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Nassklebestreifen
Im Bereich der Verpackungstechnologien haben sich Nassklebestreifen als zuverlässige, robuste und gut planbare Methode zum sicheren Verschluss von Wellpappkartons etabliert. In globalen Lieferketten tragen wasseraktivierte Papierklebebänder dazu bei, Transportgüter ordnungsgemäß zu verschließen, Manipulationen sichtbar zu machen und Prozesse in der Versandvorbereitung reproduzierbar zu halten. Durch den Faserverbund zwischen Klebstoff und Kartonoberfläche bleibt die Verschlussnaht auch bei wechselnden Klimabedingungen und mechanischer Beanspruchung in der Regel stabil, was die Transportsicherheit von Packgütern aus Wellpappe nachhaltig unterstützt.
Definition: Was versteht man unter Nassklebestreifen?
Ein Nassklebestreifen, in manchen Kontexten auch als Feuchtklebestreifen oder gummiertes Papierband bezeichnet, ist ein Papierklebeband mit einem Klebstoff, der durch Befeuchtung aktiviert wird. Nach der Aktivierung quillt die Klebstoffschicht an, entwickelt eine hohe Anfangshaftung und geht eine feste, formschlüssige Verbindung mit der Oberflächenstruktur der Wellpappe ein, indem sie in die Papierfasern eindringt. Nach dem Trocknen entsteht eine dauerhafte Haftung, die sich besonders für den Verschluss von Versandkartons und anderen Kartonagen eignet und eine manipulationsanzeigende Wirkung (Faserausriss bei Öffnungsversuchen) entfalten kann.
- Trägermaterial: meist Kraftpapier in braun oder weiß, optional mehrlagig; in der Regel mit hoher Faserlänge für gute Reißfestigkeit und saubere Bedruckbarkeit.
- Klebstoffsystem: wasseraktivierte Klebstoffe auf Stärke- oder Dextrinbasis, teils modifiziert für definierte Nassklebekraft und schnelle Trocknung.
- Verbundwirkung: Faserankerung zwischen Klebstoff und Kartonoberfläche nach dem Trocknen; die Naht wird dadurch schwer zerstörungsfrei lösbar.
- Varianten: unverstärkt oder fadenverstärkt (z. B. mit eingelegten Glasfaserfäden) für höhere Reißfestigkeit und Weiterreißwiderstand.
- Sicherheitsmerkmale: optional mit Warn- oder Hinweisdruck, der Manipulationen deutlicher sichtbar macht und Prozesse standardisiert.
Einsatzgebiete und Anwendung von Nassklebestreifen
Nassklebestreifen werden in der Verpackungs- und Logistikbranche zum Verschließen von Umverpackungen eingesetzt, etwa im E‑Commerce, im industriellen Ersatzteilversand, im Archivbereich sowie im Export. Die papierbasierte Klebetechnik eignet sich insbesondere für Wellpappkartons, deren Fasern die Haftung unterstützen. In palettierten Sendungen tragen sicher verschlossene Kartons zum stabilen Verbund bei. Weiterführendes Hintergrundwissen zu Pappkartons und deren Eigenschaften unterstützt die Auswahl passender Kartonqualitäten für den Tape‑Einsatz. Auch in Bereichen mit hohem Dokumentationsbedarf (z. B. Ersatzteile mit Seriennummern) werden Nassklebestreifen genutzt, da sich Hinweise, Piktogramme oder fortlaufende Nummern gut auf das Papier drucken lassen. Für glatte, nicht saugende Oberflächen oder Folienumhüllungen sind hingegen ergänzende Maßnahmen erforderlich.
- Typische Verschlussarten: Längsnahtverklebung, Querbanderung und die H-Naht für den Versand; bei erhöhtem Sicherungsbedarf kommt häufig eine Doppel-H-Naht mit verlängertem Kantenübergriff zum Einsatz.
- Besondere Anwendungen: fadenverstärkte Streifen bei höherem Gewicht oder längeren Transportwegen; individualisierte Vordrucke zur Kennzeichnung, Chargenverwaltung oder zur visuellen Prozessführung.
Praktische Verarbeitungsschritte
- Oberflächen prüfen: Kartonstaub und lose Fasern nach Möglichkeit entfernen, beschädigte Kanten glätten und die Faltkanten auf ausreichende Stabilität kontrollieren.
- Streifenlänge bemessen: Naht vollständig abdecken, Enden über Kanten führen und eine ausreichende Überlappung (typisch mehrere Zentimeter je Seite) vorsehen.
- Klebstoff aktivieren: Streifen gleichmäßig befeuchten (nicht übernässen), gleichbleibende Wasserqualität und -temperatur sicherstellen.
- Auflegen und anreiben: Von der Mitte zu den Rändern mit Druck anstreichen, Blasenbildung vermeiden und insbesondere an Kanten zusätzlichen Druck ausüben.
- Kanten sauber umlegen: Enden an Stirnseiten fest andrücken und trocknen lassen; bis zur vollständigen Trocknung mechanische Belastungen der Naht reduzieren.
Herstellung und Materialien von Nassklebestreifen
Für die Herstellung wird überwiegend Kraftpapier eingesetzt, das sich durch gute Reißfestigkeit, Faserlänge und bedruckbare Oberflächen auszeichnet. Der wasseraktivierte Klebstoff basiert häufig auf Stärke oder Dextrin. Diese Systeme sind papierkompatibel, dringen in die Faserstruktur ein und unterstützen so den Faserverbund mit Wellpappe. Bei fadenverstärkten Ausführungen werden in Längs- und/oder Diagonalrichtung Fäden in die Papierlage eingearbeitet, um die Weiterreißfestigkeit des Streifens zu erhöhen. Optional sind Vordrucke (z. B. Hinweise oder Nummerierungen) möglich, ohne die Klebfunktion zu beeinträchtigen. Je nach Anforderung können Papiergrammatur, Klebstoffauftrag und Fadenmuster so gewählt werden, dass sich ein ausgewogenes Verhältnis aus Reißfestigkeit, Verarbeitbarkeit und Druckbild ergibt.
- Papiergrammaturen: je nach Anforderung an Reißfestigkeit, Kantenstabilität und Bedruckbarkeit; höhere Grammaturen steigern die Robustheit und beeinflussen die Falteigenschaften.
- Verstärkungsgrad: unverstärkt, längsverstärkt oder kreuzverstärkt für höhere Lastfälle, längere Transportwege oder erhöhte Stoßbelastungen.
- Farbigkeit: braun für unauffällige Optik, weiß für kontrastreiche Druckbilder und eine gut lesbare Kennzeichnung.
- Klebstoffdetails: definierter Auftrag für gleichmäßige Benetzung; Rezepturanpassungen können die Nassfestigkeit, Trocknungszeit und die Anfangshaftung beeinflussen.
Vor- und Nachteile von Nassklebestreifen
Der Einsatz von Nassklebestreifen bringt eine Reihe sachlicher Vorteile mit sich und erfordert zugleich eine angepasste Verarbeitungstechnik. Die folgende Gegenüberstellung dient als Orientierung:
- Vorteile:
- Fester Verbund mit Papierfasern, dadurch sicherer Kartonverschluss und schwer zerstörungsfrei lösbare Nähte.
- Manipulationsanzeigend: Öffnungsversuche hinterlassen sichtbare Spuren (Faserausriss, Beschädigung des Kartons).
- Gute Performance auf Recyclingpappe und staubigen Oberflächen im Vergleich zu druckempfindlichen Folienbändern.
- Papierbasiertes System, das zusammen mit dem Karton entsorgt werden kann, ohne den Kreislauf unnötig zu belasten.
- Angenehme Verarbeitung mit geringer Geräuschentwicklung beim Abrollen aus geeigneten Spendern.
- Beschrift- und bedruckbar, wodurch Kennzeichnungen, Piktogramme und Hinweise klar und dauerhaft abgebildet werden.
- Nachteile:
- Befeuchtung erforderlich; es wird ein manueller oder elektrischer Spender benötigt.
- Verarbeitungsgeschwindigkeit abhängig von Gerät, Routine und Trocknungszeit.
- Empfindlich gegenüber Übernässung; zu viel Wasser kann zu Wellenbildung oder veränderter Planlage führen.
- Haftet nicht auf Folien oder glatten, nicht saugenden Substraten ohne zusätzliche Maßnahmen (z. B. Oberflächenvorbereitung).
- Während der Trocknungsphase ist die Naht mechanisch anfälliger und sollte nicht sofort hoch belastet werden.
Varianten, Formate und Einsatzkriterien
Die passende Ausführung richtet sich nach Kartonqualität, Gewicht des Inhalts, Transportweg und Prozessvorgaben. Wichtige Auswahlkriterien sind:
- Reiß- und Weiterreißfestigkeit: abhängig von Papiergrammatur und ggf. Fadenverstärkung; für höhere Gewichte sind kreuzverstärkte Varianten sinnvoll.
- Klebstoffauftrag: gleichmäßige Benetzung und definierte Aktivierung für reproduzierbare Haftung; ausreichender Auftrag erleichtert den Faserverbund.
- Breite und Länge: abgestimmt auf Kartongrößen und bevorzugte Verschlussart (z. B. H‑Naht); ausreichender Kantenübergriff ist einzuplanen.
- Bedruckbarkeit: Hinweise, Piktogramme oder Kennzeichnungen zur Prozesssicherheit und zur eindeutigen Packmittelzuordnung.
- Kompatibilität mit Spendern: manuelle Tischgeräte oder elektronische Längenvorwahlspender; Rollenmaße (Breite, Kerndurchmesser, Lauflänge) beachten.
- Klimabedingungen: Einsatzumgebung (Temperatur, Luftfeuchte) und Lagerklima berücksichtigen, um Trocknung und Haftung stabil zu halten.
Verarbeitungstechnik und Geräte
Für die Aktivierung werden Nassklebebandspender eingesetzt. Manuelle Spender befeuchten beim Abziehen die Klebstoffschicht über eine Wasserwanne und Auftragwalze. Elektrische Spender dosieren definierte Längen und sorgen für gleichmäßige Benetzung, was die Prozesssicherheit in Serienanwendungen erhöht. Ein ausreichender Anpressdruck nach dem Auflegen ist wichtig, damit der Klebstoff die Fasern gut erreicht. Eine konstante Wasserqualität (sauber, frei von Schmutzpartikeln) sowie eine sachgerechte Einstellung der Befeuchtungswalzen unterstützen die gleichmäßige Aktivierung. In kühler Umgebung kann eine leicht erhöhte Wassertemperatur die Anfangshaftung fördern; zu heißes Wasser ist jedoch zu vermeiden.
Lagerung, Handhabung und Haltbarkeit
Nassklebestreifen sollten trocken, staubgeschützt und bei moderaten Temperaturen aufbewahrt werden. Vor direkter Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchte ist zu schützen. Ungeöffnete Gebinde werden nach dem First‑In‑First‑Out‑Prinzip verarbeitet. Während der Nutzung ist auf sauberes Wasser im Spender und auf regelmäßig gereinigte Befeuchtungswalzen zu achten, damit Benetzung und Klebkraft konstant bleiben. Bei längerer Stillstandszeit empfiehlt sich das Entleeren der Wasserwanne und das Reinigen der Komponenten, um Ablagerungen oder Verkeimung zu vermeiden. Die Haltbarkeit hängt von Papier, Klebstoff und Lagerklima ab; sachgerechte Lagerung stabilisiert die Eigenschaften bis zur Verarbeitung.
Nachhaltigkeitsaspekte und Entsorgung
Da Träger und Klebstoff auf Papier- bzw. Stärkebasis beruhen, entsteht im Verschluss ein weitgehend sortenreiner Papierverbund. Karton und Tape können gemeinsam dem Altpapierstrom zugeführt werden, ohne dass ein separates Entfernen des Streifens notwendig ist. Bedruckungen und Verstärkungsfäden sind je nach Ausführung zu berücksichtigen; in der Praxis wird der überwiegende Teil der eingesetzten Varianten zusammen mit dem Karton recycelt. Der Faserverbund erleichtert zudem die eindeutige Zuordnung zum Papierkreislauf. Wo verfügbar, kann die Wahl geeigneter Papierqualitäten (z. B. mit definiertem Faseranteil) die Kreislauffähigkeit weiter unterstützen.
Vergleich zu druckempfindlichen Folienklebebändern
Im Unterschied zu PP- oder PVC-Bändern, die ohne Wasser durch Anpressdruck haften, bilden Nassklebestreifen nach der Aktivierung einen Faserverbund mit der Kartonoberfläche. Dies begünstigt eine beständige Naht und eine sichtbare Manipulationsanzeige. Druckempfindliche Bänder eignen sich dafür besser für glatte, nicht saugende Substrate. Die Wahl des Systems hängt vom Substrat, vom Prozess und von Anforderungen an Diebstahlschutz, Geräuschentwicklung, klimatische Einflüsse und Recyclingfreundlichkeit ab. In der Praxis werden beide Systeme teils parallel genutzt, abhängig von Packgut, Kartonqualität und Prozessparametern.
Häufige Fehlerquellen und Praxis-Tipps
- Zu geringe Befeuchtung: führt zu unvollständiger Aktivierung und reduzierter Haftung; Wasserzufuhr und Walzeneinstellung prüfen.
- Übernässung: kann zu Wellen oder verzögerter Trocknung führen; Wasser gleichmäßig dosieren und Anpressdruck anpassen.
- Unzureichender Anpressdruck: verringert den Faserverbund; Naht sorgfältig anreiben und Kantenbereiche gezielt nacharbeiten.
- Kalte Umgebung: längere Trocknungszeiten einplanen und ggf. mittels Druck länger anlegen; Zugluft vermeiden.
- Falsche Breite: zu schmale Streifen decken die Naht nicht sicher ab; Breite an Kartonmaß und Verschlussmuster anpassen.
- Zu kurze Überlappung: unzureichender Kantenübergriff gefährdet die Nahtintegrität; ausreichende Überdeckung sicherstellen.
- Verschmutzte Spender: verunreinigte Wasserwannen oder Walzen beeinträchtigen die Benetzung; regelmäßige Reinigung einplanen.
Normen, Prüfverfahren und Qualitätskontrolle
Für einen stabilen Verpackungsprozess sind dokumentierte Prüfungen und wiederkehrende Kontrollen sinnvoll. Üblich sind Schäl- und Scherversuche an verklebten Kartonmustern, Klimaprüfungen (wechselnde Temperatur und Luftfeuchte) sowie Fall- und Vibrationsbelastungen an fertig verschlossenen Kartons. In der Linie können einfache Schnelltests, etwa Anriebskontrollen an der Naht, visuelle Inspektionen (Blasen, Falten, Kantenauflage) und Stichproben mit definierten Öffnungskräften eingesetzt werden. Eine nachvollziehbare Längen- und Wasser-Dosierung am Spender unterstützt die Reproduzierbarkeit.
Dimensionierung und Berechnung der Streifenlänge
Die Streifenbreite orientiert sich an Nahtbild, Kartonqualität und gewünschtem Kantenübergriff. Für Standardversandkartons haben sich Breiten im Bereich von etwa 60–80 mm bewährt; bei höheren Lasten oder großen Kisten werden häufig breitere und verstärkte Varianten gewählt. Die Streifenlänge ergibt sich aus der Nahtlänge zuzüglich der vorgesehenen Überlappungen über die Stirnseitenkanten.
Beispielrechnung H‑Naht
Bei einem Karton mit den Abmessungen 400 × 300 × 200 mm (L × B × H) umfasst die H‑Naht einen Längsstreifen in Kartonlängsrichtung sowie zwei Querstreifen über die Stirnseiten. Der Längsstreifen sollte die gesamte Deckelnaht abdecken und an beiden Stirnseiten mehrere Zentimeter übergreifen. Die beiden Querstreifen werden mittig über den Stirnseiten aufgebracht und greifen seitlich jeweils über die Kanten. So entsteht eine mechanisch stabile, manipulationsanzeigende Verschlussgeometrie mit hohem Kantenhalt.
Ergonomie und Arbeitssicherheit
Für ein sauberes Arbeitsergebnis und ergonomisches Handling sollten Spender standfest aufgestellt, Zugswege frei gehalten und Anreibwerkzeuge griffbereit platziert werden. Handschutz bei hoher Taktzahl kann sinnvoll sein. Spritzwasser am Arbeitsplatz ist zu vermeiden; bei elektrischen Spendern sind die Betriebsanweisungen zu beachten.
Zusammenfassung:
- Nassklebestreifen sind nützlich beim Verschluss von Verpackungen aus Wellpappe, weil sie durch Feuchtigkeitskontakt dauerhaft haften und einen festen Faserverbund bilden.
- Diese Haftstreifen sind papierbasiert und bestehen oft aus Kraftpapier mit stärkehaltigem Klebstoff, was ihre Nutzung zusammen mit Kartonverpackungen praktikabel macht.
- Sie gewährleisten einen beständigen Verschluss und machen Öffnungsversuche sichtbar, was sie zu einer geeigneten Lösung für Unternehmen mit erhöhten Anforderungen an Prozess- und Transportsicherheit macht.
- Die richtige Auswahl (unverstärkt oder fadenverstärkt), passende Breite und eine kontrollierte Befeuchtung sind entscheidend für reproduzierbare Ergebnisse.
- In der Praxis unterstützt eine H‑Naht-Verklebung den sicheren Versand, insbesondere bei häufig wechselnden Kartongrößen und längeren Transportwegen.
- Die Berücksichtigung von Kartonqualität, Klimabedingungen und Spendertechnik erhöht die Prozesssicherheit und die Qualität der Verschlussnaht.
Veröffentlicht am 29.07.2024
Letzte Überarbeitung am 05.01.2026 um 12:27 Uhr von Manuel Hofacker