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Bodenklappen
Wellpappe hat sich als eines der am weitesten verbreiteten Materialien für Verpackungen etabliert. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Verpackungstechnologie sind die sogenannten Bodenklappen. Diese Elemente spielen eine wichtige Rolle für die Stabilität und Funktionalität einer Wellpappverpackung und stellen die kraftschlüssige Verbindung zwischen Inhalt, Wänden und Auflagefläche her. Durch passende Geometrie und sorgfältige Ausführung unterstützen Bodenklappen eine reproduzierbare Qualität in Hand- und Maschinenprozessen.
Als konstruktives Kernelement übertragen Bodenklappen Kräfte aus dem Inhalt auf die Seitenwände und die Auflagefläche, sichern den Verpackungsinhalt gegen Herausfallen und ermöglichen ein zügiges, prozesssicheres Schließen. Sie beeinflussen darüber hinaus die Stapelstabilität, die Effizienz beim Kommissionieren und das Verhalten beim Transport erheblich. Richtig dimensionierte Klappen reduzieren Kantenbelastungen, verteilen Punktlasten besser über die Bodenfläche und verringern das Risiko von Einbrüchen oder Ausreißern an den Schlitzkanten.
Definition: Was versteht man unter Bodenklappen?
Sprechen wir von Bodenklappen, bezeichnen wir damit die aufklappbaren Teile einer Wellpappkiste, die – zusammengesteckt – den Boden der Kiste bilden. Daher auch die Bezeichnung „Bodenklappen“: Sie setzen den Boden der Verpackung zusammen. Die Vielfalt der gestaltbaren Formen der Bodenklappen ermöglicht zudem eine hohe Flexibilität im Design der Verpackung. Im erweiterten Sinne sind sie Bestandteil vieler Faltkonstruktionen (z. B. bei gängigen FEFCO-Bauarten) und dienen als funktionales Element für Tragfähigkeit, Dichtheit und Handling.
Im engeren Sinn handelt es sich um die unteren, an Rilllinien angeschlagenen Laschen eines Kartons, die beim Aufrichten aneinandergeführt und je nach Ausführung ineinandergesteckt, verklebt, geheftet oder automatisch verriegelt werden. Üblich sind vier Klappen (zwei lange, zwei kurze), deren Überlappung und Geometrie die Bodentragfähigkeit, Dichtheit und Montagezeit maßgeblich bestimmen. Ergänzende Staublaschen oder verstärkte Überlappungen verbessern die Schließqualität, reduzieren Staubeintritte und erhöhen die Flächenauflage.
Grundprinzip und Bestandteile
- Rill- und Schlitzlinien: Definieren die Klappenbreiten, Klappwinkel und die Beweglichkeit beim Falten. Saubere Rillungen verringern Faserbruch und sichern wiederholgenaue Biegefalze, was die Lebensdauer der Faltstellen erhöht.
- Klappenüberlappung: Überdeckungen sorgen für flächige Auflage und verteilen Punktlasten; die Überlappungsbreite beeinflusst die Stabilität. Eine abgestimmte Überdeckung verhindert Spalten, durch die Kleinteile austreten oder Kanten beschädigt werden könnten.
- Verschlussmechanik: Stecklaschen, Automatikfalten oder Kleben/Heften stellen die finale Sicherung her. Die Wahl der Mechanik richtet sich nach Taktzeit, Lastprofil und gewünschter Öffnungsfrequenz.
- Material und Welle: Ein- oder Doppelwelle (z. B. E-, B-, C-, BC-Welle) bestimmt Druck-, Stanz- und Tragverhalten des Bodens. Höhere Flächengewichte und Doppelwellenkonstruktionen erhöhen die Reserven bei Stoß- und Stapellasten.
Die Rolle der Bodenklappen in der Wellpappindustrie
In der Wellpappindustrie haben die Bodenklappen eine Schlüsselrolle, da sie entscheidend zur Stabilität und zur funktionalen Durchführbarkeit der Verpackungen beitragen. Sie sind so konstruiert, dass sie einen festen Halt und eine sichere Basis für die aufzunehmenden Produkte bieten. Zudem sind sie schnell und einfach von Hand zu montieren, was den Arbeitsprozess erheblich erleichtert. Durch eindeutige Faltreihenfolgen und gut lesbare Rillbilder lassen sich Fehlerquoten im Packprozess senken.
Darüber hinaus wirken Bodenklappen als Schnittstelle zwischen Inhalt, Kartonage und Ladehilfsmitteln. Sie beeinflussen die Flächenpressung auf Förderstrecken, das Verhalten bei Vibrationen sowie die Stapeldruckverteilung auf Paletten. In Kombination mit geeigneter Wellenqualität und korrekt gesetzten Rillungen unterstützen sie die Maßhaltigkeit, reduzieren Beschädigungen an Kanten und verbessern die Prozessfähigkeit in manuellen wie automatisierten Packabläufen. Auch klimatische Einflüsse (Feuchte, Temperaturwechsel) werden über die Bodenkonstruktion mitgetragen und sollten bei der Auslegung berücksichtigt werden.
- Lastaufnahme: Verteilung von Punkt- und Flächenlasten des Inhalts auf die Bodenfläche. Geeignete Überlappungen reduzieren Durchbiegung und verhindern das Einsacken bei längerer Lagerdauer.
- Transportsicherheit: Minimierung von Durchrutschen, Aufplatzen und Ausreißen bei Stößen oder Falltests. Zusätzliche Sicherungen (Heftung oder Band) erhöhen die Robustheit für kritische Transporte.
- Prozessökonomie: Schneller Verschluss und geringerer Materialeinsatz im Vergleich zu separaten Einlegeböden. Vorkonfektionierte Bodentypen verkürzen Rüstzeiten und verbessern die Taktkonstanz.
- Handling: Intuitives Falten, klare Reihenfolge der Arbeitsschritte und gute Ergonomie im Packprozess. Deutliche Markierungen und symmetrische Klappengeometrien unterstützen fehlerarmes Arbeiten.
Einfluss auf Automatisierung und Intralogistik
- Kompatibilität mit Aufrichtern: Automatik- und Steckböden müssen mit Saugern, Greifern und Andrückrollen kollisionsfrei funktionieren.
- Fördertechnik: Planauflage der Klappen reduziert Schwingungen auf Rollenbahnen; stabile Kantenführung wirkt Verkanten entgegen.
- Palettierung: Gleichmäßige Druckverteilung verbessert die Stapelbildung und unterstützt sichere Umreifung und Dehnungshaubenprozesse.
Arten von Bodenklappen in der Wellpappe-Verpackung
Es gibt verschiedene Arten von Bodenklappen, abhängig vom spezifischen Anwendungsfall und den Anforderungen an die Verpackung. Dazu gehören unter anderem Automatikboden, Steckboden und Scharnierboden. Alle haben bestimmte Eigenschaften, die sie für spezifische Anwendungsfälle geeignet machen. Die Auswahl der optimalen Bodenklappenart hat starken Einfluss auf die Handhabbarkeit und Stabilität der Verpackung. Neben den genannten Standardlösungen existieren zahlreiche Spezialausführungen für besondere Lastfälle oder wiederholtes Öffnen und Schließen.
- Standard- oder 4-Klappen-Boden: Vier Laschen treffen mittig aufeinander; häufig zusätzlich mit Klebeband oder Heftung gesichert. Universell, materialeffizient und für viele Lastfälle geeignet. Bei sehr kleinen Teilen empfiehlt sich eine nahezu geschlossene Überdeckung, um Spalten zu minimieren.
- Automatikboden (Crash-Lock): Werkseitig vorgeklebte Bodenkonstruktion, die beim Aufrichten selbsttätig verriegelt. Sehr schnell im Handling, geeignet für wiederkehrende Packmengen und Taktzeiten. Erfordert präzise Klebeflächen und saubere Faltlinien, um ein vollständiges Verrasten sicherzustellen.
- Steckboden (1-2-3-Boden): Sequenziell ineinandergreifende Laschen erzeugen formschlüssigen Halt. Gute Stabilität ohne Klebemittel; benötigt saubere Faltung in definierter Reihenfolge. Für höhere Punktlasten sind verstärkte Laschen oder zusätzliche Sicherungen sinnvoll.
- Scharnierboden: Eine Klappe dient als tragendes Scharnier, weitere Klappen sichern gegen Aufklappen. Geeignet für definierte Lasten und wiederholtes Öffnen/Schließen. Bei häufiger Nutzung unterstützt eine robuste Rillauslegung die Dauerhaltbarkeit.
- Spezialausführungen: Zusätzliche Staublaschen, verstärkte Überlappungen oder Einlagen für punktuelle Lastspitzen; geeignet für empfindliche oder schwere Güter. Vollüberlappende Böden erhöhen die Dichtheit und die Widerstandsfähigkeit bei vertikalen Stößen.
Eine detaillierte Übersicht gängiger Verpackungen, die sofort verfügbar ab Lager sind kann bei der Einordnung von Bodenvarianten und deren Einsatzbereichen hilfreich sein.
Materialwahl, Geometrie und Dimensionierung
- Materialqualität: Wellenart und Papiersorten bestimmen Kantenstauch- und Biegefestigkeit; Doppelwelle erhöht Tragreserven. Feuchtebeständige Qualitäten oder Leime können bei anspruchsvollen Klimabedingungen erforderlich sein.
- Klappenbreite und -länge: Beeinflussen Überdeckung, Durchbiegung und Flächendruck; harmonische Verhältnisse unterstützen eine plane Auflage. Überlappungen sollten so gewählt werden, dass sich Lastpfade gleichmäßig schließen.
- Rillung und Schlitzung: Präzise Rilltiefe verhindert Faserbruch, erleichtert das Falten und steigert die Wiederholgenauigkeit. Schlitzbreiten sind auf Materialdicke und Toleranzkette abzustimmen, um Einreißen zu vermeiden.
- Abmessungen: Passgenaue Innenmaße minimieren Hohlräume, reduzieren Bewegung des Packguts und verbessern die Lastverteilung. Eine klare Unterscheidung zwischen Innen- und Außenmaß erleichtert die Abstimmung mit Einlagen und Ladehilfsmitteln.
Konstruktionshinweise und FEFCO-Codes
- Typische Bauarten: 4-Klappen-Böden finden sich häufig bei slotted boxes (z. B. FEFCO 0201), Automatik- und Steckböden bei speziellen Faltkonstruktionen (z. B. innerhalb der 07xx-Reihe).
- Überlappungsstrategie: Teil- bis Vollüberlappung richtet sich nach Flächenlast, Produktform und Dichtheitsanforderung.
- Klebeflächen: Ausreichende Klebelängen und -breiten fördern die Dauerhaftigkeit; Klebstoffwahl an Klima und Prozess anpassen.
Toleranzen und Fertigung
- Rillspalt und Biegeradius: An die Wellendicke angepasst, um sauberes Falten ohne Quetschungen zu ermöglichen.
- Schlitzlängen: So bemessen, dass Klappen sicher schließen, ohne zu überstehen oder Spalten zu bilden.
- Stanzqualität: Gratfreie Kanten reduzieren Anrisse; gleichmäßige Stanzung verbessert die Passung der Steckgeometrien.
Belastungs- und Klimabetrachtung
- Stapel- und Punktlasten: Auslegung auf erwartete Belastungsdauer (kurzzeitig vs. Langzeitlagerung) sowie auf dynamische Ereignisse wie Fall und Vibration.
- Klimaeinfluss: Hohe Luftfeuchte verringert die Festigkeit; geeignete Materialqualitäten und Sicherheitszuschläge berücksichtigen.
- Schnittstellen: Wechselwirkung mit Einlagen, Polstern und Palettenzwischenlagen frühzeitig einplanen.
Montage, Verschluss und Prüfungen
- Montagearten: Manuelles Falten, teilautomatisches Aufrichten oder vollautomatisches Verschließen je nach Bodentyp. Eindeutige Piktogramme und Faltmarken unterstützen reproduzierbare Abläufe.
- Verschlusstechniken: Formschlüssig (Steckprinzip), kraftschlüssig (Heften), stoffschlüssig (Kleben); optional zusätzliche Bänder für Transportwege mit hoher Beanspruchung. Die Wahl beeinflusst Öffnungs- und Wiederverwendbarkeit.
- Qualitätssicherung: Fallversuche, Transportvibrationstests sowie BCT-/ECT-Prüfwerte zur Absicherung der Bodentragfähigkeit. Serienbegleitende Stichproben prüfen Passung, Klebung und Verriegelungszuverlässigkeit.
Sicherheits- und Normhinweise
- Prüfstandards: Relevante Verfahren umfassen u. a. BCT/ECT, Fall- und Vibrationsprüfungen nach anerkannten Normen und Richtlinien.
- Kennzeichnungen: Eindeutige Angaben zu Traglastgrenzen, Handhabung und Faltreihenfolge erhöhen Anwendungssicherheit.
- Dokumentation: Zeichnungen mit Maßketten, Rill- und Schlitzplan sowie Toleranzen erleichtern Freigabe und Serienüberwachung.
Vor- und Nachteile von Bodenklappen
Die Vorteile von Bodenklappen liegen klar auf der Hand: Sie verbessern die Stabilität der Verpackung und ermöglichen eine einfache Montage. Auch tragen sie dazu bei, den Prozess des Verpackens zu beschleunigen, da sie meist ohne zusätzlichen Aufwand schnell zusammengeklappt werden können. Dennoch gibt es auch Nachteile zu berücksichtigen. Je nach Art der Bodenklappe kann das Zusammenklappen manuell etwas mühsam sein und bestimmte Variationen erfordern eventuell zusätzliches Verschlussmaterial wie Klebeband. Eine sorgfältige Auswahl und Auslegung stellen sicher, dass die Balance aus Tragfähigkeit, Dichtheit und Handling den Anforderungen der Anwendung entspricht.
- Vorteile: Gute Kombination aus Tragfähigkeit und Materialeffizienz, schnelle Handhabung, anpassbar an unterschiedliche Inhalte und Prozessanforderungen. Kompatibel mit gängigen Aufrichtern und fördertechnischen Systemen.
- Potenzielle Nachteile: Bei hohen Punktlasten sind zusätzliche Einlagen oder Verschlüsse sinnvoll; das korrekte Falten erfordert klare Arbeitsanweisungen, insbesondere bei Steckböden. Klimatische Einflüsse können Reserven reduzieren.
- Prozessaspekte: Automatikböden sparen Zeit, haben jedoch höheren Herstellaufwand; Standardböden sind universell, benötigen je nach Einsatz zusätzliche Sicherung. Die Wahl beeinflusst Taktzeit, Schulungsbedarf und Kostenstruktur.
Typische Fehler in der Praxis und deren Vermeidung
- Zu geringe Überlappung: Führt zu Spalten und höherer Durchbiegung; Überdeckung auf Lastprofil abstimmen.
- Unpassende Rilltiefe: Verursacht Faserbruch oder unpräzise Faltung; Rillwerkzeuge an Wellenqualität anpassen.
- Unsaubere Schlitzung: Erhöht Einreißgefahr; gratfreie Stanzung und korrekte Schlitzlängen sicherstellen.
- Ungeeignete Verschlüsse: Klebeband oder Heftung nicht auf Klima/Last abgestimmt; Verschlusswahl validieren.
Anwendungsbeispiele
- Konsumgüter: 4-Klappen-Böden für schnelle, universelle Packprozesse mit gemischten Produktgrößen.
- E-Commerce: Automatikböden für hohe Taktzeiten und wiederkehrende Formate mit effizientem Aufrichten.
- Industriegüter: Verstärkte oder vollüberlappende Böden für schwere oder punktlastige Bauteile.
- Pharma/Kosmetik: Steckböden für sauberes, klebstofffreies Schließen und definierte Öffnungszyklen.
Nachhaltigkeitsaspekte und Recycling
Bodenklappen bestehen in der Regel aus faserbasierten Materialien und sind gut dem Recyclingkreislauf zuführbar. Eine materialeffiziente Klappengeometrie reduziert den Verschnitt, während sortenreine Qualitäten die Faserwiedergewinnung unterstützen. Bei feuchtebeanspruchten Anwendungen sollten Beschichtungen und Leime so gewählt werden, dass die Recyclingfähigkeit gewahrt bleibt.
Zusammenfassung:
- Verpackungen aus Wellpappe können mit Bodenklappen ausgestattet sein, um eine stabile Basis zu gewährleisten und das sichere Verpacken von Produkten zu ermöglichen. Durch passende Überlappung und saubere Rillung wird die Last gleichmäßig verteilt.
- Bodenklappen sind feste, umklappbare Abschnitte am unteren Ende einer Verpackungsbox, die, einmal versiegelt, dem Inhalt einen stabilen Halt bieten und Schutz vor Beschädigungen während des Transports bieten. Sie tragen zur Dichtheit und zur Planlage auf Förderstrecken bei.
- Die Konstruktion von Verpackungen mit Bodenklappen ist zeit- und kosteneffizient und verbessert die Produktivität des Verpackungsprozesses, da sie in der Regel kein zusätzliches Klebeband oder Material zur Sicherung benötigen, je nach Ausführung und Lastfall jedoch ergänzende Sicherungen sinnvoll sein können.
- Die Wahl zwischen Standard-, Automatik- und Steckboden richtet sich nach Lastprofil, Taktzeit und gewünschter Handhabungssicherheit. Spezialausführungen decken besondere Anforderungen an Dichtheit, Wiederöffnung und Klimabeständigkeit ab.
- Präzise Rillungen, geeignete Materialqualitäten und auf den Einsatzzweck abgestimmte Klappengeometrien sind entscheidend für Tragfähigkeit und Prozessstabilität. Prüfungen und klare Toleranzen sichern die Serienqualität ab.
Veröffentlicht am 07.08.2024
Letzte Überarbeitung am 12.09.2025 um 17:26 Uhr von Julia Kopp