Druck).
Funktionsweise der gezielten Entlüftung
Die Realisierung einer gezielten Entlüftung erfolgt über das Design von Ventilationsöffnungen und die Integration geeigneter Elemente in die Konstruktion. Dazu zählen gestanzte Löcher, Lüftungsschlitze, definierte Ausklinkungen, aber auch konstruktive Luftkanäle entlang der Wellenrichtung oder in Deckelkonstruktionen. Diese Mechanismen erlauben eine kontrollierte Entlüftung und gewährleisten dadurch eine verlässliche Performance des Packmittels unter realen Einsatzbedingungen. Ergänzend spielen physikalische Effekte wie Diffusion, freie und erzwungene Konvektion sowie der Taupunktverlauf im Packraum eine Rolle; das Design der Öffnungen steuert diese Effekte in gewünschte Bahnen.
In der Produktion von Wellpappe wird die gezielte Entlüftung häufig durch Öffnungen im Material umgesetzt, die einen kontinuierlichen Luftstrom ermöglichen. Entscheidend sind dabei die Größe, Anzahl und Verteilung der Öffnungen (offene Fläche), ihre Position im Zuschnitt sowie die Orientierung zur Wellenrichtung. Eine gleichmäßige Verteilung vermeidet lokale Schwächungen, während gezielt platzierte Schlitzungen den Abtransport warmer, feuchter Luft begünstigen. Ausführliche Erläuterungen zur Ausführliche Erläuterungen zur Perforation und ihren Funktionen bieten hierfür einen wichtigen technischen Bezug. Zusätzlich beeinflussen Papierfeuchte, Oberflächenbehandlungen und die Wasserdampfdurchlässigkeit (WVTR) der eingesetzten Materialien den notwendigen Entlüftungsgrad.
Passive und aktive Entlüftung
In Wellpappanwendungen dominieren passive Lösungen: Öffnungen erlauben Luft und Dampf auf natürlichem Weg zu entweichen. In Sonderfällen können aktive Mechanismen (z. B. einseitige Ventilfunktionen in Verbundlösungen) ergänzt werden, die den Austritt begünstigen und den Eintritt von Umgebungsluft begrenzen. Für standardisierte Faltkisten und Stanzverpackungen hat sich die passive, konstruktive Entlüftung bewährt. In thermisch sensiblen Prozessen kann der passive Ansatz mit prozessseitiger Luftführung (z. B. Kaltluftströme in Kühlräumen) kombiniert werden, um eine reproduzierbare Durchströmung zu erzielen.
Konstruktive Umsetzung und Fertigung
Die Umsetzung erfolgt typischerweise im Stanzprozess: Werkzeuge erzeugen runde oder längliche Öffnungen, die im CAD so platziert sind, dass sie Funktion (Luftaustausch) und Mechanik (Festigkeit, Rillbarkeit, Klebung) in Einklang bringen. Wichtige Faktoren:
- Öffnungsgeometrie: Rundlöcher (robust, geringes Rissrisiko) oder Schlitze (gerichteter Luftstrom, platzsparend).
- Randabstände: Ausreichender Abstand zu Rillungen, Klebelaschen und Kanten, um Einrisse zu vermeiden.
- Wellenlage: Ausrichtung der Öffnungen zur Flöte beeinflusst Kanten- und Flächenfestigkeit.
- Beschichtungen: Lacke, Kaschierungen oder Barrierepapiere können die Durchlässigkeit mindern; die Entlüftung ist darauf abzustimmen.
- Stanzverfahren: Rotations- vs. Flachbettstanzen beeinflussen Schnittqualität, Gratbildung und Maßhaltigkeit der Ventilationsöffnungen.
- Qualität der Schnittkanten: Saubere Schnittbilder reduzieren Faserstaub und minimieren Anrissrisiken an Öffnungsrändern.
Dimensionierung und Auslegung
Auswirkungen auf Festigkeit und Schutz
Jede Öffnung verändert die Struktur. Daher ist der Zusammenhang mit ECT/BCT-Performance, Kantenstabilität und Stapelfestigkeit zu berücksichtigen. Durch geeignete Dimensionierung (geringe offene Fläche, verteilt statt konzentriert) und klug gesetzte Stanzbilder lassen sich gute Luftaustauschwerte mit ausreichender mechanischer Belastbarkeit verbinden. Wo Staubschutz wichtig ist, können kleinere Öffnungen oder innenliegende Abdeckungen die Balance zwischen Luftaustausch und Partikelschutz verbessern. In sensiblen Anwendungen hilft ein zweistufiges Vorgehen: erst Validierung der Luftwechselrate, anschließend mechanische Verifikation unter klimatischen Extremwerten.
Normen, Prüfverfahren und Validierung
Die Wirksamkeit der gezielten Entlüftung wird idealerweise unter standardisierten Bedingungen nachgewiesen. Üblich sind Konditionierungen im Standardklima (z. B. 23 °C/50 % r. F.) und in erweiterten Klimaprofilen (z. B. 30 °C/70 % r. F. oder 38 °C/90 % r. F.). Mechanisch werden ECT (z. B. nach EN ISO 3037) und BCT (z. B. nach ISO 12048) berücksichtigt, ergänzt durch Fall-, Schwingungs- und Druckwechselprüfungen, je nach Anwendungsfall. Für papier- und wellpappenbasierte Materialien ist die Beachtung relevanter Normen und Prüfmethoden zum Feuchteverhalten und zur Dimensionsstabilität sinnvoll, um den Einfluss der Entlüftungsöffnungen ganzheitlich zu bewerten.
Anwendungsbereiche von gezielter Entlüftung in Verpackungen
Die Methoden der gezielten Entlüftung sind vielseitig und spielen in diversen Anwendungsbereichen eine signifikante Rolle. In der Lebensmittelverpackung unterstützt sie die Feuchtigkeitskontrolle und trägt zur Erhaltung der Produktsensorik bei. Ebenso sind industrielle und logistische Anwendungen verbreitet, in denen sich Temperatursprünge und klimatische Wechsel auf das Packgut auswirken. Auch in der temperaturgeführten Distribution (Kühl- und Tiefkühlketten) hilft die konstruktive Ventilation, ein ausgeglichenes Mikroklima in der Verpackung zu etablieren.
- Frischeprodukte (z. B. Obst und Gemüse): Ventilationsöffnungen fördern den Luftaustausch, verringern Kondensation und unterstützen die Kaltluftzirkulation in Kühlketten.
- Backwaren: Nach dem Abkühlen abgeleitete Restfeuchte reduziert die Gefahr aufgeweichter Oberflächen.
- Elektronik: Kontrollierte Entlüftung minimiert Kondenswasserbildung bei Temperaturschwankungen, oft in Kombination mit Trockenmitteln.
- Logistik und Distribution: Temperaturangepasste Wareneingangsprozesse profitieren von Verpackungen, die Druckspitzen und Feuchtigkeitsspitzen zügig ausgleichen.
- Pharmazeutische Güter: Stabilisierung des Packraumklimas unterstützt die Einhaltung definierter Temperatur- und Feuchtebereiche entlang der Prozesskette.
- Industriegüter: In korrosionskritischen Umgebungen kann die Entlüftung mit geeigneten Schutzkonzepten (z. B. Trockenmittel, Barrierepapiere) kombiniert werden.
Je nach Branche variieren die Anforderungen: Während Frischelogistik eine aktive Luftzirkulation in Lager- und Transportphasen benötigt, stehen bei Industriegütern häufig Korrosionsschutz, Staubschutz und Stabilität im Vordergrund. Entsprechend sind Öffnungsgrößen, -anzahl und -positionen auf Produkt, Prozess und Umgebungsbedingungen abzustimmen. Für mehrlagige Verpackungssysteme (Innen- und Außenverpackung) ist eine aufeinander abgestimmte Ventilationsstrategie sinnvoll, damit Luftpfade nicht durch innere Einlagen, Polster oder Etiketten blockiert werden.
Planung, Berechnung und Umsetzung
Die systematische Auslegung beginnt mit einem Anforderungsprofil: Klimadaten der Supply Chain, zulässige Feuchte- und Temperaturbereiche, mechanische Belastungen und Packguteigenschaften. Daraus werden Zielwerte für Luftwechsel und offene Fläche abgeleitet. Anschließend folgen CAD-Layout, Prototypenbau und Validierung in Klimakammer- und Handlingsversuchen. Iteratives Feintuning der Öffnungspositionen, Durchmesser und Schlitzlängen sichert die Funktion, ohne kritische Zonen (Rillungen, Klebungen, Tragegriffe) zu schwächen. Die finale Freigabe basiert auf kombinierten Ergebnissen aus Klima-, Funktions- und Festigkeitsprüfungen.
Nachhaltigkeits- und Recyclingaspekte
Gezielte Entlüftung ist mit Wellpappe als recyclingfähigem Packstoff gut vereinbar. Stanzungen beeinflussen die Sortenreinheit nicht, müssen jedoch so gestaltet sein, dass keine unnötige Faserfeinanteilsbildung entsteht. Durch eine bedarfsgerechte Ventilation lässt sich das Risiko feuchtebedingter Schäden verringern, was Wiederverwendbarkeit und Materialeffizienz unterstützen kann. Bei Barrierekaschierungen ist zu prüfen, inwieweit Öffnungen die Funktion der Beschichtung beeinflussen und ob alternative, materialeffiziente Konzepte eine ausgewogene Bilanz zwischen Schutz, Luftaustausch und Wiederaufbereitung ermöglichen.
Vor- und Nachteile von gezielter Entlüftung
Die gezielte Entlüftung bietet eine Reihe von Vorteilen. Einer der bedeutendsten ist die Erhöhung der Qualität und Haltbarkeit der Verpackungsprodukte. Sie trägt zur Feuchtigkeitskontrolle bei und beugt der Entstehung von Schimmelpilzen vor. Zudem ermöglicht eine gezielte Entlüftung ein stabiles Verpackungsumfeld, das verhindert, dass das Produkt während des Transports beschädigt oder verformt wird. Darüber hinaus kann durch Druckausgleich und definierte Luftpfade die Materialbeanspruchung reduziert werden, was sich positiv auf die Maßhaltigkeit und die Stapelfähigkeit im realen Betrieb auswirken kann.
Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Hürden und Schwierigkeiten. Die Implementierung von Entlüftungssystemen in der Verpackungserstellung kann zusätzliche Kosten und Herausforderungen mit sich bringen. Darüber hinaus kann eine übermäßige Entlüftung in manchen Fällen unerwünschte Effekte haben, wie den Verlust von Frische bei Lebensmitteln oder die Vergrößerung der Gefahr von Kontamination durch externe Elemente. Daher muss eine angemessene Balance zwischen Kosteneffizienz und Qualitätssicherung erreicht werden. In regulierten Bereichen (z. B. Lebensmittelkontakt) sind zudem Anforderungen an Hygiene, Partikelemission und Oberflächenbeschaffenheit zu beachten.
- Vorteile: Geringere Kondensation, verbesserter Druckausgleich, stabileres Mikroklima, weniger Materialverzug, potenziell reduzierte Reklamationsraten bei klimatischen Schwankungen.
- Herausforderungen: Einfluss auf Festigkeit (z. B. Stapeldruck), moderater Mehraufwand im Stanzwerkzeug, möglicher Partikeleintrag bei zu großen Öffnungen, Abstimmungsbedarf mit Beschichtungen und Klebungen.
- Auslegung: Offene Fläche minimieren und intelligent verteilen, kritische Zonen (Kanten, Rillungen, Klebung) schützen, Praxistests unter realistischen Klima- und Belastungsprofilen durchführen.
- Validierung: Kombination aus Klimatests, mechanischen Prüfungen (ECT/BCT) und Funktionsnachweisen im geplanten Logistikprozess erhöht die Robustheit der Auslegung.
Zusammenfassung:
- Gezielte Entlüftung ist eine Methode, die es erlaubt, Luft aus Verpackungen, wie zum Beispiel aus Verpackungen aus Wellpappe, effizient zu entfernen.
- Diese Technik verbessert die Stabilität und die Qualität der Verpackung und ist besonders geeignet für Produkte, die vor Druck und Feuchtigkeit geschützt werden müssen.
- Unternehmen, die mit Wellpappe arbeiten, profitieren von gezielter Entlüftung, da es hilft, Lagerkosten zu sparen und den Transport von Produkten zu optimieren.
- Die Umsetzung erfolgt konstruktiv durch definierte Öffnungen, Schlitze oder Ausstanzungen, deren Größe, Anzahl und Position gezielt auf Produkt, Prozess und Klima ausgelegt werden.
- Vorteile und Risiken sind abzuwägen: Ausreichender Luftaustausch ohne übermäßige Schwächung der Struktur und ohne unerwünschten Partikeleintrag.
- Praxistests unter realen Umweltbedingungen sind zentral, um Druckausgleich, Feuchtemanagement und mechanische Stabilität zuverlässig zu kombinieren.
- Eine normnahe Validierung (Konditionierung, ECT/BCT, Funktionsprüfung) sowie die Berücksichtigung von Recyclingaspekten runden die Auslegung ab.
Veröffentlicht am 22.07.2024
Letzte Überarbeitung am 05.09.2025 um 17:04 Uhr von Sebastian Würth