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Selbstklebeverschlüsse
Bei der Planung von Versandmaterialien spielt der richtige Verschluss eine wesentliche Rolle. Selbstklebeverschlüsse, die in der Wellpappenverpackungsindustrie häufig verwendet werden, überzeugen durch ihre einfache Handhabung und Sicherheit. Sie ermöglichen kurze Prozesszeiten, reduzieren Fehlerquellen beim Verkleben und unterstützen eine reproduzierbare Packqualität über unterschiedliche Einsatzbedingungen hinweg. Insbesondere in dynamischen Versandketten mit wechselnden Klimabedingungen und hohen Taktzahlen sorgen sie für eine konstante Prozessfähigkeit. Durch standardisierte Abläufe lassen sich zudem Ergonomie- und Arbeitssicherheitsaspekte verbessern, was die Fehlerquote im Fulfillment spürbar senken kann.
Definition: Was versteht man unter Selbstklebeverschlüssen?
Als Selbstklebeverschlüsse bezeichnet man Verschlüsse, die ohne zusätzliche Klebstoffe oder Hilfsmittel ihre haftende Wirkung entfalten. Sie sind mit einem Schutzstreifen (Liner) versehen, der vor Gebrauch entfernt wird, um den Klebestreifen freizulegen. Typisch ist ein druckempfindlicher Haftklebstoff (Pressure Sensitive Adhesive, PSA), der durch leichten Anpressdruck sofort haftet. Es wird zwischen permanent haftenden, ablösbaren und repositionierbaren Varianten unterschieden. Die Anwendungsbereiche dieser Verschlüsse sind vielfältig, aber besonders in der Verpackungsindustrie und speziell bei Wellpappkartons haben sie sich etabliert. PSA-Systeme benötigen keine Aushärtung, sondern erreichen ihre Endhaftung über Benetzung und Scherübertragung; gegenüber Nassleimen sind sie damit prozesssicherer und weniger abhängig von offenen Zeiten. Für spezielle Anforderungen existieren temperaturbeständige oder tiefkühltaugliche Formulierungen sowie tamper-evidente Lösungen, die Manipulationen sichtbar machen.
Herstellung von Selbstklebeverschlüssen
Bei der Produktion von Selbstklebeverschlüssen wird ein Trägermaterial – häufig Papier, Kunststofffolie oder Gewebe – mit einem Kleber beschichtet. Dieser ist in der Regel druckempfindlich, sodass die Verschlüsse durch einfaches Andrücken kleben. Es wird unterschieden zwischen ein- und doppelseitigem Kleber. Zudem variieren Trägermaterial und Klebesubstanz je nach Anforderungen an die Verschlussfunktion. Vor der Beschichtung können Träger durch Corona- oder Plasmavorbehandlung sowie Primer für eine optimale Klebstoffhaftung konditioniert werden; die aufgebrachte Klebstoffmenge (Coat Weight) wird prozessseitig überwacht, um definierte Schäl- und Scherwerte zu erzielen.
Die Beschichtung erfolgt in industriellen Prozessen, z. B. mittels Rakel-, Walzen- oder Extrusionsverfahren. Häufige Klebstoffsysteme sind Acrylat-PSA (alterungs- und UV-beständig), Kautschuk-/Harz-Systeme (sehr hohe Anfangshaftung) sowie Hotmelt-PSA (schnelle Verarbeitung, hohe Tack-Werte). Der Liner wird in der Regel silikonisiert, damit er sich rückstandsfrei abziehen lässt. Nach dem Beschichten folgen Trocknung bzw. Abkühlung, Konfektionierung, Schneiden und das Aufbringen von Abdeckstreifen oder Zipper-/Aufreißelementen. Qualitätssichernde Prüfungen (z. B. Schälhaftung, Scherfestigkeit, Anfangsklebkraft) stellen die reproduzierbare Performance sicher. In der Praxis werden Prüfmethoden nach gängigen Branchenstandards eingesetzt (z. B. FTM/AFERA/FINAT-Verfahren), ergänzt um Klimatests für unterschiedliche Temperatur- und Feuchtebereiche sowie Prozessfähigkeitsnachweise (z. B. statistische Stichproben und Langzeitlagerungen).
Typische Materialkombinationen und Eigenschaften
- Träger: Kraftpapiere für gute Reißfestigkeit, PP/PET-Folien für Formstabilität, Gewebe für hohe Zugfestigkeit.
- Klebstoffe: Permanent für Einmalverschlüsse, ablösbar für temporäre Fixierungen, Spezialsysteme für niedrige Oberflächenenergie.
- Liner: Silikonpapier oder PE-beschichtetes Papier für sauberes Ablösen und Prozesssicherheit.
- Primer/Topcoats: Oberflächenvorbehandlungen zur Erhöhung der Benetzbarkeit und zur Stabilisierung der Klebkraft über die Lagerdauer.
- Aufreißhilfen: Integrierte Fäden oder Bänder ermöglichen kontrolliertes Öffnen ohne Werkzeug und unterstützen Rücksendeprozesse.
Einsatz von Selbstklebeverschlüssen bei Wellpappe
Bei Wellpappe kommen häufig Selbstklebeverschlüsse zum Einsatz. Dabei handelt es sich nicht selten um Klebebänder, die über eine Klebeschicht verfügen. Sie ermöglichen ein schnelles und sicheres Verschließen der Kartons und können zudem individuell bedruckt werden. So dienen sie nicht nur der Verschlusssicherheit, sondern auch der Markenpräsentation oder weiterer wichtiger Informationen. Je nach Wellenart (z. B. E-, B- oder BC-Welle), Außendeckenqualität (Kraftliner/Testliner) und Oberflächenfinish (ungestrichen/gestrichen, lackiert/bedruckt) sind unterschiedliche Klebstoffrezepturen sinnvoll, um eine zuverlässige Benetzung und Haftung zu gewährleisten.
In der Praxis werden Streifen mit Abdeckliner an Klappen oder Laschen angebracht. Nach dem Befüllen wird der Liner entfernt, die Klappe angedrückt und der Karton dauerhaft geschlossen. Für Rücksendungen sind Varianten mit zusätzlichem Zweitklebestreifen verbreitet, ergänzt durch integrierte Aufreißfäden für ein kontrolliertes Öffnen. Die Haftleistung hängt u. a. von der Oberflächenenergie, der Porosität der Wellpappenaußenlage, dem Anpressdruck und der Temperatur beim Verkleben ab. Zusätzlich beeinflussen Staub, Faserausrisse an Schnittkanten, Beschichtungen (z. B. Dispersionslacke) sowie die Rückstellkräfte der Klappen das Ergebnis, weshalb eine angepasste Streifenbreite und -position entscheidend ist.
Zur Orientierung bei Standardlösungen kann eine externe Übersicht hilfreich sein – etwa eine große Auswahl sofort verfügbarer Verpackungen ab Lager, die typische Einsatzfälle und gängige Kombinationen von Kartonagen und Verschlussarten veranschaulicht. Für anspruchsvolle Anwendungen lohnt eine Validierung im vorgesehenen Prozessfenster (z. B. Winter-/Sommerbedingungen, Transportprüfungen) sowie eine Prüfung der Öffnungscharakteristik im Hinblick auf Produktschutz und Kundenerlebnis.
Verarbeitungsaspekte in der Linie
- Manuell: Abziehen des Liners und Verkleben per Hand; geeignet für kleinere Stückzahlen und variable Formate.
- Halbautomatisch/automatisch: Applikationseinheiten bringen Streifen takt- oder kontinuierlich auf; wichtig sind präzise Positionierung, Planlage und gleichmäßiger Anpressdruck.
- Qualitätssicherung: Stichprobenprüfungen von Schäl- und Scherwerten, Sichtkontrolle auf Blasenbildung, Falten oder Staubeinschlüsse.
- Umgebungsbedingungen: Vermeidung von Zugluft, zu niedrigen Temperaturen und Kondensatbildung; Konditionierung der Kartonagen vor Verarbeitung.
- Linerabzug: Konstanter Abzugswinkel und -geschwindigkeit minimieren Faltenbildung und ungleichmäßige Klebstoffexposition.
Vor- und Nachteile der Selbstklebeverschlüsse
Eine Vielzahl von Vorteilen spricht für den Einsatz von Selbstklebeverschlüssen bei Wellpappenverpackungen. Sie lassen sich leicht verarbeiten, bieten eine hohe Verschlusssicherheit und können individuell angepasst werden. Dennoch gibt es auch Nachteile zu berücksichtigen. So können die Kosten für solche Verschlüsse höher sein als bei manchen Alternativen. Zudem können je nach eingesetztem Material und Kleber recycling-technische Herausforderungen auftreten. Dennoch lassen die vielen positiven Aspekte von Selbstklebeverschluss-Lösungen sie zu einer beliebten Wahl in der Wellpappenverpackungsindustrie werden. Zusätzlich zu Material- und Prozesskosten sind Lagerbedingungen (Temperatur, UV-Licht, Feuchte) und Verfallsdaten zu beachten, da diese die Klebleistung über die Zeit beeinflussen können.
Vorteile im Überblick
- Prozesssicherheit: Reproduzierbare Klebeleistung ohne separate Leimaufträge.
- Geschwindigkeit: Kurze Taktzeiten durch sofortige Haftung ohne Aushärtung.
- Sauberkeit: Kein Auslaufen, keine Düsen, geringe Reinigungsaufwände.
- Funktionale Optionen: Doppelstreifen für Rücksendungen, integrierte Aufreißelemente, Bedruckbarkeit.
- Skalierbarkeit: Von manueller bis vollautomatischer Applikation auf unterschiedlichen Linien integrierbar.
Mögliche Einschränkungen
- Kostenstruktur: Höhere Materialkosten gegenüber rein mechanischen Verschlussarten.
- Empfindlichkeit gegenüber Bedingungen: Haftleistung kann bei niedrigen Temperaturen, hoher Staubbelastung oder sehr rauen Oberflächen sinken.
- Recyclingaspekte: Klebstoff- und Trägerreste müssen in der Faseraufbereitung beherrscht werden.
- Alterung: Unzureichende Lagerung kann zu verringerter Tack oder Versprödung des Klebfilms führen.
Auswahl- und Auslegungsparameter
Für eine geeignete Auslegung sind mehrere Parameter relevant: Qualität der Außendecke (gestrichen/ungestrichen), Porosität, Feuchte- und Temperaturbereich bei Verarbeitung und Transport, gewünschte Öffnungscharakteristik (einmalig manipulationssicher oder wieder verschließbar), geforderte Schäl- und Scherwerte, sowie der verfügbare Platz für Streifen und Aufreißhilfen. Auch die erwartete Belastung durch Rückstellkräfte der Kartonklappen sowie die Dauer bis zur Erstöffnung spielen eine Rolle. Zusätzlich sollten die Streifenbreite, der Lineraufbau (z. B. Glassine- vs. PE-beschichtetes Papier) und die Kompatibilität mit Bedruckungen, Lacken oder Barriereschichten geprüft werden.
Typische Prüfgrößen
- Schälhaftung (Peel): Widerstand gegen Abziehen des Streifens.
- Scherfestigkeit (Shear): Widerstand gegen Verschieben unter Last.
- Anfangsklebkraft (Tack): Sofortige Haftung bei kurzem Kontakt.
- Loop-Tack/Rolling-Ball: Methoden zur Bewertung der initialen Klebneigung in definierten Testaufbauten.
- Klimabeständigkeit: Verhalten nach Konditionierung unter definierten Temperatur- und Feuchteprofilen.
Nachhaltigkeit und Recycling
Bei der Faserstoffrückgewinnung werden Klebstoffe als Störstoffe betrachtet, sofern sie in großen Mengen auftreten oder nicht ausreichend entfernbar sind. Daher kommen zunehmend klebstoffseitig optimierte Systeme zum Einsatz, die in der Papieraufbereitung besser separierbar sind. Zusätzlich reduziert eine präzise Dosierung die Materialmenge pro Einheit. Sortenreine Papierträger und geeignete Liner erleichtern die stoffliche Verwertung. Darüber hinaus unterstützen Monomaterialansätze und die Minimierung von Farb- und Additivanteilen die Qualität der Rezyklate; prozessseitig helfen effizientes Sieben, Flotieren und Stickies-Management, Klebstoffpartikel im Kreislauf zu beherrschen.
Praxisempfehlungen
- Oberflächen vor dem Verkleben staubfrei halten und ausreichend andrücken.
- Verklebung bevorzugt im empfohlenen Temperaturfenster durchführen und Temperaturschocks vermeiden.
- Streifenbreite und -position so wählen, dass Scherkräfte zuverlässig aufgenommen werden.
- Für Retourenprozesse Doppelstreifen plus definierte Aufreißlösung vorsehen.
- Vor Serienstart Musterprüfungen unter realistischen Bedingungen durchführen.
- Lagerbedingungen (trocken, lichtgeschützt, moderate Temperaturen) einhalten und First-in/First-out-Prinzip nutzen.
- Regelmäßige Linienaudits und Schulungen etablieren, um Anpressdruck und Applikationsposition zu standardisieren.
Lagerung und Haltbarkeit
Selbstklebeverschlüsse sollten in der Originalverpackung trocken, staubfrei und vor UV-Strahlung geschützt gelagert werden. Temperatur- und Feuchtespitzen können die Viskosität des Klebstoffs und damit die Haftleistung beeinflussen. Eine definierte Lagerdauer mit periodischer Requalifizierung unterstützt die gleichbleibende Performance, insbesondere bei saisonalen Schwankungen oder verlängerten Lagerzeiten.
Vergleich zu alternativen Verschlussarten
Im Vergleich zu Heißleimapplikationen entfallen Aufheizzeiten, Düsenwartung und die Abhängigkeit von offener Zeit. Gegenüber Nassklebebändern punkten Selbstklebeverschlüsse mit sauberer Handhabung und prozesssicherer Soforthaftung, während Nassklebebänder Vorteile bei faserfester Verbindung auf rohen Papieroberflächen bieten können. Mechanische Verschlüsse (z. B. Klammern, Umreifungen) sind materialarm, erfordern jedoch teils höhere Investitionen in Geräte und liefern eine andere Öffnungscharakteristik.
Häufige Anwendungsfälle und Beispiele
Typische Anwendungen umfassen Versandkartons mit Einmalverschluss, E-Commerce-Verpackungen mit Zweitklebestreifen für Rücksendungen, Muster- und Dokumentenversand mit ablösbaren Streifen sowie Packstücke mit integrierten Aufreißhilfen für definierte Öffnungskräfte. Bei großformatigen Kartonagen werden breitere Streifen eingesetzt, um Scherkräfte über größere Überlappungen sicher abzutragen.
Fehlerbilder und Abhilfe
Kommt es zu unzureichender Haftung, sind häufig Staub, niedrige Verarbeitungstemperaturen, unpassende Klebstoffsysteme oder zu geringer Anpressdruck die Ursache. Abhilfe schaffen gereinigte Oberflächen, angepasste Klimatisierung, die Wahl eines geeigneten PSA-Systems sowie die Optimierung der Streifenbreite und -position. Bei vorzeitigem Linerabriss oder Faltenbildung sollten Abzugswinkel, Prozessgeschwindigkeit und die Planlage der Kartonklappen überprüft werden.
Zusammenfassung:
- Selbstklebeverschlüsse sind praxisorientierte, zeitsparende Verschlusstechniken, die perfekt für den schnelllebigen Verpackungsbedarf von Unternehmen geeignet sind.
- Dank ihrer selbstklebenden Eigenschaft ermöglichen sie eine einfache und effiziente Handhabung, insbesondere bei der Nutzung von Wellpappe-Verpackungen.
- Sie bieten eine sichere, stabile und dennoch leicht zu öffnende Versiegelungsoption, die die Integrität der in der Verpackung enthaltenen Produkte gewährleistet.
- Die Auswahl des geeigneten Systems hängt von Untergrund, Prozessbedingungen und geforderten Kennwerten (Schäl-, Scher- und Tack-Werte) ab.
- Durch standardisierte Prüfungen und saubere Verarbeitung lässt sich eine konstante Verschlussqualität erzielen.
- Recyclinggerechte Materialwahl und maßvolle Klebstoffeinsätze unterstützen eine ressourcenschonende Kreislaufführung.
Veröffentlicht am 04.06.2024
Letzte Überarbeitung am 18.12.2025 um 09:32 Uhr von Sebastian Würth