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ISO-Normen
ISO-Normen haben einen erheblichen Einfluss auf die Produktion und Verwendung von Wellpappe. Sie bieten Standards, die international anerkannt sind und die Qualität sowie die Kompatibilität von Produkten und Dienstleistungen verbessern. Besonders in der Wellpappenindustrie, wie im Fall des Wellpapp-Lexikons von Wellstar-Packaging GmbH, sind sie ein wesentliches Werkzeug zur Sicherstellung von Qualität, Vergleichbarkeit und Akzeptanz bei Auftraggebenden. Sie definieren unter anderem Begriffe, Prüfklimata, Prüfbedingungen, Messverfahren und Berichtsformate. Dadurch werden Ergebnisse belastbar vergleichbar und entlang der gesamten Lieferkette – von Rohpapieren über die Wellpappenherstellung bis zur Anwendung in Transport- und Verkaufsverpackungen – nachvollziehbar. Für Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Wareneingang, Qualitätssicherung und Reklamationsmanagement stellen ISO-Dokumente eine gemeinsame technische Grundlage bereit, die Risiken reduziert, Entscheidungen absichert und reibungslose Abläufe zwischen allen Wertschöpfungsstufen unterstützt.
Definition: Was versteht man unter ISO-Normen?
Die International Organization for Standardization bietet Standards, die als ISO-Normen bekannt sind. Diese Standards werden von Fachleuten aus verschiedenen Ländern und Interessengruppen entwickelt und beziehen sich auf eine Vielzahl von Themen. Sie sind unverbindlich, jedoch bieten sie klare Leitlinien und akzeptierte Kriterien zur Beurteilung von Prozessen, Produkten und Prüfverfahren. Da Wellpappe weltweit erhältlich ist und in zahlreichen Anwendungen zum Einsatz kommt, ist die Befolgung der ISO-Normen ein wichtiger Aspekt für Hersteller, Lieferanten und Anwendende. ISO-Normen entstehen in technischen Komitees (z. B. für Papier, Pappe und Zellstoff) und durchlaufen strukturierte Konsultations- und Abstimmungsprozesse. Sie unterscheiden zwischen normativen Anforderungen (verbindlich im Sinne des Standards) und informativen Anhängen (unterstützende Hinweise). Häufig werden ISO-Normen in regionale oder nationale Normen überführt (z. B. als EN ISO oder DIN EN ISO), wodurch eine weitreichende Harmonisierung erreicht wird. Überarbeitungszyklen sorgen dafür, dass methodische Weiterentwicklungen und neue Erkenntnisse berücksichtigt werden.
Typischer Aufbau von Normen sind Abschnitte zu Anwendungsbereich, normativen Verweisungen, Begriffen, Grundsätzen, verwendeten Geräten, Probenahme und Konditionierung, Durchführung, Auswertung, Berechnung und Berichterstattung. Dadurch wird sichergestellt, dass Prüfungen wiederholbar, reproduzierbar und transparent dokumentiert sind.
Die Rolle der ISO-Normen für Wellpappe
Die Wichtigkeit von ISO-Normen für Wellpappe liegt in ihrer Fähigkeit, die Qualität und Beständigkeit der Produkte sicherzustellen. Es gibt bestimmte ISO-Normen, die sich direkt auf Wellpappe beziehen. Diese betreffen beispielsweise Prüfmethoden zur Bestimmung der Druckfestigkeit, Grammatur, Ebenheit und Feuchtigkeitsresistenz. Durch die Anwendung standardisierter Verfahren lassen sich Leistungskennwerte wie Kantenstauchwiderstand (ECT), Berstfestigkeit, Biege- und Durchstichwiderstand, Flachstauchwiderstand (FCT) sowie die Stapelstabilität von Versandverpackungen reproduzierbar ermitteln. Das reduziert Messunsicherheiten, erleichtert den Vergleich zwischen Lieferanten und Losen und bildet die Grundlage für verlässliche Spezifikationen in Lasten- und Pflichtenheften.
Darüber hinaus fördert die Normung die Kommunikation: Wenn Prüfumfang, Probenahme, Konditionierung und Berichterstattung eindeutig beschrieben sind, sinken Interpretationsspielräume. Für den Einsatz entlang der Wertschöpfungskette (Rohpapier, Wellpappenrohlinge, Zuschnitte, Faltkisten, Versandverpackungen) ermöglicht dies eine konsistente Qualitätslenkung. In Kombination mit internen Regelwerken und Prüfplänen unterstützt die Normung eine belastbare, auditierbare Dokumentation. Auch für Reklamationsanalysen liefern definierte Prüfwege und Berichtsformate eine objektive Grundlage, um Ursachen abzugrenzen und Korrekturmaßnahmen abzuleiten.
Beispiele für spezifische ISO-Normen für Wellpappe
Eine der verbreiteten ISO-Normen im Kontext Wellpappe ist die ISO 3037, die die Bestimmung des Kantenstauchwiderstands (ECT) von Wellpappe beschreibt. Eine andere wichtige Norm ist die ISO 7263, die das Wellenrohpapier (Fluting) über den CMT-Test (Corrugating Medium Test) bewertet und damit Rückschlüsse auf das Verhalten des Mediums nach der Verwellung erlaubt. Ein weiteres Beispiel ist die ISO 287, die die Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts von Papier, Pappe und Zellstoff durch Ofentrocknung vorschreibt. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung im Bereich der Wellpappenproduktion und -gebrauch. Ergänzend relevant sind häufig:
- ISO 187: Konditionierung von Papier und Pappe (Standardklima, z. B. 23 °C/50 % r. F.) als Voraussetzung für vergleichbare Prüfergebnisse.
- ISO 536: Bestimmung der Grammatur (Flächengewicht), eine Basisgröße für Rohpapiere und Wellpappenqualitäten.
- ISO 534: Dickenbestimmung, relevant für Steifigkeit, Quetschverhalten und Volumenkennwerte.
- ISO 2759: Berstfestigkeit von Pappe, häufig als Ergänzungskennwert in Spezifikationen genutzt.
- ISO 12048: Druckprüfung kompletter Packmittel (BCT), um die Stapel- bzw. Kistendruckfestigkeit unter standardisierten Bedingungen zu ermitteln.
- ISO 3035: Bestimmung des Flachstauchwiderstands (FCT) von Wellpappe als Indikator für die Widerstandsfähigkeit gegen flächige Druckbelastung.
- ISO 1924: Zugfestigkeit von Papier und Pappe, hilfreich zur Beurteilung der Rohpapiereigenschaften für Liners und Flutings.
Für die Durchführung und Auswertung spielen Probengeometrien, Toleranzen und Messgerätebedingungen eine zentrale Rolle; ausführliche Erläuterungen zu Abmessungen in Prüfungen unterstützen das korrekte Zuschneiden und Ausrichten der Prüfkörper sowie die Vergleichbarkeit der Resultate.
Ergänzende Hinweise: Probenahme, Konditionierung und Messunsicherheit
Ein wesentlicher Teil normgerechter Prüfungen ist die repräsentative Probenahme. Üblicherweise wird dazu auf definierte Entnahmestellen und -mengen zurückgegriffen, um Chargenschwankungen zu berücksichtigen. Vor der Messung erfolgt die Konditionierung im Standardklima (siehe ISO 187), da Wellpappe stark auf Temperatur- und Feuchteschwankungen reagiert. Typische Toleranzen für das Standardklima liegen bei 23 ± 1 °C und 50 ± 2 % relativer Luftfeuchte. Die Messergebnisse werden mit Angabe der Messunsicherheit und des verwendeten Gerätestands (Kalibrierstatus, Messbereich, Auflösung) dokumentiert. So entsteht Transparenz, und Abweichungen können technisch nachvollzogen werden.
Zur Reduzierung systematischer Fehler werden Prüfgeräte regelmäßig kalibriert und mit Referenzmaterialien überprüft. Die Prüfplanung berücksichtigt Wiederholungen, Ausreißerbehandlung und statistische Kennzahlen (z. B. Mittelwert, Standardabweichung, Konfidenzintervalle), um robuste Aussagen zu ermöglichen.
Typische Kennwerte und ihre Anwendung in Spezifikationen
- Kantenstauchwiderstand (ECT): Indikator für die Tragfähigkeit von Wellpappe in Stapelrichtung; wird zur Auslegung von Kistendruckfestigkeiten herangezogen.
- Box Compression Test (BCT): Simulation der Beanspruchung kompletter Faltkisten unter Druckbelastung zur Bewertung der Stapelstabilität im Versand.
- Grammatur und Dicke: Basis für Materialeinsatz, Flächensteifigkeit und Prozessfenster (Rillen, Falten, Kleben).
- Feuchtegehalt: Wichtiger Einflussfaktor auf Festigkeit, Verformung und Maßhaltigkeit, insbesondere bei wechselnden Klimabedingungen.
- Berst- und Durchstichwiderstand: Ergänzende Kennwerte zur Beschreibung des Widerstands gegen schlagartige Belastungen und punktuelle Beanspruchungen.
- Flachstauchwiderstand (FCT): Aussage zur Widerstandsfähigkeit gegenüber flächigem Druck, relevant für Stapel- und Flächenbelastungen während Lagerung und Transport.
- Biegesteifigkeit: Maß für das Verformungsverhalten von Papier, Pappe und Wellpappenverbunden, nützlich für die Beurteilung des Falt- und Rillverhaltens.
Umsetzung in der Praxis: Von der Spezifikation bis zum Prüfbericht
- Spezifikation definieren: Relevante ISO-Verfahren festlegen, Zielwerte und Toleranzen bestimmen, Prüfklima und Probenanzahl festschreiben. Zusätzlich die Anforderungen an Berichtsformate und zulässige Abweichungen definieren.
- Probenahme planen: Entnahmepunkte, Zeitpunkte und Losgrößen festlegen; Chargen- und Bahneffekte berücksichtigen. Protokolle zur eindeutigen Probenkennzeichnung vorsehen.
- Konditionieren und prüfen: Prüfkörper zuschneiden, ausrichten, kennzeichnen; Prüfgeräte kalibriert einsetzen; Reihenfolge und Pausenzeiten beachten. Einflussgrößen (Feuchte, Temperatur, Vorbelastung) kontrollieren.
- Dokumentieren: Ergebnisse mit Kennzeichnung der Probe, Datum/Uhrzeit, Gerät, Operator, Klima sowie Abweichungen zum Standard festhalten. Grafische Auswertungen, Rohdaten und Fotos der Prüfkörper optional ergänzen.
- Bewerten und freigeben: Gegen Zielwerte prüfen; statistische Kennzahlen (Mittelwert, Standardabweichung) nutzen; Maßnahmen bei Abweichungen ableiten.
- Archivieren: Prüfberichte, Kalibrierzertifikate und Änderungsstände versionssicher ablegen, um Rückverfolgbarkeit und Auditfähigkeit sicherzustellen.
- Verbessern: Ergebnisse regelmäßig trendanalysieren, Prozesse anpassen, Normänderungen beobachten und Schulungen aktualisieren.
Abgrenzung und Zusammenspiel mit anderen Normen
In der Praxis werden ISO-Normen häufig zusammen mit regionalen oder nationalen Umsetzungen angewendet. Inhalte sind dabei technisch gleichwertig, die Zitierweise unterscheidet sich (z. B. EN ISO oder DIN EN ISO). Darüber hinaus können betriebsinterne Arbeitsanweisungen Detailfragen regeln, etwa zu Prüfintervallen, Stichprobenplänen oder Freigabegrenzen. Diese ergänzen die ISO-Anforderungen, ohne sie zu ersetzen. Für vollständige Konformität ist eine Aktualitätsprüfung der eingesetzten Normenausgaben sinnvoll, insbesondere bei revidierten Prüfparametern oder geänderten Berechnungsregeln.
Vor- und Nachteile von ISO-Normen
Der Hauptvorteil von ISO-Normen liegt in ihrer Funktion als international anerkannte Richtlinien zur Sicherstellung der Qualität und Interoperabilität von Produkten und Dienstleistungen. Durch die Einhaltung der ISO-Normen können Hersteller und Anbieter von Wellpappe ihre Produkte und Dienstleistungen auf internationalen Märkten effektiver und vertrauensvoller bereitstellen. Ein weiterer Vorteil ist das höhere Vertrauen der Anwenderinnen und Anwender in die Qualität der Produkte. Allerdings gibt es auch einige Herausforderungen. Der Prozess zur Erlangung einer Zertifizierung oder zur Implementierung normkonformer Prozesse kann zeitaufwendig und kostenintensiv sein. Außerdem können einige Anforderungen für kleine und mittlere Unternehmen anspruchsvoll sein, da sie Ressourcen und spezielles Wissen erfordern, das nicht immer verfügbar ist.
- Vorteile (ergänzend): Vergleichbarkeit von Messergebnisse, klare Kommunikation in der Lieferkette, Unterstützung von Auditierbarkeit und Rückverfolgbarkeit, Reduktion von Fehlinterpretationen, belastbare Grundlage für Spezifikationen und Abnahmen, vereinfachte internationale Zusammenarbeit.
- Herausforderungen (ergänzend): Laufende Pflege von Dokumenten und Schulungen, Kosten für Prüfmittel und Kalibrierung, potenziell starre Rahmenbedingungen, die nicht jeden Spezialfall abdecken, Aufwand für Aktualitätsprüfungen bei Normrevisionen, notwendige Anpassung interner Prozesse und IT-Systeme.
Zusammenfassung:
- ISO-Normen sind international anerkannte Regeln, die dabei helfen, Prozesse zu standardisieren und Qualität sicherzustellen. Sie können die Effizienz von Unternehmen in der Herstellung von Verpackungen aus Wellpappe erhöhen.
- Die Einhaltung von ISO-Normen zeigt, dass ein Unternehmen ein starkes Engagement für Qualitätsmanagement hat. In Bezug auf Wellpappe-Verpackungen kann dies bedeuten, dass die Produkte sicher, zuverlässig und von guter Qualität sind.
- ISO-Normen können auch dazu beitragen, die Nachhaltigkeit von Verpackungsprozessen zu verbessern. Sie unterstützen Unternehmen dabei, umweltfreundliche Verfahren zu implementieren und das Abfallmanagement zu verbessern, was besonders relevant für die Branche der Wellpappe-Verpackungen ist.
- Für Wellpappe sind insbesondere Kennwerte wie ECT, BCT, Grammatur, Dicke und Feuchtegehalt relevant, die über standardisierte Verfahren erhoben werden.
- Methodische Bausteine wie Probenahme, Konditionierung, Toleranzen und saubere Dokumentation sind entscheidend, um reproduzierbare und belastbare Ergebnisse zu erzielen.
- Die konsequente Anwendung von Normen unterstützt die Kommunikation zwischen Entwicklung, Einkauf, Produktion und Qualitätssicherung und erleichtert die Abnahme von Spezifikationen.
- Regelmäßige Überprüfung der Normenlage und die Anpassung interner Prüfpläne sichern langfristig stabile Qualität und minimieren Reklamationsrisiken in der Lieferkette.
Veröffentlicht am 09.06.2024
Letzte Überarbeitung am 05.09.2025 um 19:01 Uhr von Manuel Hofacker