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Wellpappkartons

Im Rahmen von Verpackungsbedürfnissen genießen Wellpappkartons einen hohen Stellenwert. Ihre Flexibilität, ökologische Verträglichkeit und Wirtschaftlichkeit machen sie zu einer bevorzugten Wahl für Geschäftsorganisationen. Sie vereinen materialeffiziente Konstruktion mit zuverlässigen Schutzeigenschaften, sind breit verfügbar und lassen sich in nahezu allen Lieferkettenprozessen einsetzen - vom Wareneingang bis zum Retourenmanagement. In Kombination mit standardisierten Formaten und klar definierten Spezifikationen erleichtern sie die Planung in Beschaffung, Produktion und Distribution.

Sie verbinden ein geringes Eigengewicht mit hoher Tragfähigkeit und schützen Güter zuverlässig entlang der gesamten Lieferkette - von der Kommissionierung über den Transport bis zur Lagerung. Dank standardisierter Bauarten und vielfältiger Zuschnittsformen lassen sich Wellpappkartons auf unterschiedliche Inhalte, Belastungen und logistische Prozesse abstimmen. Durch definierte Maße, geeignete Wellenarten und abgestimmte Papierqualitäten lassen sich Packprozesse automatisieren, Materialverbrauch reduzieren und Transportschäden nachhaltig minimieren. Ergänzend senken passgenaue Abmessungen, optimierte Palettenraster und stabile Abschlüsse die Frachtkosten pro Sendung und erhöhen die Prozesssicherheit in automatisierten Anlagen.

Definition: Was versteht man unter Wellpappkartons?

Wellpappkartons sind eine Art von Verpackungsmaterial, das aus Wellpappe hergestellt wird. Die Wellpappe besteht aus mindestens einem wellenförmigen Papier (Wellenpapier/Medium) und einem glatten Papier (Deckenpapier/Liner), die mittels Stärkeleim dauerhaft miteinander verbunden werden. Diese Konstruktion bietet eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht und ermöglicht eine effiziente, ressourcenschonende Verpackungsgestaltung. Je nach Einsatzzweck kommen ungebleichte, rezyklatbasierte Testliner oder besonders tragfähige Kraftliner zum Einsatz.

Im Kern unterscheiden sich Wellpappkartons durch Aufbau und Wellenart. Man spricht von einwelligen, zweiwelligen oder dreiwelligen Qualitäten. Die Kombination aus Deckenpapier (Liner) und Wellenpapier (Medium) bestimmt Eigenschaften wie Kantenstauchwiderstand (ECT), Durchstoßfestigkeit und Stapelstabilität (BCT). Gängige Wellen sind z. B. E‑, B‑ und C‑Welle sowie Kombinationen wie BC‑ oder EB‑Welle; die Wellenhöhen bewegen sich typischerweise von Mikrowellen (E) um ca. 1,5 mm bis zu C‑Wellen um ca. 4 mm. Mehrwellige Qualitäten werden für höhere Belastungen oder größere Packgüter eingesetzt. Für flache Produkte oder hochwertige Bedruckung werden mitunter feinere Wellen wie die F‑Welle gewählt.

Wellpappkartons werden in vielen Grundformen gefertigt. Sehr verbreitet sind klassische Faltkartons (z. B. mit Boden- und Deckelklappen) sowie Stanzverpackungen mit definierter Kontur und integrierten Verschluss- oder Polsterelementen. Die Auswahl der Papiersorten, Flächengewichte und Abmessungen erfolgt in Abhängigkeit vom Packgut, der Transportdauer und den erwarteten mechanischen Belastungen. Zusätzlich beeinflussen Faktoren wie Faserrichtung, Rillgeometrie und Verschlussmittel die Leistung im praktischen Einsatz. Design-for-Logistics-Ansätze berücksichtigen dabei auch Scannerlesbarkeit, Füllgrade und Vorgaben aus Kommissionier- sowie Fördersystemen.

Produktion und Verarbeitung von Wellpappkartons?

Während der Herstellung von Wellpappkartons kommt eine Maschine namens Wellpappenanlage zum Einsatz. Diese presst das Wellenpapier zwischen vorgeheizte Riffelwalzen, formt die charakteristische Welle und kaschiert sie mit einem Deckenpapier; anschließend wird auf der Doppellaufmaschine die zweite Decke aufgebracht. Die verschiedenen Schichten tragen zur Stabilität und Beständigkeit des Endprodukts bei. Nach dem Formungsprozess werden die Kartonagen entsprechend dem Bedarf zugeschnitten, gerillt, geschlitzt, gestanzt und zu Schachteln weiterverarbeitet.

Die Fertigung umfasst im Wesentlichen die Schritte Papierzuführung, Befeuchtung und Erwärmung, Wellenbildung am Einzelwellenaggregat (Single Facer), Verkleben mit Stärkeleim, Trocknung im Trockengang sowie Zuschnitt am Slitter‑Scorer. Eine präzise Steuerung von Temperatur und Feuchte ist entscheidend, um Planlage, Festigkeit und ein konstantes Qualitätsniveau zu gewährleisten. Die Wahl des Klebstoffs (meist auf Stärke- oder Pflanzenbasis mit geeigneten Additiven) beeinflusst Verarbeitungsgeschwindigkeit und Bindefestigkeit zwischen Welle und Decke. Produktionsparameter wie Bahngeschwindigkeit, Pressdruck und Leimauftrag wirken sich unmittelbar auf ECT, Ebenheit und Rillbarkeit aus. Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung und der Einsatz prozessbegleitender Messsysteme verbessern Qualität, Kostenstruktur und ökologische Bilanz gleichermaßen.

Weiterverarbeitung

In nachgelagerten Prozessen werden Zuschnitte gerillt, geschlitzt, gestanzt und geklebt. Dadurch entstehen Faltkartons mit definierten Kanten, Stanzverpackungen mit Aussparungen, Grifföffnungen oder Perforationen für das leichte Öffnen. Je nach Anforderung kommen ein-, zwei- oder mehrpunktgeklebte Konstruktionen zum Einsatz. Für die Kommunikation und Kennzeichnung werden häufig Flexodruck (Postprint, auch HQPP), Offsetkaschierung (Preprint) oder Digitaldruck genutzt. Oberflächenbehandlungen wie Dispersionslacke oder Schutzlacke können die Abriebfestigkeit erhöhen, ohne die Recyclingfähigkeit wesentlich zu beeinträchtigen. Variable Daten, 2D-Codes und late-stage Customization sind im Digitaldruck effizient umsetzbar.

Qualitätskriterien

Wesentliche Kennwerte sind u. a. ECT (Kantenstauchwiderstand), BCT (Stapelstauchwiderstand der fertigen Schachtel), Flächengewichte der Papiere, Feuchtegehalt sowie Toleranzen bei Rillung und Zuschnitt. Diese Parameter sichern eine reproduzierbare Performance im Versand und in der Lagerlogistik. Ergänzend werden Berstfestigkeit, Durchstoßwiderstand, Cobb‑Wert (Wasseraufnahme), Klebefestigkeit sowie Rillkraft bewertet. Typische Maßtoleranzen liegen - abhängig von Format und Prozess - im Millimeterbereich; klimatische Konditionierung (z. B. 23 °C/50 % r. F.) vor der Prüfung sorgt für vergleichbare Ergebnisse. Für den Paketversand haben sich darüber hinaus standardisierte Prüfprofile (z. B. nach ISTA-Serien für Versandtests) etabliert, um realitätsnahe Belastungen abzubilden.

Automatisierung und Digitalisierung

Inline-Überwachung von Leimauftrag, Bahnzug und Feuchtegehalt, kamerabasierte Registerkontrolle sowie OEE-gestützte Linienoptimierung erhöhen Prozessstabilität und Ausbringung. Datengetriebene Instandhaltung verkürzt Stillstände, während durchgängige Chargenrückverfolgung Qualitätssicherung und Reklamationsmanagement vereinfacht.

Konstruktionsformen und FEFCO‑Codes?

Zur eindeutigen Beschreibung von Wellpappverpackungen dient der FEFCO‑Katalog. Häufige Gruppen sind z. B. 02xx (Faltkisten wie 0201), 03xx (Deckelschachteln), 04xx (Falthüllen und Manschetten), 05xx (Trays), 06xx (Formfeste Schachteln), 07xx (Stanzverpackungen) und 09xx (Inneneinrichtungen). Die Wahl hängt von Packgut, Automatisierungsgrad, Verschlussart (Klebeband, Heftung, Leim) und geforderter Stapelstabilität ab. Shelf-Ready- und Versandhandelslösungen kombinieren schnelle Öffnung mit präsentationsfähigen Fronten und stabilen Transportzonen.

Normen, Maße und Prüfverfahren?

In der Praxis wird zwischen Innenmaß, Nutzmaß und Außenmaß unterschieden, da Wandstärken und Rillungen die räumliche Kapazität beeinflussen. Für belastbare Kennwerte werden Proben klimatisiert (z. B. DIN EN ISO 2233) und nach anerkannten Verfahren geprüft: ECT nach ISO 3037, BCT nach ISO 12048 bzw. ASTM D642, Durchstoß nach ISO 3036, Berstfestigkeit nach ISO 2759, Wasseraufnahme nach ISO 535. Für palettierte Ware empfiehlt sich die Auslegung auf gängige Raster (z. B. 600 × 400 mm, 800 × 600 mm, 1200 × 800 mm), um Flächennutzung und Transportsicherheit zu optimieren. Ergänzend sind Versandsimulationen mit Vibrations-, Stauch- und Falltests üblich, um Packmittelauslegung und Polsterkonzepte abzusichern.

Lagerung, Klima und Handling?

Wellpappkartons sollten trocken, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und auf ebenen Flächen gelagert werden. Empfohlen werden stabile Klimabedingungen (ungefähr 18–23 °C, 50–60 % r. F.) sowie ein ausreichender Akklimatisierungszeitraum vor der Verarbeitung. Stapelhöhen sind an die tatsächliche BCT‑Leistung, die Standzeit und die Palettenqualität anzupassen; Kreuzstapeln, Zwischenlagen und Kantenschutzprofile verbessern die Lastverteilung. Beim Verschließen kommen je nach Anforderung Nassklebeband, PP‑ oder Papierklebeband, Heftung oder Umreifung zum Einsatz; die Wahl beeinflusst Manipulationsschutz, Staubdichtigkeit und Recyclingfreundlichkeit.

  • Zusätzliche Transportsicherung durch Umreifung, Kantenschutz und Antirutsch‑Zwischenlagen
  • Prozesssicherheit durch Kartonaufrichter, Verschließer und Etikettierer in automatisierten Linien
  • Schonendes Handling durch korrektes Aufrichten, saubere Rillungsnutzung und angepasste Füllgrade

Weitere Maßnahmen umfassen trockene Zwischenlagerung nach der Produktion, Vermeidung von Palettenüberhängen sowie First-in-first-out-Strategien zur Minimierung klimabedingter Eigenschaftsänderungen. Kondensationsrisiken bei Temperaturwechseln sollten durch geeignete Folienhauben oder Abdeckungen kontrolliert werden.

Nachhaltigkeit und Recycling?

Wellpappkartons bestehen überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen mit hohem Altpapieranteil und sind vollständig im Papierkreislauf verwertbar. Monomaterial‑Konzepte erleichtern die Sortierung. Wasserbasierte Druckfarben, geeignete Klebstoffe und eine materialeffiziente Konstruktion unterstützen die Kreislaufführung. Maßnahmen wie Right‑Sizing (passgenaue Abmessungen), Gewichtsoptimierung und der Einsatz wiederverwendbarer Innenpolster verringern Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen.

Regulatorischer Rahmen

Aktuelle europäische Vorgaben stärken Recyclingfähigkeit, Vermeidung unnötiger Leer

Veröffentlicht am 28.07.2024
Letzte Überarbeitung am 29.07.2026 um 12:06 Uhr von Julia Kopp

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