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Behälterkarton
Behälterkarton bildet die materialtechnische Grundlage für zahlreiche Lösungen aus Wellpappe: Als tragfähiges, faserbasiertes Rohmaterial ermöglicht er effiziente Transport-, Lager- und Versandanwendungen bei gleichzeitig geringem Eigengewicht. Seine Kombination aus Festigkeit, Formbarkeit und guter Bedruckbarkeit macht ihn zu einem praxistauglichen Werkstoff für standardisierte und individuelle Konstruktionen. In der logistischen Kette überzeugt Behälterkarton durch ein günstiges Verhältnis von Materialeinsatz zu Leistungsfähigkeit, eine hohe Prozesssicherheit in automatisierten Verpackungslinien sowie verlässliches Falt- und Rillverhalten für reproduzierbare Packmaße.
Im Wellpapp‑Kontext bezeichnet Behälterkarton in der Regel die für Decken- und Wellenbahnen eingesetzten Rohpapiere (Liner und Fluting), die auf Wellpappenanlagen zu ein- oder mehrwelligen Verbünden verarbeitet werden. Der Begriff wird teils auch für daraus gefertigte Zuschnitte und Kartonagen verwendet; maßgeblich sind dabei stets die mechanischen Kennwerte und die geforderte Performance im Anwendungsfall. In der Fachsprache findet sich zudem die Bezeichnung Containerboard für die Summe der Deckenpapiere (Kraftliner, Testliner) und des Wellenstoffs; entscheidend ist jeweils die geforderte Trag- und Stapelfähigkeit im konkreten Einsatz.
Definition: Was versteht man unter Behälterkarton?
Das Herzstück des Verpackungssegments stellt der Behälterkarton dar. Er ist ein stabiles Material, das primär aus Holz- und Recyclingfasern besteht. Im engeren Sinn umfasst er die Papiersorten, die als Liner (Deckenpapiere) und Wellenstoff (Fluting) in der Wellpappenherstellung eingesetzt werden. Aus der Kombination einer gewellten Mittellage mit flachen Decklagen entsteht ein Verbund, der bei geringem Flächengewicht hohe Druck- und Biegefestigkeiten ermöglicht. Die Fasermischung (Primär- und Sekundärfasern), die Faserorientierung in Maschinen- und Querrichtung (MD/CD) und die Oberflächenbeschaffenheit der Lagen bestimmen das mechanische und bedruckungstechnische Verhalten des Verbunds.
Typische Flächengewichte der Lagen reichen – abhängig vom Einsatz – von etwa 100 bis 440 g/m². Fasermischung, Leimung und Oberflächenbehandlung beeinflussen Eigenschaften wie Steifigkeit, Kantenstauchwiderstand, Durchstoß- und Berstfestigkeit sowie das Feuchteverhalten. Der kontinuierliche Herstellprozess bewirkt, dass der Behälterkarton nicht nur stabil und widerstandsfähig ist, sondern auch leicht, prozesssicher und flexibel. Zusätzliche Veredelungen (z. B. Dispersionsbeschichtungen) können Reibwerte, Feuchterobustheit oder Barriereeffekte anwendungsspezifisch anpassen.
Materialvarianten und Wellenarten
- Wellenarten: E-, B-, C-, BC- und EB-Welle für unterschiedliche Polster- und Druckeigenschaften
- Aufbauten: einwellig, zweiwellig (Doppelwelle) oder dreiwellig für höhere Trag- und Stapelfähigkeit
- Oberflächen: natur, gebleicht oder beschichtet für spezifische Anforderungen an Optik, Reibung oder Feuchteschutz
- Erweiterte Spezifikationen: A- und F‑Welle für besondere Dämpfung bzw. feine Bedruckung; Kombinationen wie AC oder BE zur Anpassung an Lastprofile
- Papiersorten: Kraftliner und Testliner für Decklagen, recycelter oder halbchemischer Wellenstoff für Mittellagen; optional nassefeste oder hydrophobierte Qualitäten
Herstellungsprozess eines Behälterkartons
Der Produktionsprozess umfasst die Fertigung der Rohpapiere sowie deren Weiterverarbeitung zur Wellpappe und zu Zuschnitten. Beide Stufen bestimmen die späteren Leistungseigenschaften.
- Rohpapierproduktion: Aus aufbereiteten Holzfasern bzw. überwiegend Altpapier entsteht ein Faserstoff, der auf die Papiermaschine gegeben, gepresst, getrocknet, geglättet und auf Rollen gewickelt wird. Rezepturen und Prozessparameter legen Flächengewicht, Festigkeit und Feuchteverhalten fest.
- Wellpappenherstellung: Der Wellenstoff wird über Riffelwalzen profiliert und mit stärkehaltigem Klebstoff an eine oder zwei Deckenpapiere geklebt. Nach Trocknung, Konditionierung, Rillen und Schneiden entstehen Bahnen oder Zuschnitte für die Weiterverarbeitung.
- Konfektionierung und Weiterverarbeitung: Zuschnitte werden gerillt, gestanzt, geklebt oder geheftet. Drucktechniken wie Flexodirektdruck, Preprint oder Digitaldruck ermöglichen informations- und markierungsrelevante Kennzeichnungen. Maßhaltigkeit, Planlage und adhäsive Verbundqualität sichern die spätere Schachtelperformance.
Das Resultat ist ein effizientes Material für den Transport und die Lagerung von Waren unterschiedlichster Art. Die Wahl von Wellengeometrie, Klebstoff und Prozessfeuchte beeinflusst Planlage, Klebefestigkeit sowie Kantenstauchwiderstand (ECT); Feinwellen unterstützen hochwertige Bedruckung, Doppel- oder Dreiwellensorten tragen höhere Lasten. Prozessstabilität entsteht durch abgestimmte Feuchteprofile, präzise Riffelwalzentemperaturen, geeignete Klebstoffviskositäten und eine kontrollierte Konditionierung vor der Weiterverarbeitung.
Qualitätsmerkmale und Prüfkriterien
Zur Qualitätssicherung werden standardisierte Kennwerte herangezogen, die sowohl das Rohpapier als auch den Verbund charakterisieren:
- Ring Crush Test (RCT) bzw. Short-Span Compression (SCT) für die Druckfestigkeit der Papierlagen
- Concora Medium Test (CMT) für das Stauchverhalten des Wellenstoffs
- Berst- und Durchstoßfestigkeit für Widerstand gegen punktuelle Belastungen
- Kantenstauchwiderstand (ECT) sowie daraus abgeleitet die Box Compression Strength (BCT) des fertigen Gebindes
- Cobb-Wert und klimatische Konditionierung zur Beurteilung der Feuchteaufnahme
- Flat Crush Test (FCT) für die Flächenstauchfestigkeit von Feinwellen
- Pin Adhesion Test (PAT) zur Bewertung der Klebefestigkeit zwischen Welle und Decke
- Biegesteifigkeit (z. B. Taber) und Planlage zur Einschätzung von Verarbeitbarkeit und Stapelstabilität
- Richtungsabhängigkeiten (MD/CD) zur gezielten Auslegung von Zuschnitten und Rillbildern
Abmessungen und Verarbeitung
Behälterkarton wird als Rolle oder Bogen bereitgestellt und zu Zuschnitten mit definierten Abmessungen, Rillungen und Stanzungen verarbeitet. Präziser Zuschnitt, saubere Rilllinien und passende Rilltiefe sind entscheidend für faltsichere Kanten, stabile Klebungen und reproduzierbare Packmaße. In der Praxis sind klare Rill-Schnitt-Abstände, ein passender Rillkanal und eine auf die Faserorientierung abgestimmte Rillrichtung maßgeblich, um Einreißen an Falzkanten zu vermeiden und die Kantenstauchleistung zu erhalten.
Format- und Schneidtoleranzen, Rillversatz, Klebelaschenbreite sowie die Platzierung von Schlitzungen beeinflussen die spätere Funktionalität, beispielsweise im FEFCO‑Grundtyp 0201. Für automatisierte Linien sind planliegende Bögen, definierte Rillgassen und konstante Reibwerte entscheidend, um Störungen zu vermeiden und Klebe- bzw. Heftprozesse stabil zu halten.
Einsatzgebiete des Behälterkartons
Die Anwendungsbereiche von Behälterkartonen sind weitläufig. In der Verpackungs- und Lagerlogistik sind sie ein unersetzliches Gut. Sie eignen sich hervorragend zur Lagerung von Waren und Produkten unterschiedlicher Art, vom Lebensmittel bis hin zu schweren Industriegütern. Ihre Flexibilität, kombiniert mit ihrer Belastbarkeit, macht sie zur ersten Wahl für viele Unternehmen, die Lager- und Transportlösungen benötigen. Neben klassischen Umverpackungen lassen sich auch einsatzspezifische Konstruktionen für automatisierte Kommissionierung, innerbetriebliche Transporte und rückführbare Mehrwegkonzepte realisieren.
- Faltkartons, Stanzverpackungen, Trays und Gefache für Konsumgüter und technische Komponenten
- E-Commerce- und Versandanwendungen mit Fokus auf Stapelstabilität, Volumenoptimierung und Kennzeichnungsflächen
- Zwischenlagen, Kantenschutz und Einlagen zur Fixierung und Strukturierung von Waren im Gebinde
- Mehrwellige Qualitäten für großformatige Umsetzungen und höhere Stapeldrücke
- Shelf‑Ready‑Lösungen, Displayelemente und Transportverpackungen für die Kühlkette mit feuchteoptimierten Papieren
- Anwendungen mit definierten Fall-, Druck- und Vibrationsanforderungen, z. B. für sensible Geräte oder Bauteile
Durch anforderungsgerechte Materialwahl (Grammaturen, Wellenarten, Aufbauten) lassen sich Schutz, Polsterwirkung und Tragfähigkeit gezielt auslegen und mit wirtschaftlicher Verarbeitung verbinden. Konstruktionen können über Berechnungsansätze (z. B. BCT‑Ermittlung aus ECT) sowie durch praxisnahe Prüfungen abgesichert werden.
Vor- und Nachteile von Behälterkarton
Der größte Vorteil von Behälterkartonen ist ihre Vielseitigkeit. Sie können in unterschiedlichen Größen und Formen hergestellt werden, was sie an unterschiedlichste Produktanforderungen anpassbar macht. Zudem sind sie ökologisch, da sie aus nachhaltigen Rohstoffen bestehen und leicht recycelt werden können. Allerdings bieten sie, je nach Qualität des Kartons, nicht immer ausreichend Schutz für besonders empfindliche Waren und können bei unsachgemäßer Behandlung an Stabilität verlieren. Darüber hinaus wirken klimatische Einflüsse direkt auf Festigkeiten und Maßhaltigkeit, weshalb der Einsatz an die Umgebung angepasst werden sollte.
- Vorteile: variabel konfigurierbar (Flächengewichte, Wellenarten, Aufbauten), geringes Eigengewicht, hohe Recyclingfähigkeit, gute Bedruckbarkeit, effizient in der Weiterverarbeitung. Ergänzend sind Verfügbarkeit von standardisierten Bauformen, gute Skalierbarkeit in Serie sowie Kompatibilität mit gängigen Kennzeichnungs- und Verschlusssystemen zu nennen.
- Grenzen: klima- und feuchteabhängige Festigkeiten, begrenzte Durchstoß- und Kantenresistenz gegenüber punktuellen Belastungen, potenzielle Stabilitätsverluste bei Überlast oder unsachgemäßer Handhabung. Für Anwendungen mit dauerhafter Feuchte, sehr hoher punktueller Last oder stark abrasiven Gütern sind angepasste Qualitäten bzw. Zusatzmaßnahmen (z. B. Innenpolster, Kantenschutzprofile) erforderlich.
Haltbarkeit und Wiederverwendung von Behälterkarton
Behälterkartons sind für ihre Stabilität und Langlebigkeit bekannt. Bei richtiger Lagerung und schonendem Gebrauch können sie über einen langen Zeitraum wiederverwendet werden. Dies hilft Unternehmen nicht nur dabei, Kosten zu senken, sondern trägt auch zum Umweltschutz bei. Die Eigenschaften des Behälterkartons – eine starke Struktur, gute Haltbarkeit und eine umweltfreundliche Qualifikation – machen ihn zu einem wertvollen Bestandteil in jedem Lagersystem. Rotierende Nutzungskonzepte, Kennzeichnungen für Wiederverwendungszyklen und regelmäßige Sichtprüfungen sichern die Einsatzfähigkeit über mehrere Umläufe.
Die Haltbarkeit wird durch Fasermix, Wellenaufbau und Klima beeinflusst. Unter temperierten Bedingungen mit moderater relativer Luftfeuchte bleiben Stauch- und Biegeeigenschaften länger erhalten; erhöhte Feuchte reduziert die Leistungswerte. Für die Wiederverwendung sind trockene, planliegende Lagerung, Schutz vor punktuellen Dauerlasten sowie regelmäßige Sicht- und Funktionsprüfungen empfehlenswert. Empfohlen werden konditionierte Lagerbereiche mit definierter Temperatur- und Feuchteführung, stapelgerechte Palettierung (gleichmäßige Lastverteilung) sowie sachgerechtes Öffnen und Verschließen, um Kanten und Rillen nicht zu schädigen.
Abgrenzung zu verwandten Materialien
Im Sprachgebrauch werden Behälterkarton und Pappkarton teils synonym verwendet. Sachlich unterscheidet man zwischen Rohpapieren für Wellpappe (Liner und Wellenstoff) und fertigen Kartonagen oder Vollpappe-Produkten. Für eine klare Einordnung helfen weiterführende Informationen zu Pappkartons und ihren Eigenschaften. Zusätzlich ist die Abgrenzung zu Vollkarton/Vollpappe relevant: Während Vollpappe ohne Wellenstruktur auskommt und andere Biege- und Durchstoßeigenschaften aufweist, erzielt Behälterkarton im Wellpappverbund eine hohe Kantenstauchleistung bei geringem Flächengewicht.
Zusammenfassung:
- Behälterkarton ist eine spezielle Art von Karton, die vorwiegend in der Verpackungsindustrie genutzt wird und eine wichtige Ressource für Firmen darstellt, die Verpackungen aus Wellpappe produzieren.
- Durch seine hohe Stabilität und Tragfähigkeit ist Behälterkarton besonders geeignet für die Herstellung von robusten und langlebigen Verpackungen, was ihn zu einer idealen Wahl für Wellpappverpackungen macht.
- Aufgrund seines geringen Gewichts, seiner einfachen Handhabung und seiner hohen Recycling-Fähigkeit, bietet der Einsatz von Behälterkarton zudem ökonomische und ökologische Vorteile, was ihn zu einem nachhaltigen Material für die Verpackungsproduktion macht.
- Qualitätsmerkmale wie RCT, CMT, ECT, BCT und Cobb-Wert unterstützen die Auswahl und Auslegung für den jeweiligen Einsatzzweck.
- Geeignete Lagerbedingungen und definierte Sichtprüfungen verlängern die Nutzungsdauer und ermöglichen wiederholte Einsätze, solange keine strukturellen Schäden vorliegen.
- Die sorgfältige Auslegung von Wellenart, Grammaturen, Rillbild und Klebung gewährleistet verlässliche Performance entlang der logistischen Kette und unterstützt eine prozesssichere Weiterverarbeitung.
Veröffentlicht am 04.08.2024
Letzte Überarbeitung am 09.09.2025 um 15:19 Uhr von Julia Kopp