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Quantitative Analyse

Die Optimierung von Verpackungsprozessen ist ein zentraler Faktor in der Industrie. Ein besonders wichtiges Instrument für diese Aufgabe ist die Quantitative Analyse. In der Wellpappenindustrie spielt sie eine bedeutende Rolle, da sie zur Steigerung der Effizienz und Qualität beiträgt. Durch systematische Messungen, statistische Auswertungen und reproduzierbare Prüfverfahren liefert sie belastbare Entscheidungsgrundlagen für Materialauswahl, Prozessführung und Qualitätskontrolle. Darüber hinaus ermöglicht sie eine transparente Bewertung von Prozessstabilität, Kostentreibern (z. B. Makulatur, Nacharbeit, Stillstände) und Lieferperformance. So werden Qualitätsziele messbar, Engpässe identifizierbar und Verbesserungen nachweisbar wirksam.

Definition: Was versteht man unter quantitativen Analysen?

Quantitative Analysen sind Untersuchungsmethoden, die auf messbaren und zahlenmäßigen Daten basieren. Sie erlauben es, genaue und objektive Ergebnisse bei der Bewertung von Materialien und Prozessen zu erzielen. In Bezug auf die Wellpappenproduktion können durch sie wichtige Parameter wie Stärke, Gewicht, Feuchtigkeitsgehalt, Dicke und Steifigkeit präzise bestimmt werden. Messwerte sind dabei normbezogen, rückführbar kalibriert und statistisch interpretierbar. Ebenso werden Messskalen (Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Verhältnisskalen) bewusst gewählt, um Kennwerte korrekt zu erfassen und auszuwerten.

Im Kontext der Produktion bedeutet dies: Kenngrößen werden eindeutig definiert, nach standardisierten Verfahren erfasst (z. B. unter festgelegtem Prüfklima) und mittels geeigneter Statistik ausgewertet. So lassen sich Trends erkennen, Toleranzen überwachen und Prozessfähigkeiten bewerten. Ergänzend werden Messunsicherheiten quantifiziert, Vertrauensintervalle berücksichtigt und Messmittel regelmäßig über Kalibrierketten auf nationale Normale rückgeführt.

Abgrenzung zur qualitativen Analyse

Während qualitative Analysen Merkmale beschreiben (z. B. Oberflächenbild, Verarbeitbarkeit, Faltungen), quantifiziert die Quantitative Analyse diese Merkmale über Skalen und Kennzahlen. Beide Ansätze ergänzen sich; die quantitative Ebene liefert messbare Evidenz, die qualitative Ebene ordnet Ergebnisse kontextbezogen ein. In der Praxis werden qualitative Befunde oft in messbare Kriterien überführt (z. B. definierte Grenzmuster, optische Prüfmerkmale), um sie mittels Kennzahlen konsistent zu steuern.

Anwendungsbeispiele der Quantitativen Analyse in der Wellpappenindustrie

Ein häufiges Anwendungsgebiet der Quantitativen Analyse in der Wellpappenindustrie ist die Qualitätskontrolle. Hier fließen Messwerte etwa aus Dickenprüfgeräten, Grammaturmessern oder Fangwiderstandsmessungen ein. Mit diesen gewonnenen Daten können unerwünschte Abweichungen frühzeitig erkannt und korrigiert werden. Dadurch sichert die Quantitative Analyse die Qualität der produzierten Wellpappe. Ergänzend kommen Belastungstests, Klimaprüfungen und prozessbegleitende Inline-Messungen zum Einsatz, um Material- und Prozessparameter lückenlos zu überwachen. Auch in der Prozessentwicklung (z. B. Verklebefenster, Temperaturprofile, Bahnlagenstabilität) dient sie als Grundlage, um Ursache-Wirkungs-Beziehungen abzusichern und robuste Einstellungen abzuleiten.

  • Festigkeitsprüfungen: ECT (Kantenstauchwiderstand), BCT (Kistendruckprüfung), RCT (Ringstauchwiderstand), FCT (Flachstauchwiderstand)
  • Materialparameter: Grammatur (Flächengewicht), Dicke, Feuchtegehalt, Biegesteifigkeit, Cobb-Wert (Wasseraufnahme)
  • Prozesskontrolle am Wellpappenaggregat: Bahnlage, Rillqualität, Klebstoffauftrag, Temperaturprofile, Produktionsgeschwindigkeit
  • Qualitätsüberwachung nach dem Konfektionieren: Rill- und Stanzgenauigkeit, Falt- und Verklebefestigkeit, Maßhaltigkeit von Zuschnitten
  • Risikobasierte Stichproben in der Wareneingangsprüfung (Papierbahnen) und im Warenausgang (fertige Faltkisten)
  • Zusätzliche Praxisfälle: Schäl- und Haftzugprüfungen an Klebefugen, Kantenfeuchte-Profile, optische Inline-Inspektion (Fehlstellen, Druckbild, Rillbruch) mit Trendanalysen
  • Logistiknahe Tests: Stapelstabilität unter variierenden Klimen, Kompressionskriechen, Simulation von Transportbelastungen

Methoden und Verfahren der Quantitativen Analyse

Zu den verbreiteten Methoden der Quantitativen Analyse in der Wellpappenindustrie zählen unter anderem spektroskopische Verfahren, z. B. die Infrarot-Spektroskopie für Material- und Klebstoffcharakterisierung, sowie physikalische Messmethoden, etwa die Röntgenstrahlungsanalyse. Dies ermöglicht eine wissenschaftlich fundierte Analyse der Wellpappenqualität, die es uns ermöglicht, bessere Verpackungsmaterialien zu produzieren. Ergänzt werden diese Methoden durch mechanische Prüfungen, klimatypische Konditionierungen und statistische Prozesskontrolle (SPC). Ferner kommen bildgebende Verfahren (Mikroskopie, optische Messsysteme), Oberflächentopografie (Rauheit, Benetzbarkeit) und Versuchsplanung (DoE) zum Einsatz, um Parameterfelder systematisch abzutasten.

  • Mechanische Prüfungen: standardisierte Druck-, Zug- und Biegeprüfungen zur Bestimmung von ECT, BCT und Biegesteifigkeit
  • Klimaprüfungen: Konditionierung bei definiertem Klima zur Bewertung des Feuchteeinflusses auf Festigkeit und Maßhaltigkeit
  • Oberflächen- und Klebstoffanalytik: Viskosität, Feststoffgehalt, Benetzung und Haftzug zur Beurteilung der Klebstoffperformance
  • Inline- und Offline-Messtechnik: kontinuierliche Feuchte- und Temperaturerfassung, Bahndicke, Klebstoffauftrag, optische Inspektion
  • Statistische Verfahren: Regelkarten (X-Bar/R), Prozessfähigkeitsanalysen (Cp/Cpk), Regressionsmodelle, Varianzanalysen
  • Weitere Verfahren: Korrelations- und Regressionsdiagnostik, Hypothesentests, Messsystemanalysen (Kurz- und Langzeitstudien), Monte-Carlo-Studien zur Unsicherheitsabschätzung

Kennzahlen und statistische Auswertung

Relevante Kennzahlen verbinden Materialleistung, Prozessstabilität und Liefertreue. Eine robuste Quantifizierung umfasst die Definition von Zielwerten, Toleranzen, Messhäufigkeiten und Auswerteverfahren. Zusätzlich werden Eingriffsgrenzen (Warn- und Eingriffsgrenzen), Stichprobenpläne und Berichtsformate festgelegt, um Entscheidungen konsistent und zeitnah zu treffen.

  • Materialkennwerte: ECT/BCT-Zielbänder, Grammaturtoleranzen, Dicke, Biegesteifigkeit, Cobb, Feuchte
  • Prozesskennzahlen: Ausschussquote, Prozessfähigkeit (Cp, Cpk), Durchlaufzeiten, Rüstzeiten, Energie- und Rohstoffeinsatz
  • Qualitätsindikatoren: Reklamationsquote, Trendanalysen, Stabilität nach Transport- und Klimabelastung
  • Ergänzende KPIs: Pp/Ppk (gesamt- vs. kurzzeitige Fähigkeit), OEE-bezogene Kennzahlen in der Weiterverarbeitung, Servicegrad und Termintreue

Neben Materialkennwerten ist es wesentlich, die korrekten Abmessungen für Zuschnitte und Faltkisten eindeutig festzulegen, um Maßhaltigkeit und Passgenauigkeit sicherzustellen und Folgekosten durch Passungsfehler zu vermeiden. Dazu gehören u. a. sauber definierte Toleranzketten, Referenzkanten, Rillabstände sowie die eindeutige Spezifikation von Netto- und Innenmaßen.

Normen, Prüfklima und Kalibrierung

Quantitative Ergebnisse sind nur vergleichbar, wenn sie unter standardisierten Bedingungen ermittelt werden. Dazu gehören definierte Prüfklimata, genormte Probenahme- und Konditionierungsverfahren sowie rückführbar kalibrierte Messmittel. Relevante Normen regeln u. a. Flächengewicht, Feuchte, Dicke, Stauch- und Druckprüfungen sowie Klimabedingungen. Für ECT, BCT und Grammatur existieren internationale Normreihen, ebenso für Konditionierung und Probenvorbereitung.

  • Prüfklima und Konditionierung: Durchführung unter konstanten Temperatur- und Feuchtebedingungen
  • Kalibrierung: regelmäßige, rückführbare Kalibrierung aller Messgeräte und Prüfmaschinen
  • Dokumentation: Prüfpläne, Messreihen, Chargenverfolgung und Berichtsformate für Audits und interne Analysen
  • Referenzierung: Normkonforme Probenahme, eindeutige Probenkennzeichnung, Prüfmittelüberwachung mit Kalibriersiegeln und Zertifikaten

Prozessintegration und Datennutzung

Wirksam wird die Quantitative Analyse durch ihre Integration in den Produktionsalltag: definierte Stichprobenpläne, klare Eingriffsgrenzen, Ursachenanalysen bei Abweichungen und kontinuierliche Verbesserungszyklen. Digitale Erfassung (MES/CAQ), automatisierte Auswertungen und Visualisierungen (Regelkarten, Histogramme) unterstützen schnelle, nachvollziehbare Entscheidungen. Zusätzlich erhöhen Daten-Governance (Versionierung von Spezifikationen), Plausibilitätsprüfungen und rollenbasierte Freigaben die Datenqualität und Prozesssicherheit.

  1. Messplan erstellen: Prüfmerkmale, Frequenz, Probenahmeorte, Verantwortlichkeiten
  2. Datenqualität sichern: Schulungen, MSA, Plausibilitätsprüfungen, Kalibrierstatus
  3. Analyse und Reaktion: SPC, Trend- und Korrelationsanalysen, definierte Korrekturmaßnahmen
  4. Wirksamkeit bewerten: Nachmessungen, Audit-Trails, Lessons Learned, Standardaktualisierung

Ergänzend empfiehlt sich eine geschlossene Rückverfolgbarkeit von Rohpapier über das Wellpappenaggregat bis zur konfektionierten Verpackung. So lassen sich Ursachenketten bei Abweichungen verlässlich rekonstruieren, beispielsweise bei klimabedingten Festigkeitsschwankungen oder klebstoffbezogenen Haftungsproblemen.

Datenvisualisierung und Reporting

Übersichtliche Dashboards, Regelkarten und Fähigkeitsberichte erleichtern die Interpretation. Frühwarnindikatoren (z. B. Drift in der Dickenverteilung, ansteigende Feuchte) werden hervorgehoben, während automatische Alarme bei Grenzwertverletzungen unmittelbare Reaktionen auslösen. Standardisierte Berichte fördern ein gemeinsames Verständnis zwischen Produktion, Qualitätssicherung und Entwicklung.

  • Visualisierungen: Histogramme, Boxplots, Fähigkeitsdiagramme, Trendkurven mit Konfidenzbändern
  • Berichte: automatisierte Los- und Chargenreports, Prüfmittel-Statusberichte, Abweichungs- und Maßnahmenprotokolle
  • Kennzahlensteuerung: Ampellogiken, KPI-Targets, periodische Management-Reviews

Versuchsplanung (DoE) und Ursachenanalyse

Mit Versuchsplanung werden Einflussgrößen (z. B. Temperatur, Pressdruck, Klebstoffrezeptur, Bahnspannung) systematisch variiert, um robuste Prozesseinstellungen abzuleiten. Effekte und Wechselwirkungen werden quantifiziert, wodurch sichere Stellhebel für Festigkeit, Maßhaltigkeit und Verarbeitbarkeit identifiziert werden. Ursachenanalysen kombinieren Datensichtung, Hypothesentests und Bestätigungsexperimente.

Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz

Die Quantitative Analyse unterstützt Ressourceneffizienz durch zielgerichtete Materialeinsparung, reduzierte Ausschussquoten und energieoptimierte Prozesse. Messbare Reduktionen von Grammatur, Klebstoffauftrag und Trocknungsenergie werden mit Festigkeits- und Funktionsanforderungen abgeglichen. Dadurch entstehen ausbalancierte Spezifikationen, die Leistung und Ressourceneinsatz transparent verknüpfen.

Häufige Fehlerquellen und Best Practices

  • Korrelation vs. Kausalität: Zusammenhänge statistisch prüfen und durch Experimente absichern
  • Unklare Spezifikationen: Prüfmerkmale, Testbedingungen und Berechnungsregeln eindeutig dokumentieren
  • Ungeeignete Stichproben: Repräsentativität sicherstellen, Losgrößen und Prozessvarianten abdecken
  • MSA vernachlässigt: Wiederholbarkeit/Reproduzierbarkeit prüfen, Messunsicherheiten berücksichtigen
  • Klimatische Einflüsse ignoriert: Konditionierung und Transportklima in Prüfplänen verbindlich festlegen

Praxisbeispiel: Anwendung der Quantitativen Analyse im Verpackungsprozess

Ein Werk implementiert SPC für Rillgenauigkeit und ECT. Nach Datenerfassung über mehrere Wochen zeigen Regelkarten eine Temperaturdrift am Aggregat als Haupttreiber für ECT-Schwankungen. Eine DoE-Studie bestätigt den Einfluss von Klebstoffviskosität und Bahngeschwindigkeit. Die Anpassung der Temperaturprofile, engere Viskositätsfenster und eine präzisere Bahnspannungsregelung erhöhen Cpk für ECT signifikant, während die Maßhaltigkeit der Zuschnitte durch nachgeschaltete Rillkontrollen stabilisiert wird. Parallel sinken Rüstzeiten durch standardisierte Material- und Parameterwechsel.

Vor- und Nachteile von Quantitativen Analysen

Ein klarer Vorteil der Quantitativen Analyse ist ihre Genauigkeit. Sie ermöglicht eine exakte Bewertung von Produkteigenschaften, die auf Vermutungen oder Erfahrungswerten basierende Verfahren nicht leisten können. Ebenso ermöglicht sie durch die Verwendung fester Messwerte einen Vergleich zwischen verschiedenen Materialien, Produktionschargen oder Prozesszuständen. Ein Nachteil kann der erhöhte Aufwand sein, der mit der Durchführung solcher Analysen verbunden ist. Dies umfasst nicht nur den Erwerb und die Wartung der benötigten Ausrüstung, sondern oft auch spezialisierte Kenntnisse und geschultes Personal. Zusätzlich müssen Messsysteme gepflegt, Daten konsistent dokumentiert und Ergebnisse korrekt interpretiert werden. Der Nutzen steigt mit der Disziplin in der Anwendung: klare Spezifikationen, saubere Datenerfassung und regelmäßige Wirksamkeitskontrollen.

  • Vorteile: Objektivität, Vergleichbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Frühwarnsysteme durch SPC
  • Herausforderungen: Initialaufwand, Schulungsbedarf, Messunsicherheit, Datenmanagement
  • Risikovermeidung: klare Prüfpläne, definierte Eingriffsgrenzen, regelmäßige Wirksamkeitskontrollen
  • Zusatznutzen: belastbare Entscheidungsgrundlagen für Entwicklung, Einkauf und Logistik, transparente Kommunikation mit Stakeholdern

Zusammenfassung:

  • Die Quantitative Analyse ist ein wichtiger Aspekt in der Qualitätskontrolle von Unternehmen, die Wellpappe Verpackungen herstellen, da sie zur Leistungsbewertung und Verbesserung beiträgt.
  • Durch den Einsatz quantitativer Methoden können Verpackungshersteller die Qualität und Belastbarkeit ihrer Produkte objektiv messen und so sicherstellen, dass sie den Anforderungen der Kunden entsprechen.
  • Eine effektive Quantitative Analyse hilft auch dabei, den Materialverbrauch zu optimieren und so Kosten zu senken, was insbesondere bei der Produktion von Wellpappe Verpackungen signifikant ist.
  • Standardisierte Prüfbedingungen, rückführbare Kalibrierung und Messsystemanalysen erhöhen die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Kennzahlen.
  • Statistische Prozesskontrolle, geeignete Kennzahlen und klare Eingriffsgrenzen ermöglichen stabile Prozesse und reproduzierbare Ergebnisse.
  • Die Kombination aus Materialprüfungen, Prozessdaten und strukturierter Auswertung schafft Transparenz über Qualitäts- und Effizienzpotenziale.
  • Konsequente Dokumentation, Datenvisualisierung und Versuchsplanung unterstützen eine nachhaltige, faktenbasierte Weiterentwicklung von Materialien, Prozessen und Verpackungsdesigns.

Veröffentlicht am 04.07.2024
Letzte Überarbeitung am 03.12.2025 um 09:33 Uhr von Julia Kopp

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