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Qualitätsbewertung

Die Wellkarton-Industrie legt großen Wert auf ein hohes Qualitätsniveau. Das Interesse an der Qualitätssicherung von Wellpappe hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da diese Art von Verpackungslösung vielfältige Anwendungsmöglichkeiten bietet. Die Qualitätsbewertung von Wellpappe ist daher ein wichtiger Teil des Produktionsprozesses. In Anwendungsfeldern wie E-Commerce, Lebensmitteltransport, Pharma- und Ersatzteillogistik werden robuste, maßhaltige und prozessstabile Wellpapp-Verpackungen benötigt, die Produkte zuverlässig schützen, stapelfähig sind und den logistischen Beanspruchungen standhalten. Ergänzend gewinnen Aspekte wie Recyclingfähigkeit, Materialeffizienz und ein konsistentes Risikomanagement an Bedeutung, um Qualität, Nachhaltigkeit und Kosten in Einklang zu bringen.

Im Zentrum steht die systematische Beurteilung von Material- und Produkteigenschaften über den gesamten Lebenszyklus hinweg - von der Rohpapierprüfung über die Verarbeitung bis zum fertigen Versandgebinde. Ziel ist es, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, Transportschäden zu vermeiden und die Eignung für konkrete Anwendungen belastbar nachzuweisen. Dazu werden Spezifikationen, Prüfpläne und Grenzwerte definiert, Messmittel kalibriert und Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert. Ergänzend gehören Prüfmittelüberwachung, normkonforme Klimatisierung sowie eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Prüfdaten zum Grundgerüst einer tragfähigen Qualitätsbewertung. Zunehmend werden dafür digitale Prüfprotokolle, vernetzte Messmittel und Audit-Trails eingesetzt, um Datensicherheit und Auswertbarkeit in Echtzeit zu gewährleisten.

Definition: Was versteht man unter Qualitätsbewertung?

Die Qualitätsüberprüfung bezieht sich auf den Prozess, bei dem jedes Produkt auf seine Eigenschaften und die Einhaltung spezifizierter Standards überprüft wird. In Bezug auf Wellpappe umfasst die Qualitätsbewertung die Kontrolle und Bewertung der Eigenschaften wie Festigkeit, Haltbarkeit, Druckqualität und Umweltverträglichkeit. Sie mündet in eine Konformitätsaussage (z. B. bestanden/nicht bestanden) und liefert die Basis für Freigaben, Korrekturmaßnahmen oder Prozessanpassungen. Je nach Anwendungsfall bezieht sich die Konformität auf kundenspezifische Lastenhefte, anerkannte Normen sowie regulatorische Vorgaben (z. B. für Lebensmittelkontakt).

Begrifflich lässt sich unterscheiden zwischen Qualitätsprüfung (Messung/Inspektion einzelner Merkmale), Qualitätsbewertung (Gegenüberstellung der Messergebnisse mit Vorgaben und Toleranzen) und Qualitätssicherung (organisatorischer Rahmen mit Prozessen, Audits und kontinuierlicher Verbesserung). Grundlage bilden Produktspezifikationen, z. B. gewünschte Tragfähigkeit, klimatische Beständigkeit, zulässige Abweichungen und Anforderungen an Bedruckung oder Rillung. Dazu zählen auch Maß- und Formkriterien wie Innen- und Außenmaß, Zuschnittmaß, Rillabstände, Planlage und zulässige Toleranzen an Falzkanten. Für anwendungsnahe Nachweise werden Funktions- und Belastungsgrenzen definiert, die das reale Einsatzprofil abbilden.

Zur objektiven Beurteilung werden Kenngrößen (z. B. Kantenstauchwiderstand, Feuchtegehalt, Berstfestigkeit) sowie Prozesskennzahlen herangezogen. Messunsicherheit, Stichprobenumfang und Akzeptanzkriterien (AQL) werden vorab festgelegt, um belastbare und vergleichbare Aussagen treffen zu können. Eine differenzierte Betrachtung nach Materiallaufrichtung (MD/CD), Wellenart (E, B, C, BC usw.) und Flächengewicht des Papiers erhöht die Aussagekraft der Qualitätsbewertung. Für Systemabschätzungen können anerkannte Modellzusammenhänge genutzt werden, etwa zur Relation von ECT, Geometrie und voraussichtlicher BCT-Leistung.

Methoden zur Bewertung der Wellpappqualität?

Anhand verschiedener Testverfahren wird die Qualität der Wellpappe bewertet. Unterschiedliche Tests werden angewendet, um die Festigkeit, Druckqualität, Rillbarkeit und Feuchtigkeitsbeständigkeit der Wellpappe zu bestimmen. Dabei spielen spezielle Messgeräte eine wichtige Rolle, um genaue Resultate zu gewährleisten. Zum Einsatz kommen u. a. Kraftmessstände, Klimaschränke, Dickenmessgeräte, Feuchtemesssysteme, Farbmessgeräte sowie Prüfsoftware für standardisierte Auswertungen. Ergänzend unterstützen Datenmanagement-Systeme die zentrale Sammlung, Plausibilisierung und Auswertung der Prüfdaten.

Für repräsentative Ergebnisse sind Prüfbedingungen und Probekörper entscheidend. Dazu zählen eine definierte Klimatisierung (häufig 23 °C/50 % r. F.), präzise Abmessungen und definierte Toleranzen im Prüfaufbau, normgerechte Probenentnahme sowie kalibrierte Prüfmittel. Die Auswertung erfolgt anhand standardisierter Kennwerte und eindeutiger Grenzwerte. Zusätzlich sollte die Probenrichtung (Maschinenrichtung/Querrichtung), der Lagerzustand und die Vorbehandlung eindeutig dokumentiert werden. Bei Versuchen mit ganzen Verpackungen ist die Produktbeladung (Dummy, Originalware) sowie die Fixierung zu spezifizieren, um Vergleichbarkeit sicherzustellen.

Mechanische Prüfungen (Auszug)

  • ECT (Edge Crush Test/Kantenstauchwiderstand): Beurteilt die Stapel- und Kantenstabilität von Wellpappe unter Druckbelastung.
  • BCT (Box Compression Test): Ermittelt die Druckfestigkeit ganzer Schachteln und deren Verhalten unter Stapellast.
  • FCT (Flat Crush Test/Flachstauchwiderstand): Bewertet die Stabilität der Wellenstruktur gegen vertikale Belastung.
  • RCT/SCT/CMT: Prüfungen des Rohpapiers (Ring-, Kurzspann- und Corrugating-Medium-Tests) zur Bestimmung der Ausgangsqualität.
  • Berstfestigkeit: Widerstand gegen schlagartige Belastungen; relevant für Stoß- und Durchstoßbeanspruchung.
  • Biegesteifigkeit und Elastizität: Kennzeichnen das Verformungsverhalten, z. B. bei großflächigen Zuschnitten.
  • Durchstoßarbeit/Puncture-Test: Ermittelt die Widerstandsfähigkeit gegen spitze Belastungen und dynamische Einwirkungen.
  • Fall- und Stapeltests: Bewertung der Transport- und Lagerbeanspruchung kompletter Versandverpackungen unter praxisnahen Bedingungen.
  • Schwingungs- und Vibrationstests: Simulation transporttypischer Anregungen (random/sinus) zur Beurteilung möglicher Ermüdungs- und Setzeffekte.
  • Kriech- und Relaxationsverhalten: Bewertung der Tragfähigkeit unter Dauerlast über definierte Zeiträume.

Material- und Klimaeinflüsse

  • Feuchtegehalt/Klimabeständigkeit: Kontrolle des Wassergehalts und Verhalten bei wechselnden Klimabedingungen.
  • COBB-Wert: Wasseraufnahme des Materials, wichtig für feuchteexponierte Anwendungen.
  • Langzeit- und Lagerstabilität: Beurteilung der Eigenschaftsänderungen über die Zeit unter realistischen Lagerbedingungen.
  • Temperatur- und Klimazyklen: Prüfung bei variierenden Temperaturen und Luftfeuchtigkeit zur Bewertung des Langzeitverhaltens.
  • Kondensationsnahe Szenarien: Bewertung des Verhaltens unter Containerklima mit erhöhter Feuchte und wechselnden Temperaturen.

Verarbeitbarkeit, Rillung und Druckbild

  • Rillbarkeit/Falzqualität: Prüfung von Rilltiefe, Rissneigung und Faltverhalten an Rilllinien.
  • Klebung/Verbund: Kontrolle der Anhaftung (z. B. Stärkeleim), der Klebenaht und des Verbunds der Schichten.
  • Stanz- und Schnittqualität: Maßhaltigkeit, Gratbildung, saubere Konturen und funktionsfähige Perforation.
  • Druckqualität: Farbdichte, Tonwertzunahme, Passergenauigkeit, Abriebfestigkeit und Bildschärfe.
  • Planlage und Eckenhalt: Beurteilung der Ebenheit und Formstabilität für eine störungsfreie Verarbeitung in automatisierten Verpackungslinien.
  • Maschinenlaufeigenschaften: Einfluss auf Taktzeiten, Zuführstabilität, Staub- und Faseraustrag.

Normen und Prüfbedingungen

Zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit werden etablierte Normen und Branchenstandards herangezogen. Dazu zählen internationale und europäische Prüfverfahren sowie branchenspezifische Leitfäden. Die Konditionierung der Prüflinge, die Probenentnahme und die Auswertung sind eindeutig definiert, um reproduzierbare Ergebnisse zu gewährleisten. Ferner sind Messmittelfähigkeit, Kalibrierintervalle und die Rückführbarkeit auf nationale Normale zu berücksichtigen. Eine Orientierung an einschlägigen ISO-, DIN- und FEFCO-Prüfverfahren sowie an Leitlinien für Labororganisation und Dokumentation (z. B. ISO/IEC 17025-konforme Vorgehensweisen) erhöht die Vergleichbarkeit zusätzlich.

Dimensionsprüfung und Maßhaltigkeit

Maßliche Prüfungen betreffen Innenmaß, Außenmaß und Zuschnittmaß, die Position und Breite von Rilllinien, die Wellenhöhe (Dicke) sowie die Rechtwinkligkeit. Toleranzen werden in der Spezifikation festgelegt und mithilfe geeigneter Lehren, Messschieber oder optischer Systeme überprüft. Eine klare Definition der Messpunkte und der Messstrategie (z. B. Anzahl und Lage der Messungen) erhöht die Vergleichbarkeit. Kritische Merkmale (CTQ) sollten priorisiert und mit erhöhter Prüftiefe überwacht werden, um Passgenauigkeit und Automatisierungsfähigkeit sicherzustellen.

Datenanalyse, Messunsicherheit und MSA

Cp/Cpk, Pp/Ppk) und geeignete Regelkarten bilden die Basis für faktenbasierte Freigaben und Eingriffe in den Prozess. Digitale Dashboards ermöglichen eine verdichtete, zeitnahe Sicht auf Prozesslage und -streuung.

Rolle der Qualitätssicherung im Unternehmen?

Die Qualitätssicherung ist entscheidend für die Zufriedenheit der Kunden und den Erfolg eines Unternehmens. Eine konsequente Qualitätsbewertung gewährleistet, dass die erzeugten Wellpapp-Produkte den Anforderungen der Kunden entsprechen und ein qualitativ hochwertiges Endergebnis gewährleisten. Sie schafft Transparenz über Prozessfähigkeit und liefert Entscheidungsgrundlagen für Freigaben, Änderungen und kontinuierliche Verbesserungen. Darüber hinaus unterstützt sie die Einhaltung relevanter Compliance-Anforderungen (z. B. Lebensmittelkontakt, Produktsicherheit) und stärkt die Lieferfähigkeit bei volatiler Nachfrage.

Operativ umfasst dies Eingangsprüfungen (Rohpapier und Hilfsstoffe), In-Prozess-Kontrollen (z. B. Wellenbildung, Verklebung, Rillung) und Endprüfungen am fertigen Packmittel. Ergänzend kommen statistische Prozesslenkung, Prüfmittelmanagement (Kalibrierintervalle, Rückführbarkeit) und strukturierte Abweichungsanalysen zum Einsatz. In der Praxis bewährt sich zudem eine klare Eskalationslogik bei Grenzwertverletzungen sowie ein definierter Korrektur- und Vorbeugeprozess. Methoden wie PDCA, 8D-Reports und Lessons Learned sichern eine nachhaltige Wirksamkeit der Maßnahmen.

Dokumentation, Rückverfolgbarkeit und klar definierte Verantwortlichkeiten sichern die Nachvollziehbarkeit. Stichprobenpläne und Akzeptanzkriterien ermöglichen effiziente Prüfaufwände - insbesondere bei wechselnder Nachfrage oder variierender Losgröße. Auf dieser Basis lassen sich Prozessfähigkeit und Konformität kontinuierlich überwachen. Erstmusterprüfungen, Änderungsfreigaben und interne Audits ergänzen das System und reduzieren das Risiko von Fehlleistungen. Lieferantenaudits und Warengruppenstrategien stärken zudem die Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Vor- und Nachteile der Qualitätsbewertung?

Die Qualitätsbewertung birgt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. Zu den Vorteilen zählen die Verbesserung der Produktqualität, die Sicherstellung der Kundenzufriedenheit und die Optimierung der Produktionsprozesse. Nachteile können in hohen Kosten für die Qualitätskontrolle und potenziellen Verzögerungen in der Produktion liegen. Durch gezielte Maßnahmen zur Qualitätskontrolle und -verbesserung können jedoch letztlich auch Kosten gespart und die Effizienz gesteigert werden. Eine risikobasierte Priorisierung der Merkmale und eine auf das Einsatzszenario abgestimmte Prüfintensität verhindern Überprüfung ohne Mehrwert und stärken die Prozesssicherheit. Berücksichtigt werden sollten zudem Total-Cost-of-Quality-Aspekte (Fehlervermeidung, Prüf- und Fehlerfolgekosten) sowie Nachhaltigkeits- und Compliance-Nutzen.

  • Vorteile: Frühzeitige Fehlererkennung, geringere Reklamationsquote, belastbare Eignungsnachweise, stabilere Prozessführung.
  • Herausforderungen: Prüfaufwand, Stillstandszeiten für Stichproben, Schulungsbedarf, Umgang mit Messunsicherheiten.
  • Abwägung: Ein risikobasierter Prüfplan hilft, Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen und Prüfintensitäten an Produkt- und Prozessrisiken auszurichten.
  • Zusatznutzen: Bessere Planbarkeit in Logistik und Produktion, schnellere Freigaben durch standardisierte Prüfberichte, erhöhte Prozessrobustheit bei Materialschwankungen.
  • Strategische Effekte: Höhere Lieferzuverlässigkeit, belastbare Kennzahlen für Kundenanforderungen und Berichte mit Mehrwert für Nachhaltigkeits- und Compliance-Dokumentation.

Zusammenfassung:

  • Die Qualitätsbewertung ist ein entscheidender Prozess zur Sicherstellung der Eignung von Verpackungen aus Wellpappe für bestimmte Produkte und Anwendungen.
  • Eine effektive Beurteilung beinhaltet die gezielte Prüfung verschiedener Materialeigenschaften, darunter Stabilität, Tragfähigkeit und die Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen.
  • In Unternehmen, die Verpackungslösungen suchen, sorgt eine korrekt durchgeführte Qualitätsbewertung für eine langanhaltende Zufriedenheit und kann somit zu einer Kosteneinsparung führen.
  • Standardisierte Prüfmethoden (z. B. ECT, BCT, FCT), definierte Prüfbedingungen und kalibrierte Messmittel sichern die Vergleichbarkeit der Ergebnisse.
  • Die Bewertung umfasst neben mechanischen Kennwerten auch Verarbeitbarkeit (Rillung, Klebung), Druckbild und klimatische Einflüsse.
  • Dokumentation, Stichprobenpläne und klare Akzeptanzkriterien erhöhen die Prozesssicherheit und unterstützen eine kontinuierliche Verbesserung.
  • Eine risikobasierte, anwendungsorientierte Prüfstrategie minimiert Prüfaufwand bei gleichbleibender Aussagekraft und reduziert Folgekosten durch Fehlleistungen.
  • Maßhaltigkeit, Planlage und definierte Toleranzen sind zentrale Elemente der Spezifikation und tragen wesentlich zur Funktionssicherheit der Wellpapp-Verpackung bei.
  • Die Einbindung von Messsystemanalyse und statistischer Prozesskontrolle verbessert die Verlässlichkeit der Bewertungen und fördert stabile Prozesse.
  • Digitalisierung: Zentrale Datenerfassung, Rückverfolgbarkeit und visuelle Auswertungen beschleunigen Entscheidungen und erhöhen die Transparenz im Qualitätsprozess.

Veröffentlicht am 17.07.2024
Letzte Überarbeitung am 01.05.2026 um 11:35 Uhr von Manuel Hofacker

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